Ein 10.000 $ Spiel, Training oder Ernst: ein Trading Wettbewerb mit Bitcoins

"Great White Shark" von Elias Levy via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mögen die Spiele beginnen! Volker Baums macht bei einer Coin-Trading-Competition mit – und ist verblüfft, wie brutal die Mechanismen des Handels mit Hebel funktionieren können. Ein Goldfisch berichtet aus dem Haifischbecken.

Von Volker Baums

Das Angebot auf CCN hat mich angelockt, wie den Teufel das Weihwasser oder das gebrannte Trading-Kind, das immer wieder auf heiße Herdplatten fassen möchte. Endlich richtig üben dürfen, um seine vergangenen Fehler auf Trading-Plattformen zu bewältigen und in Zukunft alles besser zu machen. Also habe ich am Wettbewerb teilgenommen.

Die Nachrichtenseite CCN ist für den Bitcoin-Trading-Wettbewerb einen wundervollen Deal mit einer Plattform eingegangen. Das B-Spiel begann am 1. Mai und dauert bis Ende des Monats. Ca. 500 Bitcoiner oder die es werden wollen, haben sich angemeldet, und der beste Trader, der, der am Ende des Monats den größten Batzen Spiel-Bitcoins besitzt, bekommt 5 echte Bitcoin als Preisgeld. Möge der Beste gewinnen!

Auf der Plattform findet man nur Bitcoins vor und keine weiteren Ablenkungen. Außer natürlich den Virus und die Seuche von Reklamen. Danke, den Schnupfen hatten wir, Margin Call lässt grüssen. Diese automatische Nachforderung von Einsatz ist der Horror aller Trader. Wegen ihr sind schon Banker abwärts aus dem Hochhausfenster gerufen worden, um beim Fallen oder Steigen durch stop-loss aus dem Fenster in die Tiefe zu gehen, alles zu verlieren oder ihr Leben weiter auf die falsche Seite zu setzen. Beim Wettbeweb wird zwar mit 10fachem Hebel gespielt, aber der Margin Call ist, Gottseidank, nicht im Spiel. Allein dafür sei den Veranstaltern schon gratuliert.

Handel der Jahreszeiten mit Hebel

Als Händler der 4 Jahreszeiten kann man auf steigende oder fallende Temperaturen setzen. Seine Investitionen, „Exposure“ nennt es sich beim B-Coinwettbewerb, gefriert oder erhitzt sich um das Zehnfache des Einsatzes, hinzugezählt oder abgezogen zu den 10.000 $, mit denen man startet, je nachdem, ob man richtig lag oder falsch gesetzt hat. Ob also das Target, d.h. das Kursziel, erreicht ist oder das Gegenteil davon, den stop loss, übersetzt als: Hör auf zu verlieren, aber verliere. Das musst du dann aushalten können.

Natürlich schwanken Kurse immer, sie steigen oder fallen oder torkeln herum, selbst wenn sie scheinbar bleiben wie sie sind. Heißt das also, dass Traden so etwas ist wie ein Roulette? Dem Zufall ausgeliefert, ob rot oder schwarz kommt und du zufällig auf der falschen Seite erwischt wirst und doppelt nachliefern musst, um Deinen Ausgangszustand zu erreichen?

"Here comes number 4! " von Antonio Rivera via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

“Here comes number 4! ” von Antonio Rivera via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ich würde sagen nein. Eher wie Pferdewetten, man muss die Pferde kennen, auf die man setzen kann, um seine Chancen zu verbessern. Und das bedeutet, man muss eine Strategie haben, um Chance und Risiko einzugrenzen. Dazu dient auch das stop Angebot, das man mit jeder Zielwahl über oder unter dem aktuellen Kurs mitwählen kann bzw. muss.

Wähle ich das Ziel drüber, dann heisst das „long setzen“ und entspricht der Erwartung, dass der Kurs steigt. Ein Short ist dementsprechend das Gegenteil: eine Wette darauf, dass der Kurs fällt. An der Börse wird eben Zukunft gehandelt, nichts ist wahrer als dies. Nun wähle ich mit dem Ziel auch gleich das Gegenziel mit, wie Sommer zu Winter, gesät und geerntet oder erfroren, und diese Position liegt etwa 15 Punkte vor dem Komma nach unten bei long.

… und im Schlaf verlierst du immer noch oder rechnest dich reich

Ich hoffe, ich schaffe es, ein Beispiel zu beschreiben, weil über Zahlen zu reden ist so eine Sache. Aber es passiert gnadenlos ohne Kellner. Fällt der Kurs jenseits deines Zieles long, also in den Keller, dann wirst du automatisch minus ausgebucht. Trifft Dein Ziel ein, dann wird dir das 10-fache deines Einsatzes, sagen wir 1000 Dollar+X, ins Plus gebucht. Die Wahl des Risikos hängt von der Ferne zum Akutkurs ab.

Um so näher, um so geringer der möglicher Gewinn, um so weiter weg, um so größer dieser, aber vermutlich um so gefährlicher die Gegenposition, die dich weghaut. Das habe ich nicht ausprobiert. Mir scheint die Gefahr schon so groß genug, dass ich 15 Punkte vor dem Komma falsch liege. Und im Schlaf verlierst du immer oder rechnest dich reich, je nach Gemütslage, und morgens musst du am Rechner prüfen, ob du dich umsonst geärgert oder gefürchtet hast, darfst dich aber auch über einen Gewinn freuen oder über die schlichte Tatsache, dass du noch im Spiel bist. Es gilt also meiner bescheidenen Meinung nach die Devise, im Spiel zu bleiben und nicht zu viel zu riskieren. Denn ein Verlust muss doppelt reingeholt werden. Erstmal dein Geld, das du hättest, wenn du nicht angefangen hättest, und dann noch den möglichen Gewinn. Die Traumspieler hoffen immer mit einem großen Gewinn, der alle früheren Verluste ausgleicht.

Zurück zum Wettbewerb. Der ist harte Denk-und Nervenarbeit. 4faches Denken in Doppelzielsuche oben und unten, je 1000 $ Dollar setzen, beide Gegenpositionen abwägen und hoffen, dass sie nacheinander erreicht werden. Gleichzeitig geht ja auf keinen Fall. Daher habe ich eine mittlere Schwankungsbreite gewählt. So schlau war ich – oder fühlte ich mich.

Tatsächlich staune ich darüber, wie es die Gewinner gemacht haben, die jetzt schon ihren Einsatz, d.h. das Spielkapital, verdoppelt haben, obwohl gerade mal die erste Hälfte des Spiels vorbei ist. Ich bin immerhin stolz darauf, noch über dem Einsatz zu liegen mit meiner Strategie der Angstbewältigung, mir reicht das. Aber ich frage mich, warum ich mir das antue und ich bin mir sicher, dass die 10 Besten ihren 100.000 $ oder Eurojob sicher haben. Denn dies ist natürlich auch eine Art Personalauswahl für die, denen es gelingt, hinter das Geheimnis des Geldes zu kommen und am Plus-Puls des Kapitals den Doktor zu spielen. Da nennt sich doch tatsächlich einer mit Nickname „winner“ und war das auch.

Haifische bringen Liquidität

Also Incentives, Motivationen, gibt es genug, damit der Bitcoin flüssig bleibt und nicht einfriert. Das scheint mir doch das Hauptziel und der Hauptzweck derartiger Plattformen zu sein, die sog. Liquidität um den Globus aufrecht zu erhalten. Und die Haie schwimmen mit den kleinen Fischen im Wasser und die, die es können, werden immer fetter und mal werden Dollar in Bitcoin getauscht und mal Bitcoin in Dollar, je nachdem, ob ich die Prognose mache, ob ich auf diesem Pferd besser sitze und dem Ziel, einen Tesla oder eine C-Klasse zu fahren, etwas näher komme.

Was aber heißt überhaupt Hebelwirkung mal 10, gewinnen oder verlieren, in englisch leverage? So wie ich es verstehe, heißt dies: wenn ich 1000 $ von meinem Spielgeld investiere, sagen wir zu einem Einstiegspreis von 250 $ je Bitcoin, dann ist das so, als ob ich für
10.000 $ Bitcoin gekauft hätte, also 10 mal 1000, das sind 40 Bitcoin real gekauft in meinem Auftrag. Der Wert meiner 40 Bitcoins zum Einzelpreis von 250 $ ist genau 10000 $. Bitte nachrechnen.

Um diese „exposure“ zu kriegen, habe ich 1000 $ von meinem (Spiel-)Geld investiert und mir 9000 $ geliehen, in Form eines Kurzkredits. Ich kaufe damit einen Long Booster 10x leverage. Nun habe ich Pech und der Wert des Bitcoins sinkt, sagen wir um 10 %. Dann ist der Aktuellpreis 225. Das wiederum heisst, meine 40 Bitcoins, in die ich auf diese Weise investiert habe, sind nur noch 9000 $ wert. Und ich habe 1000 $ verloren.

Fällt der Wert des Bitcoin weiter auf 200 $, dann wäre der sog. Margin call gekommen. Geld nachliefern, noch ein 1000er oder mehr, um im Spiel zu bleiben. Das ist beim Wettbewerb so nicht. Keiner kann mehr verlieren als seinen Einsatz. Das ist ja schon schlimm genug. Aber das B-System ist meiner wirklich immer noch ignoranten bis naiven Meinung nach doch noch etwas humaner und anständiger, so dass es einen nicht alles verlieren lässt, sondern einen mit einem Verlust von etwa 75% herauswirft und die an sich gerissenen Bitcoins selbst verkauft auf dem Haifischmarkt, immer noch mit der Expertenchance, damit den Wert des Bitcoins auf dem Weltmarkt weiter in den Keller zu treiben oder eine Welle hochzuheben und einen Restgewinn zu erzielen, von dem ich dann natürlich nichts mehr habe. Ich bin also wie ein Angler am Meer mit einer Tasse Kaffee, mal schmeckt sie nach Salz, mal habe ich auf Zucker getippt und lag richtig.

Es paart sich also Expertenwissen mit meinen kleinen Versuchen zu einem Geschäft, das ich mitmachen kann und wenn ich richtig liege, sagen wir in 10 Fällen, dann kann mir in 1-2 Fehlerversuchen der gesamte Gewinn wieder weggehauen werden und ich bin wieder am Anfang. Brutal. Und wenn ich mich noch dümmer anstelle, dann komme ich nie wieder an den Anfang meines Spielgeldes zurück. Dennoch, es scheint mir ein wichtige System zu sein, um im Konzert der Weltwährungen mitzuspielen und die Experten können darin dem Bitcoin einen Platz erobern. Ob ich dazu das passende Geschick entwickeln kann, weiss ich nicht. Warten wir das Spielende ab.

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