Das Delisting: Das Krypto-Ökosystem spuckt Bitcoin SV aus

Durchfahrt Verboten. Bild von Go to Kompetenzzentrum via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem Binance der Drohung, Bitcoin SV vom Handel zu nehmen, Taten folgen lässt, ziehen andere Börsen nach. Das Ökosystem der Kryptowährungen hat keine Lust auf Craig Wright und verbannt darum Bitcoin SV.

Das schöne daran, über Bitcoin und Kryptocoins zu bloggen, ist, dass so vieles zum ersten Mal passiert. Aber das, was in den letzten Tagen passiert ist, war selbst für diesen Bereich unerwartet und einmalig: Eine Börse nach der anderen nimmt eine Währung vom Handel, weil sie ihren “Anführer” verabscheut. Es scheint fast, als versuche die Branche eines ihrer ungeliebten Kinder zu beseitigen.

Wie bereits berichtet, hat sich der Kopf von Bitcoin SV (BSV), Craig Wright, in einige mehr oder weniger zweifelhafte rechtliche Aktivitäten verstrickt. Insbesondere das Versenden von gerichtlichen Drohungen an Bitcoin-User auf Twitter hat eine ökosystemweite Empörung entfacht. Zunächst hat der Chef der Altcoin-Börse Binance, Changpeng Zhao, gedroht, er werde Bitcoin SV vom Handel nehmen, wenn es so weitergeht. Nachdem dann kurz darauf weitere Leute Anwaltspost von Wright bekamen, ließ er den Worten Taten folgen und kündigte an, BSV zu “delisten”, also aus der List der auf seiner Börse handelbaren Coins zu nehmen.

In seltener Eintracht feierten Teile der Bitcoin-, Bitcoin-Cash- und weiteren Krypto-Szene diesen  Schritt. Unter den Mitbewerbern machte Zhaos Beispiel rasch Schule. Zunächst fragte die Börse Kraken mit einer Twitter-Umfrage, ob man BSV vom Handel nehmen sollte. Nachdem die Antworten eindeutig “Ja” sagten, kündigte die Börse an, ab Ende April den Handel mit BSV abzuschalten. Schon zuvor hatte ShapeShifts CEO Eric Vorhees angekündigt, Bitcoin SV nicht länger zu handeln. Auch Blockchain.info erklärte, jegliche Unterstützung von BSV am 15. Mai zu beenden.

Aber das wären nur die prominentesten Beispiele. BitForex macht derzeit noch eine Umfrage auf Twitter, ob BSV verschwinden soll, bei der es derzeit aussieht, als würde es geschehen*. Auch Litebit.eu steckt noch in einer Umfrage, deren bisherige Ergebnisse ziemlich eindeutig auf ein Delisting hinweisen. Die Wallet mit Kaufoption Level hat offenbar schon entschieden, BSV aus dem Portfolio zu entfernen, ebenso die Börsen Bitrue.com und Bittylicious und die Multicoin-Wallet Satowallet. Schmerzhaft dürfte auch sein, dass der Payment-Provider CoinPayments, der als einer der wenigen Bitcoin SV aufgenommen hat, nun die unliebsam gewordene Währung ebenfalls entfernt. Mit Sicherheit gibt es noch mehr, die sich bereits entschieden haben oder noch folgen werden.

Mit ein Grund, weshalb es vielen so leicht fällt, sich von BSV zu verabschieden, ist, dass der Coin nicht eben besonders viel nachgefragt wird. Das Handelsvolumen ist größtenteils dünn, die Orderbücher wenig voll. Es gibt nicht allzu viel Umsatz zu verlieren. Vermutlich haben die einen oder anderen Firmen bereits mit dem Gedanken gespielt, den Coin zu delisten, aber nun eine gute Gelegenheit bekommen, dies mit einer Marketing-Aktion zu verbinden. Daher sollte man nicht zuviel in die Welle der Bitcoin-SV-Delistings hineineinterpretieren.

Andererseits ist eine politische Dimension des Geschehens nicht zu übersehen. So kann man auf Binance etwa weiterhin Bitcoin Gold und Bitcoin Diamond handeln, zwei Forks von Bitcoin, hinter denen wesentlich weniger Energie steckt als hinter Bitcoin SV. An ihrer statt BSV vom Handel zu nehmen, ist unbestreitbar eine Entscheidung, die politischen oder persönlichen Gründen folgt – woraus Changpeng Zhao ja auch kein Geheimnis macht. Und dass Krakens Chef Jess Powell gerne in den Zug einsteigt, dürfte verständlich sein, nachdem er bereits von einer Firma verklagt wird, die BSV-Investoren vertritt.

Für Bitcoin SV bedeutet das einen massiven Schaden, auch wenn viele in der Community behaupten, dies sei egal oder sogar gut. Je weniger der Coin gehandelt wird, desto geringer ist die Liquidität, und desto schwieriger wird es, Einnahmen in BSV zu guten Kursen gegen Euro oder Dollar (oder Bitcoin) zu tauschen. Dies macht BSV effektiv weniger nützlich für praktische Zwecke. Der Preis reagiert erwartungsgemäß auf die Nachrichten, indem er recht drastisch von 70 Euro letzte Woche auf nicht mehr ganz 50 Euro fällt.

* BitForex hat nun erklärt, dass sie, entgegen den Ergebnissen der Umfrage, BSV doch nicht delisten, da dies unfair gegenüber den BSV-Tradern sei.

Über Christoph Bergmann (1625 Beiträge)
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19 Kommentare zu Das Delisting: Das Krypto-Ökosystem spuckt Bitcoin SV aus

  1. War Bitcoin SV nicht schon lange “tod”?

    Der größte Fehler von Wright war doch der Hashkrieg? Ich kenne kein bedeutendes Unternehmen, das BSV für Zahlungen verwenden wollte.

    Geld ist nur etwas Wert, wenn die Menschen dem Geld vertrauen. Das gilt für Kryptogeld genauso wie für Fiat-Geld!

    Wenn aber der “Erschaffer” des Kryptogeldes gleich mit Krieg gegen andere Kryptowährungen droht, obwohl er den Krieg verlieren kann, dann kann man nicht darauf vertrauen, dass so eine Währung werthaltig bleibt.

    Es gab wohl kaum noch bedeutende Unternehmen, die den Bitcoin SV dem Bitcoin Cash vorziehen würden.

    Meiner Meinung nach hat Wright das Vertrauen in Bitcoin Cash massiv gestärkt und das Vertrauen in Bitcoin SV zerstört. Ich vermute deshalb, dass Bitcoin SV immer weiter an Wert verlieren wird, bis er irgendwann wertlos ist.

  2. Serpens66 // 17. April 2019 um 17:45 // Reply

    Wright sollte mal lieber am code von BSV arbeiten und ihn eindeutig zum besten Coin machen (was er als Satoshi ja problemlos hinbekommen sollte) und sich nicht mit so einem Unsinn wie Social Media und Klagen abgeben. Wenn er das mal machen würde, wären sicherlich mehr Leute geneigt ihm zu glauben und auch zu vertrauen.

  3. Nur für Spekulanten interessant: Mich erstaunt die Resilienz der BSV-Community in der ganzen Sache enorm, dies ist für mich auch ein bullische Signal auf lange Sicht. Ich kenne keine andere Kryptocommunity, bei der es so klar ist, dass die “hodler” dort nicht nur auf die nächsten 20% Gewinn warten. Daher kaufe ich BSV jetzt Stück für Stück ein.

  4. Die ganze Geschichte ist tatsächlich sehr amüsant und hat Potential für einen Bestseller. Herr Bergmann, bitte kommen Sie J. Hosp zuvor. Mit dem ist es ja richtig schlimm geworden.

  5. Derart unregulierten Cryptobörsen ohne Lizenzen, jetzt auch mit willkürlichen Entlistungen, wie Binance usw etwas anvertrauen? Not your keys, not your bitcoins. Die seit 2015 von Monstern aufgebauten und zu Shitcoin Casinos umfunktionierten Cryptobörsen wie Binance usw. gehören als Konsequenz aus den jüngsten Ereignissen global einheitlich reguliert. Pump und Dump auf Telegram-Gruppen wie „wallstreetcryptotrader“ mit 9000 Mitgliedern. Und das im Zusammenspiel der unregulierten Cryptobörsen mit https://coinmarketcap.com:

    2154 „Cryptocurrencies“ werden dort per heute gelistet. Allein heute 5 neue Listings

    UGAS (UGAS), BIZKEY (BZKY), NeoWorld Cash (NASH), Alpha Token (A)

    Das ist schlimmer wie seinerzeit im globalen Forexmarkt, der erfolgreich gebändigt und reguliert worden ist.
    Hier liegt eines der vielen Crypto-Probleme, nicht beim Bitcoin nach Satoshis Vision, wenn man ehrlich zu sich ist.

    • Nur die geistig Armen schreien immer wieder nach Regulierung. Benutzen Sie ihren eigenen Verstand; dann müssen Sie sich auch nicht von ehemaligen Studenten der Politik”Wissenschaften” erklären lassen, was für eine super Investition die Riester-Rente ist.

  6. Simon Gebauer // 17. April 2019 um 23:44 // Reply

    Zu Bitcoin Satoshi Vision (BSV) bestehen ja offenbar bei niemanden irgendwelche Zweifel, dass Craig Wright der Haupt-Creator ist.
    Insider wissen jedoch mehr. Craig Wright schrieb das Bitcoin Whitepaper. Er designte das Model drumherum. Er kreierte den Künstlername Satoshi Nakamoto. Und er wird all das vor Gericht beweisen, nicht in Twitter-Tweets, nicht in bullshit Social Media.

    • Mein letzter Kommentar wurde sicher nicht freigegeben, da ich einen deutschsprachigen Blogger und ehemaligen CEO einer Kryptofirma genannt habe…?

      Also nochmal neu:
      Ich finde das alles um Bitcoin, Bitcoin Cash und Bitcoin SV ziemlich amüsant und spannend und würde mich nicht wundern, wenn da bereits an einem Bestseller gearbeitet wird. Herr Bergmann, beeilen Sie sich. 🙂

      So besser? 🙂

    • Süß, haste den Calvin Ayre Tweet brav auswendig gelernt?

  7. Peter S. // 18. April 2019 um 1:39 // Reply

    Ich glaube es ist ncht nur der persönliche Groll gegen CSW, sondern die haben einfach Angst vor BSV. Da steckt soviel Potential drin, der macht alle Coins obsolet (und damit auch die Gewinne für Exchanges)

    Was da am entstehen ist mit BitCom und aktuell BTerm ist der Wahnsinn.

    Auch die Genesis-Roadmap klingt mehr als Vielversprechend.
    https://bitcoinsv.io/2019/04/17/the-roadmap-to-genesis-part-1

  8. Ich hatte die Seite wohl nicht aktualisiert. LOL 😂 sorry 🤗

    • Hi, die meisten Kommentare bedürfen der manuellen Freigabe durch mich. Nicht alle, aber ich habe keine Ahnung, woran es liegt. Allzu intelligent ist das System nicht, selbst jahrelanges, gutes Kommentieren, wie bei Paul J., hilft nicht, die Kommentare sofort freizugeben.

  9. Maik Richter // 18. April 2019 um 11:50 // Reply

    “Insider wissen jedoch mehr. Craig Wright schrieb das Bitcoin Whitepaper. Er designte das Model drumherum. Er kreierte den Künstlername Satoshi Nakamoto. Und er wird all das vor Gericht beweisen”

    Haben die Fanboys hierher verlinkt? Jetzt hört endlich auf diesen Unsinn zu verzapfen. “Vir Gericht beweisen.” in einer Minute könnte er es mit der korrekten Signierung beweisen wenn er Satoshi wäre. Bewiesen ist bis jetzt nur, das er immer und immer wieder gelogen hat. Eine schillernde Figur sicherlich, aber weit entfernt von jeder Seriosität.

  10. Dieser Blog verkommt mehr und mehr zu einem Sprachrohr für Bitcoin Cash und Bitcoin SV + deren Anhänger.
    Ich denke ich lasse es lieber und suche was anderes.

    Ach btw, Calvin Ayre ist eine zwielichtige Gestalt. Nicht nur seine Twitter-Posts, sondern auch die Verflechtung mit Bitcoin SV, seiner Bitcoinnachrichten-Seite, die er auf Twitter propagiert, seinem Unternehmen usw. Zusätzlich gibt es das Schriftstück wo drinsteht, dass er die BSV ”Gewinne” für Investitionen in seine geplanten Urlaubsresorts stecken will.

    Aber gut, wer von Anfang an Roger Ver mit seinem Bitcoin Cash hochjubelt…

    • Hätte ich nicht über ein einmaliges und negatives Ereignis für BSV schreiben sollen? Ich dachte mir, es wäre ehrlich, auch die Probleme hier zu thematisieren.

    • Es ist der BITCOIN Blog. Natürlich wird da über Bitcoin (in allen seinen Ausprägungen) berichtet. Ist doch gut so … auch wenn Christoph mal über den Tellerrand hinaus etwas präsentiert.

      Aber was das mit den privaten investitionen und Ausgabe von Mr Ayre oder Roger Ver zu tun hat, verstehe ich nicht. Was spielt das für eine Rolle?

  11. Larry Crypto // 23. April 2019 um 10:22 // Reply

    Bitcoinb = BSV

    Wer diese Preise nicht als Hedge-Möglichkeit nutzt, verpasst eine unglaubliche change.
    Ich selbst bin ALL in BSV.

    Big Blocks = Bitcoin

    Lest das Whitepaper leute, lasst euch nicht von Blockstream Propaganda (Mastercard/Axa) manipulieren!

    • 1. Das heißt “Chance”, nicht “Change”

      2. All-In in einem Coin zu sein ist einfach nur dumm. Den BSV Vertretern geht es auch nicht um den Preis, sondern um deren Anwendung(en). Nicht Hodln, sondern nutzen.

      3.Verschone die Menschen mit deinen Axa-Verschwörungstheorien. Nur weil technisch gesehen BSV der Original Bitcoin ist, heißt dass nicht das BTC u.a. uns manipulieren. Die gehen einfach nur andere (technische) Wege. Die Zeit wird zeigen, welche davon akzeptiert werden und sich durchsetzen und welche nicht.

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