Venezuela hat einen neuen Interimspräsidenten – und er ist ein Fan von Bitcoin!

Der Interimspräsident Juan Guaido, umringt von Journalisten.

In Venezuela versucht Juan Guaido den bisherigen Präsidenten Nicolas Maduro abzulösen. International wird der selbsternannte Interimspräsident begrüßt – innerlandes stößt er aber auf Widerstand durch die Regierung. Guaido ist seit 2014 ein Fan von Bitcoin – was für das inflationsgebeutelte Land ein Geschenk sein könnte. Das Handelsvolumen auf lokalen Bitcoin-Börsen zieht derweil steil an. Möglicherweise geht Bitcoin bald in die Geschichte Venezuelas ein.

Das inflations- und krisengebeutelte südamerikanische Land Venezuela hat vor kurzem ein mögliches neues Staatsoberhaupt erhalten. Nachdem die Nationalversammlung am 15. Januar die Wiederwahl von Präsident Nicolas Maduro für unrechtmäßig erklärte, ernannte sich Juan Guaido am 23. Januar in der Hauptstadt Caracas vor einer jubelnden Menschenmenge zum Interimspräsidenten des Landes.

Von der internationalen Gemeinschaft wird der Guaido begrüßt. US-Präsident Donald Trump, die Präsidenten von Paraguy und Brasilien, sowie die Regierungen von Kanada und  den meisten süd- und mittelamerikanischen Staaten erkennen seinen Anspruch an, das einzige legitime Staatsoberhaupt von Venezuela zu sein. Die US-Regierung erlaubt ihm zudem, auf Konten bei amerikanischen Banken zuzugreifen, die auf die Regierung Venezuelas ausgestellt sind.

Der noch faktisch im Amt stehende Präsident Maduro nennt Guaidos Ansprüche dagegen einen Staatsstreich und genießt dabei wohl weiterhin die Deckung durch Militär und Justiz. Der Generalstaatsanwalt ermittelt und verhängt ein Ausreiseverbot. Allerdings scheint die Unterstützung Maduros in hohen Militärkreisen zu bröckeln. Guaido appelliert derweil an die EU, Sanktionen gegen Venezuela zu erlassen. Führende europäische Staatsführer hatten schon zuvor von Maduro gefordert, binnen kürzester Zeit freie Wahlen zuzulassen – was Maduro eine „Frechheit“ nannte.

Guaido twittert schon 2014 über Bitcoin-Börse

Das ist etwa die Situation in Venezuela, einem Land, über das wir hier schon oft berichtet haben. Das sozialistisch regierte Land, das über einige der größten Ölvorräte der Erde verfügt, leidet seit Jahren an einer Hyperinflation, die jegliche Werte vernichtet und die gesamte Wirtschaft lähmt. Menschen sind kurz vor dem Verhungern, Millionen fliehen in die Nachbarländer. Bitcoin ist hier ein großes Thema, da die Kryptowährung den Venezuelandern ermöglicht, durch Fernjobs oder Mining ein Einkommen zu verdienen, das nicht von der schlimmen wirtschaftlichen Situation, dem Verfall der Währung und den strengen Kapitalkontrollen beeinflusst wird.

Juan Guaido gibt nun nicht nur Anlass zur Hoffnung, dass es in Venezuela wieder aufwärts geht – er ist auch selbst ein ausgesprochener Befürworter von Bitcoin. So hat er etwa bereits im Sommer 2014 über Sur Bitcoin, eine venezuelanische Bitcoin-Börse getweetet. Wenn ich es richtig sehe, hat er dabei auch einen Affiliate-Link geteilt.

Den Petro, die von der Regierung Maduro ins Leben gerufene, angeblich auf echten Ölvorräten beruhende, landeseigene Kryptowährung nennt Guiado einen Betrug, mit dem Maduro den Bürgern noch mehr Geld aus der Tasche zieht.

Guaidos Präsidentschaft könnte dazu führen, dass Bitcoin in Venezuela legalisiert wird. Dies könnte dem Land erlauben, wieder in Kontakt zu internalen Märkten zu treten, eventuell auch, die US-Sanktionen zu unterlaufen. Da die bisherige Währung, der Bolivar, mehr oder wenig totalzerstört ist, könnte die Regierung auch Bitcoin oder eine andere Kryptowährung nutzen, um ein Zahlungsmittel zu haben, bis eine neue Währung eingeführt ist. Eine Interimswährung für den Interimspräsidenten.

Allerdings weiß man nicht, in welchem Verhältnis Guaido konkret zu Bitcoin steht. Neben ein, zwei Tweets ist hierüber offenbar nichts bekannt. Man könnte annehmen, dass Guaido bereits 2014 in Bitcoin investiert hat, und dadurch nicht nur von der galoppierenden Inflation verschont wurde, sondern auch in Dollar gerechnet erheblich reicher wurde. Diese Gewinne könnten ihm geholfen haben, die Kampagnen für seine Präsidentschaft zu finanzieren. Damit würde Guaido nicht zum Beginn der Bitcoin-Revolution in Venezuela werden – sondern zu ihrem Kind. Aber das ist natürlich Spekulation.

Bitcoin in Venezuela begehrter denn je zuvor

Handfester dagegen sind die Zahlen der Märkte. Das Handelsvolumen des Währungspaars Bolivar:Bitcoin steigt auf Localbitcoins weiter rapide an. In der letzten Woche betrug es 15 Milliarden Bolivar.

LocalBitcoins-Handelsvolumen in Venezuela. Quelle: Coin.Dance

Weniger beeindruckend wird der Chart natürlich, wenn man das Volumen in Bitcoin anzeigt.

Aber auch hier bleibt ein Anstieg über das ganze Jahr 2018, den man sonst wohl selten finden wird, und der Ende Dezember bei knapp 2.000 Bitcoins gipfelte. Mit 1.806 Bitcoins war die letzte Woche hier die zweitstärkste je gemessene. Dass sich das Volumen in Bolivar seit der Woche ab dem 22. Dezember verdreifacht hat, könnte bedeuten, dass der tatsächliche Wert der Währung seit dieser Woche auf weniger als ein Drittel gefallen ist – während er offiziell seit Mitte 2018 stabil steht.

Der offizielle Kurs des Bolevars. Quelle: Wall Street Online

Damit ist die Bitcoin-Wirtschaft in Venezuela lebendiger denn je. Es ist wahrscheinlich, dass wir in den kommenden Monaten beobachten können, was passiert, wenn sich eine Währung auflöst und Bitcoin bereit ist, sie (vorübergehend) zu ersetzen. Wir erleben, wie so oft, Geschichte.

Über Christoph Bergmann (1543 Beiträge)
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5 Kommentare zu Venezuela hat einen neuen Interimspräsidenten – und er ist ein Fan von Bitcoin!

  1. Interessant zu wissen wäre, wie die Internetpenetration in Venezuela heute aussieht und persönlich kann ich dazu wenig sagen, da ich noch nie dort war. Am weitesten in diese Richtung war Kuba vor einem Jahr, die ihr kaum verfügbares Internet auch nur über Venezuela beziehen… Zumindest auf Kuba war es fast überall trotz hoher Gebühren nicht nutzbar, selbst für einfache Nachrichtenseiten etc. und damit ist eine Nutzung einer Kryptowährung ausgeschlossen. Wobei Kuba eigentlich ein Paradies für Bitcoin und Co. sein könnte, da Auszahlungen an Geldautomaten per VISA/MC stark limitiert sind und meist den Gegenwert von $200 nicht überschreiten können, dazu werden sie nicht in Echtzeit gebucht, sondern erst „gebunden“, was dazu führt, dass man z.B. über drei Tage kein Bargeld von seiner VISA/MC abheben kann. Natürlich nimmt man für eine mehrwöchige Reise genügend Bargeld in Form von Euro und/oder Dollarscheinen mit, aber auch da verkalkuliert man sich und wird unter Umständen überfallen wie dies bei mir der Fall war. Mit der lokalen Polizei ohne Spanischkenntnisse zu kommunizieren ist nicht gerade meine bevorzugte Nachtbeschäftigung…

    Es gibt Shitcoins, die aus der Situation in Venezuela Profit schlagen wollen, Dash veranstaltet Treffen mit einer Art Airdrop, wo sie den Leuten Kleckerbeträge überweisen, wenn sie sich ein Wallet installieren. Kann man machen, aber ich halte das für völligen Irrsinn. Die Menschen bekommen weder etwas über Krypto mit noch irgendetwas. Das einzige, was sie dann suchen ist eine Exchange, die diesen Shitcoin in das shitty Bargeld umwandelt.

    Venezuela ist ein Land im potenziellen Umbruch und durchaus fähig, Krypto salonfähig zu machen. Die Frage ist eher, wie stark der Wille der Macht dahinter steht.

  2. Das könnte für Kryptowährungen ein ganz tolles, legitimierendes Beispiel werden.

    Wenn die Nutzung wirklich verbreitet wäre, wäre die BTC Chain natürlich sofort voll und funktionsuntüchtig. Das könnte dazu führen, dass sich eine der Ersatzwährungen mit ausreichender Kapazität aufschwingt.

  3. Kartoffelkopf // 31. Januar 2019 um 15:16 // Antwort

    Christoph, den ersten Plot hättest Du Dir sparen können. Wenn der Bolivar einer Inflation jenseits von gut und bösen unterliegt, dann ist es nicht verwunderlich, dass auch mehr Bolivar gegen Bitcoins gehandelt werden. Das deutest Du leider nur an ohne es zu erklären. Der zweite Plot gibt die Realität besser wieder.

  4. kryptokabinett // 5. Februar 2019 um 7:23 // Antwort

    …Guaidos Präsidentschaft könnte dazu führen, dass Bitcoin in Venezuela legalisiert wird…

    Nein, ich denke nicht. Guaidos Putsch wird vor allem von der US-Regierung mitgetragen. Sollte er an die Macht kommen wird es auch keine Sanktionen mehr geben. Bitcoin würden als nicht mehr notwendig angesehen da der US-Dollar wieder vermehrt ins Land kommen würde. Geschweige von vielen plötzlich möglich gewordenen IWF-Milliarden.

    Solange sich die Opposition mithilfe von Bitcoins hochputschen kann wird dieser auch umjubelt – dannach ist der Ofen wieder aus.

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