Gutscheine 2.0 und Regulierung auf kanadisch

Alle lieben die Blockchain, die chinesischen Miner schlagen eine Lösung für das Blocksize-Dilemma vor, der Preis steigt, und es wird gemunkelt, dass die Griechenland-Krise der Grund dafür sei. Das sind die Bitcoin News der Woche.

1,7 Milliarden Euro, 2 Milliarden Euro, 4 Milliarden Euro: In Griechenland geht nach langen, zähen und erfolglosen Verhandlungen die Angst vor einem Bankrun um. Während am Monatsende die nächste Deadline endet, IWF-Chefin Christine Lagarde allen Beteiligten rät, sich wie Erwachsene zu verhalten, die deutsche Presse weiter aus allen Rohren auf die griechische Regierung feuert, diese noch immer zögert, Rentner zu ruinieren und Reeder zu besteuern – währenddessen haben die griechischen Bürger begonnen, Tatsachen zu bauen. Sie haben mehrere Milliarden Euro bzw. 1,5 Prozent aller Einlagen von ihren Bankkonten abgehoben. Experten fürchten einen Bankrun, der den griechischen Banken den Todesstoß versetzen könnte.

Da der Bitcoin-Preis in der selben Woche, in der sich das griechische Drama weiter zuspitzte, ziemlich stark gestiegen ist und mit 225 Euro seinen höchsten Wert seit Anfang April erreicht hat, wurde mitunter ein Zusammenhang zwischen Griechenland-Krise und Bitcoin vermutet. Schließlich wurde die erste Blase von 2013 laut vielen dadurch angefacht, dass Zypern Vermögen auf Banken beschlagnahmt hat, um der Eurokrise Herr zu werden. Wiederholt sich die Geschichte einige hundert Kilometer weiter im Norden?

7-Tages-Chart von bitcoin.de

7-Tages-Chart von bitcoin.de

Auf bitcoin.de zumindest ist keine Zunahme griechischer Angebote zu verzeichnen. Auch auf localbitcoins gibt es weiterhin nur eine kleine Handvoll griechischer Angebote. Da es keine eigene Bitcoin-Börse in Griechenland gibt, ist also keine erhöhte Nachfrage nach Bitcoins in Griechenland zu erkennen. Die Griechen horten erst einmal Bargeld, weil es möglich ist, dass im Falle einer Staatspleite die Banken pleite gehen, aber die Euro-Scheine ihren Wert behalten. Mit Bitcoin haben sie eher weniger etwas am Hut.

Die Bitcoin-Rally ist übrigens nach dem beherzten Anstieg auf 225 Euro und Rekordpreisen von 250 Euro auf bitcoin.de an der Spitze abgeprallt. Der Preis steht jetzt bei etwa 215 Euro.

“Die Blockchain ist eine echte Innovation”

Vier Buchstaben weiter im Alphabet und einige tausend bis zehntausend Kilometer im Westen von Griechenland liegt Kanada. Der Senat des Landes hat auf eine originelle Weise Gebrauch von der Blockchain gemacht: Er ließ seinen Ansatz zur Bitcoin-Regulierung in die Blockchain hineinschreiben: “Das Bankenkomitee des Senats spricht sich für einen vorsichtigen Ansatz zur Regulierung von Satoshi’s Erfindung aus.” Hintergrund ist, dass das Komitee einen Bericht zu virtuellen Währungen geschrieben hat. Der Bericht nennt zwar auch die Risiken um den Bitcoin – silkroadsilkroadsilkroad – konzentriert sich aber vor allem auf die Chancen: Banking für die unbanked in Entwicklungsländern und der Schutz der persönlichen Daten im Netz. “Wir haben erkannt, dass die Blockchain-Technologie derzeit in einem sensiblen Stand der Entwicklung und Nutzung ist. Daher raten wir der Regierung, das riesige Potenzial dieser Technologie zu erkunden und dabei vorsichtig zu sein beim Abwägen von Regulierungen, die die Nutzung und Entwicklung der Blockchain-Technologie behindern und unterdrücken könnten.” Auf 65 Seiten erklärt der Bericht dann ausführlich, was virtuelle Währungen sind und was man mit ihnen machen kann. Senator Doug Black kommentierte über twitter: “Die Blockchain ist eine echte Innovation. Wir haben den Bericht des Banking Kommitte in der Blockchain veröffentlicht.” Dabei wurde sowohl die genannte Nachricht wie auch der Bericht in eine Hash umgewandelt und diese dann mittels OP_Return in der Blockchain abgespeichert.

Mining-Pool BTC Guild schließt wegen Regulierung

Gut 700 Kilometer südlich von Kanadas Hauptstadt Ottawa schlägt man einen ganz anderen Ansatz an. Die BitLizenz in New York regiert die virtuellen Währungen mit recht strenger Hand. Zumindest so streng, dass manche Unternehmen es vorziehen, keine Geschäfte mehr mit New Yorkern zu machen – oder gleich ganz schließen. So erging es BTC Guild, einem großen und alten Mining-Pool. Laut Administrator Eleuthria spielt es dabei keine Rolle, ob BTC Guild in New York operiert oder nicht. Denn die finale Version der Lizenz hat genügend Graubereiche, um rechtliche Probleme auch dann zu verursachen, wenn BTC Guild versehentlich Kunden aus New York bedient. Man muss aber fairerweise sagen, dass die Lizenz nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: BTC Guild erhielt in den vergangenen Monaten und Jahren immer weniger vom Mining-Kuchen. Damit sanken die Umsätze, während die Kosten für den Betrieb des Pools gleich teuer geblieben sind.

Und nochmal Blockchain: Gutscheine in der Kette

Gyft ist ein amerikanischer Anbieter von Gutscheinkarten für alles, der schon längst Bitcoin akzeptiert. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter und verkündte, “Gutscheinkarten 2.0” zu entwickeln. Indem man die Gutscheine in der Blockchain speichert und über die Blockchain prozessiert, können die Gutscheine sicherer und privater werden, man kann ein double-spending von Gutscheincodes vollständig ausschließen, und vor allem wird die Herausgabe von Gutscheinkarten wesentlich günstiger. Der Einfluss, den dies auf den Handel habe, sei schwer vorauszusagen. Stellen Sie sich einfach vor, jeder kann mit ein paar Klicks Gutscheinkarten herausgeben, die absolut sicher, anonym und frei übertragbar sind.

Möglicher Consens in Blocksize-Debatte: 8 MB

Die Blocksize-Debatte ist zu wichtig und zu verfahren, als dass man sie nicht weiter verfolgt. In der vergangenen Woche haben sich nun die chinesischen Mining-Pools zu Wort gemeldet. Die fünf größten Pools – F2Pool, BW, BTCChina, Huobi.com, Antpool – haben sich in Beijing getroffen und das Thema diskutiert. Dabei haben sie sich darauf geeinigt, dass eine Erhöhung der Blockgröße notwendig ist, aber 8 MB gegenüber 20 MB zu bevorzugen sind. Gegen 20 MB spricht für sie, dass die Bandbreite in China geringer ist als in einigen westlichen Ländern und von China raus in die Welt beschränkt ist, was zu Zeitverzögerungen zwischen China und den USA oder Europa führen könnte. Darüber hinaus sind einige chinesischen Pools technisch noch nicht bereit, auf 20 MB zu springen, und fürchten, dass es dann zu vielen verwaisten Blöcken kommt. “Wenn die Bitcoin-Community zum Consens kommt, die Blockgröße zunächst auf 8 MB zu erhöhen, denken wir, dass dies ein starkes Fundament für zukünftige Diskussionen wäre. Derzeit vereinen die fünf größten Mining-Pools Chinas mehr als 60 Prozent der Hashrate des Netzwerkes.”

About Sascha Nierste (34 Articles)
Hat Soziologie studiert und arbeitet unter anderem als freier Autor. Für das Bitcoinblog kümmert er sich mit Vorliebe um Neuigkeiten und Akzeptanzstellen.

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