Hacker spendet 10.000 Euro in Bitcoin an autonome kurdische Organisation in Syrien

Ein beliebtes Motiv: EIne Kämpferin der rojavanischen YPG. Bild von Kurdishstruggle via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der Hacker Phineas Phisher hat 10.000 Euro von einer Bank geraubt, diese in Bitcoin umgewandelt und damit die autonome kurdische Organisation Rojava unterstützt, die in einem Gebiet zwischen IS, Türkei und syrischer Armee um ihre Freiheit kämpft – und derzeit nach Wegen sucht, einen Nahrungsmittelengpass zu verhindern.

Der Hacker Phineas Phisher hat sich einen Ruf erarbeitet, indem er das Hacking Team und die Gamma Group gehackt hat. Sein aktuellster Streich setzt ein klares politisches Signal für eine Gruppe, die im Norden Syriens für Demokratie, Freiheit und ihr Überleben kämpft. Der Hacker hat von einer Bank 10.000 Euro geraubt, diese per Bitcoin an die “Coopfunding“-Kampagne von Rojava gesendet und die Organisation auf twitter als “eines der inspirierendsten revolutionären Projeke der Welt” bezeichnet. Die genaue Quelle des Geldes wollte er nicht nennen, da er hofft, noch deutlich mehr abzapfen zu können.

Die ars technica hat darüber einen langen, gut recherchierten Artikel geschrieben. Ein Sprecher von Rojava hat die Spende in Bitcoins bestätigt und auf die Bitcoin-Adresse der Organisation hingewiesen. Der Hacker hat sich wohl sehr genau überlegt, wen er mit dem Geld unterstützt. Er erklärte der ars technica per E-Mail:

Sie [Rojava] sind in einer unglaublich schwierigen Situation, mit dem IS auf der einen und der mit der USA verbündete Türkei auf der anderen Seite, die den Handel blockiert und angreift. Obwohl sie in einem Teil der Welt sind, auf den der Westen als ein Scheißhaufen im Hinterhof herabblickt, bilden sie eine Gesellschaft, die ‘westliche’ Werte wie Demokratie und Feminismus so ernst nimmt, dass es eine Schande für den Westen ist. Und dies, während sie den IS bekämpfen und, im Gegensatz zu der von der USA trainierten und ausgerüsteten irakischen Armee, besiegen.

Es greift zu kurz, wenn man Rojava lediglich als kurdisches Autonomie-Projekt bezeichnet. Das auch Westkurdistan genannte Gebiet im Norden Syrien grenzt an die Türkei, den Irak und an den Euphrat. Es besteht aus drei Kantonen, von denen einer durch einen vom IS beherrschten Schlauch abgetrennt wurde. In dem Gebiet leben rund 4,6 Millionen Kurden, Araber und Assyrer. Das politische System, das noch im Aufbau ist, spiegelt die multiethnische und -religiöse Situation wieder. In jedem Ressort gibt es einen kurdischen, arabischen und christlich-assyrischen Minister. Der “Gesellschaftsvertrag von Rojava” verpflichtet sich zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Bildung und soziale Standards und gegen Rassismus, die Todesstrafe, Kinderarbeit und Folter.

Karte von Syrien. Die gelben Gebiete gehören zu Rojava.

Human Right Watch und Amnesty International beklagen jedoch, dass die “Volksverteidigungseinheiten” von Rojava im Zuge des syrischen Bürgerkriegs gegen Menschenrechte verstoßen. So werden willkürliche Festnahmen, Mord, Entführung und der Einsatz von Kindersoldaten genannt. Gleichzeitig stellt Human Right Watch fest, dass Rojava die Menschenrechte weniger eklatant verletzt als das syrische Regime sowie andere Rebellengruppen.

Das auf Coopfunding ausgeschriebene Crowdfunding von Rojava läuft unter dem Titel “Ernähre die Revolution – helfe, das Nahrungsmittelproblem in Rojava zu lösen.” Die Organisation erklärt, dass die Importrouten nach Rojava seit mehreren Jahren durch die Türkei, den Irak und den IS blockiert werden. In dem einst als “syrische Kornkammer” bekannten Gebiet liegt der Anbau von Weizen seit dem Ausbruch der syrischen Revolution brach; die Produktion ist auf etwa ein Fünftel des Standes von 2009 gesunken. Um den Anbau anzutreiben, benötigen die Bauern Dünger. Dieser wurde aber durch den Krieg und das Handelsembargo von Jahr zu Jahr teurer. Insbesondere 2016 ist der Preis geradezu explodiert, so dass nur 10 Prozent der benötigten Düngemittel verfügbar sind.

Der Plan ist nun, den Dünger aus dem Biomüll der Städte selbst herzustellen. Für die dafür notwendige Ausrüstung und für die Ausbildung des Personals benötigt die Organisation 180.000 Euro. Auf Coopfunding wurden bereits fast 27.000 Euro gespendet. Die mit Abstand größte Einzelspende kommt von dem Hacker.

Coopfunding geht auf die Cooperative Integral Catalana zurück, wird von Katalonien aus geführt und versteht sich als “eine Crowdfunding-Plattform, die die Selbstverwaltung stärken will, indem sie die Sichtbarkeit und Finanzierung von Projekten fördert, die kooperativ betrieben werden und soziale Ziele verfolgen.” Spenden kann auch durch Bitcoin. Wenn man bedenkt, dass die DAO mehr als 100 Millionen Euro bekommen hat, wäre es doch gelacht, wenn für Rojava nicht auch 180.000 Euro zusammenkommen würden.

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1 Comment on Hacker spendet 10.000 Euro in Bitcoin an autonome kurdische Organisation in Syrien

  1. Danke fuer die info, ich spende den Gegenwert(19mai016) von 50 euro.

    Zeit meine(unsere) eigenen Werte zu erschaffen.

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