Trading ist lernen und üben üben üben

Adrians kleiner Trading-Guide

"Learning" von CollegeDegrees360 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0

In diesem Teil seines Ratgebers erzählt Adrian Monk, weshalb das richtige Lernen die halbe Miete ist, um erfolgreich ins Trading einzusteigen. Wer meint, er müsste nur damit beginnen, auf Glückauf und -ab zu kaufen und zu verkaufen, hat nicht lange Spaß an den Kryptocoin-Marktplätzen. Stattdessen ist es wie mit dem Traden wie mit fast allem auf dieser etwas anstrengenden Welt: Man muss sich hinsetzen, sich selbst beobachten und kritisieren und viel üben.

von Adrian Monk

Ich habe erst sehr spät Fahrrad fahren gelernt. Eigentlich bin ich irgendwann auf ein Fahrrad gestiegen und einfach losgefahren. Ganz alleine und ohne Hilfe. Nach einigen Kilometern musste ich dann feststellen, das Bremsen und Lenker ihren Sinn haben und Mauern ziemlich hart sind. Aber ich hatte meine Lektion gelernt, wie bei so vielem im Leben.

Also, dann lasst uns doch mal eine Lernlektion ansehen. Wie wir alle wissen, landet eine Katze immer auf den Pfoten, wenn sie vom Tisch springt. Ich bitte, dies nicht auszuprobieren, aber wenn man selber eine Katze hat, kann man dies sicher irgendwann mal beobachten. Wenn ich jetzt morgens beim Frühstück meine Scheibe Brot mit meiner Lieblings Nuss Nougat Creme beschmiere und die zufällig auf den Boden fällt, landet sie immer und garantiert auf der beschmierten Seite. Das ist eben so, wie wir alle wissen und gelernt haben. Dass kann man nun gerne selbst mal ausprobieren.

Wenn ich jetzt aber ein gut geschmiertes Butterbrot auf den Rücken einer Katze festschnalle und die vom Küchentisch springt, bleibt dann die Katze kurz vom dem Aufprall über dem Boden schweben, weil sich die Kräfte aufheben? Landet sie auf den Pfoten oder auf der Butterbrotscheibe? Oder fängt sie an, sich zu drehen, weil die Kräfte sich anschieben?

Der sogennnaten Katzen-Butterbrot-Maschine werden äußert rätselhafte Kräfte zugeschrieben. Jeder, der jetzt etwas Verständnis der Zusammenhänge hat, weiss, dass dieses vermeintlice Alltagsparaxodon einfach nur Unfug ist. Aber warum sehe ich solche Katzenmaschinen immer wieder beim Trading? Es wundert mich schon immer etwas, dass Leute, mit denen ich so über die Jahre gesprochen habe, einfach Geld auf ein Konto packen und loslegen, genau wie ich damals mit dem Fahrrad (und, nochmal, die Mauer war wirklich hart).

Was mich da immer irritiert sind Dinge wie z.B. ist:

  • Die einfachen Prozesse, um einen Trade auszuführen lerne ich unterwegs
  • Kein Verständniss der Zusammenhänge, wie entsteht ein Preis, wer sind die Marktteilnehmer
  • Das Tradingkonzept ist nicht klar definiert
  • Keine Lust, Ziele aufzuschreiben, das macht man im Kopf
  • Kein Lernprozess und keine Dokumentation
  • Kein klares Konzept, wie man eigentlich traden will
  • Tradingplan gibt es nicht, oder er wird nicht befolgt
  • Wenn man verliert, traded man einfach weiter wie bisher

Was auch immer interessant ist, dass viele als Basis für ihre Tradingentscheidungen sogenannte „Empfehlungen“ und Einschätzungen von Medien oder Experten zu Rate zieht oder gleich befolgen, ohne mal nachzudenken. Man argumentiert immer damit, wer was gesagt hat, und der „Trader“ profiliert sich damit, wieviele Zeitungen er liesst und welche Unmengen von Aussagen er kennt. Ich wunder mich dann immer, wie das ein Gehirn verarbeiten kann. Man sollte nicht vergessen, das viele gerne mit dem Traden vieeeeeeel Geld verdienen wollen, jedoch nicht bereit sind, da zuerst vieeeeeel Zeit zu investieren, um auch erfolgreich zu sein. Also gibt es einen enormen Bedarf an Informationen, der natürlich befriedigt wird. Da stelle ich die Frage: Wer hat während der Californischen Goldrausches das Geld verdient – die Goldgräber oder die Schaufelverkäufer?

Also: Wie kann man beim Trading lernen? Ich habe zwei Arten von Büchern, die ich immer wieder überarbeite und analysiere. Das erste ist ein Buch für und über meine Tradingtools, meine Execution-Plattform. Wenn ich nach viel Arbeit mich endlich entschieden habe, was ich benutzen will, um meine Trades auszuführen, muss ich dieses Tool auch verstehen, anwenden können und auch die Macken kennen.

Hierzu übe ich mit der Platform auf Demoaccounts oder mach mal einen sehr kleinen Übungstrade mit richtigem Geld, damit ich sehe, wo was ist, welche Möglichkeiten ich habe ich und wo ich was einstellen kann. Das ist so ähnlich wie wenn einer dieser Helden aus amerikanischen Pistolenfilmen übt, seine Knarre auseinander- und zusammenzubauen. Auch das Zusammenspiel von Technologie und Broker sollte verstanden werden. Das ist zum Teil so kompliziert geworden, dass kann ich mir nicht mehr alles merken. Also schreibe ich es in mein kleines Buch und mit der Zeit hat man eine gute Dokumentation, auf einen zugeschnitten und man kann schnell und einfach nachblättern. Das ist wie früher mit den Schummelzetteln, nachdem ich die gemacht hatte, brauchte ich die nicht mehr, weil ich mir das besser gemerkt hatte.

Das andere Buch ist eine Art Tradingtagebuch. Dazu mal eine einfach Zahl. Wenn ich nur 2 Trades am Tag mache und ich 20 Tage im Monat trade, sind das im Quartal 120 Trades. Wenn ich jetzt beim 121 Trade bin, kann ich mich unmöglich daran erinnern, warum ich z.B. beim zweiten Trade einen Verlustrade hatte. Wie soll ich lernen, wenn ich mich nicht mehr dran erinnern kann? Also schreibt man sich so etwas auf. In solch einem Tradingtagebuch kann vieles stehen, hier einige Punkte:

  • Warum trade ich gerade dieses Instrument?
  • Wie ist das Setup, welches Konzept, weil Zeitperiode schaue ich mir an, welche Platform habe ich verwendet?
  • Was hat mich dazu geführt, genau in diesen Trade so zu gehen, was waren meine Gründe, warum gerade dieses Signal, warum habe ich meinen Stop genau so gesetzt?
  • Gibt es irgendwelche Probleme mit der Platform oder Broker während des Trades?
  • Warum bin ich wie genau so aus meinen Trade ausgestiegen, bin ich ausgestoppt worden?
  • Auch kann man einfach den Chart ausdrucken, im dem der Entry/Exit eingezeichnet ist und evtl. alle anderen Charts, die ich dazu verwendet habe
  • Habe ich sonstige Fehler gemacht, z.B. Stop Loss vergessen (das ist ein Classiker)?

Man kann nun z.B. am Ende der Woche oder des Monats sich genau ansehen, wie man getradet hat, wo die Probleme und Ergebnisse liegen und evtl. Dinge verbessern. Lernen heisst auch Dinge verbessern, man sollte aber auch ehrlich zu sich selber sein.

Es ist schon erstaunlich, als ich damit angefangen habe, fand ich schnell heraus, dass 95% meiner Verluste daher kamen, dass ich mich nicht an mein eigenes Konzept gehalten habe und immer wieder Fehler machte, sei es mit dem Limit setzen, Stop Loss falsch berechnet oder ich einfach das Adrenalin im Blut nicht aushalten konnte.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum üben. Es gibt dieses wunderbare Wort Papertrading. Dies ist eine sehr gute Trockenübung, die einfach zu machen ist. Man druckt sich einfach 50 Charts aus, nimmt ein weisses Blatt Papier, legt es auf einen Chart und schiebt es von links nach rechts. Dann versucht mal, einfach zu sehen, wo eure Entries und Exit sind und wo ihr steht. Wenn da schon nicht so gut ausseht, würde ich da erst mal anfangen, bevor man einfach Geld auf ein Konto packt und loslegt.

In diesem Sinne

Euer Adrian

About Adrian Monk (7 Articles)
Ist unser Mann fürs Trading. Er hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Börsenhandel und beschäftigt sich vornehmlich mit der Programmierung von Bots. Für das Bitcoinblog schreibt er über aktuelle Tradingtrends und führt die Leser in die Grundlagen des Tradens ein.

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  1. Handel mit Bitcoins -- 

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