F2Pool tritt von SegWit2x zurück

F2Pool, einer der Top-5-Mining-Pools, steigt aus dem SegWit2x-Bündnis aus. Die Erklärung, die Pool-Chef Wang Chun per twitter abgibt, ist absurd, scheint aber ernst gemeint zu sein. Steht SegWit2x damit vor dem Aus?

F2Pool breche sein Wort, titelt Coindesk, und berichtet, dass der Mining-Pool nicht länger das SegWit2x-Abkommen unterstützt. Das Magazin zitiert aus einer E-Mail-Korrespondenz mit F2Pool-Boss Wang Chun, in der dieser sagt “Nein, ich unterstütze die SegWit2x Hard Fork nicht.” Darüber hinaus erzählt Wang Chun, dass er den btc1 genannten Client des SegWit2x Vorstoßes nicht benutzt habe.

SegWit2x war ein vor allem von Barry Silberts Digital Currency Group initiierter Kompromiss im langen Streit um die Blocksize. Das Abkommen sieht vor, SegWit zu aktivieren und mit einer darauf folgenden Hardfork zu einer Basis-Blocksize von 2 MB zu verbinden. Nachdem nun Anfang August schon mal SegWit aktiviert wurde, weht dem “2x”-Teil des Abkommens ein heftiger Wind entgegen. Erst vor kurzem hat das Startup Bitwala seine Verpflichtung aus dem Abkommen relativiert. Nun scheren mit F2Pool rund 10 Prozent der globalen Hashrate aus.

Per twitter erklärt Wang Chun, weshalb:

Übersetzt: “Ich steige nicht aus. Ich habe bereits gesagt, dass ich SegWit2x nur bis Ende Juli unterstütze. Nun ist es September.” Tatsächlich hat Wang Chun in einer öffentlichen Liste eingetragen, dass er SegWit2x nur bis Juli Ende akzeptiere. Da SegWit2x aber erst im August SegWit aktiviert hat und die Hardfork erst im November beginnen soll, kann man diese Aussage so interpretieren, dass F2Pool niemals Teil von SegWit2x war.

Kurz nach diesem Tweet legt Wang Chun nach und gibt zu, weshalb er erst jetzt, also einen Monat zu spät, seinen Ausstieg bekanntgibt:

Übersetzt: “Ich habe gewartet, bis SegWit eingelockt und aktiviert ist.” Anders gesagt: F2Pool wollte die anderen Teilnehmer von SegWit2x im Glauben lassen, der 2x-Teil des Abkommens sei ernst gemeint, um den SegWit-Teil zu bekommen. Manche mögen dies Täuschung nennen, oder auch Strategie oder Politik.

Für SegWit2x bedeutet dies nichts gutes. Kaum ein Unternehmen oder Entwickler, das oder der nicht Teil des Abkommens war, hat sich diesem bisher angeschlossen. Im Gegenteil: die meisten Entwickler haben eine Haltung der offenen Konfrontation mit der 2x-Hardfork angenommen, und auch die Community zeigt in einer Umfrage des Bitcoinblog.de viel Verständnis für Bitwala, die die Pflichten aus dem Abkommen jüngst dahingehend relativiert haben, dass sie nicht gegen den Bitcoin der Core-Entwickler forken werden.

Eine ernsthafte Antwort des SegWit2x-Teams zum Ausstieg von F2Pool gibt es noch nicht. Allerdings scheint der Rest der Mannschaft – etwa BitPay, BitFury, BTCChina, Bitmain – weiterhin zur Hardfork im November zu stehen. Aber bis dahin bleibt noch genügend Zeit, um es sich anders zu überlegen …

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16 Comments on F2Pool tritt von SegWit2x zurück

  1. Jihan Wu laesst einen Teil der Community im festen Glauben, dass er mit BCH gegen die Zentralisierung durch Core kaempft, dabei geht es ihm nur darum, ASICBoost weiterhin betreiben zu koennen. Wenn es um soviel Geld geht wird an allen Ecken und Enden gelogen und getaeuscht.

  2. Michael Dallinger // 1. September 2017 at 16:18 // Reply

    Irgendwie lässt die Sache den Kurs trotzdem mehr als unbeeindruckt …

  3. “Für SegWit2x bedeutet dies nichts gutes.”

    Für den Bitcoin ist es allerdings sehr gut. Deswegen “lässt die Sache den Kurs trotzdem mehr als unbeeindruckt “

  4. kann mich der Äusserung von chris nur anschliessen, you are getting played, again !

    Ausserdem: Bitpay läuft “erstmal” nicht mit btc1(segwit2x)-kompatiblen noden…

  5. F2pool signalisiert wie gehabt Segwit2x Support in neuen Blöcken. Ich habe noch keinen F2pool Block gesehen, der diesen Support nicht signalisiert – bitte mal auch Coindance überprüfen !

    Haben die nur vergessen die Flags zu ersetzten oder denken sie das ich das für sie mache ?

  6. forexlegend // 2. September 2017 at 19:02 // Reply

    Segwit2x brauch man nicht mehr! Vor allem durch die Einbindung von lightning wird es doch vollkommen unnötig. Segwit alleine reicht! Sieht man gut an Litecoin. Coblee is our maaaan!

    • Das Öffnen und Schließen eine Lightning Channels benötigt in etwa 4 Mal so viel Platz auf der Blockchain wie eine herkömmliche Transaktion. Zudem muss das Netzwerk ständig überwacht werden, ob der Gegenüber keine alte Transaktion veröffentlicht, im Lightning Network ist Bitcoin also nicht mehr trustless und eignet sich wohl vor allem für kleinere Beträge. Allerdings transferiert schon heutzutage mit Gebühren von mehreren USD kaum jemand kleine Beträge mit Bitcoin und die Blöcke werden irgendwie trotzdem voll. Wenn jetzt noch Lightning dazukommt und alle ihre Channels irgendwann eröffnen und setteln müssen, dann wird der Platz OnChain noch umkämpfter.

      Angenommen, Lightning kommt irgendwann, denn bei Litecoin ist das auch eher Theorie als irgendetwas anderes. Das, was man gut an Litecoin sieht, dass sie ein Bitcoin Klon mit weniger Transaktionsvolumen sind und daher keine Skalierbarkeitsprobleme haben. Bitcoin ohne SegWit2x (und deutlich mehr) oder einer alternativen Lösung, ist auch mit SegWit und (irgendwann) mit LN nicht alltagstauglich skalierbar (und damit meine ich keinen Kaffee).

      Dem Spekulationspreis tut das (noch keinen) Abstrich, aber der realen Nutzung definitiv. Ich habe früher immer, wo es nur möglich war, Bitcoin als Zahlungsmittel genutzt. Seit ca. 1 Jahr nicht mehr, da die Gebühren in keinem Verhältnis mehr stehen und ich womöglich Tage auf eine Bestätigung warten muss. Das wird sich an der aktuellen Implementierung von LN nicht ändern, denn ich bin nicht bereit, einen größeren Betrag mit einem Dritten zu eröffnen, um diesem dann ständig auf die Finger schauen zu müssen. Schade, dass die Entwickler von der ursprünglichen Idee des Bitcoin so weit abgeglitten sind, aber es gibt ja genügend Alternativen dafür.

      Ich frage mich wirklich, ob die Leute hier Bitcoin tatsächlich manchmal benutzen, oder eben nur Spekulanten sind, ihre Coins irgendwo bei einem mehr oder weniger dubiosen Anbieter “halten” und wie bei OneCoin eben glauben, was man so liest oder hört… Leider sind das meist diejenigen, die am lautesten schreien und es noch weiter wiederholen.

  7. Ich bin jetzt nicht so in der Thematik drin und weiß dass ich wenig Ahnung habe. Aber erklärt mir bitte mal jemand was diese Streitereien sollen und was gegen SegWit2x spricht.

    • Im Kern spricht gegen Segwit2x, dass Bitcoin dann kein Konsensus-Netzwerk mehr ist, wenn ein Netzwerk aus Bitcoin-Firmen einfach die Spielregeln ändern kann. Es ist wäre dann wieder ein bischen wie beim FIAT-Geld.

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