Bitcoin in Irland

(c) Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Der Bitcoin hat viele faszinierende Eigenschaften. Eine der schönsten davon ist, dass ihm Nationalstaatlichkeit und Grenzen nicht nur egal sind, sondern als Begriff in seinem Protokoll überhaupt nicht existieren. Der Bitcoin ist so international wie das Internet. Daher stellen wir hier in lockerer, leider wohl unregelmäßiger Folge, in Gastbeiträgen das Bitcoin-Geschehen aus anderen Ländern vor. Der erste Teil geht um Irland.

By Scott Moore

Zwar hat der Bitcoin in Irland nicht so viel Staub aufgewirbelt, wie in den USA oder in Russland, aber in der globalen Liste der Länder mit den meisten Nodes steht Irland mit 400 auf Rang 40 – was bei einer Bevölkerungsanzahl von wenigen Millionen beachtlich ist. Auch wenn der Bitcoin in Irland erst noch dabei ist, bekanntzuwerden, wurde er bereits genutzt, sowohl im Norden als auch im Süden.

457169_web_R_K_by_Sabine Kempf_pixelio.deDie wichtigste Organisation, die in Irland mit dem Bitcoin arbeitet, ist Eircoin, Irlands größter Bitcoin-Händler. Der Service akzeptiert Bestellungen ab 50 Euro und verspricht, Transaktionen innerhalb einer Stunde zu prozessieren. Die Gebühr beträgt 4,99 Prozent. Viele und vielleicht mehr Leute in Irland nutzen jedoch den Deutschen Marktplatz Bitcoin.de, das mit einer Gebühr von 0,5 Prozent auch deutlich günstiger ist. Weitere Organisationen und Individuen, die Interesse an Bitcoin gezeigt haben, sind die Non-Profit-Organisation Digital Rights Ireland, die die virtuelle Währung für Spenden akzeptiert, und, allem voran, die vielversprechende Firma Circle. Ihr Geschäftsführer Jeremy Allaire plant, die Anzahl der Jobs in seiner internationalen Zentrale in Dublin zu vergrößern. Ein weiteres Beispiel ist die Elektronikfirma GSM Solutions, die ein Bitcoin-Verkäufer wurde. Von einigen Iren wurde auch bekannt, dass sie am Marktplatz Silk Road beteiligt waren, wo illegale Waren gegen Bitcoins gehandelt wurden.

Neben wenigen großen Unternehmen gibt es viel Aktivität in kleineren, traditionellen Geschäften. Im Mai vergangenen Jahres akzeptierte der Besitzer eines Kaffeestandes den Bitcoin für Kaffee. Auch wenn nicht bekannt ist, ob jemals ein Kunde Kaffee mit Bitcoins gekauft hat, so hat sich doch die Community engagiert und verschiedenen Leuten Kaffee ausgegeben und damit Interesse hervorgerufen. Ein professioneller Unterhalter in Dublin, Zenith Quinn, akzeptiert ebenfalls Bitcoins.

Dublin und Umgebung genießen die Präsenz einer starken Bitcoin-Community. Event finden einige Mal im Monat statt, meist nehmen etwa 50 Leute teil. Dabei werden workshops angeboten, wo die Teilnehmer etwas über Kryptographie und die inneren Mechanismen des Bitcoins erfahren, es gibt Meet-Ups mit Unternehmen wie Circle, wozu auch Hackathons, Einführungsvorträge und soziale Events gehören. Die wichtigste Bitcoin-Community ist Bitcoin Ireland, der offizielle Irische Bitcoin-Verband, der Bitcoin-Projekte sowie die Verbreitung des Bitcoins in Irland bewirbt. Bitcoin Ireland führt eine wachsende Liste von Bitcoin-Unternehmen auf ihrer Webseite.

In der Irischen Presse war der Bitcoin ein heißes Thema. RTE News, The Irish Examiner und The Irish Independent haben viele Berichte über den Bitcoin gebracht, über sein Potenzial, seine steigende Nutzung unter Technologieunternehmen und über die Kontroversen, die er unter Zentralbankern, vor allem der Europäischen Union, ausgelöst hat.

Irland war eines von der Europäischen Staatsschuldenkrise am meisten betroffenen Länder. Die damit verbundenen Probleme sowie die Abneigung gegen Banker, die untereinander über die Bailouts lachten, haben das Interesse am Bitcoin bestärkt und eine Abneigung gegen die FIAT-Geldsysteme, welche die modernen Volkswirtschaften dominieren, hervorgerufen.

Zentrale Figuren der irischen Bitcoin-Bewegung wie Alan Donohoe, Geschäftsführer von GSM Solutions und Vorsitzender der Irish Bitcoin Association, glauben, dass der Bitcoin in Zukunft öfter benutzt werden wird: „Es ist wie mit allem digitalen: Es ändert die Art, wie wir etwas tun. Alles wird digital. Warum also nicht auch die Währungen?“ so Donohoe gegenüber dem Irish Examiner.

Jeremy Allaire, Geschäftsführer von Circle, glaubt, dass das wichtigste Argument für den Bitcoin seine Sicherheit und Anonymität ist, und dass, sobald es ein sicheres Wechselsystem gibt, der Bitcoin immer stärker werden wird. „Eines der Probleme der gegenwärtigen Situation [im Geldwesen] ist mangelnde Sicherheit und zu viel Betrug,“ erklärte er dem Irish Independent, „Wenn man darüber nachdenkt, gibt es eine Menge Leute und Organisationen, denen man sensible finanzielle Informationen mitteilen muss.“ Allaire betont den systemischen Vorteil des Bitcoins: „Manchmal scheitert das System, und Banken müssen ihre Kunden entschädigen. Das ist nobel, aber es ist auch eine Anerkennung der Fehler des Systems. Mit Bitcoins zu handeln ist um ein vielfaches sicherer, wenn es sich einmal etabliert hat.“

Statistisch betrachtet ist Irland in der Anzahl aktiver Nodes lediglich auf Rang 40. Schaut man aber nach Nodes je Millionen Einwohner, ist Irland auf Platz 16, weit vor Ländern wir Japan und Frankreich sowie anderen Staaten, die der Eurokrise zum Opfer fielen wie etwa Spanien, Italien, Portugal und Griechenland. Das Interesse hat bisher seine Höhepunkte dann erreicht, als sich die Unsicherheit über die Zukunft des Euros mehrte, ein Effekt, der auch in google search trends beobachtet werden kann.

Trotz des Potenzials des Bitcoins, dem zu beobachtenden Scheitern Fiat-Systems, der Wirtschaft zuverlässig zu dienen, sowie der steigenden Spannungen zwischen Regierung und Bevölkerung in Zeiten internationaler Austerität – es bleiben viele Fragen offen. Werden die Bemühungen der Regierung, Wohlstand und monetäre Stabilität sicherzustellen, ausreichen? Und wenn der Euro in weitere Krisen schlittert – wird sich der Bitcoin als Alternative zum Fiat-Geld behaupten?

Das einzige, was als sicher gelten kann, ist, dass die Revolution der Kryptowährungen dabei ist, an Fahrt zu gewinnen. Es wird zu sehen sein, ob ein Land wir Irland weitere Härten der Realität des Fiat-Systems hinnehmen muss und ob es wirklich von der freigeistigen Technologie des Bitcoins profitieren kann.

Disclaimer: Dieser Beitrag entstand als Geschenk von Scott Moore. Ich habe ihm dafür ein Trinkgeld aus den Erträgen aus meinem Newsletterversand gegeben. Wer Scott ebenfalls danken will, dem sei diese Adresse ans Herz gelegt 1KB4Ub98iFaCPUtZmAiBXEJLE2sLc1b7Ri

Über Christoph Bergmann (1629 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

Ein Kommentar zu Bitcoin in Irland

  1. “Die wichtigste Bitcoin-Community ist Bitcoin Ireland, der offizielle Irische Bitcoin-Verband, der Bitcoin-Projekte sowie die Verbreitung des Bitcoins in Irland bewirbt.”

    Und wer oder was macht diesen Verband, der sicher gute Arbeit leistet, zum OFFIZIELLEN Verband? Bei einem so dezentralen Projekt wie dem Bitcoin kommt mir diese Formulierung sehr komisch vor. Nun ja, so selbst ernannte “offizielle” Verbände gibt es ja häufiger.

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