Will work for Bitcoin!

Tip the photographer; (cc) JD Hancock / flickr.com, Creative Common License 2.0

Am Samstag fand im Silicon Valley die erste reale Jobmesse nur zum Thema Bitcoin statt. Auf der Bitcoin Job Fair suchen Bitcoin-Unternehmen vor allem nach technischen Fachkräften. Für Entwickler, Programmierer und Ingenieure eine attraktive Gelegenheit den direkten Einstieg in das ein oder andere kleine, aber viel versprechende Unternehmen zu finden und es mit aufzubauen, solange das wirtschaftliche Bitcoin-Ökosystem noch so attraktive Freiräume bietet.

von Friedemann Brenneis

Auch wenn es naheliegend und offensichtlich ist, dass Bitcoin in der jetzigen Phase vor allem ein interessantes Tätigkeitsfeld für Soft- und Hardware-Experten ist, findet, wer sucht, auch jede Menge Jobangebote für Nicht-Techniker, die auch mit Bitcoin bezahlt werden. Journalisten, Grafiker, Übersetzer oder Filmemacher werden zum Beispiel auch im BitcoinJobs-Subreddit gesucht oder können dort ihre Dienste anbieten. Der Twitter-Account @bitcoinjobs wiederum re-tweetet regelmäßig neue Job-Gesuche der Bitcoin-Branche und das Forum BitGigs bietet Bitcoin-Jobangebote und -Gesuche sortierbar nach verschiedenen Tätigkeitsfeldern.

(cc) Sean MacEntee / flickr.com

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Digitales Geld für digitale Arbeit

Grundsätzlich ist Bitcoin ja auch eine äußerst attraktive Methode um für Arbeitsleistungen zu bezahlen oder damit bezahlt zu werden. Vor allem im digitalen Sektor, bei dem Absprachen und Kommunikation bequem über das Netz stattfinden und auch die Ergebnisse mit ein paar Klicks grenzenlos durchs Netz geschickt werden können, ist die Kryptowährung eine ideale Ergänzung des Workflows. Wenn eh schon alles im Netz stattfindet, warum dann nicht auch die Bezahlung? Vor allem, wenn Auftraggeber und Auftragnehmer aus verschiedenen Ländern kommen und die Überweisung des Lohns auf traditionellem Weg mehrere Tage in Anspruch nehmen würde.

Auch ich als Journalist habe schon für reine Bezahlung in Bitcoin gearbeitet. Meinen Auftraggeber habe ich dabei nie gesprochen, ihn nie wirklich kennen gelernt. Es ging um einen kleinen Übersetzungsjob. Ich war bei meinen Recherchen auf eine neue Bitcoin-Website gestoßen, die einen Währungsrechner-Service anbot und dabei verschiedene Sprachen zur Auswahl hatte. Die deutsche Übersetzung war funktional, aber nicht so richtig geschmeidig. Also habe ich über Twitter angefragt, ob ich da noch einmal redaktionell drüber gehen solle. Wir einigten uns, am nächsten Tag schickte ich die Übersetzungskorrekturen zurück und kurz darauf hatte ich 0,1 Bitcoin in meiner Wallet. Schneller und unkomplizierter war ich bisher noch nie in meinem Leben bezahlt worden.

Dieser Job war für mich eine ebenso ungewöhnliche wie erfreuliche Erfahrung. Denn obwohl wir uns nicht kannten und gänzlich in gegenseitiger Pseudonymität miteinander gearbeitet haben, hatte ich nie das Gefühl an meinem Gegenüber zu zweifeln oder um meine Bezahlung fürchten zu müssen. Wir hatten ja E-Mail und Twitter, um alle nötigen Details zu besprechen. Mehr war nicht nötig. Ob mein Auftraggeber nun wirklich so heißt, wie er in den Mails unterschrieben hat? Ich weiß es nicht, aber es ist mir auch nicht wichtig. Ich habe gute Arbeit geliefert, er hat sie honoriert.

Einzelfall mit Vorbildcharakter

Natürlich ist das nur eine Geschichte, ein Einzelfall. Der nächste Auftraggeber könnte mich genauso gut auch um meinen Lohn zu prellen. Aber das ist ein Phänomen, das ebenso in der analogen Welt und mit „traditionellem“ Geld immer wieder auftaucht. Wer nicht bezahlen will, der bezahlt nicht. Egal ob Euro oder Bitcoin.

Ich für meinen Teil bleibe daher durchaus optimistisch und werde auch weiterhin Jobs annehmen, für die ich nur mit Bitcoin bezahlt werde. Denn letztlich sind es auch bei Bitcoin-Jobs – ganz wie im wahren Leben auch – vor allem Gespür, Bauchgefühl, Erfahrung und Intuition, die man braucht um seriöse Auftraggeber von unseriösen zu unterscheiden. Hat man die, steht dem Arbeiten für Bitcoin nichts im Wege.

Und wer zur nächsten Bitcoin Job Fair fahren will, für den ist vielleicht das Angebot der Universität Nikosia interessant. Diese bietet seit kurzem den Master-Fernstudiengang Digital Currencies an, dessen Einführungskurs mit durchaus interessanten Vorträgen frei und offen für alle Interessierten übers Netz zugänglich ist.

 

Friedemann Brenneis ist freier Hörfunk- und Online-Journalist. In seinem Rechercheblog The Coinspondent sammelt er Interessantes und Kurioses zum Thema Bitcoin und digitale Währungen und schreibt Geschichten, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel auseinandersetzen, den das Bitcoin-Protokoll ermöglicht.

Nachtrag cb: Zum Thema Bitcoin und Jobs erschien vor kurzem ein eher frustrierender Artikel auf Coindesk. Laut diesem hat der Bitcoin „einen kleinen Meilenstein“ erreicht: Der subreddit /r/jobs4bitcoin hat nun 5.000 Leser. Coindesk hat darüber hinaus untersucht, wieviele Profile bei linkedin etwas mit Bitcoin zu tun haben und hat diese nach Ländern aufgeschlüsselt. Die USA ist dabei klar an der Spitze, gefolgt von, mit weitem Abstand, Kanada und Großbritannien. Danach kommen Australien, Frankreich, Irsael, die Niederlande, Spanien, Irland und Belgien. Deutschland fällt, und das ist die schlechte Nachricht, in die Kategorie „andere.“

Über Christoph Bergmann (1568 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

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