Vom Nerd zum Investor und zurück

"Roboter" von Alphaundomega via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem Adrian Monk in mehreren Artikeln ziemlich viel über Risiko und generelle Tradingansichten geschrieben habe, ruft er nun in den Wald: „Let the Hunger Games begin“. Also: Lasst uns mit dem Traden beginnen. Möge der – ach, ihr wisst schon.

von Adrian Monk

Zuerst möchte ich aber das Bitcoin-Universum ansehen. Da sind viele IT Nerds, die durch das Mining zu relativ viel Bitcoin und Kapital gekommen sind und jetzt die Rolle von Investoren einnehmen. Für die meisten ist das private Mining eigentlich zu Ende und es ist sehr verständlich, dass die Bitcoiner jetzt versuchen, mit Bitcoinhandel weiterhin Geld zu machen. Also sind wir jetzt Trader und Investor geworden. Wo ein Bedarf besteht, gibt es dann auch ein Angebot und es wird spannend zu sehen, welche Angebote und Informationen es noch geben wird.

Dennoch, wenn man nicht ganz schnell wieder ein Nerd werden will, sollte man sich langsam wirklich mit Grundprinzipien des Handels, der Tradingkonzepte und Risiko auseinandersetzen. Es reicht nicht, die ersten 20 Seiten eines Tradingbuchs zu lesen und zu meinen, man hat es verstanden. Handel mit Bitcoins ist nichts besonderes (es gibt zwar ein paar Parameter, die zu beachten sind), ist aber eigentlich nur ein weiteres Instrument, welches man kaufen und verkaufen kann.

Zuallererst: Trader sind harte Hunde, die essen keinen Honing, die kauen die Bienen. Im Forum gibt es den Dietmar, der hat sogar ganze Bienenstöcke hinterm Haus stehen, bei denen die Bienen jeden Tag weniger werden. Soll heissen, strenge Disziplin, Ruhe und das Wissen, was man tut, sind der Schlüssel. Informationen von außen sollte man grundsätzlich weniger Beachtung geben. Es ist die Bewegung, die man traded, nicht die Information, die meint, die Bewegung zu schaffen.

Also, heute will ich mal ein wenig darauf eingehen, was es eigentlich im allgemeinen bedeutet, einen Markt zu betrachten und eventuelle Signale zu finden, um in eine Position einzusteigen.

Die Fundemantale Analyse
Zuerst sind da die Fundamentalisten. Ganz einfach gesagt, eine Fundamentale Analyse beinhaltet in der Regel:

  • Analyse der „financial statements“, besonders bei Aktien von Firmen, sprich: wie gesund ist die Firma?
  • Management, Konkurenzvorteile (competetive advantage), Produkte, Konkurenten und Märkte, also: welches Potenzial ist da?
  • Wenn man sich z.B. Futures oder forex ansieht, kommen dann Parameter wie Zustand der Wirtschaft (nein, nicht die, wo es Bier gibt) und andere Faktoren, wie Zinsen, Produktion, GDP etc zu tragen.

Die Fundamentale Analyse basiert auf vergangenen und aktuellen Daten und versucht z.B. die Performance einer Firma zu evaluieren um herauszufinden, ob ein Einstieg Sinn macht. Trading mit Bitcoins aufgrund einer Fundamentalen Analyse sehe ich als relative schwierig an, weil es kein offiziell geregeltes Finanzinstrument ist, und es wenig sichere Parameter gibt, die man verwenden kann. Und Presseberichte oder die Anzahl der Bitcoin Transaktionen als Parameter sehe ich etwas kritisch. Jetzt geht sicher wieder ein Aufschrei durch die Gemeinde, aber wenn es jemand besser weiss, einfach unten kommentieren.

Chartsanalyse
Als nächstes kommt die sogenannte Technische Analyse oder Chartanalyse zum Tragen. Die Grundtheorie ist, dass nicht die Informationen den Preis machen wie bei der Fundamentalen Analyse, sondern die Informationen bereits in der Preisgestaltung mit drin sind. Also versucht man aufgrund vergangener Preise irgendwelche Informationen (auch mit Computern) zu finden, die eine Indikation geben, wie sich der Preis entwickelt. Dabei ist dies ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse, Bull und Bear oder Käufer und Verkäufer. Es gibt sehr viele Konzepte (wahrscheinlich über 100.000), die in irgendeiner Form versuchen, zu evaluieren, wann man wie in den Markt einsteigen kann. Ich werde in Zukunft auf einige dieser Konzepte mal genauer eingehen und wie man da ein Tradingkonzept draus machen kann. Auch viele Bitcoiner verwenden die Chartanalyse.

Die Problemstellung, die ich sehe ist: Kann man wirklich von der Psychologie einer Marktes sprechen, der so wenig Marktteilnehmer hat? Die Antwort gibt eine gute Aussage darüber, wie aussagekräftig und verlässlich eine Technische oder Chartanalyse ist. Ein wesentlicher Nachteil der Chartanalyse ist jedoch, dass dies Trading aus dem letzten Jahrtausend ist und man sehr limitiert ist, welche Instrumente mit welchen Konzepten man überwachen und gleichzeitig traden kann. Es gibt zwar Möglichkeiten, Scanner einzusetzen, aber wenn der Mensch in der Mitte des Trading steht, setzt der Mensch auch das Limit, wo die Grenzen sind. Das ist nicht negativ gemeint, man muss es einfach akzeptieren und seine Grenzen kennen.

Quant Trading
Kommen wir nun zu meiner Domain, dem Quant Trading. Ich musste leider einsehen, auch durch meine Tradingtagebücher, ich bin kein Bienenkauer, nicht mal Köningsbienen habe ich geschafft. Weder cool, noch dizipliniert genug und deswegen habe ich immer wieder Fehler gemacht, die mich auf Null brachten, das Wort Margincall bringt mir heute noch Alpträume.

Also habe ich angefangen, meine sogenannten „Trading oppertunities“ mit Hilfe von mathematischen, auch statistischen Methoden, den sogenannten Quantitativen Methoden zu suchen. Diese Methoden können auch aus der Chartanalyse kommen, müssen aber nicht. Man versucht einfach mit dem Computer in der Menge der Bewegung seine Möglichkeit zu finden. Hier kann man auch moderne Multiportfolio Strategien, die sehr computerintensiv sein können, ganz einfach fahren. Jeder private Investor kann heute mit modernen Tools sein eigenes Reich aufbauen und ist nicht mehr auf andere angewiesen. Sicher kann der private Investor auch sehr schnell sein Geld loswerden, wenn er nicht aufpasst.

Wenn man dann einen Schritt weitergeht, kommt man sehr schnell auf die Idee, dass, wenn der Computer die sogenannten „Oppertunities“ finden soll, er diese gleich mit ausführt und überwacht. Dies erfordert eine ziemliche Anforderung an die Stabilität der IT und Handelsprogramme. Viele übersehen, dass man von einem Zusammenspiel zwischen Trading, Ausführung der Trades, Broker, Hardware, Software und Internetverbindung ausgeht. Besonders die Interaktion zwischen allem führt immer wieder zu überraschenden Ergebnissen und spontanen Verlusten.

Krieg der Bots
Wenn man sich den Bitcoin und seine Geschichte genau ansieht, ist er wie gemacht für elektronischen Handel mit automatischen Handelssysystem als Nachfolger des Minings. Jedoch muss man klar beachten, das niemand den Bitcoin stützt, keine Landesbank Käufe macht, und er damit ungebremst rauf und runter gehen kann wenn die einzelnen Marktteilnehmer ungebremst aufeinander treffen.

Also, das Spiel ist nicht länger, dass ich mir einen ASIC Miner kaufe, laufen lasse und Bitcoins einsacke. Es geht jetzt um Bitcoin Handel, da ist die Intelligenz des Einzelnen gefragt. In Zukunft werden dann auch mehr und mehr „Bots“ kommen, der Bitcoin ist wie gemacht dafür. Wer sich darüber beschwert, sollte mal darüber nachdenken, dass es ganz normal ist, dass, wenn sich jemand legal einen Vorteil verschaffen kann, er das auch macht. Beim Mining war es ja auch ein Rennen zwischen dem besten Mining Equipment.

Jetzt wird es eben ein Rennen auf anderer Ebene und es zählt, welcher Bot am besten ist.

In diesem Sinne
Adrian

 

About Adrian Monk (7 Articles)
Ist unser Mann fürs Trading. Er hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Börsenhandel und beschäftigt sich vornehmlich mit der Programmierung von Bots. Für das Bitcoinblog schreibt er über aktuelle Tradingtrends und führt die Leser in die Grundlagen des Tradens ein.

3 Comments on Vom Nerd zum Investor und zurück

  1. Wir beachten natürlich weder Presseberichte noch Transaktionszahlen. Beim Blick auf den Chart fühle ich mich wie ein Segler ohne Wind und Wellen. Wer sich nicht mit kurzfristigen Charts begnügt, sieht eigentlich nur einen Strich. Hätte er sein Geld vielleicht doch lieber dort selbst belassen sollen statt BTC zu erwerben? Man(n) hätte davon eventuell etwas gehabt…..
    Ehrlich geht es jenen, die ihren Gewinn aus den Tausch von BTC gegen eine Währung ziehen am besten. Börsen und Tradern wohl eher mau.
    Liegt darin wirklich der Sinn??

  2. BTC hat keine Zukunft, “Verkauft ihr Narren!” 😉

  3. Mich würden Artikel über entsprechende Software interessieren.

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