Long und Short: 1Broker auf dem Weg zur lizensierten CFD-Plattform

Haben Sie viel Zeit übrig und spekulieren Sie gerne mit Bitcoins? Dann dürften Sie 1Broker lieben. Auf der Plattform kann man mit Bitcoins CFDs (Differenzkontrakte) auf viele Indizes, Aktien und Güter handeln. Die bislang anonyme Plattform strebt derzeit an, eine vollwertige Lizenz zu bekommen.

Steigt der DAX? Fällt der Euro? Was macht der Bitcoin-Kurs? Wer auf 1Broker seine Positionen setzt, kann oft gar nicht anders, als minütlich nachzuschauen, wie sich die Kurse entwickeln. Ständig ist eine Entscheidung zu treffen: Soll ich mein Long auscashen? Oder geht der DAX noch weiter nach oben? Lohnt es sich, ein Short für BMW zu eröffnen? Und wann verlässt Gold endlich den Bärenmarkt?

Auf 1Broker handelt man mit CFDs (Differenzkontrakte). Das sind hochriskante, aber unterhaltsame Finanzinstrumente. Man kauft keine Aktie, kein Indexpapier oder eine Fremdwährung, sondern man wettet auf den Kursverlauf. Mit “long” auf einen Anstieg, mit “short” auf einen Abstieg. Mit einem Hebel vervielfacht man den Gewinn oder Verlust. So setzt und tippt man auf all die kleinen, täglichen oder die großen, wöchentlichen Schwankungen der Kurse. Mit einem Stop Loss setzt man ein Limit des Verlustes, mit einem Take Profit sahnt man bei einer Schwelle automatisch den Gewinn ab.

Mögliche CFDs auf 1Broker sind DAX, Euro Stoxx 50, der Dow Jones, Gold, Silber, Bitcoins, Öl, Währungspaare, BMW, Google, Alibaba und viele mehr.

1Broker ist die einzige mir bekannte Plattform, auf der man CFDs gegen Bitcoins handeln kann. Das ganze läuft unheimlich reibungslos, unkompliziert und schnell ab. Bei 1Broker beseitigt der Bitcoin zahlreiche Hürden zur Spekulation. Man zahlt Bitcoins ein, wartet ein paar Bestätigungen ab, und los geht’s. Die Plattform ist außerordentlich gut gemacht. Es gibt zu jedem CFD einen Chart, in dem man den Kursverlauf in Echtzeit, im Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresverlauf beobachten kann. Alles lädt sehr schnell, Trades werden rasch geordert, die Benutzerführung ist einfach und übersichtlich. Das Traden auf 1Broker macht so viel Spaß, dass es Suchtpotenzial hat.

Auf der Plattform handeln rund 5100 Trader. Das tägliche Handelsvolumen sei, meint Patrick von 1Broker, der mir per E-Mail Auskunft gibt, ein höherer dreistelliger Bitcoin-Betrag. Patrick heißt nur Patrick, sein Nachname bleibt genauso unbekannt, wie die Adresse von 1Broker. Ich vermute, die Firma ist aus Österreich. Patrick erklärt, weshalb die Plattform bisher anonym ist: “Zum einen ist die rechtliche Seite schwer zu beurteilen, da es in unserem Staat schlichtweg keine Judikatur zu unserer Tätigkeit gibt. Außerdem gab es uns in den ersten Jahren die notwendige Distanz und Privatssphäre, um uns voll und ganz auf das Projekt konzentrieren zu können.”

Oft wird vor anonymen Plattformen gewarnt. Wenn die Leute hinter einer Webseite nicht ihren Namen verraten, hat man schließlich keine Möglichkeit, sie rechtlich zu belangen, wenn sie mit den Bitcoins, die man ihnen anvertraut, verschwinden. Oft hat sich dieses Misstrauen bestätigt, etwa wenn Altcoin-Börsen oder Darknet-Marktplätze verschwunden sind. 1Broker dagegen ist ein leuchtendes Gegenbeispiel: Die Plattform existiert seit 2012, und es ist nicht bekannt, dass sie einen Kunden betrogen oder Kunden-Bitcoins verloren hätte. Seit der Gründung entwickelt das Team hinter 1Broker die Plattform stetig weiter. Sie integrieren neue Handelspositionen, bauen eine 2-Factor-Authorisierung ein oder implementieren eine API.

Allerdings meint Patrick, dass sich das Tempo der Fortentwicklung etwas verlangsamt hat. Denn das derzeitige Großprojekt verschlingt mehr Zeit und Geld als alle neuen Features der Webseite: “Seit einigen Monaten arbeiten wir mit Anwälten und Steuerberatern einen Plan aus, um die Plattform als rechtlich vollwertiges Unternehmen zu führen,” erzählt Patrick, “Wegen der extrem komplexen Rechtslage und steuerlichen Situation bedeutet das für uns einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand, weswegen die sich die Weiterentwicklung des Projekts leider etwas verlangsamt hat. Wir hoffen aber, diese Sache in den nächsten Wochen/Monaten, spätestens aber bis zum Jahresende, abschließen zu können.”

Bisher hatte 1Broker keine Probleme mit Behörden – obwohl sie seit rund 3 Jahren eine Finanzdienstleistung anbieten, ohne eine Lizenz zu besitzen. Patrick meint, er wüsste bis heute nicht genau, wie die rechtliche Lage einzuschätzen ist. Während das Geschäftsmodell an sich in den meisten EU-Ländern erlaubt ist, benötigt man bei Akzeptanz staatlicher Fiat-Währungen wie dem Euro eine Konzession. Wer auf 1Broker handelt, sollte sich demnach informieren, ob dieser Handel in seinem Heimatland legal ist – und er sollte unbedingt die steuerlichen Gegebenheiten seines Heimatlandes beachten.

Indem 1Broker zur vollwertig lizensierten Firma wird, muss sie sich natürlich den notwendigen Regulatorien unterwerfen müssen. Eine Abschaffung der anonymen Anmeldung sowie eine AML/KYC Policy, wie sie für Bitcoin-Börsen Pflicht ist, hält Patrick aber nicht für nötig. “Unsere Plattform ermöglicht keine (im Vergleich zu normalen Bitcoin Transaktionen effizientere) Geldwäsche. Transaktionen zwischen Tradern sind nämlich nicht möglich. Geht ein Staat aggressiv gegen uns vor, weil zum Beispiel CFDs in Verbindung mit Bitcoins verboten werden, so müssten wir langfristig solche Dinge aber andenken. Wie sich das Ganze entwickelt, kann ich nicht vorhersagen.”

Der Handel mit CFDs ist übrigens nicht nur ein juristisch kompliziertes Thema, sondern auch hochriskant. Da die eingesetzten Beträge gehebelt werden, können sich kleine Kursausschläge schnell zu großen Verlusten auswachsen. Bei einem Hebel von bis zu 100 für Währungspaare, kann ein kleiner Kursrutsch ziemlich schnell den gesamten Einsatz vernichten. Immerhin gibt es bei 1Broker keine Margin Calls, wie die berüchtigen Aufrufe von CFD-Plattformen heißen, wenn die Trader aufgrund eines ungünstiges Kursverlaufs Geld nachschießen müssen. Dennoch stellt der Trade von CFDs auf 1broker ein recht riskantes Unterfangen dar – und zwar eines, das geradezu süchtig macht. Wer daher von sich selbst weiß, dass er eine Neigung zur Spielsucht hat, sollte besser die Finger von 1Broker lassen.

About Markus Städler (24 Articles)
Ist freier Journalist und Autor. Er beschäftigt sich überwiegend mit technologischen und wirtschaftlichen Themen. Seit er Ende 2013 den Bitcoin kennengelernt hat, ist die Kryptowährung sein absolutes Lieblingsthema geworden.

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