Mark Karpeles in Japan verhaftet

Mark Karpeles, Chef der insolventen Börse MtGox, wurde in Tokio verhaftet. Vorgeworfen werden ihm Marktmanipulation und das Veruntreuen von Kundengeldern. Ein ehemaliger Mitarbeiter von ihm plaudert aus dem Nähkästchen – und enthüllt Zustände bei MtGox, die man fast nicht glauben möchte.

Als Anfang 2014 die bis dahin weltgrößte Bitcoin-Börse MtGox kollabierte, verschwanden Werte im Umfang von hunderten von Millionen Euro. Die Insolvenz von MtGox war nicht nur für diejenigen, die Geld auf der Börse liegen hatten, eine Katastrophe, sondern auch für den Bitcoin an sich, da sie das Vertrauen in die Kryptowährung nachhaltig erschütterte. Die Aufklärung der Vorkommnisse könnte ein Weg sein, um mit diesem dunklen Kapitel endgültig abzuschließen.

Die Polizei von Tokio hat nun Mark Karpeles, den Geschäftsführer von MtGox, verhaftet. Der 30-Jährige wird beschuldigt, die Börsendaten manipuliert, künstliche Bitcoin im Wert von einer Million Dollar erzeugt zu haben, an einem massive Verlust von Bitcoins Anfang 2014 beteiligt zu sein und Kundengelder im Wert von beinah 10 Millionen Dollar ausgegeben zu haben. Karpeles bestreitet die Anschuldigungen und sagt, er habe zwar einen Kundenaccount gespiegelt (verdoppelt), aber dies nur im Umfang von mehreren zehntausend Yen und nur zu Testzwecken. Darüber hinaus erklärt Karpeles den Verlust von mehreren hunderttausend Bitcoins mit einem externen Hack.

Teil der polizeilichen Ermittlungen gegen Karpeles war auch die Befragung von Ashley Barr, einem der ersten Angestellten von MtGox. Seine Aussagen haben dazu beigetragen, dass eine Anklage wegen Marktmanipulation und Veruntreuung zustande kam. In einem AMA beantwortet er die Fragen der Community – und enthüllt Zustände, die man bei einem Unternehmen, das zeitweise hunderte von Millionen Dollar im Monat prozessiert hat, kaum für möglich gehalten hätte.

Laut Barr habe niemand außer Mark Karpeles selbst Zugang zu den Wallets gehabt. Die von ihm als “Cold Wallets” ausgewiesenen sicheren Wallets waren nicht wirklich kalt, sondern nur auf einem anderen Computer mit Internetzugang gespeichert, zu dem nur er Zugang gehabt hatte. Für den Falle seines Todes hätte ein Freund aus Andeutungen rekonstruieren können, wie er die Wallets bergen kann. Laut Barr habe aber jener Freund nicht die geringste Ahnung gehabt, was Karpeles meinte.

MtGox hatte zwar mehrere angestellte Entwickler, doch diese konnten Karpeles kaum helfen, da sie nicht ans Backend der Börse durften. Eine Testumgebung, in der Änderungen vor der Liveschaltung geprüft werden, gab es nicht; stattdessen hat Karpeles die Updates selbst live eingepflegt. MtGox habe in so gut wie keiner Zeit Gewinn gemacht, da die Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen. Der finanzielle Status der Firma sei vollkommen unklar gewesen, da es keine ordnungsgemäße Buchführung gebe, und lediglich Mark Karpeles privates Bankkonto für Einzahlungen der Kunden genutzt wurde. Für Barr fühlte es sich an, als sei MtGox für Karpeles ein Computerspiel gewesen. Eines, in dem man aber nicht speichern kann.

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3 Comments on Mark Karpeles in Japan verhaftet

  1. Hört sich für mich so an als hätte der kerl ne schraube locker. Wäre ich sein anwalt würde ich ihm raten auf unzurechnungsfähigkeit zu plädieren.

    • Ein typischer Computernerd, welcher ein guter IT-Spezialist ist, jedoch als Unternehmer völlig versagt hat. Er hat quasi diese Sache vollkommen unterschätzt.
      Als Bitcoiner bin ich dem Typen dennoch ein wenig dankbar, denn erst mtGox hat den globalen Bitcoinhandel erst ins Leben gerufen.
      Dass was mtGox technisch betrachtet angeboten hatte war höchstinnovativ. Es gibt Beispielsweise bis Heute außer LocalBitcoins keine Plattform, in denen so viele verschiedene Währungen gegen Bitcoin eingetauscht werden können.
      Ohne mtGox wäre der Bitcoinhandel vermutlich wesentlich später populär geworden und dementsprechend wäre der Bitcoin vermutlich auch noch nicht auf dem heutigen Stand.

  2. Und wenn er wieder auf freien Füßen ist, dann als ein schwerer Millionär!
    Vielleicht hat es für ihn was gutes: All die gebunkerten, versteckten Bitcoins könnten innerhalb der nächsten Jahre enorm an Wert gewinnen.
    Dann bringt er noch schön eine Autobiographie raus: “My Life with bitcoin” Genug Zeit hat er ja

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