Knick nur von kurzer Dauer: Der Honigdachs des Geldes schlägt wieder zu

Ein Honigdachs. Bild von Richard Toller via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem China letzte Woche den börslichen Bitcoin-Handel wohl verboten hat, sind die Kurse eingebrochen – allerdings nur kurzzeitig. Bereits am Freitag setzte eine eindrucksvolle Erholung ein, die das ganze Wochenende anhielt. Bitcoin ist eben resistenter als man denkt.

Der Honigdachs ist ein erstaunliches Tier. Der in Afrika und Arabien lebende Dachs mit dem markanten weißen Fell auf der Oberseite ist nicht viel schwerer als eine große Katze. Doch wenn er in die Ecke gedrängt wird, demonstriert der Honigdachs einen überraschenden Mut und eine erschreckende Kraft. Es gibt Videos, wie es die kleine Bestie mit Riesenschlangen, Löwen, Büffel, Hyänen und so ziemlich jedem anderen Lebewesen der Welt aufnimmt.

Honigdachse haben eine extrem dicke, schlapprige Haut, die selbst die Zähne von Raubkatzen und Giftschlangen kaum durchdringen können. Dank ihrer kräftigen Unterarme mit den spitzen Klauen knacken sie selbst Schildkrötenpanzer; ihre Kiefermuskeln sind stark genug, um Knochen durchzubeissen. Und wenn es hart auf hart kommt, ziehen die Honigdachse ein stinkendes Sekret aus dem Ärmel, mit dem sie in größter Not Feinde vertreiben können.

Wegen dieser biologischen Grundausstattung und dem aggressiven Naturell hat das Guiness Buch der Rekorde den Honigdachs 2002 zum mutigsten Lebewesen des Planeten gekürt. In manchen Zoos hält man kleinen Teufel nur in Hochsicherheitstrakts, da sie Meister darin sind, mit ihren starken Armen Absperrungen aufzuhebeln.

Bitcoin gilt seit einer legendären Werbekampagne von Roger Ver als “Honigdachs des Geldes“. Am vergangenen Woche hat die Kryptowährung mal wieder demonstriert, warum: Nachdem erst JP Morgans Jamie Dimon und dann die PBOC auf Bitcoin herumgetrampelt, die Kryptowährung für eine betrügerische Luftnummer erklärt und den chinesischen Bitcoin-Börsenhandel verboten haben, ist Bitcoin tatsächlich ein Stück gefallen. Der Tiefpunkt lag ein wenig unter 2.600 Euro. Dann prallte der Kurs jedoch am Boden ab und schnellte zurück nach oben. Mittlerweile steht er wieder bei rund 3.350 Euro. Alles, was am Freitag verloren wurde, ist schon wieder drin. Wer in der Panik verkauft hat, schaut in die Röhre.

Bitcoin ist resistent. Angriffe prallen an der dicken Haut des P2P-Netzwerks und der strukturen der ökonomischen Anreize ab. Bitcoin ist so gebaut, dass es die Kryptowährung auch mit Attacken viel größerer Gegner aufnehmen kann – etwa von Zentralbanken wie der PBOC oder einer Großbank wie JP Morgan – und am Ende womöglich gegen sie gewinnt.

Ich muss gestehen, dass ich überrascht bin. Ich hätte nicht mit einer so rasanten, energischen Erholung gerechnet. Wie schon in einer meiner letzten Preisanalysen habe ich die Dynamik unterschätzt, die diesem verrückten Aufstieg der Kryptowährungen in diesem Jahr innewohnt, und verfrüht vom Start eines Bärenmarktes gewarnt. Die Luft mag dünn sein, wenn die Marktkapitalisierung der Kryptowährungen über 100 Milliarden Dollar liegt – aber offenbar noch nicht so dünn, dass die Zentralbank Chinas einen nennenswerten Absturz herbeiverbieten kann. Es scheinen weniger schwache, zittrige Hände im Spiel zu sein, als viele vermuten, während das ernsthafte, langfristig denkende Geld vielleicht schon längst große Summen Bitcoins auf Paperwallets für die Ewigkeit eingelagert hat. Bitcoin ist kein Sprint, sondern ein Marathon, und hier gibt man nicht wegen eines kleinen Knicks auf.

Am Freitag, als die Märkte noch ein wenig im Panikmodus waren, wurde diskutiert, was die angemessene Verhaltensweise für Trader in solch einer Situation ist. Kaufen, weil die Kurse günstiger sind? Verkaufen, weil sie noch weiter fallen? Wie ein Leser richtig sagte, muss man schon die Zukunft kennen, um sicher zu wissen, was richtig ist. Eventuell kauft man günstige Coins – und eventuell greift man ins fallende Messer. Eventuell verkauft man und kann später günstiger nachkaufen – und eventuell muss man später mit Verlust wieder aufstocken, weil man die Coins am Boden verschleudert hat. Es gibt keine Garantie darauf, dass die Zukunft einem Muster folgt.

Daytrader spielen und gewinnen oder verlieren mit dieser Unsicherheit. Investoren hingegen sollten das langfristige Ziel im Auge behalten und in einer solchen Situation erst mal … nichts tun. Abwarten, bis sich der Nebel gelegt hat, bis die Emotionen aus den Märkten herausgespült, die Daytrading-Bots ihre Kämpfe ausgefochten haben, die Nachrichtenlage klarer geworden ist. Sinnvoll dürfte auch sein, sich selbst zu beobachten. Wenn man zu intensiv auf einen kräftigen Kursverfall reagiert, wenn man beginnt, sich über Kredite oder die Altersvorsorge Gedanken zu machen, wenn Bitcoin fällt, dann könnte es sein, dass man etwas überinvestiert ist. In einem solchen Fall kann es selbst dann gesund sein, sein Portfolio in eine bessere Balance zu bringen, wenn man Gefahr läuft, leichte Verluste einzufahren.

Ansonsten aber gilt, gerade wenn die Märkte panisch sind, nur eine Regel: einen kühlen Kopf bewahren und nicht  mit in Panik fallen. Das haben sich selbst einige Mitarbeiter von JP Morgan gedacht. Der Boss der Großbank, Jamie Dimon, hatte noch letzte Woche gegen Bitcoin gepoltert und gedroht, jeden Mitarbeiter, der mit Bitcoins handelt, “innerhalb einer Sekunde” zu entlassen, weil das gegen die Regeln und dumm sei. Einige der Trader Bank haben sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen. Als die Kurse einen Tiefpunkt erreichten, haben sie an der Börse zugeschlagen und Anteile am XBT Tracker gekauft. Ob die Mitarbeiter von JP Morgan nun, nach diesem geglückten Trader, um ihren Job fürchten müssen? Wir hoffen doch nicht.

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8 Comments on Knick nur von kurzer Dauer: Der Honigdachs des Geldes schlägt wieder zu

  1. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die JPM-Geschäfte Kunden-Order von Banken, die über JPM an die Börse angeschlossen sind. Fast alle anderen Teilnehmer (Flow Traders, Timber Hill, UBS, CreditSuisse, etc etc) sind ebenso international agierende Orderflow-Supplier.

  2. “Bitcoin ist so gebaut, dass es die Kryptowährung auch mit Attacken viel größerer Gegner aufnehmen kann” – das hat nichts mit dem Aufbau sondern mit der Community zu tun, die eben groessten Teils nicht aus Tradern sondern aus Hodlern und Believern besteht. Selbst wenn so ein Casino wie China webbricht, kann das dem Kurs nicht mehr soviel anhaben, wie noch 2014.

    Die JP Morgan Geschichte war natuerlich hoechst Kriminell, man koennte es als Insiderhandel bezeichnen. Denn just nach dieser Meldung und dem Kursverfall kaufte JP Morgan eifrig Bitcoins. Da darf man sich fragen, warum da keine Boersenaufsichtsbehoerde einschreitet?

  3. Die beiden lesenswerten Jungs haben das schon letzte Woche richtig vermutet.

    https://www.facebook.com/friedrichundweik/

    Eintrag vom 15.09.:

    “Der Bankster Chef der nachweislich kriminellen Bande JPM, Jamie Dimon, sagt das Bitcoin ein Betrug ist. Daraufhin ist der Kurs um 10% gefallen.
    Zur Info: JP Morgan hat knapp 15 Milliarden Dollar an Strafzahlungen berappen müssen für kriminelle Handlungen und die Kooperation mit dem größten Betrüger den die Wall Street je gesehen hat: Bernie Madoff.
    Interessant ist auch, dass JP Morgan schon 2013 versucht hat eine Bitcoin Alternative zu platzieren und Patente anmelden wollte, die alle abgelehnt wurden.
    (http://www.zerohedge.com/…/jpmorgans-bitcoin-alternative-pa…)
    Zusätzlich ist JP Morgan Partner der Etherum Alliance und investiert Millionen in die Blockchain.
    (https://entethalliance.org/members/)
    Auch bei Zcash ist man an Board.
    Des weiteren war JP Morgan mit der Kryptowährung Ripple eng verbunden.

    Fazit: Entweder ist Dimon ein Heuchler oder er hat keine Ahnung was in seinem Laden abgeht. Von Bitcoin hat er definitiv keinen Plan. Wahrscheinlich steckt wohl auch ein starkes Eigeninteresse hinter seiner Aussage.”

    • Name required // 19. September 2017 at 0:50 // Reply

      Vermutlich hat er selber einen Haufen BTC gekauft und wollte vorher den Preis noch “ein wenig” drücken. Genauso wie die China-Regierungsbande.

  4. “Honigdachse haben eine extrem dicke, schlapprige Haut, die selbst von den Zähnen von Raubkatzen und Giftschlangen kaum durchdringen können.”
    Es muss heißen “… kaum durchdrungen werden kann.” (Das ‘die’ bezieht sich auf die Haut; Passiv-Konstruktion.)
    Braucht nicht als Kommentar veröffentlicht zu werden, ist nur ein kleiner Hinweis zwecks besserer Lesbarkeit.

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