Warum man Polizisten ein Eis kaufen sollte

"25 Polizei Spa" von Klaus Nahr von flickr.com. Lizenz nach Creative Commons 2.0

Oder: wie man einen seriösen Bitcoin-Handelsplatz erkennt. Im vierten Teil seines Trading-Guides erklärt Adrian Monk von Scaberia.com, wie er es vermeidet, sich einen Alten Gaul andrehen zu lassen. Egal, ob es um Bitcoin Miner oder Börsen geht. Ein Lob bekommt dabei die Regulierung – denn diese schützt den Kunden davor, übers Ohr gehauen zu werden. Ob man aber deswegen wirklich Polizisten mit einem Eis dafür belohnen sollte, dass sie Knöllchen verteilen, muss jeder selbst entscheiden.

von Adrian Monk

Als ich klein war, habe ich immer die Sesamstrasse gesehen. Da gab es dann Ernie und Schlemihl und das fing immer so an :

Schlemihl: Heeey duuuu.
Ernie: Hey, hey ich?
Schlemihl: DU!
Ernie: Wer ich?
Schlemihl: Ja …

Schlemihl hat dann immer versucht, so wunderbare Dinge wie unsichtbares Eis oder Luft in der Flasche zu verkaufen, nach dem Motto : „Hey, du siehst aus wie jemand, der sich einen günstigen Kauf nicht aus der Nase gehen lässt. “

Sicher ist das lustig und alle denken, das mach ich nicht. Aber wenn ich mir den Bitcoin Space ansehe, kaufen da wirklich viele Leute unsichtbares Equipment von Leuten, die jenseits von OZ leben und bezahlen mit unsichtbarem Geld. Deswegen möchte ich mir ein paar Gedanken dazu machen.

Wenn also jemand etwas hat, was ich gerne haben will und derjenige dafür etwas haben will, was ich habe, kann man die Dinge tauschen. Das macht man schon immer so und das wird im allgemeinen Handel genannt. Sprich, ich habe einen Verkäufer und einen Käufer. Wenn sich also beide einig sind, was sie handeln wollen und unter welchen Bedingungen, kann der Handel stattfinden und alle werden glücklich. Sicher ist es auch eine normale Sache, wenn eine Seite versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen und etwas Gewinn herauszuschlagen, das war schon immer so. Aber man sollte sich an den Deal halten.

Man kann sich das so vorstellen wie früher auf dem Pferdemarkt. Einer kauft und einer verkauft ein Pferd zu einem Preis und per Handschlag wurde der Deal gemacht. Das hat eigentlich auch ganz gut geklappt, weil man sich das Pferd ansehen konnte und somit wusste, was er bekam. Jedoch gab es dann auch immer wieder Fälle, wo Leute versucht haben, ihre alten Gäule zu einem hohen Preis zu verkaufen oder Leute mit kranken Tieren übers Ohr zu hauen. Bei den Wikinger hat man sowas dann entweder mit der Axt oder im „Ting“ (altes Wort für Gerichtsversammlung) gelöst. Auf dem Pferdemarkt gab es auch häufig eine „Alte Gäule-Polizei“, sprich Leute, die aufgepasst haben, dass alles mit rechten Dingen abging und jeder die Regeln eingehalten hat.

Einige sehen das Bitcoin Konzept mit der großen Idee des Internets der globalen Transparenz und Anonymität als die Philosophie der Zukunft an, aber genau hierin liegt auch das Problem, wenn es um Handel geht. Sicher funktioniert die Bitcoin Idee als solches in einem Land mit netten Menschen, Zauberern und Einhörnern, aber im wirklichen Leben gibt es eben Grenzen, Gesetze und Leute, die sich nicht daran erinnern, was wann vereinbart wurde. Somit ist Bitcoin kein rechtsfreier Raum und das sehe ich als sehr positive an, denn es kann mich schützen, wenn ich etwas aufpasse und ein paar Regeln einhalte.

Also, dann lasst uns mal eine Art einfache Checkliste für den Bitcoin-Handel erarbeiten.

Wenn ein Verkäufer und ein Käufer etwas handeln wollen, sollten beide wissen, wer der andere ist, was man genau handeln will und wie und was es kostet. Dann muss man noch wissen, wo Recht gesprochen wird, falls es ein Missverständnis gab. Auch sollte ich sicherstellen, dass ich die andere Seite verstehen kann und wir eine gemeinsame Sprache sprechen. Zusätzlich sollte ich darauf achten, ob der Handelsplatz, wo wir den Handel abschließen, seriös und reguliert ist, aber dazu später. Am Ende sind wir also wieder beim Risiko …

Generell und im Besonderen beim Handel mit Bitcoins ist zu fragen:

  • Wenn ich etwas handeln will, versteh ich das Angebot, also was gehandelt werden soll?
  • Versteh ich die Kosten und das Risiko, falls etwas schief läuft?
  • Wer ist die andere Seite, wer ist das, wo lebt er?
  • Welches Gesetz gilt, wenn ich ein Problem habe?
  • Wie wird bezahlt, was sind die Konditionen, was wird vereinbart?
  • Gibt es etwas schriftliches (idealerweise 2 Blatt Papier, wo alles aufgeschrieben ist und beide unterschrieben haben und jeder bekommt eine Seite, das ist dann ein Vertrag)?

Das hört sich alles einfach an, wenn ich eine Tüte Milch an der nächsten Ecke kaufe, aber wenn ich einen 10.000 Euro Miner in China bestelle und auch bezahle, der dann nicht geliefert wird und wenn ich da anrufe und nur Mandarin höre, dann ist das sicher eine ernsthaftes Herausforderung. Und Anonymität hat zwei Seiten: wenn der Handel platzt, weiß ich nicht, an wen ich mich wende und kann evtl. meinen Einsatz komplett abschreiben.

Im Einzelnen muss ich mich folgendes fragen:

  • Kann ich auf den Webseiten identifizieren, wer das eigentlich ist? (wenn nicht, einfach lassen)
  • Versteh ich das Angebot und was kostet es? (wenn nicht, einfach lassen)
  • Wie sieht es mit der Sprache aus? (wenn schlecht, einfach lassen)
  • Wo ist der Rechtsstand? (wenn nicht in dem Land, wo ich lebe, erhöhtes Risiko)
  • Gibt es Regeln, die alle Seiten zu befolgen haben? (wenn nicht, einfach lassen)
  • Wenn ich ein Problem habe, wie kann es gelöst werden, z.B. durch eine Garantie? (wenn nicht zufriedenstellend, einfach lassen)

Sicher hängt es auch von der Einzelfallentscheidung und dem jeweiligen Risiko ab, aber man muss sich immer die Frage vor Augen halten, wie setze ich meine Interessen durch, wenn die andere Seite sich nicht daran gehalten hat, was vereinbart war. Im Miner Beispiel muss ich im schlimmsten Fall einen Rechtsanwalt in dem jeweiligen Land beauftragen. Wenn der mich dann nicht versteht, habe ich ein richtiges und auch teures Problem.

Besonders im Bitcoin Handel kommt dem Handelsplatz eine besondere und noch wichtigere Rolle zu, die viele einfach unterschätzen und, mit allem Respekt, auch etwas naiv angehen. Immer und zuerst daran denken: es geht um Geld!!! Und wie Mario Adorf in dieser Werbung sagt: Damit spielt man nicht!

Im Grunde genommen sollte der Handelsplatz seriös und reguliert sein. Dann kann man sagen, er unterliegt Regeln und befolgt sie zum Schutze und Vorteil der Kunden, so das die Schlemihls dieser Welt draußen bleiben. Und wenn és ein Problem gibt, hilft er einem, es zu lösen.

Regulierung kann nerven – ist aber gut für Sie!

Es gibt Regeln und Anforderungen, an die jeder, der da handeln will, sich zu halten hat. Diese Regeln werden vom Handelsplatzbesitzer und vom Gesetzgeber vorgegeben. Es mag manchmal etwas merkwürdig, kompliziert, unverständlich oder einfach nur Müll sein, aber sie schützen mich, dass mein Handel so wie abgesprochen funktioniert und die alten Gäule woanders hingehen.

Einen seriösen Handelsplatz erkennt man besonders daran, ob er und/oder der Partner lizensiert sind, ob er alle wichtigen Informationen angibt und besonders am wichtigsten Punkt: dem Kundenservice. Es macht keinen Sinn, einen Handelsplatz zu benutzen, wo ich niemanden ansprechen kann, wenn ich ein Problem habe. Oder einen Handelsplatz irgendwo auf dem Planeten, wo ich dann doch nichts machen kann, wenn meine Bitcoins plötzlich weg sind. Mt. GOX ist überall!

Ein anderer und sehr wichtiger Punkt ist auch, dass, wenn es um Geld geht, es noch besondere Regeln gibt. Wenn diese eingehalten und überwacht werden, ist ein Handelsplatz „reguliert“. Ich mache nichts in irgendeiner Form mit Brokern oder Handelsplätzen, die nicht irgendwie reguliert sind und deren Regulierung ich nicht verstehe. Schlemihls gibt’s an jeder Ecke!!!

Also nochmal im Kurzformat. Wenn ich einen Handelsplatz nehme, der Regulierungen und Gesetzen unterliegt, dann schützt mich dass und das ist gut so (ganz unabhängig davon, ob mir persönlich die Art der Regulierung gefällt).

Will ich handeln, brauche ich Handelspartner und Orte, an denen ich sie finden kann. Hier bekommt das Forum eine wichtige Rolle. Jedoch ist es auch ein idealer Platz, um alte Gäule auf breiter Basis los zu werden. Da kommen dann User wie Eddi und seine Freunde ins Spiel, die andere User zum Glück warnen. Wenn also jemand versucht, seinen Gaul loszuwerden, das kann ein alter Miner sein oder einen den es noch nicht gibt, das können Angebote sein, die nicht das halten was sie versprechen, dann kommt die Gang und zerlegt diese oder teilt ihre Erfahrungen mit den anderen. Ich sage nicht, dass es gut ist, wie sie es machen und in welchem Ton. Aber allein die Anwesenheit einer solchen „Alte Gäule Polizei“ sorgt dafür, dass viele der Schlemihls dieser Welt einfach zuhause bleiben oder weiter ziehen. Und auch das ist gut so und jeder wird verstehen warum.

Also, wenn du also demnächst einen Polizisten an der Ecke einen Falschparker aufschreiben siehst, geh in die nächste Eisdiele und kaufe nicht ein Eis, nein kauf zwei. Geh zum Polizisten und ess ein Eis mit ihm. Klopf ihm auf die Schulter und sag einfach, dass er einen guten Job macht und Du Dich einfach freust, dass er da ist. Ich glaube, jeder hat verstanden warum.

Ein paar Beispiele, die mir so über den Weg laufen :

Case : Da will einer seine Miner kommerziell im Forum verkaufen, macht den Text auf Englisch und gibt Preise an. Jemand ist etwas kritisch und der Verkäufer reagiert stinkig.
Reponse : Ich weiß nicht, ob es ein gutes oder schlechtes Angebot ist, wenn der Text jedoch auf Englisch ist, kommt der Verkäufer sicher nicht aus Deutschland. Was mich jedoch skeptisch macht, ist, dass er potentielle kritische Käufer anmacht. Wenn er das jetzt schon tut, wie sieht das dann erst mit dem Service aus, wenn ich wirklich mal was habe? Einfach lassen.

Case : Neuer Bitcoin Handelsplatz mit tollen Preisen, soll cool sein und ein Forum-User findet den Dienst echt toll. Auf der Webseite sehe ich nur Englisch, kein Impressum oder so und der Kontakt nur per Formular.
Response : Einfach lassen. Wenn ich weder weiß, wer das ist oder wo der her ist, kann ich nichts machen, wenn er den Server einfach abstellt. Es macht mich immer kritisch, wenn jemand nur ein einfaches Formular als Kundenservice hat. Im besten Fall hält er nicht viel von Kundenkontakt. Im schlechtesten Fall will er sich abseilen.

Case : Neues virtuelles Mining Angebot. Webseite zeigt alle Informationen und Kundendienst sieht auch gut aus. Jedoch verstehe ich das Angebot nicht und kann es nicht einschätzen.
Response : Im Zweifel immer lassen oder Eddi und die Gaul Polizei fragen.

Case : Bitcoins direkt verkaufen, Kontakt kam per Forum.
Response : Da findet der Handel zwischen dem Käufer und Verkäufer statt. Wenn was passiert, ist man auf sich selber gestellt. Wenn man das nur macht, um Gebühren zu sparen, können das teure Gebühren werden. Ich würde es vorziehen, einen seriösen und regulierten Handelsplatz zu verwenden.

Case : Miner im Ausland bestellen, dessen Lieferdatum nicht oder spät angegeben wird.
Response : Das muss jeder selber entscheiden, ob es ihm das Risiko wert ist. Immer an Schlemihl und das unsichtbare Eis denken. Am Ende des Tages muss ich bei Problemen mit dem Hersteller direkt reden. Wenn der z.B. nur Mandarin kann und ich nicht, hab ich ein Problem .

Zum Schluss noch eine Geschichte über das Lachsangeln. In der Nähe von Oslo kann man diese großen Fische angeln und auch ich war ab und zu mal dort. Um 19 trifft man sich und die Lizenz, wo man angeln kann, wird verlost. Beim letzten Mal war da einer, der hat von großen Lachsen erzählt und wie lange sein Vater gebraucht hat, um sie raus zu kriegen. Ja, die Jungs haben wirklich Kraft. Da waren dann bestimmt 20 Leute, die alle andächtig zugehört haben, wie man 15-25 Kilo Lachse aus dem Wasser holt. Dann fingen die ersten an, zu überlegen, dass weder ihre Angelhaken noch die Schnüre die geballte Kraft von solchen Riesenlachsen aushalten. Das war echt geil, die sind dann in den kleinen Shop gerannt und haben nicht die großen Angelhaken, nein, die haben die ganz großen Angelhaken und die besonders dicken Schnüre gekauft, bis der Laden leer war.

Keiner hat zwar was gefangen, aber hätte ja sein können, dass es klappt. Wenn ich mir also so die Kommentare auf meinen letzten Blog ansehe, dass einer 10.000-15.000 Euro im Monat macht und das für 100 Bitcoins weitergeben will, muss ich immer an diese Geschichte denken.

Da gibt es sicher noch viele Beispiele, natürlich auch positive. Ich zieh es vor, nicht so sehr an nette Feen und Einhörner zu glauben. Schreibt doch einfach einmal Eure Erfahrungen als Kommentar. Ich würde mich freuen. In diesem Sinne

Euer Adrian

About Adrian Monk (7 Articles)
Ist unser Mann fürs Trading. Er hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Börsenhandel und beschäftigt sich vornehmlich mit der Programmierung von Bots. Für das Bitcoinblog schreibt er über aktuelle Tradingtrends und führt die Leser in die Grundlagen des Tradens ein.

1 Comment on Warum man Polizisten ein Eis kaufen sollte

  1. Frankfurter Würstchen // 29. June 2014 at 21:56 // Reply

    “Sicher ist es auch eine normale Sache, wenn eine Seite versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen und etwas Gewinn herauszuschlagen, das war schon immer so.”

    Das nennst du normal? Ich nicht! Der Gewinn ist der Lohn für die Arbeit, das Besorgen oder Ähnlichem und ist nicht da weil mich Jemand über das Ohr haut.

    Es gab sogar mal Zeiten da hat man wichtige Verträge per Handschlag besiegelt und jeder hat sich dran gehalten, mit sehr wenigen Ausnahmen. Ob das Auftauchen der Juristen daran Schuld ist dies kaum noch möglich ist, ist natürlich nur nur eine Verschwörungstheorie. 😉 Nicht jede Verschwörungstheorie muss natürlich falsch sein.

    Im übrigen hat sich die Zahl der verletzten Fußgänger durch die Einführung des Zebrastreifens erhöht! Aber Regelungsfetischisten möchten das gar nicht hören. Nicht das ich grundsätzlich gegen Regeln bin, aber wir sind schon jetzt völlig überreguliert.

    Wir brauchen weniger und nachvollziehbare Regeln und die Regeln müssen im Konzens entstehen und nicht wie heute von “oben diktiert” und nicht mehr mit normalen Verstand nachvollziehbar.

    “Wenn ein Verkäufer und ein Käufer etwas handeln wollen, sollten beide wissen, wer der andere ist, was man genau handeln will und wie und was es kostet.”

    Muss man das? Wenn ich mir eine Wurstsemmel hole frage ich den Metzger nicht wer er ist und lasse mir seinen Ausweiß zeigen. Das gleiche gilt für mich auch für Bitcoin. Ich muss nicht wissen wer der Andere ist. Beim lokalen Tausch vor Ort ist das natürlich leichter. Bei entfernten unbekannten Partner nicht so leicht. Da macht eine Börse schon Sinn, aber die Börse wäre dann für mich eher eine Treuhand, sie muss weder wissen wer ich bin noch wer der Andere ist. Ich schicken BTC an die Börse, der Partner schickt € an die Börse und wenn beides da ist, schickt die Börse mir € und dem Partner die BTC, das ganze abzüglich einer Provision als Lohn. Ein Börse die Mist baut fällt auf und ist weg vom Fenster. Sicher fällt dann der ein oder andere darauf erstmal rein, aber das ist für mich das kleinere Übel. (Ich weiß schon, die komischen Gesetze in der BRD lassen das nicht zu, der Staat entfernt sich immer mehr von der Vernunft.)

    Und ich bleibe dabei, Regulierung von Oben ist meistens nicht gut! Vieles kann der Bürger auch alleine unter sich regeln und langfristig viel besser als dieser Staat.

    Ich glaube auch nicht das deine Haltung des grundsätzlichen Misstrauens gut ist, sondern in einer Misstrauensspirale endet welchen die Gesellschaft möglicherweise zertört. Sicher, man muss wachsam sein und auf Signale hören, aber der Text liest sich so als ob du von grundsätzlichem Misstrauen geprägt bist nichts und niemandem traust. Sehr Schade lieber Adrian. 😦

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