20% – 30% – 50%: Die Preise springen hart nach oben

Raketenstart. Bild von Steve Jurvetson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Am 2. April ist der Bitcoin-Kurs um rund 20 Prozent gestiegen. Als die anderen Kryptowährungen nachzogen, wurde daraus das stärkste Preis-Event seit langem. Wir schauen uns an, was genau passiert ist – und was womöglich dahinter steckt.

In der Nacht vom ersten auf den zweiten April zündeten parallele Bitcoin-Kauforder auf mehreren Börsen die Kursrakete. Ein unbekannter Käufer – oder ein Konsortium von Käufern – hat zum gleichen Zeitpunkt mit Käufen auf vielen Börsen Bitcoins für mehr als 100 Millionen Dollar gekauft. Der Kurs reagierte sofort; europäische Bitcoiner konnten am Morgen des 2. April fassungslos-freudig feststellen, dass der Bitcoin-Preis um beinah 20 Prozent gestiegen war.

Der Bitcoin-Euro-Preis im 7-Tages-Chart bei Bitcoin.de

Zunächst drückte dies den Preis der anderen Kryptowährungen in Bitcoin deutlich. Kurz darauf zogen diese jedoch nach, die einen stärker, die anderen schwächer. Es ist spannend, den Chart anderer Coins nicht in Dollar, sondern in Bitcoin zu betrachten. Dies zeigt den Ablauf des Preis-Events in aller Deutlichkeit.

Der Preis von Dash in Bitcoin im 7-Tages-Chart auf Coinmarketcap.com

Während etwa Dash und Ethereum nur kurz wieder ihren zuvorigen Kurs in Bitcoin erreichten, um dann wieder abzufallen und Ripple sogar noch unter das Niveau am frühen Morgen des 2. Aprils fiel, konnten Bitcoin Cash (BCH), Litecoin (LTC) und Bitcoin SV (BSV) nach einem kurzen Knick massive Gewinne verbuchen. Bitcoin SV zeigt die Delle, die der Sprung von Bitcoin hinterlässt, ebenso klar wie den darauf folgende Anstieg um rund 20 Prozent.

Kurs von BSV in BTC. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.

Bei Bitcoin Cash dagegen ist der Knick kaum noch zu sehen. Auf den kurzen Einbruch folgte eine geradezu wahnwitzige Rally mit Gewinnen von ungefähr 50 Prozent in Bitcoin.

BTC-Preis von BCH im 7-Tages-Chart. Quelle ebenfalls coinmarketcap.

In Euro betrachtet konnte Bitcoin Cash seinen Preis seit Anfang des Monats beinah verdoppeln. Dies macht BCH zum unumstrittenen Gewinner dieses Preisereignisses. Zwar sind die Verluste im Einjahres-Verlauf weiterhin gravierend, und auch der Verfall des Preises, den die Hardfork im November auslöste, ist weiterhin nicht aufgeholt. Dass BCH ein eindeutiges Jahreshoch erreicht, könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass die Währung dabei ist, sich von dem Schaden, den sie Ende letztes Jahr erlitten hat, zu erholen.

Europreis von Bitcoin Cash im 1-Jahres-Verlauf auf Bitcoin.de.

Ist das Ende des Bärenmarktes damit besiegelt?

Die gesamte Konstellation ist hochinteressant und könnte Hinweise auf die psychologische Verfassung der Märkte geben. Dass jemand eine Massenorder für Bitcoin abgibt, kann vorkommen. In einem Bärenmarkt – der durch Pessimismus gekennzeichnet ist – endet das in der Regel mit der berühmten “Bart Simpson Formation”: Der Kurs schießt nach oben, bildet ein paar Zacken, um dann wieder dorthin zu fallen, wo er begonnen hat. Stattdessen aber blieb Bitcoin nach einem kurzen Einknicken von der Spitze nicht nur dort, wo er war, sondern stieg weiter.

Auffällig ist auch der Durchfluss der Rally an die Altcoins. Wäre der Markt pessimistisch, würde er den Bitcoin-Preis hinnehmen oder absahnen. Dass er stattdessen die Kursgewinne von Bitcoin an die allermeisten Altcoins weitergibt – im Falle von Bitcoin Cash, Bitcoin SV und Litecoin sogar im Übermaß – deutet darauf hin, dass der Markt seinen Optimismus für Kryptowährungen als Ganzes wieder entdeckt hat. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Währungen stieg im Lauf dieser Woche um mehr als 30 Milliarden Dollar. Das deutet darauf hin, dass die Trader bereits in den Startlöchern gesessen haben; die verteilte, große Kauforder für Bitcoin war nicht die Ursache, sondern lediglich der Auslöser der Rally.

Dieser Eindruck wird durch einen Blick auf das Handelsvolumen verfestigt. Das von Coinmarketcap berichtete gesamte Volumen von beinah 90 Milliarden Dollar in 24 Stunden ist das höchste, das jemals gemessen wurde. Auch wenn man Zweifel an der Aussagekraft dieser Daten haben kann, da ein Großteil des Volumens wohl gefälscht ist, zeigt dies doch eine massive Aktivität der Märkte. So als würden sie aus dem Winterschlaf erwachen und sich gleich mit Volldampf auf die Orderbücher stürzen.

Globaler Preis aller Kryptowährungen in der Langzeitansicht auf coinmarketcap. Man beachte die grauen Volumenbalken, die in den letzten Tagen ein Allzeithoch erreicht haben.

Aprilscherze, Ursachen und Auslöser

Die eine, wichtige Frage ist aber noch offen: Warum? Warum springt der Preis plötzlich? Gibt es Ursachen und Auslöser? Wie immer kann man darüber nur spekulieren; diesmal jedoch finde ich es so schwer wie nie, dafür Theorien zu finden. Es gab kein spezielles Ereignis für Bitcoin. In den Medien wurde spekuliert, dass ein April-Scherz des Magazins Finance Magnatates für die Rally verantwortlich gewesen sein; das Magazin hatte – gar nicht so orginell – getitelt, dass die SEC die Bitcoin-ETFs von VanEck und Bitwise gestatte. Man darf aber bezweifeln, dass dies wirklich die Ursache für den Kursanstieg war; in jedem Fall reicht ein missverstandener April-Scherz nicht aus, um zu erklären, weshalb die Märkte dem Anpfiff geradezu ekstatisch folgen.

Ich würde sagen, der Markt war ganz pauschal bereit. Die Preis sind mehr als ein Jahr lang gefallen, haben Anfang des Jahres einen Boden erreicht und gehen von dort aus tendenziell nach oben. Ein solches Plateau ist eine perfekte Gelegenheit für Investoren, die seit einiger Zeit einsteigen wollen, aber bisher noch Zweifel daran gehabt haben, durch weiter fallende Preise ein Verlustgeschäft zu machen.

Während es also nicht viel über den Kursanstieg an sich zu spekulieren gibt, könnte man einige Theorien zu den einzelnen Inkarnationen spinnen. So haben etwa Ethereum, Ripple und Stellar recht schwach abgeschnitten und insgesamt mehr oder weniger deutlich im Verhältnis zu Bitcoin verloren – wohingegen die Bitcoin näherstehenden Währungen wie Bitcoin Cash, Litecoin und Bitcoin SV massiv gewonnen haben, und auch Dash recht passabel davonkommt. Dies könnte zeigen, dass die Märkte weniger an Smart Contracts oder stärker zentralisierten Blockchain-Protokollen interessiert sind, als an auf Bitcoin basierenden “Geld-Systemen”. Der hohe Ansturm auf BCH, LTC und BSV könnte zudem darauf hinweisen, dass die Märkte der von Bitcoin (BTC) favorisierten Variante, nicht durch die Blockgröße, sondern durch Lightning zu skalieren, nicht unbeschränkt vertrauen, sondern sich durch Bitcoin-Varianten mit einer größeren Blocksize absichern.

Der sehr auffällige Gewinn von Bitcoin Cash lässt sich damit erklären, dass BCH, trotz aller Turbulenzen und Nöte durch die Hardfork, weiterhin wunderbar funktioniert. Es hat sich an sich nicht viel verändert, das Ökosystem ist weitgehend intakt und hochaktiv; dies würde Bitcoin Cash bei Preisen unter 200 – und vielleicht auch unter 300 Euro – zum Schnäppchen machen.

Aber wie immer ist all das Spekulation. In den seltensten Fällen kann man präzise erklären, weshalb sich die Preise aufwärts oder abwärts bewegen. Man kann sich jedoch, zumindest in diesem Fall, darüber freuen.

Über Christoph Bergmann (1601 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

10 Kommentare zu 20% – 30% – 50%: Die Preise springen hart nach oben

  1. NichtNaiv // 5. April 2019 um 20:07 // Reply

    War bestimmt die Frau von Jeff Bezos.. haha.. Just kiddin

  2. Maik Richter // 6. April 2019 um 13:30 // Reply

    Bitcoin war nach der langen Konsolidierungsphase reif für einen Sprung. Und ein solcher zieht die Bitcoinklone immer mit. Das war schon immer so. Das bei diesen die Volatilität so viel höher ist, hat den simplen Grund das der Markt für diese Klone einfach sehr viel kleiner ist. Nichts weiter neues.

  3. Jokoblocko // 7. April 2019 um 2:28 // Reply

    Thema: Matthew Hougan from Bitwise on Why 95% of Reported Bitcoin Trade Volume is Fake: http://www.youtube.com/watch?v=bPA79Swcz7k

  4. Der Preis ist eigentlich nicht das, wofür wir hier sind (oder sollten), zumindest meiner Meinung nach… Bei der Crypto-Revolution, die uns (hoffentlich) noch bevorsteht geht es um mehr als nur einige wenige reich zu machen.

    Der aktuelle Preissprung ist in meinen Augen auch noch kein Indiz für einen bevorstehenden Trend wie in 2017, er wurde verursacht durch einen oder einige wenige große Käufer, die in wenigen Orders über 20.000 BTC aquiriert haben. Das mag ein positives Indiz sein, es könnte aber durchaus ein Pump&Dump Spiel in größerem Maße sein. Interessant und zugleich prägend dürfte die Tatsache sein, dass mit Bitcoin alle anderen Coins gesprungen sind und der Markt weiterhin anfällig für offensichtliche Scams vom Typ Bitconnect oder Onecoin ist. Ich möchte hier nicht wieder angefeindet werden, wenn ich offensichtliche Scams wie diese zur Schau stelle, bevor sie platzen, aber jedem interessierten Menschen im Crypto Umfeld kann ich eine etwaige Zahl als Richtlinie nennen: Unter den Top100 Coins gemäß Market-Cap sind weniger als 10 seriös, wenn man die Top1000 nimmt, sind es wahrscheinlich maximal 20-30. Wer mir mehr nennen kann und dies jeweils auch gut begründet, bekommt von mir einen halben Monero 😉

    Was mich allerdings etwas bedrückt ist die Tatsache, dass wir weiterhin weit entfernt von einem gesunden Markt sind in dem die offensichtlichen Betrügereien ausgespült werden bzw. vom Markt verschwinden… Keine Frage, ein Bull-Market wird kommen, vielleicht dieses Jahr oder nächstes, eventuell sogar übernächstes. Ich würde mich aber mehr darüber freuen, wenn der Markt erwachsen und seriöser werden würde. Bitcoin (und Crypto) ist keine Aktie (es sei denn man erwirbt Shares die über die Blockchain geregelt werden), es ist für mich ein Zahlungsmittel.

    • Nixgeschenkt // 7. April 2019 um 20:20 // Reply

      Ich will hier jetzt keinen halben Monero abstauben, aber wie bitte definierst du seriös? Ich schätze aus deiner Sichtweise ist die Iota Foundation z.B. auch als nicht seriös eingestuft, oder?

      • Auch wenn ich vieles bei IOTA nicht gut heiße, zumal (Eigen)Marketing auf deren Prioritätenliste auf #1 steht und der Umgang mit (berechtigter) Kritik sehr fragwürdig ist, sehe ich IOTA tatsächlich als eines der mehr oder wenigen seriösen Projekte an. Es ist kein simpler Bitcoin Klon und versucht, eine alternative Technologie durchzusetzen. Nicht immer mit seriösen Methoden und Behauptungen von Sonstebo & Schiener sind mit genügend Abstand zu betrachten, aber immerhin hat man eigenen Code und eigene Technologie. Ob diese tatsächlich sinnvoll ist oder nicht, wird sich in der Zukunft zeigen – ternäre (Un)Logik, selbst ausgedachte Kryptographie ohne Peer Review, “Jinn” usw. bieten auf jeden Fall Potenzial zur Skepsis, das haben wir allerdings hier im Blog schon öfter behandelt. Es gibt deutlich größere Scams…

  5. Zu den 100 Millionen Dollar Kaufsumme kamen noch 500 Millionen Dollar Liquidierungen von Shorts. Das dürfte ordentlich zum Kurssprung beigetragen haben. Insofern war es vielleicht klug von dem großen Käufer, in so einem großen Block zu kaufen. Er dürfte jetzt sofort massiv im Plus sein.

    Es kann gut sein, ist aber nicht sicher, dass wir hier den Start des Bullenmarktes sehen. Das ist (durchaus rationale) Massenpsychologie. Die Trader kaufen, weil sie denken, dass alle anderen auch kaufen. Ein Signal wie dieser Kurssprung hat eine koordinierende Funktion. Insofern ist charttechnische Analyse in solchen Situationen auch nicht ganz wertlos (auch, wenn sie manchmal wie Hokus Pokus erscheint).

  6. Werner Müller // 8. April 2019 um 12:15 // Reply

    Paul Janowitz: Sie haben vollkommen recht. Wenn dem enormen Kurssprung wirklich nur ein einziger großer Kauf und ein paar Trittbrettfahrer zu Grunde liegen, spricht das eher für die Unseriosität des Bitcoinmarktes. Fundamental hat sich ja nichts geändert. Bin gespannt wie es weitergeht, aber das Kartenhaus kann sehr schnell wieder einstürzen.

  7. Der Krug geht solange zum Brunnen bis er zerbricht

  8. zeitloch365 // 24. April 2019 um 9:46 // Reply

    Hallo.

    Ich bin was den Bitcoin angeht ein Frischling.
    Ist es aus Eurer Sicht ratsam evtl.jetzt mit einem Coin einzusteigen ?

    LG Markus

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