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Wie privat sind Bitcoin eigentlich?

"EU Privacy Directive / Changes to UK Internet Cookie Privacy Law" von Surian Soosay via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Anonym? Pseudonym? Mehr oder weniger privat? Ein Versuch, etwas Ordnung in ein schwieriges Thema zu bringen.

Über die Privatheit oder Anonymität von Bitcoin zu schreiben ist schwierig. Ich entdecke dabei, dass ich eine Schere im Kopf habe. Nämlich die Assoziation zur Geldwäsche. Wenn jemand Bitcoins anonym benutzen will, dann wird er doch wohl nichts legales machen, oder? Er wird bestimmt Drogen kaufen oder ein anders schmutzig gewordenes Geld waschen. Schließlich ließ auch die Silk Road die Bitcoins durch einen Mixer laufen, um ihre Spuren zu verwischen.

Allerdings: würde man dasselbe über Bargeld sagen? Oder meint man, dass alle, die das Postgeheimnis beanspruchen, kriminelle Geheimnisse in Briefe schreiben?

Es gibt eine seltsame Diskrepanz im Ansehen von analoger und digitaler Privatheit. Analog wäre es ausgeschlossen, dass jemand eine Kamera in seinem Schlafzimmer toleriert. Wenn die Geheimdienste einem aber auf jeden digitalen Fußtritt folgen, hat man ja nichts zu verbergen. Bezahlt jemand ein Buch mit Bargeld möchte er – selbstverständlich – keinen Ausweis zeigen. Wenn aber jemand bei digitalen Transaktionen möchte, dass der Name außen vor ist, dann steht er im Verdacht, Geld zu waschen. Schon etwas schief, oder?

Es sollte vollkommen in Ordnung sein, in Bitcoin auch etwas zu sehen, was sie sein könnten: digitales Bargeld. Und eine der Eigenschaften von Bargeld ist eben, dass es nicht speichert, wer zu welcher Zeit was von wem gekauft hat. Trifft das auch beim Bitcoin zu?

Die Antwort ist ja. Aber nur in gewissen Grenzen, und nur mit einem nicht geringen Aufwand. Der Bitcoin ist, das kann man nicht anders sagen, mehr oder weniger anonym. Wenn es Ihnen gelingt, Bitcoins zu erwerben UND auszugeben, ohne dass Ihr Name UND Ihre IP-Adresse irgendwo gespeichert wurde, dann wären diese Bitcoins anonym geblieben. Sie selbst speichern nicht, wer was von wem gekauft hat. Allerdings speichern sie, anders als Bargeld, welche Kontostände welche Beträge halten und wohin versenden. Dadurch verlieren Bitcoins über kurz oder lang fast immer ihre Anonymität.

In der Regel schon beim Kauf, da Sie dazu meist ein Bankkonto benötigen. Oder beim Verkauf. Oder dann, wenn Sie eine Bestellung nach Hause mit Bitcoins bezahlen. Alles, was Sie machen könnten, ist, einige Tausend Bits* zu minen oder geschenkt zu bekommen und mit ihnen virtuelle Güter wie Songs oder Spieleitems bezahlen. Dann wäre zumindest Ihr Name nicht im Spiel.

* bit: die kleinste gängige Verrechnungsgröße für Bitcoins. 1 BTC = 1.000 milliBitcoin (mBit) = 1.000.000 bits. Bild: Bob knows the drill von Kate Ter Haar via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ihnen sollte natürlich klar sein, was passiert, wenn Sie diese bits mit ChangeTip auf Facebook sammeln 🙂

Selbst wenn Sie kleine Summen Bitcoin bekommen, ohne dass an diesen Ihr Name klebt – etwa bei Faucets oder indem Sie Altcoins minen – dann bedeutet das nicht, dass diese Bitcoins anonym sind. Sie melden sich ja per E-Mail bei etwa Börsen an, und die Seiten, die Sie besuchen, könnten Ihre IP-Adresse aufzeichnen.

Bitcoins dokumentieren in alle Ewigkeit, wann von welcher Adresse wieviele an welche Adresse gesendet wurden.  Das bedeutet: Sobald eine Adresse EIN einziges Mal mit Ihrem Namen in Verbindung gekommen ist, haben die Bitcoins darauf für immer die Privatheit verloren. Sie können natürlich versuchen, sie wieder zu privatisieren. Etwa indem Sie sie von einer Adresse zu einer anderen senden, aufteilen, in verschiedenen Paketen auf verschiedene Wallets verteilen. Das dürfte aber im Ernstfall nicht viel bringen, da solche Muster leicht zu identifizieren sind.

Es gibt Mixer, die Bitcoins waschen bzw. reprivatisieren. Sie vermischen Transaktionspakete, damit nach Abschluss des Waschgangs nicht mehr klar ist, wer was an wen überwiesen hat. Allerdings sind Mixer selbst auch als Muster erkennbar und funktionieren nur bei eher geringen Beträgen.

Selbst dabei kann es passieren, dass Ihre IP-Adresse irgendwo aufgezeichnet wurde. Wenn Sie eine Light-Wallet benutzen, laufen die Transaktionen über Server, die IP-Adressen dokumentieren und mit Bitcoin-Adressen zusammenbringen können. Der Bitcoin-Client ist in dieser Beziehung diskreter, aber es scheint zumindest Möglichkeiten zu geben, auch gezielt IP-Adressen von Transaktionen herauszufinden.

Bitcoins haben ein Gedächtnis, daher sind sie kein Bargeld. Es ist für den Laien (und wohl auch für den Fachmann) kaum möglich, Bitcoins WIRKLICH anonym zu benutzen. Len Sassaman, der verstorbene und in der Blockchain verewigte Cypherpunk, war genau deswegen auch alles andere als begeistert von der Kryptowährung.

Bitcoin ist weniger anonym als Bargeld. Verglichen mit Digicash, das ‘mehr’ anonym war […] Bitcoin fehlt die Nicht-Verlinkbarkeit als Eigenschaft. ‘Tor oder Mixmaster darüberwerfen’ ist keine sehr befriedigende Antwort, zumindest nicht für jemanden, der versteht, wie solche Systeme versagen […] Jeder Kontrahent auf state-level kann kann Bitcoin mit der Identität in der echten Welt verbinden – oder, zumindest, mit Computern in der echten Welt.

Dass der Bitcoin weniger privat als Bargeld ist, bedeuten aber nicht, dass er ebenso unprivat wie Giralgeld ist. Denn Giralgeld hat die unangenehme Eigenschaft, geschwätzig zu sein. Es liefert mit der Transaktion auch die Info, in wessen Namen sie gezeichnet wurde. Beim Bitcoin übermittelt eine Transaktion nur die Adresse in der Blockchain. Bitcoins können, wenn es denn sein muss, mit einer Person in Verbindung gebracht werden, aber das ist nicht immer einfach. Der Kölner Kriminalkommissar Holger Klermusch hat auf einer Konferenz in Wiesbaden demonstriert, dass man Bitcoins über Börsen und Pokerseiten verfolgen kann – aber es am Ende trotzdem kaum möglich ist, den Namen herauszufinden.

Bitcoins sind schon privater als ein Bankkonto, als Sofortüberweisung, PayPal oder eine Kreditkarte. Wenn Sie es nicht wollen, dass Ihre privaten Daten auf fremden Servern gespeichert werden, wenn Sie online einkaufen, dann ist der Bitcoin eine gute Wahl. Er schützt Ihre Privatsphäre. Aber sie sind nicht anonym und kein digitales Bargeld.