Schlammschlachten, die Hash-Rate und der Spar – oder warum Marketing auch schmutzig sein kann

GAW Miners und Coinfire streiten sich, in Arnhem akzeptiert der erste Spar Bitcoins und Blockchain.info verliert Kunden-Bitcoins: Das gibt’s in den Bitcoin News der Woche. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Hash-Rate, die in dieser Woche etwas gemacht hat, was schon lange nicht mehr vorkam.

Den Anfang unserer Bitcoin News der Woche macht mal wieder eine Statistik. Da es zum Preis nicht mehr zu sagen gibt, als dass er bei etwa 300 Euro verharrt hat, wenden wir uns der Hash-Rate zu. Diese zeigt wie viel Rechenleistung die Miner in das Netzwerk pumpt. Seit etwa einem Jahr schießt die Hash-Rate steil nach oben, doch in den letzten Wochen ist das Wachstum etwas ins Stocken gekommen. In dieser Woche hat die Hash-Rate sogar abgebaut.

Die Hashrate im 180-Tages-Verlauf. Quelle: blockchain.info

Die Hashrate im 180-Tages-Verlauf. Quelle: blockchain.info

 

Falls sich nichts ändert, ist ein Sinken der Difficulty zu erwarten. Die Difficulty meint die Schwierigkeit der kryptographischen Aufgaben, die die Miner zu lösen haben, um Bitcoins zu finden. Dass diese Aufgaben leichter werden, ist zum letzten Mal im Januar 2013 geschehen. Es könnte als Zeichen dafür zu verstehen sein, dass die Blase nun endlich abgebaut worden ist.

Schlammschlacht um GAW Miner

Kommen wir von der Statistik zu den Protagonisten. Besser gesagt: zu den eventuellen Protagonisten. Cloud-Mining-Unternehmen bieten ihren Kunden an, für diese zu minen. Die Kunden bezahlen einen bestimmten Betrag, um dafür Anteile an Mining-Maschinen zu mieten. An sich eine sinnvolle Idee, da ein Asic-Miner für den Privatmann doch eine happige Investition ist und da der Aufwand, solche Geräte zu betreiben, in einer Farm reduziert wird. Arbeitsteilung hat noch nie geschadet. Das Problem mit den Cloud-Minern ist jedoch, dass es für den Kunden keinerlei Möglichkeit gibt, nachzuvollziehen, ob die Firma tatsächlich Miner aufstellt, oder ob sie einfach dem Kunden Schritt für Schritt, aber niemals vollständig, sein eingezahltes Geld zurückgibt – also ein Ponzi-Schema ist.

Einer der bekannteren Anbieter von Cloud Mining, GAW Miners, hat vor kurzem den Paycoin, eine eigene Währung, angekündigt. Der PayCoin solle schneller und besser sein als der Bitcoin, und, so GAW, man habe sogar schon Deals mit Amazon, Target und Walmart ausgehandelt. Die Ankündigung brachte GAW Miners glatte 25.000 neue Kunden ein.

Coinfire, eine Bitcoin-Newsseite, hat daraufhin nachgeforscht. Das Ergebnis: Weder Amazon, noch Walmart noch Target haben jemals etwas von einem solchen Deal gehört und sich nicht besonders gefreut, dass GAW damit Werbung macht. GAW selbst war, so Coinfire, für keine Stellungnahme zu haben.

Anschließend begann eine Schlamschlacht. Coinfire wurde per Abmahnung dazu gezwungen, den Artikel vom Netz zu nehmen. Wie Coinfire berichtet, gab es auch einen DdoS-Angriff auf die Newsseite – wobei es selbstverständlich reine Vermutung ist, dass dieser von GAW ausging, auch wenn der Zeitpunkt doch recht auffällig ist. Daraufhin setzten Vorwürfe ein, dass GAW Miner ein Ponzi-Schema sei und gar kein echtes Mining betreibe – zumindest nicht in der Größenordnung, wie behauptet. Dieser Vorwurf ist, wie gesagt, so gut wie unmöglich nachzuprüfen. Ein gutes Licht hat die Angelegenheit aber nicht gerade auf GAW geworfen.

Blockchain.info verliert Kunden-Bitcoin

Bevor wir zu den guten Nachrichten kommen, haben wir noch eine weitere kleine Tragödie. Oder wie würden Sie es nennen, wenn Sie Bitcoins in 2-3-stelliger Höhe verlieren? Einer guten Handvoll Kunden von blockchain.infos MyWallet erging es so. Laut blockchain.info liegt die Schuld bei den Usern – zu schwache Passwörter, ein ungesicherter Zugriff über Tor-Nodes, kein 2-Faktor. Anderen Stimmen zufolge liegt es an einer schwachen Verschlüsselung bei blockchain.info. Darüber hinaus beklagen User, dass sie trotz starker Passwörter, trotz 2-Faktor und trotz Tor-Abstinenz Bitcoins verloren haben. Der Konkurrent Coinbase hat die Gelegenheit gleich genutzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass so etwas bei ihm nicht vorkommt. Marketing kann schmutzig sein.

Der erste Spar der Bitcoin akzeptiert

Nun haben wir endlich eine gute Nachricht. Arnhem, die Stadt mit der höchsten Dichte an Bitcoin-Akzeptanzstellen, ist in dieser Woche noch ein Stück mehr Bitcoin-Stad geworden: Der Spar-Supermarkt am Bahnhof hat begonnen, Bitcoins anzunehmen. Ja, wir reden von dem Spar mit dem Tannenbaum-Logo, dem laut Wikipedia weltweit größten freiwilligen Zusammenschluss von Händlern zu einer Handelskette. Die Händler bleiben eigenständige Gesellschaften, treten jedoch unter Name und Logo von Spar auf. Diese Eigenständigkeit erlaubt es dem Spar in Arnhem, Bitcoins anzunehmen. Vielleicht macht das Beispiel ja Schule unter den Kollegen.

Kein neuer Transaktionsrekord am Bitcoin Friday

Der Bitcoin-Friday vor einem Jahr hat einen Rekord in der Anzahl täglicher Transaktionen aufgestellt. Für den diesjährigen Bitcoin Black Friday war erwartet worden, dass er diesen toppen würde. War aber nicht so: Die Anzahl der täglichen Transaktionen blieb im ganz normalen Bereich. Ob deswegen der diesjährige Bitcoin Friday ein Flop war, wird sich noch zeigen. Vermutlich macht es aber den Unterschied, dass der Bitcoin Friday im vergangenen Jahr mitten in die Bitcoin-Begeisterung hinein gerast ist, während in diesem Jahr eher Beschaulichkeit und Ernüchterung vorherrscht.

 

 

 

 

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3 Comments on Schlammschlachten, die Hash-Rate und der Spar – oder warum Marketing auch schmutzig sein kann

  1. Name required // 29. November 2014 at 19:37 // Reply

    Zitat:
    “Dieser Vorwurf ist, wie gesagt, so gut wie unmöglich nachzuprüfen. ”

    Wieso?
    GAW-Miners könnten einmal unabhängigen Prüfern ihre Geschäftsräume zeigen und so nachweisen, dass sie tatsächlich im Besitz der angegebenen Hashingpower sind.
    Wenn sie das nicht tun, ist selbstverständlich Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.

  2. Cloud-Mining habe ich nie verstanden. Wenn es ein Gewinngeschäft ist macht es keinen Sinn für die Anbieter und wenn es ein Verlustgeschäft ist macht es keinen Sinn für die Kunden. Man vermietet keine Maschine zum Geld drucken.

  3. @Heinz, doch macht man, wenn die Maschine Millionen kostet und nur langsam druckt.

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