Hacker erpressen Kunden von Liechtensteiner Bank und wollen 10 Prozent der Guthaben in Bitcoins

Liechtensteins Hauptstadt Vaduz ist der Beweis, dass reich und langweilig keine Gegensätze sind. Bild von xiquinhosilva via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Liechtenstein gilt als Steueroase. Hacker haben nun angeblich die Kontodaten von den Kunden der Liechtensteiner Valartis-Bank. Sie verlangen, dass die vermögenden Besitzer 10 Prozent ihres Kontostands in Bitcoin wechseln und als Lösegeld abdrücken. Ansonsten sollen die Informationen an Medien und Finanzbehörden gehen.

Immer wieder Hacker. Gestern der öffentliche Nahverkehr in San Francisco, heute eine Privatbank in Liechtenstein.

Das Fürstentum Liechtenstein ist, falls ihr das nicht auf dem Schirm habt, der sechstkleinste Staat der Welt, ein Zipfelchen Land zwischen Österreich und der Schweiz, das aufgrund einiger historischer Zufälle unabhängig wurde. Liechtenstein hat knapp 40.000 Einwohner, keine Klinik mit Geburtsabteilung, aber das größte Pro-Kopf-Einkommen der Welt und mit 15 Banken ein recht gut ausgebautes Finanzsystem.

International berühmt ist Liechtenstein vor allem als Steueroase. Zwar hat das Land Besserung gelobt und erste Maßnahmen ergriffen, um Steuerbetrug zu verhindert, doch die EU führt es weiterhin auf der Liste internationaler Steuerparadiese. Liechtenstein hat eines der strengsten Bankgeheimnisse der Welt und äußerst großzügige bzw. löchrige Steuergesetze, weshalb die Reichen dieser Erde ihre Kohle gerne in die Monarchie bringen, um sie vor den gierigen Klauen der Finanzämter zu schützen.

Eine Reihe von Kunden der Liechtensteiner Valartis Bank dürfte nun ob diese Entscheidung nicht mehr rundum glücklich sein. Denn anstatt mit Finanzbeamten haben sie es nun mit Hackern zu tun. Am Freitag erhielten die Kunden eine Mail eines Erpressers. In dieser wurden sie in Kenntnis gesetzt, dass die Hacker Einsicht in die Kontostände und Transaktionen haben und daher genau wissen, wofür die Konten benutzt werden – nämlich um Steuern zu vermeiden und Schwarzgeld anzulegen.

Die Hacker drohen nun damit, diese Daten an Finanzämter und Medien weiterzugeben. Es sei denn, die Betoffenen gehen bis Mittwoch, den 7. Dezember, auf eine finanzielle Forderung ein: „Lange haben wir überlegt, welcher Betrag fair und angemessen ist. Uns ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die sich natürlich für uns lohnen muss, aber ihnen nicht zu sehr schmerzt. Wir halten einen Betrag in Höhe von 10% ihres Kontoguthabens für angemessen”. Denn: “Angenommen es handelt sich um nicht versteuertes Vermögen, wäre jede Nachbesteuerung deutlich höher.“

Welches Zahlungsmittel die Hacker verlangen, versteht sich von selbst: „Da uns genau wie Ihnen Anonymität wichtig ist können wir nur Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Dies garantiert beiden Seiten völlige Anonymität.“ Die Bankkunden werden aufgefordert, Konten bei Anbietern einzurichten, die „Bitcoins verkaufen“.

Man kann davon ausgehen, dass die Hacker wissen, was sie tun. Erst vor knapp zwei Wochen wurde die Valartis Bank nämlich Opfer eines Hackerangriffs. Wie die größte Tageszeitung Liechtensteins, die ernsthaft Vaterland heißt, berichtet, hat “der Angreifer via e-Banking Informationen zu Zahlungsaufträgen entwendet, die vor Mai 2013 erfolgten und primär dem Firmenkundenbereich zuzuordnen sind.” Allerdings wurde das Kernsystem der Bank dabei nicht tangiert, weshalb weder Zahlungsaufträge angeordnet noch aktuelle Kontostände eingesehen werden konnten. Möglicherweiser sind diese Daten aus dem Online-Banking für manche Finanzämter jedoch bereits Grund genug, eine Untersuchung anzuordnen.

Um welche Summen es dabei geht und wie viele Kunden betroffen sind – darüber kann man nur spekulieren. Vermutlich dürften deutlich weniger Personen und Gelder im Spiel sein als bei der berühmten Liechtensteiner Steueraffäre von 2008, als ein Mitarbeiter der weitaus größeren LGT Bank Kundendaten an den Bundesnachrichtendienst verkaufte. In der Folge wurde manchen bekannten Persönlichkeiten – wie dem damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel – genau auf die Finger geschaut, und es wurden in Europa und den USA mehr als tausend Ermittlungen eingeleitet. Der deutsche Fiskus allein nahm in Folge mehrere hundert Millionen Euro an Strafen und Nachzahlungen ein.

Der Fall Valartis ist, wie gesagt, kleiner. Die Bank ist die sechstgrößte Bank Liechtensteins; sie verwaltet Vermögenswerte von rund 4 Milliarden Schweizer Franken. Wie viele davon Schwarzgeld sind und in den Transaktionsdaten stehen, die den Hackern vorliegen, ist jedoch nicht abzuschätzen.

Einen Indikator, welchen Einfluss der Hack hat, werden wir jedoch in den kommenden Wochen beobachten können: Den Bitcoin-Preis. Sollte es zu nennenswerten Zahlungen von Lösegeld kommen, im, sagen wir, zweistelligen Millionen-Bereich, dürfte dies in den Charts sichtbar sein.

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