Siemens möchte mithilfe der Ethereum Blockchain den Strommarkt von New York dezentralisieren

Photovoltaik. Bild von Bernd Sieker via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Der deutsche Technologiekonzern Siemens kooperiert mit dem New Yorker Startup LO3 Energy, um sogenannte Microgrids zu entwickeln. Diese sollen mit Hilfe der Blockchain einen lokalen, dezentralen Stromhandel ermöglichen.

Für ein innovatives Unternehmen gehört es heute zum guten Ton, ein Blockchain-Projekt zu haben. So hat auch Siemens im Rahmen seiner next47 Initiative angekündigt, unter anderem in Blockchain-Startups zu investieren. Ein erstes Resulat ist nun die Kooperation mit dem New Yorker Projekt LO3 Energy.

“LO3 Energy wird als Start-up von der Siemens-Geschäftseinheit Digital Grid und next47 unterstützt. Derzeit wird gemeinsam eine Lösung für ein blockchain-basiertes Microgrid im New Yorker Stadtteil Brooklyn erarbeitet. Es ist das weltweit erste seiner Art und gibt gleichzeitig den Startschuss für andere gemeinsame Microgrid-Projekte in den USA und anderen Ländern,” so die Pressemitteilung des Konzerns.

Siemens plant, mithilfe von “hochentwickelten Technologien zur Steuerung und Automatisierung sowie zur Datenanalyse” neue Geschäftsmodelle rund um die Steuerung von Microgrids zu entwickeln. Die Blockchain soll dabei auch einen Mehrwert für die Kunden schaffen. “Sowohl auf Seiten der Energieversorger wie auch auf Seiten der Endkunden,” so Ralf Christian, CEO der Siemens-Division Energy Management.

Siemens verbindet seine Microgrid-Control-Lösung mit der P2P Handelsplattform von L03-Energy. Diese soll einen lokalen Energiehandel zwischen Erzeugern und Verbrauchern in einigen Vierteln von Brooklyn, New York ermöglichen.

Schön und gut – aber wie kommt die Blockchain ins Spiel? Laut der Pressemitteilung macht es die “Kombination aus Microgrid-Control-Lösung und Blockchain-Technologie” möglich, dass “Betreiber von Photovoltaikanlagen auf Dächern von Häusern in Brooklyn den überschüssigen Strom in das lokale Netz einspeisen und hierfür eine Vergütung von den Abnehmern erhalten.” Der große Vorteil, den die Blockchain nun in die Waagschale wirft, sei, so Thomas Zimmermann, CEO der Siemens Geschäftseinheit Digital Grid, “dass sie einen transparenten und effizienten Handel zwischen einer Vielzahl beteiligter Systeme und unterschiedlicher Akteure unter Einbeziehung netzspezifischer Anforderungen möglich macht.”

LO3s Brooklyn Microgrid ist ein faszinierendes Projekt, das private Erzeuger von erneuerbaren Energien und Stromverbraucher zusammenbringt. Wer würde nicht lieber Strom vom Bauern um die Ecke kaufen als über fünf Mittelsmänner Kohleenergie aus dem Graustrom-Becken?

Dass sich die Energiewirtschaft für Microgrids und dezentrale Strommärkte begeistert, liegt nahe. Es scheint Konsens darüber zu bestehen, dass die Dezentralisierung der Erzeugung mit einer Dezentralisierung der Märkte einhergehen sollte und dass eine wesentlich bessere Steuerung von Produktion und Verbrauch möglich wird, wenn die Akteure im Strommarkt dezentral miteinander handeln können. Schwieriger zu verstehen ist, weshalb dabei eine Blockchain im Boot sein muss. Warum braucht der Handel von Strom eine Blockchain?

Neben Siemens sind noch eine große Menge Firmen überzeugt, dass die Blockchain der springende Punkt ist, der den Stromhandel revolutioniert. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung erklärt, dass mithilfe der Blockchain “Energiegeschäfte über den Gartenzaun” möglich werden. Denn: “Kaufvorgänge werden nicht über eine zentrale Plattform abgewickelt, sondern im Verbund aller Computer, die am System teilnehmen.” Die Blockchain, so ein von der SZ zitierter Experte, “mache es möglich, geringe Energiemengen zu handeln.” Auch eine Studie, die die Verbraucherzentrale NRW gemeinsam mit PwC erstellt hat, kommt zu einem ähnlichen Schluss: Die Prosumer “könnten diesen Strom in Zukunft mittels der Blockchain-Technologie verkaufen, ohne dass ein Stadtwerk oder ein Energieversorger für die Abrechnung notwendig ist.”

Daneben stößt man noch auf zahlreiche weitere Projekte, unter anderem von Nasdaq. Sie alle benennen eine Aufgabe – die Dezentralisierung der Strommärkte – und eine Lösung – die Blockchain. Warum wird dabei aber nicht auf den ersten Blick klar. In der Regel verknüpfen diese Projekte die (etwas irreführende) Annahme, die Blockchain sei ein günstiger Marktplatz oder eine besonders gut skalierbare Datenbank mit der Idee, dass es hilfreich für den Handel sei, wenn man Strommengen durch Token auf der Blockchain repräsentiert. Möglicherweise sind noch Vorstellungen von Smart Contracts im Spiel, die nicht immer in der notwendigen Tiefe über die Beziehung einer Blockchain zu ihrer Umwelt nachdenken.

Leider stellt LO3 keine öffentliche Darstellung bereit, was der TransactiveGrid macht. Laut LO3-Webseite basiert es “auf einer dezentralen Application Platform, die sicher und Open Source ist. Die Business Logic schicht liefert Echtzeitmessung den der lokalen Energieerzeugung und des Verbrauchs wie auch weitere Daten.” Die TransactiveGrid selbst ist closed source, lediglich Ethereum, die Blockchain, auf der sie läuft, ist open source.

Am meisten Info findet man in einer Präsentation der Firma: Dieser zufolge registriert ein Smart Meter die überschüssige, nicht verbrauchte Menge an selbsterzeugten Strom. Diese Information leitet er an die Ethereum-Blockchain weiter, wo ein Smart Contract ein Token erzeugt. Dieses Token – diesen Strom – kann er dann auf einem “P2P-Markt” mit anderen Leuten handeln. Ob der P2P-Marktplatz nun selbst ebenfalls auf der Ethereum-Blockchain stattfindet, wird nicht gesagt.

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2 Comments on Siemens möchte mithilfe der Ethereum Blockchain den Strommarkt von New York dezentralisieren

  1. Volker Nowarra // 15. December 2016 at 18:29 // Reply

    naja, die Denkweise geht schon in de richtige Richtung: Dezentralisierung. Wenn also Siemens zunächst mal mit in die Blockchain geht, kann man das Konzept ja verbessern, falls sie da auf dem Holzweg sind. Für Deutschland: wenn sich das Prosumer Modell konsequent umsetzen liesse, dann müssten auch keine Stromtrassen von Nord nach Süd legen. Und wir könnten schneller weg von der Atom- und Kohle und deren Subventionierung, die immernoch höher ist, als alles was für Solar- und Wind ausgegeben wird. Aber Prosumer, EEG Umlage und der ganze bürokratische Kram könnten das so weit erschweren, dass es unwirtschaftlich wird. Und das Lustige daran ist, dass alle in D schimpfen über EEG, damit die Solar- und Windkraft meinen, aber in Wirklichkeit die Atomlobby bezahlen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt …

  2. GrünstromJeton noch mit zu erwähnen, was ja ebenfalls hier in Dtl. die Dezentralität fördern soll.
    https://stromstunde.de/

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