SWIFT kündigt Partnerschaft mit R3 an, Ripple-Fans feiern – zu recht?

Wellenkreise (Ripple) um eine Rose. Bild von Bernard Spragg. NZ via flickr.com. Lizenz: Public Domain

Gestern hat SWIFT, das internationale Zahlungssystem, angekündigt, die Corda-Plattform von R3 zu testen. Von der Ripple-Szene wurde das gleich als endgültiger Siegeszug von Ripple gefeiert, weil R3 die Ripple-interne Währung XRP benutzen soll. Die Party findet aber, wenn man genauer hinschaut, auf dünnem Eis statt.

Das erste Magazin, das gestern mit der Nachricht rausrückte, war Coindesk. „SWIFT, das globale Zahlungsnetzwerk der Banken, beginnt, ihren GPI Zahlungs-Standard durch die Corda-Plattform von R3 zu testen.“ Der Chef von SWIFT, Gottfried Leibbrandt, kündigte dies auf einem Fintech-Forum in Paris an, später folgte noch eine Pressemitteilung.

Diese nennt einen „Proof of Concept“ – also eine experimentelle Machbarkeitsstudie – um GPI mit der Software von R3 zu verbinden, um einen neuen Standard für grenzüberschreitende Zahlungen zu schaffen. Die Plattform verarbeitet neben  den Zahlungen auch Tracking-, Kredit- und Identifizierungs-Informationen. Viel mehr sagt die Pressemitteilung nicht.

Was hat das nun mit Ripple zu tun? Den Link bildet das Produkt von R3 – Corda. Diese Software soll globale Krypto-Zahlungen über „enterprise Blockchains“ transportieren. Sie wäre eine Art Meta-Blockchain für andere Blockchains. Die erste Kryptowährung, die Corda integriert hat, war Ende 2018 dann Ripple (XRP). Die Schlussfolgerung, die manche Ripple-Fans daraus ziehen, ist, dass Swift in Zukunft die XRP genannte native Währung von Ripple benutzen wird, um verschiedene Währungen zu tauschen. Also als eine Art Brückenwährung, wie Ripple Labs schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hat.

Die Ripple-Community hat gejubelt, weil dies natürlich die Nachfrage nach XRP – und damit den Preis — erhöhen würde. Allerdings steht die Idee, dass es auch so kommt, auf tönernen Beinen. Erstens, weil SWIFT nur einen „Proof-of-Concept“ beginnt, was noch weit davon entfernt ist, ein echtes Produkt zu werden. Zweitens, weil es unwahrscheinlich ist, dass SWIFT tatsächlich jede Währung erst in XRP tauschen wird, um die XRP danach gegen eine andere Währung zu tauschen. Wie soll man sich das überhaupt vorstellen? Woher haben die Banken XRP, an wen verkaufen sie sie, woher kommt die Liquidität in beide Richtungen, und so weiter. Es wäre viel effektiver und günstiger, auf die XRP zu verzichten, und stattdessen Dollar- oder Euro-Token über Corda oder auch die Ripple-Blockchain laufen zu lassen.

Dahingegend argumentiert auch SWIFT-Chef Leibbrandt, der mit Ripple-CEO Brad Garlinghouse auf jenem Fintech-Forum in Paris diskutierte, auf dem er die Kooperation mit R3 ankündigte: Er denke, ein großer Teil von Ripples Wertbasis sei die Kryptowährung XRP, aber er stelle fest, dass Banken zögern, eine Kryptowährung heute zu verwenden, da sie zu volatil ist. Man könnte noch anmerken, dass XRP hier besonders problematisch ist, da ein riesiger Anteil der Geldmenge, vermutlich mehr als 50 Prozent, weiterhin im Besitz der Firma Ripple Labs ist. Garlinghouse entgegnete, das Gerede über die Volatilität sei Desinformation. Eine XRP-Transaktion sei mathematisch betrachtet weniger volatil als eine Fiat-Transaktion.

Es kann sein, dass Ripple, das Zahlungssystem, irgendwie Eingang in die Technik von SWIFT findet – auch wenn selbst dies längst nicht ausgemacht ist – aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Währung XRP dabei eine große Rolle spielen wird.

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3 Kommentare zu SWIFT kündigt Partnerschaft mit R3 an, Ripple-Fans feiern – zu recht?

  1. Ach ja..da haben wir wieder unsere Bitcoin-Maximalisten. „Keine Bank wird XRP nutzen!“..nachdem mehrere Finanzinstitute XRP einsetzen:“Ja, aber das sind keine Banken!!!“, und jetzt wird das hier auch gleich wieder schlecht geredet. Lasst uns doch mal freuen ohne gleich alles schlecht zu machen 😉

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