Coinbase kauft die dezentrale Börse Paradex

Die große Dollar-Börse Coinbase kauft sich in dezentrale Börsen auf Ethereum ein. Mit Paradex hat das US-Unternehmen ein attraktives, aber bislang noch eher schwach besuchtes Interface für die Smart Contracts nach dem 0x-Protokoll erworben.

Geld ist nur der Anfang. Über kurz oder lang wird die Blockchain-Revolution alles dezentralisieren, was derzeit noch zentral abläuft. Diese Revolution kann Jahre dauern, vermutlich sogar Jahrzehnte. Aber die Chancen stehen gut, dass ein großer Teil der zentralen Mittelsmänner Marktanteile an dezentrale Strukturen verlieren werden.

Bei der Dollar-Börse Coinbase möchte man offenbar nicht abwarten, bis man Märkte verliert, sondern agiert proaktiv mit dem Kauf von Paradex. Paradex ist eine dezentrale Börse, oder, besser gesagt: eine Relay-Plattform für den dezentralen Handel auf Basis des 0x-Protokolls. Wir haben ja letztens schon darüber geschrieben, wie mit 0x der Handel von allen Token auf Ethereum – einschließlich der Ether – als Smart Contract abgewickelt wird. Die Plattformen, die in diesem System zwischen Käufer und Verkäufer vermitteln, sind die Relay Plattformen. Diese haben in keiner Sekunde irgendwelche Guthaben von irgendjemandem und auch nicht die Macht, ein Order in irgendeiner Weise zu verändern. Sie leiten lediglich die einseitig signierten Transaktionen – die als Angebot dienen – an potenzielle Käufer weiter (die sie dann abschließend signieren). Anders als jede Art von Börse übernimmt eine Relay Plattform in keinster Weise ein Risiko.

Bei einem einfachen Test der verfügbaren Relay Plattformen hat die nun von Coinbase gekaufte Relay Plattform Paradex zwar mit einem übersichtlichen Interface gepunktet, war allerdings für den Handel weitgehend unbenutzbar, da das Handelsvolumen nicht existent und die Orderbücher relativ leer waren. Für Coinbase könnte diese Kombination ausschlaggebend gewesen sein: Die Börse kauft sich das technische Know-How sowie die bestehende Infrastruktur, gibt den Entwicklern Geld, um es besser als die Mitbewerber zu machen, und bewirbt die Börse auf der eigenen, unschlagbar gut sichtbaren Plattform.

“Der Zug bestätigt nicht nur, das Coinbase in dezentrale Infrastrukturen investiert und in die junge Welt des Wallet-zu-Wallet-Tradings einsteigt, sondern auch, dass unser Fokus auf internationalen Krypto-Tradern liegt. Wir werden einige Produkt-Verbesserungen vornehmen, und dann das Angebot zuerst Kunden außerhalb der USA anbieten, vielleicht auch an US-Kunden”, schreibt Coinbase. Paradex verspricht, die bisher eingeschlagenen Roadmap weiter zu verfolgen, nun jedoch mit einem größeren Team und mehr Ressourcen. Derzeit ist die Webseite aber vorübergehend offline.

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5 Comments on Coinbase kauft die dezentrale Börse Paradex

  1. Sebastian // 29. May 2018 at 9:34 // Reply

    Wird hierdurch der Sinn und Zweck einer dezentralen Börse nicht konterkariert?

    • In der Tat. Alleine die Überschrift widerspricht sich selbst: Eine dezentrale Börse gehört per Definition niemandem, also kann man sie auch nicht kaufen.
      Lässt mich ziemlich ahnungslos zurück der Artikel…

      • Die Frage ist ziemlich philosophisch. Das Protokoll ist erstmal dezentral und erlaubt jedem seine eigene Börse zu eröffnen, für User & Liquidität zu sorgen und dafür Fees zu kassieren (und diese selbst festzulegen und damit in Konkurrenz zu anderen Börsen zu stehen). Auch P2P Orders sind laut Whitepaper machbar, die man über jeden beliebigen Kanal austauschen kann.
        Es mag fraglich sein, ob dafür ein eigener Token nötig war und eine wirklich dezentrale Börse nicht besser auf z.B. Atomic Swaps setzen sollte, aber vielleicht ist das auch die Generation DEX 1.0…
        Fraglich ist auch, ob “zentrale” Börsen auf dem dezentralen Protokoll mit jedem peeren werden oder ob sie nur mit ihren verifizierten Partnern peeren und dort für Liquidität sorgen oder sogar nur abgekapselt agieren. Der einzige Vorteil bei letzterem wäre für die User, dass sie ihre Funds niemandem anvertrauen müssen und einen Goxx ausschließen können.

  2. Wie generiert Paradex überhaupt Einnahmen? Gibt es hier Tradinggebüren (wie bei den zentralen Börsen auch)? Oder wer sonst hat einen (finanziellen) Anreiz, um für Sicherheit auf der Börse zu sorgen? Ich meine in irgendeiner Weise müssen die Entwickler doch entlohnt werden. Ich würde gerne selber schauen, aber ich kann auf die Börse gerade nicht zugreifen. Hat sie schon mal jemand benutzt und kann berichten?

  3. Braucht das protokoll diese Vermittler um zu funktionieren? So ganz sehe ich den Vorteil gg. Klassischen Börsen dann nicht, die vermitteln ja auch, nur dass die transaktion über die börse als zwischentransaktion läuft.
    Kann dann als Nutzer der deal nach vermittlung auch platzen, wenn der verkäufer z.B. doch nicht so viele coins hält?

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