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Einige aktuelle ICOs: Von einer Online-Bank über Smart Contracts zu Landwirtschafts-Token und einem dezentralen Marktplatz

Natürlich dürften aktuelle ICOs bei unserem Themenschwerpunkt ICOs nicht fehlen. Wir haben einige interessante Beispiele aus einer großen Menge laufender und bald beginnender ICOs herausgesucht.

Das Spiel bei ICOs ist immer dasselbe: Ein Startup macht etwas, meist mit Blockchain, findet einen kreativen Weg, um ein Token ins Geschäftsmodell zu integrieren, und schreibt dann ein Whitepaper. Am besten eines, das viele Schlagworte enthält, die in der Blockchain-Community derzeit ziehen.

Diese Token werden dann verkauft, um die Entwicklung zu finanzieren. Oft stellen die Token nur einen symbolischen Wert dar, der jedoch den Märkten zum Teil auszureichen scheint, um den Wert des Startups zu repräsentieren. Manchmal bilden die Token aber auch eine reale Teilhabe am Geschäftsmodell des Projekts. In dem Fall haben sie das Potential, die Aktie der Zukunft zu sein.

Wir stellen einige aktuelle ICOs vor. Die Auswahl fiel uns zugegebenermaßen nicht leicht, da es so viele ICOs gibt. Wir versuchen, die Funktion der Token herauszuarbeiten. Allerdings müssen wir anmerken, dass dies eine Vorstellung, und keine Empfehlung ist. Es ist für uns nicht möglich, zu beurteilen, ob ein ICO-Projekt ernst gemeint oder Betrug ist, und wir verzichten bewusst darauf, eine Einschätzung der Qualität der ICOs zu geben.

Es ist ein Fakt, dass manche ICOs das Investment zehn- oder hundertfach, in seltenen Fällen sogar tausendfach, wieder eingespült haben. Es ist aber auch ein Fakt, dass nur äußerst wenige von hunderten von ICOs solche Quoten hinlegen. Die meisten sind Rohrkrepierer, die es im besten Fall auf die Märkte schaffen und dort den Wert behalten.

Investieren sollte man demnach nur nach eigenständiger Prüfung und mit angemessen vorsichtigem Betrag.

Worldcore: Ein tschechisches Fintech-Startup möchte dank ICO durchstarten

Am Anfang unserer Übersicht steht eine Ausnahme im derzeitigen ICO-Markt: Ein Unternehmen, dass sich bereits erfolgreich am Markt positioniert hat, aber ein ICO als Sprungbrett nutzen möchte, um Business-Träume zu verwirklichen.

Worldcore ist ein tschechischer Zahlungsdienstleister. Es wurde für sein internationales Online-Bankkonto mit APIs und Prepaidkarte 2016 zum besten Fintech-Startup Tschechiens gekürt. Seit demselben Jahr akzeptiert Worldcore Bitcoins für Einzahlungen. Der Wert wird allerdings in Euro oder Dollar und nicht in BTC gutgeschrieben.

Im Whitepaper erklärt Worldcore, warum man ein ICO (Link zur ICO) veranstaltet: “Unser momentanes Ziel ist das ICO, welches es uns ermöglichen wird, das obere Entwicklungsniveau zu erreichen und das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen. Wenn wir Erfolg haben, werden wir alles umsetzen können, was wir in den letzten Jahren geplant haben. Anders gesagt ist das ICO die Tür, die zu einer besseren Zukunft führt.”

Insgesamt werden ab dem 14. Oktober – Vorverkauf ab dem 2. Oktober – 1 Milliarde Wordcore-Token (WRC) zu einem Preis von je 10 Dollar-Cent verkauft. Am 31. März jedes Jahres zahlt Worldcore 30 Prozent des Profits an die Besitzer der Token aus. Token, so das Whitepaper, sind “die Aktien des 21. Jahrhunderts”. Je nachdem, wie viel Geld das ICO in die Kasse von Worldcore spülen wird – 5 Millionen Dollar, 10 Millionen, 25 Millionen, 50 Millionen, 100 Millionen – gibt es eine Roadmap, die besagt, was das Startup mit der Kohle machen wird.

Confideal: Ein Baukasten für Treuhand-Smart-Contracts

Confideal plant, treuhänderische Smart Contacts für jeden einfach und sicher zu machen. Die “neue multifunktionale Treuhand-Plattform auf Basis des Ethereum-Protokolls” erlaubt es Usern, mithilfe eines Baukastens eine Treuhand-Transaktion zu bilden. Die User können die Konditionen der Transaktion bestimmen und diese dank vorgeschriebener Smart Contracts ohne IT-Kenntnisse bilden.

Das Ziel von Confideal ist es, einen “universellen Treuhandmarkt” aufzubauen, auf dem Individuen und Unternehmen ohne dritte Partei treuhänderisch gesicherte Transaktionen ausführen können. Dies soll den internationalen Handel vereinfachen und fairer machen.

Confideal hat bereits 650.000 Dollar Investment-Kapital erhalten. Mit der ICO möchte das Startup 100 Millionen CDL Token herausgeben und dadurch weitere 70.000 Ether (21 Millionen Dollar) einsammeln. Die CDL Token sollen die interne Kryptowährung für das Confideal Ökosystem sein. Sie haben drei Funktionen: Erstens kann man mit den CDL die Confideal-Plattform benutzen, ohne die ansonsten anfallenden Gebühren von 1 Prozent zu bezahlen. Zweitens können die Besitzer der Token die Vermittler bewerten, die ihre Dienstleistung auf dem Marktplatz anbieten können. Und drittens garantiert Confideal, dass es CDL-Token gegen andere ERC20 Token wie Bancor, Aragon, Bat oder Gnosis kaufen wird. Das Startup wird die CDL-Token halten, um sicherzustellen, dass sie für die Plattform verwendet werden können.

Die ICO startet in etwa einem Monat, am 2. November. Wer eine Erinnerung möchte, sollte sich für den Newsletter anmelden.

LAToken: Eine Plattform für die Tokenisierung echter Werte

LAToken (LAT) nimmt für sich in Anspruch, die Lücke zwischen echter und Krypto-Ökonomie zu schließen. Das “Multi-Asset Tokenisierungs-Protokoll” soll eine Plattform werden, die es ihren Usern erlaubt, Token zu bilden und zu handeln, deren Wert mit echten Werten verbunden ist.

Der Gründer von LAToken, Valentin Preobrazhenskiy, plant, bis 2025 Assets im Wert von 1,2 Billionen Dollar zu tokenisieren. Er möchte ein neues Nasdaq gründen, mit einer größeren Bandbreite an handelbaren Papieren, geringeren Transaktionskosten und einem schnelleren Settlement. Um diese ambitionierten Ziele zu verwirklichen, entwickelt LAToken ein Liquid Asset Protokoll, welches den Link zwischen Token und dem zugrundeliegenden Asset werden soll. Es soll es ermöglichen, schnell individualisierte Token zu bilden, die auf der LAToken Plattform gehandelt werden können.

Bereits in der ersten Runde hat LAT 50 Millionen LAT-Token an 9.000 User verkauft und damit 15,6 Millionen Dollar eingenommen. In der zweiten Runde möchte das Team nun weitere 25 Millionen Dollar einnehmen. Die Token fungieren als eine Art Cash auf der Plattform von LAT. Sehr viel genaueres geht aus den Informationen aber nicht hervor.

Spinbackup

Nun zu etwas ganz anderem. Spinbackup möchte die Cybersicherheit verbessern. Es “schließt die Brücke zwischen der Blockchain Community und traditionellen Cloud-Dienstleistern”, indem es “Blockchain-Technologie verwendet, um Organisationen und Individuen gegen Daten-Leaks und Daten-Verluste in der Cloud zu schützen.”

Das Projekt soll “Cloud-to-Cloud Backups” für G Suite und Office 365 bilden. Die Entwickler schützen nach eigenen Angaben bereits seit 3 Jahren Organisationen aller Größe gegen Daten-Leaks und Daten-Verlusten, die meist von Ransomware, Insiderdrohungen und menschlichem Versagen herrühren. Die 25 Mitarbeiter der Firma betreuen rund 1.000 Kunden und sichern mehr als 200 Terabyte Daten.

Die Firma möchte die Blockchain unter anderem benutzen, um ihren Kunden ein passwortloses Login zu ermöglichen und um wichtige Daten dezentral zu speichern. Um die Entwicklung zu finanzieren, verkauft sie vorab 8 Millionen SPIN Token zu einem Preis von je 4 Dollar. 1 Token gibt dem User Zugang zur SPIN Datenschutz Plattform, einen Preisnachlass von 50 Prozent für weitere Leistungen und Vorrechte in der Lizenzierung.

Ab dem 18. Oktober beginnt der Pre-Sale, ab dem 3. November der echte Verkauf der Token.

Bitcomo: Die Online-Werbe-DAO

Bitcomo möchte ein dezentrales Affiliate-Marketing-Netzwerk aufbauen. Anstatt der bisher üblichen zentralistischen Plattformen, die zwischen Werbetreibenden und Publizisten stehen, tritt ein dezentrales Netzwerk auf Basis von Blockchain und Smart Contracts.

Die Vorteile davon sind, so das Whitepaper, dass die Zahlungen an die Publizisten beschleunigt und Betrug reduziert werden. Smart Contracts erlauben es den beiden beteiligten Parteien, flexible Verträge zu vereinbaren; die Dokumentation von Klicks und anderen Aktionen auf der Blockchain steigern die Effizienz und Transparenz der Werbung. Als Dezentrale Autonome Organisation – also als DAO – hat Bitcome keinen Chef und keine Organisation, sondern ist ein Netzwerk aus Werbetreibenden und Publizisten, in welchem die Token-Besitzer den CEO und die Aufsichtsräte ersetzen.

Technisch wird Bitcomo sowohl Ethereum als auch Waves benutzen. Wie genau die Plattform beschaffen sein soll, verrät das Whitepaper jedoch nicht. Es bleibt an dieser Stelle bewusst vage. Die BM Token kann man jedoch schon ab dem 15. Oktober auf der Webseite von Bitcomo kaufen. Sie werden die natürliche Währung des Netzwerks sein und in ihrer Anzahl mit der Menge an Gütern und Dienstleistungen der DAO wachsen. Ihr initialer Wert beträgt 1 Dollar. Bitcomo plant, mit den Token zwischen 10 und 30 Millionen Dollar einzunehmen.

Smartlands: Eine Token-Plattform für landwirtschaftliche Güter

Die Smartlands Plattform soll eine neue Klasse von Token mit niedrigem Risiko schaffen. Die Token sind durch echte, profitable landwirtschaftliche Güter gedeckt und können so in den doch zuweilen volatilien Krypto-Portfolios ausgleichend wirken.

Die Token sollen nicht nur ein “sicherer Hafen” auf den Kryptomärkten werden, sondern auch helfen, die Transparenz von landwirtschaftlichen Werten zu erhöhen und den Landwirten dabei helfen, an Investmentkapital zu gelangen.

Die Smartlands Plattform wird diese Token entwickeln. Sie wird auch alle Funktionen schaffen, die etwa für eine demokratische Kontrolle der Güter notwendig sind. Smartlands wird zudem den rechtlichen Rahmen für die Assets bilden, der sowohl die Herausgeber als auch die Investoren schützt. Auch wird die Plattform die Token und die Güter beobachten, sie vermarkten, ihren Handel ermöglichen und mit den staatllichen Behörden zusammenarbeiten, um die Token zu regulieren.

Hierzu stellt das Startup mehrere Arten von Token vor. Landwirtschaftliche Produzenten können diese etwa nutzen, um unkompliziert Investitionen einzuholen. Ab dem dritten Quartal 2019 soll die Plattform den Betrieb aufnehmen und die ersten landwirtschaftlichen Güter tokenisieren. Zur Finanzierung der Entwicklung verkauft Smartlands 250 Millionen SLT Token zum Preis von je 0,001 Ether. Die Token können, so das Whitepaper etwas vage, benutzt werden, um die Aktivitäten der Plattform zu regulieren.

Das Startup aus Zypern hat bereits erste Pilotprojekte mit Walnüssen und Kirschen vollendet.

Agora: Ein Marktplatz ohne Besitzer

Agora möchte das große Versprechen der Blockchain-Technologie wahrmachen, einen dezentralen, unaufhaltbaren Marktplatz zu schaffen. Dank Ethereum-Smart-Contracts und dem Interplanetary-File-System sollte dies sogar zu machen sein. Damit soll die Ethereum-Wallet zum Interface des Marktplatzes werden, sowohl für Käufer als auch für Verkäufer.

Agora soll zwar dezentral und unaufhaltbar werden, aber kein Ersatz für Darknetmarkets. “Wir wollen nicht, dass sich illegale Güter oder Dienstleistunugen auf dem Marktplatz verbreiten,” so das Whitepaper, “Wenn sich ein Händler registriert, ist sein Status zunächst ‘in der Registrierung’. Solche Verkäufer können von Käufern noch nicht gesehen werden. Erst wenn eine bestimmte Anzahl von Shareholdern den Shop bestätigt, wird er aktiviert. Außerdem können Verkäufer gemeldet und entfernt werden.”

Die Besitzer der Agora-Token spielen als Shareholder so gesehen eine nicht unbedeutende Rolle in der Marktplatz-DAO. Dafür erhalten sie eine Dividende, die aus einer Gebühr von 2 Prozent auf jeden Verkauf entspringt, welche automatisch auf eine spezielle Adresse transferiert wird. Diese Dividende können Agora-Besitzer einmal im Monat per Smart Contract beanspruchen.

In der ICO verkaufen die Entwickler Agora-Token gegen Ether. Je Ether erhält man 500 Token.