Hunderte Millionen Leser getäuscht

Angeblich hat die Bitcoin-Börse mybitcoin.hk Anleger um 3 Milliarden Hongkong-Dollar betrogen, was 342 Millionen Euro entspricht. Der Fall erschüttert einmal mehr das Vertrauen in die Medien.

Hach, Nachrichten bei ihrer Geburt zu verfolgen kann manchmal erheiternd sein. In der Regel gibt irgendjemand, der aus irgendwelchen Gründen vertrauenswürdig erscheint, ein Statement ab, aus dem dann eine Presseagentur eine Meldung macht, die ungeprüft und meist im Wortlaut von so gut wie allen “Qualitätsmedien” nachgedruckt wird.

Im aktuellsten Fall ist die vertrauenswürdige Person der Politiker Leung Yiu-chung aus Hongkong, die Presseagentur die AFP und die Qualitätsmedien unter anderem die Huffington Post, die Welt, das Handelsblatt, die RP, der Standard, der Focus, der Kurier und viele weitere. Der AFP-Text beginnt damit, dass Anleger “erneut” hohe Verluste im Zusammenhang mit der virtuellen Währung Bitcoin fürchteten. Nachdem die Börse MyCoin aus Hongkong geschlossen habe, seien rund 342 Millionen Euro verloren, so der Politiker. Bei ihm haben sich Dutzende geprellter Anleger gemeldet, und eine davon hat sogar 1,3 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 100.000 Euro) investiert. Er schätze, dass insgesamt 3.000 Anleger insgesamt 3 Milliarden HKD verloren haben. Manche der Medien erwähnen noch, dass MyCoin den Anlegern versprochen hatte, sie würden innerhalb eines Jahres 200 bis 300 Prozent Gewinn machen, die deutschen Wirtschaftsnachrichten sagen immerhin, MyCoin habe vermutlich ein Schneeballsystem aufgezogen.

Diese Meldung lässt drei Fragen offen:

  • Wie kommt der Politiker aus Hongkong aufgrund von Dutzenden von Beschwerden sowie einem einzigen Beispiel einer Frau die laut eigener Aussage 1,3 Millionen Hongkong-Dollar verloren hat, auf die Zahl von 3 Milliarden HKD?
  • Sind 342 Millionen Dollar Betrug für ein Öko-System, das insgesamt gerade mal eine Marktkapitalisierung von 3 Milliarden Dollar hat, nicht etwas arg viel? In Bitcoin wären das gut 1,7 Millionen Bitcoin.
  • Warum hat man von MyCoin.hk noch nie etwas gehört? Ich kann Ihnen die zehn wichtigsten Bitcoin-Börsen im Schlaf aufzählen und mit etwas Nachdenken die zwanzig nächsten, aber von MyCoin.hk habe ich ebenso wie die meisten Bitcoiner noch nie etwas gelesen. Wie ist es möglich, dass eine derart unbekannte Börse so viel Geld unterschlagen kann?

Dass die Medien angesichts dieser klaffenden Fragen durchgehend im Indikativ titeln, dass eine Bitcoin-Börse mit 342 Millionen Euro verschwindet, kann nur eines beweisen: das Abo bei einer Presseagentur wird viel zu oft als Erlaubnis verstanden, das Nachdenken sein zu lassen. Die Suggestion, ein Bitcoin-Handelsplatz wie Bitcoin.de oder Bitstamp habe 342 Millionen Euro veruntreut, ist durch und durch falsch.

Laut einem Forenbeitrag eines chinesischen / hongkonger Bitcoiners geschah das folgende: MyBitcoin.hk war eine kleine Börse mit einem Handelsvolumen von weniger als 500 Bitcoin am Tag. Die Börse hat schon seit einiger Zeit die Auszahlung von Bitcoins verzögert und tägliche Limits von zuerst 0,5 Bitcoin, dann 0,1 und schließlich 0,01 Bitcoin gesetzt. In der Folge sank der Preis für Bitcoins auf MyBitcoin.hk auf bis zu zehn Hongkong Dollar (etwa 1 Euro). Dass die Bitcoins, die manche Kunden dort gekauft haben, gar nicht wirklich existieren, sollte sich von selbst verstehen. Laut dem Forenten entstand die Zahl 3 Milliarden Hongkong Dollar dadurch, dass die angeblich gekauften Bitcoins mit dem Bitcoin-Marktpreis verrechnet worden sind.

Stellen Sie sich vor, ich verspreche Ihnen 1.000 Euro in einem Jahr, wenn Sie mir jetzt 3 Euro zusenden. Wenn ich dann mit Ihren 3 Euro verdufte, habe ich Sie um 1.000 Euro betrogen? Offensichtlich ja – sofern es eine Presseagentur behauptet.

 

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11 Comments on Hunderte Millionen Leser getäuscht

  1. Auf den Herrn Bergmann ist wie fast immer verlass. Danke dafür!

  2. Ist es nicht egal um wieviel Kohle es geht? Betrug bleibt Betrug.

  3. Danke für die Aufklärung!!

  4. Super Artikel, es gibt doch noch Hoffnung im Medien Wahnsinn🙂

  5. Wenn ich eines im Leben gelernt habe, dann ist es Politikern, Medien und Kapitalisten zu glauben. Deren System geht nur auf wenn man lügt.

  6. Ja, ich wäre um 1.000,- € betrogen, da ich mit der Zahlung von 3,00 Euro einen Rechtsanspruch auf den Tausender erworben hätte. Dumm, wer für den Tausender nur 3,00 Euro verlangt. Auch bei 100,00 Euro je Tausender wären bestimmt viele eingestiegen. Das Wegrennen hätte also mehr eingebracht. So läuft Kapitalismus…

    • Ganz genau! Sicherlich wäre man bei dem Beispiel noch einigermaßen glimpflich davongekommen, weil man nicht wirklich viel investiert hat, aber man geht ja davon aus, dass man etwas Wertvolles billig gekauft und gut angelegt hat. Und vielleicht lässt man sich verleiten, dann eben sehr große Summen so “günstig” anzulegen und zieht es woanders ab. Wenn man dann alles verliert, ist das immer noch schlimm, auch wenn es keine Milliarden waren.

      Betrügereien erschüttern halt das Vertrauen. Und die Moral von der Geschichte: Vertraue weder der Presse noch dem Bitcoin, das Leben ist eins der härtesten…

  7. Erklären sie doch mal bitte Kapitalismus.
    Offenbar wissen die meisten nich mal was Kapitalismus bedeutet.
    Kapitalismus ist ein Kampf begriff der von Kommunisten eingeführt wurde.
    Kapitalismus = Freier Markt und ist kein System und braucht auch keinen “ismus”.
    Sprich Freiwilliges freies Handeln zwischen Menschen.
    Wir haben nirgendwo auf der Welt Kapitalismus wir haben nur Sozialismus und Kooperatismus.

    Ein wenig mehr aufklärung: http://www.freiwilligfrei.info/archives/2271

  8. Was ein schwachsinn… Das wird mit absicht so gemacht um Bitcoin einen dämpfer zu geben das der Bitcoin nicht durch die decke schießt. Naja die können es aller höhstens verzöggern das dies geschieht aber keinenfalls verhindern!

    • freiwilliges freies handeln= f”reiwilliges freies profit machen” einerseits und freiwilliger freier
      überlebenskampf der kurzarbeiter,billiglohnempfänger und 1euro-empfänger andererseits.
      alles freiwillig. was sagt der der staatsratschef- der fortschritt ist angekommen.

  9. Ich bin nicht ganz so sicher, wer wen getäuscht hat, es steckt offenbar etwas mehr dahinter, auch wenn Einige jetzt vielleicht (noch) meinen, es sei alles nur schlechte Bitcoin Publizität.

    http://www.coindesk.com/hong-kong-exchange-mycoin-disappears-387m-reports-claim/

    https://www.mycoin.hk/en/index.jsp

    http://news.yibite.com/application/2015/0208/27667.shtml

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