Wenn Mütter anfangen, die Dinge interessant zu finden

Adrians Trading Guide

"Pioneer" by Mary Ann Clarke Scott from flickr.com. Lizenz nach Creative Commons 2.0

Im fünften Teil seiner Trading-Kolumne widmet sich Adrian Monk von Scaberia.com den Medien und Insidern. Er erklärt, weshalb alle Alarmglocken angehen sollten, wenn ein Investment von allen Seiten beworben wird. Denn wenn sich die Masse bewegt, verdient in der Regel nicht diese, sondern diejenigen, die die Masse steuern.

von Adrian Monk

Zuerst möchte ich mich bedanken, dass meine kleine Kolumne von so vielen gelesen wird und auch schon dazu geführt hat, dass die ersten ihr Trading über die Profitlinie ziehen konnten. Am meisten hat es mich jedoch gefreut, dass einige Mütter anfangen zu verstehen, was ihre Kinder so machen und meine Artikel sehr interessant finden. Das beinhaltet natürlich die Gefahr, dass wir bald wild zockende Bitcoin-Mütter haben. Deswegen, liebe Mütter, dieser Beitrag ist für Euch.

Also, wenn man diese merkwürdige Sache namens Bitcoin traden will, sollte man, wie bereits geschrieben, sein Risiko und Moneymanagement unter Kontrolle haben, die Tools und Broker definieren und einen Plan haben. Jetzt muss man noch irgendwie erkennen, wann man überhaupt etwas machen – also kaufen oder verkaufen – soll und hier fängt das Spiel an. Rien ne va plus ….

Das beste Beispiel, um zu erklären, wie ein Preis verändert wird, ist mein Lieblingsvideo „Vögel auf der Stange“:

Da sitzen viele kleine Vögel auf einer Leitung, die dann anfängt etwas zu schwingen, immer etwas rauf und runter. Erst als der sehr große und sehr schwere Vogel auf die Leitung springt, macht es
Boiiiiing
und das Kabel fängt an, sich richtig zu bewegen. Wenn man jetzt die kleinen Vögel als Trader bezeichnet, die Leitung als Preiskurve und den großen Vogel als irgendeine große News, ein Event oder einen Trader mit richtig viel Asche, kann sich jeder denken, wie die Rauf/Runter Bewegungen entstehen, die einen beim Trading so glücklich machen. Und man kann sich auch denken, wie man als kleines nacktes Vögelchen endet, wenn man beim Handeln nicht aufpasst.
Man muss irgendwie greifen, wie und in welche Richtung sich die Leitung bewegt. Im Prinzip kann man die kleinen lustigen Vögel als Masse bezeichnen, die die Leitung eigentlich alleine dadurch verändern können, dass sie auf einer Seite etwas zusammenrücken. Die Frage ist nun: wie bekomme ich die Vögel dazu? Damit wären wir beim ersten Punkt, wie man ein Signal bekommt, das man garantiert nicht nutzen sollte. Also nochmal : NICHT NUTZEN!!!

Signale, die man besser nicht beachtet

Also, der Trick ist, die Masse von kleinen Vögeln irgendwie so zu beeinflussen, dass sich die Leitung bewegt oder eben dementsprechend eine Preiskurve bildet. Der Trick ist ganz einfach: Man versucht über Broadcast Medien eine kritische Masse aufzubauen, mit der man viele kleine Vögel erreichen kann, damit einige sich dann dementsprechend bewegen. Das können sein:

  • Kaufempfehlungen in Zeitschriften, Aktienbriefen oder Fernsehinterviews. Wenn jemand dort eine Empfehlung ausspricht, kann man nicht ausschliessen, dass bereits gekauft wurde und der Preis sich dann dementsprechend verändert. Dies trifft besonders dann zu, wenn das jeweilige Instrument nicht liquide genug ist, wie es bei Bitcoins der Fall ist.
  • News. Viele Preise sind sehr newsgetrieben, auch der des Bitcoin. Eine große Nachricht – und der Kurs tanzt. Interessant wird es, wenn die, die die News rausgeben, vorher eingestiegen sind, weil sie wissen, was passiert. Das nennt man dann Insiderhandel und sowas kommt garantiert nie vor, denn wir sind ja alle korrekt. Trotzdem ist es besser, eine Zeitlang Pause zu machen oder einfach segeln zu gehen, wenn die Kauf-mich News an allen Ecken aufpoppen.
  • Kaupfempfehlungen über Emails. Habt ihr nicht auch schon mal eine Aktienanalyse per Email bekommen, über diesen supergünstigen Deal oder jene Aktie? Am besten, es steht in dicker großer roter Schrift da: der Deal ist geschenktes Geld, wer nicht einsteigt, ist selber schuld. Garantiert. Sobald man genügend Leute findet,  die das glauben, nehmen die Dinge ihren Gang. Ich bekomme bereits mystische Emails über unentdeckte Bitcoin Aktivitäten und dass man den Bitcoin in 4 jahren bei 100.000 US-Dollar erwartet. Da kann ich doch nichts anderes tun als kaufen kaufen kaufen. Ich sage nur, laufen laufen laufen.
  • Selbsternannte Gurus, die Ihre Weisheit verteilen. Da sag ich nur : Lauf Forest, lauuuf.

Ein Beispiel, um zu verdeutlichen, wie das abläuft: Als ich klein war, hatte ein Nachbar eine Aktienzeitschrift gelesen und phantastische Gewinne gemacht. Ich habe mich immer gewundert, wie er es schafft, so genau zu handeln. Irgendwann hat er mir das Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiungen erklärt: Es müssen nur genug Leute dran glauben, dann passiert es. In seinem Fall hatte die Zeitschrift genug Kunden und die haben die Empfehlungen immer befolgt und phantastische Gewinne gemacht. Dann konnte man die Zeitschrift abonnieren und einen Tag früher bekommen, als sie beim Kiosk lag. Mein Nachbar hatte sich also immer an dem Tag, ich glaube es war ein Mittwoch, ganz vorne beim Postboten und seiner Tour morgens um 7 Uhr gestellt, hat seine Zeitung abgeholt, die Order dementsprechend gesetzt und immer einen guten Gewinn gemacht. Er wusste ja, dass viele kleine Vögel das gleiche tun, nur eben etwas später.

Das gleiche konnte ich vor einigen Jahren nachvollziehen, als es eine Finanzwebseite gab, die Börsenkurse immer sehr zeitnah wiedergab. Man ist also um 9.06 Uhr auf die Seite gegangen, hat die ersten Kurse abgewartet und um 9.10 die ersten Trades gesetzt. Eben auf die, die bereits im Plus lagen. Ab 10.30 ist man dann wieder ausgestiegen. Da dies irgendwann sehr viele gemacht haben und da die Börse nicht sehr groß war, gab es ultra-große Sprünge und Gewinne. An einem Tag ist mir mal ne Aktie um 300% (ja, dreihundert) durch die Decke gegangen. Man konnte einfach nichts falsch machen. Das haben die dann leider irgendwann eingestellt, war aber ne coole Sache.

Die Instinkte des übermächtigen Gewinns

Das gleiche Konzept der selbsterfüllenden Prophezeiungen kann man in Foren finden. Es geht nur darum, eine kritische Masse aufzubauen und die zum eigenen Vorteil zu beeinflussen. Dabei kann folgendes passieren: Die Aktiven in dem jeweiligen Post sprechen über mystische Dinge, wie Charts, Kopf-Schulter, Weltuntergang oder der RSI fängt an, sich nach oben zu bewegen und die Divergenz des MACD ist im kritischen Zustand. Kaum jemand weiß, was es wirklich bedeutet, aber die Message ist: Die Preise gehen bald durch die Decke (oder steil nach unten). Sei dabei!

Entweder ist es ein einzelner oder eine Gruppe, die so ein Instrument bewegen wollen. Einer redet über was und die anderen finden das toll, bedanken sich über den phantastischen Profit, den man damit macht, wie auch immer. Dann gibt es Leute, die das nicht ganz verstehen, aber akzeptieren, dass was Großes, Mächtiges und Mystisches passiert und daher anfangen, kleine nackte Vögel zu spielen. Da werden manchmal ganz gezielt die Instinkte des übermächtigen Gewinns angesprochen. Es gibt riesige Profite und man kann sie ganz einfach mitnehmen! Man führt einfach Laub als Währung ein und brennt alle Laubbäume bis auf meinen Wald nieder. Es ist mein Wald, weil ich schon vorher wusste, dass die Wälder brennen. Dann steigt der Preis automatisch um mehrere zigtausend Prozent.

Oder man hat ne Gruppe von Leuten, sich sich lustig und frei über ein paar Indikatoren unterhalten, News besprechen oder wie auch immer erzählen, wie sie den Kursverlauf setzen. Dann kann der gemeine Trader das ausnutzen und sein System so aufbauen, dass er immer etwas eher im Trade ist und dann an die Forenleser, die aktiv werden, seine Positionen eben etwas teurer verkauft. Das sollte besonders beim Bitcoin sehr gut funktionieren.

Was sagt uns das alles? Keine Signale aus irgendeinem Broadcastmedium zur Grundlage von Trades machen. Weder aus Foren noch von Gurus noch durch irgendwelche Newsletter oder sonstige Empfehlungen. Selbst wenn es noch so juckt, die Gewinne, über die man spricht so mächtig und gewaltig sind – das Geld machen die anderen. Dazu fällt mir immer eine Textzeile von Udo Jürgens aus seinem Lied „Vielen Dank für die Blumen“ ein :

Vielen Dank für die Blumen,
vielen Dank, wie lieb von Dir,
manchmal spielt das Leben mit Dir gern Katz und Maus,
immer wird’s das geben einer der trickst Dich aus,
vielen Dank für die Blumen, vielen Dank, wie lieb von Dir.

Ja, so ist das mit dem Traden. Es geht um Geld und wie man sich einen Vorteil verschafft. Nicht um Freunde.

Jetzt geht es in die wohlverdiente Sommerpause and danach fange ich an, einige Grundprinzipien von Fundamentaldaten, Charts und Indikatoren zu erzählen und wie man guten Signalen näherkommen kann.

Also, habt einen schönen Sommer und in diesem Sinne

Euer
Adrian

Mehr von Adrian Monk: Klickmich!

About Adrian Monk (7 Articles)
Ist unser Mann fürs Trading. Er hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Börsenhandel und beschäftigt sich vornehmlich mit der Programmierung von Bots. Für das Bitcoinblog schreibt er über aktuelle Tradingtrends und führt die Leser in die Grundlagen des Tradens ein.

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  1. Nicht so schön: der Bitcoin crasht kräftig | BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

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