Bitcoin-Preise: Ist die tote Katze endlich am Boden angekommen?

Die Preise am Wochenbeginn: Bitcoin steigt, Altcoins steigen stärker. Womöglich ist ein Muster, das den Kurs mehr als ein halbes Jahr lang beherrscht, durchbrochen. Manch einer spekuliert, dass dies an der Iran-Krise liegt.

Was den Preis angeht, startet das neue Jahr ziemlich stark. Nachdem der Kurs am dritten Januar kurz auf etwa 6.350 Euro abgesackt ist, geht er seitdem mehrere Tage in Folge nach oben. Derzeit hat er mit rund 7.000 Euro den höchsten Stand in diesem noch jungen Jahr erreicht – was natürlich noch nicht viel aussagt. Wichtiger dürfte sein, dass der Kurs womöglich in dieser Woche ein Muster durchbrochen hat, dem er seit Mitte 2019 konsequent gefolgt ist.

Man sieht dies im 1-Jahres-Chart ganz gut:

1-Jahres-Chart BTC/EURO von Bitcoin.de

Erkennt ihr das Muster? Der Dollar-Chart von coinmarketcap stellt es noch ein wenig deutlicher dar:

1-Jahres-Chart BTC/USD auf Coinmarketcap

Wir hatten bisher ein geradezu klassisches Dead-Cat-Bounce: Die tote Katze purzelt die Treppe hinunter, prallt dabei von jeder Stufe ab, fliegt ein Stück nach oben, nur um dann noch tiefer zu fallen. Bis sie schließlich am Boden aufsetzt. Seit Mitte Juli fiel der Kurs, es gab eine kurze Episode des Seitwärtsgehens, dann stieg er leicht, nur um dann fix wieder abzusacken. So ging es weiter, und weiter, und weiter, mit immer tieferen Tiefs und tieferen Hochs, was beides zusammen einen ziemlich stabilen Trend ausmacht.

In der aktuellen Episode, die schon Ende November mit dem letzten starken Einsturz begann, blieb der bisher unvermeidliche Abprall aus. Die kurze Zeit des Seitwärtsgehens mündete nicht wie bisher in einem spontanen, aber ebenso starken wie unnachhaltigen Ausbruch nach oben, sondern in einem weiteren Seitwärtsweg. So stabil blieb der Preis seit Anfang 2019 nicht. Ob das schon ein Boden ist, lässt sich nicht sagen; nachdem sich aber das bisherige Muster nicht wiederholt hat, sondern stattdessen die Volatilität gesunken ist, wurde es spannend, in welche Richtung Bitcoin ausbrechen würde – aufwärts oder abwärts? Der Dezember war ganzmonats unentschlossen. Kurz nach dem Anbruch des neuen Jahres schälte sich aber eine Tendenz nach oben heraus, die bisher Kursgewinne von rund 10 Prozent erbracht hat.

Natürlich ist es noch zu früh, um eine Trendwende herbeizujubeln. Aber wir haben hier das erste Anzeichen, dass ein bisher sehr zuverlässiges Muster durchbrochen ist. Dies könnte bedeuten, dass es zu der soliden Bodenbildung kommt, auf die wir schon seit Anfang 2018 warten.

Diese Vermutung bekommt Rückendeckung durch das Verhalten der anderen Kryptowährungen. Die meisten Coins sind in den letzten Tagen noch schneller und vor allem früher gestiegen als Bitcoin; dies ist ein eher „normales“ Verhalten, das während des Abwärtstrends teilweise außer Kraft gesetzt wurde.

Ethereum-Kurs in Euro bei Bitcoin.de

Bitcoin-SV-Kurs bei Bitcoin.de.

So haben Ethereum und Ripple in der ersten Januar-Woche gegenüber Bitcoin vorübergehend 10 Prozent gewonnen, Bitcoin Cash und Bitcoin SV hatten zeitweise noch höhere Gewinne und sind weiterhin mit etwa 10 Prozent im Plus; die beiden Privacy-Coins Monero und Dash konnten sogar knapp 20 Prozent gegenüber Bitcoin behaupten.

Monero-Kurs in Bitcoin bei coinmarketcap.com

Auffällig ist dabei, dass der Kursanstieg der Altcoins dem von Bitcoin vorangestürmt sind. Heute morgen hat Bitcoin dann nachgezogen; wie so oft ging dem Kursanstieg von Bitcoin die Schaffung neuer Tether-Dollar voraus – und zwar Tether im Wert von 500 Millionen Dollar.

Die gesamte Menge an Tether (Marketcap) ist heute Morgen um 500 Millionen Dollar angesprungen. Chart mal wieder von coinmarketcap.

Wenn wir annehmen, dass sich hier keine Manipulation, sondern eine echte Nachfrage nach Tether manifestiert – es gibt keinen Beleg dafür, dass es anders ist – so wäre die Logik, dass die Investoren die spontane Altcoin-Rally einige Tage beobachtet und sich dann entschieden haben, über die Tether-Dollar den Markt zu betreten und mit ihnen eine größere Menge Bitcoins zu kaufen. Dies hat Bitcoin dann einen starken Kurssprung von 4-5 Prozent eingebracht und an die 8.000-Dollar-Marke katapultiert.

UPDATE: Wie es aussieht, wurden keine neuen Tether erzeugt, sondern Coinmarketcap hat seinen Algorithmus daran angepasst, dass er auch die Tether auf der Tron-Blockchain erkennt.

Iran-Krise als Ursache?

Aber gibt es auch einen konkreten Grund? Also, etwas anderes als „der Preis steigt, weil es in den Charts geometrisch richtig aussieht“? Eine der hin und wieder geäußerten Erklärungen ist, dass die Iran-Affäre Bitcoin Aufwind gegeben hat.

Wie ihr sicherlich wisst, startete 2020 mit einem weltpolitischen Knall: Die amerikanische Regierung hat den ranghöchsten (oder einen der ranghöchsten) General des persischen Gottesstaates mit einem Raketenangriff um die Ecke gebracht; der General hat mit Sicherheit genügend Väter, Söhne und Mütter auf dem Gewissen, als dass man mit ihn und seiner Tochter allzuviel Mitleid haben müsste. Die Welt dürfte vermutlich ohne ihn ein besserer Ort sein. Dennoch stellt die Ermordung eines Militärs einer anderen Nation, mit der man nicht im Krieg ist, eine ziemlich unzweideutige Kriegserklärung dar, und die iranische Führung scheint sie auch als solche zu verstehen, wenn sie den Amerikanern blutige Rache an den Soldaten in der Region schwört. Der Militärschlag könnte das Pulverfass, das die Gegend ohnehin schon ist, zum Explodieren bringen.

Bitcoin genießt den Ruf, ein Krisen-Asset zu sein – ein Investment, das desto besser abschneidet, desto unruhiger die geopolitische Lage wird. Wenn Kriege drohen, bedeutet das üblicherweise, dass Staaten mehr Geld ins Militär stecken, woraufhin es zu Inflation kommt. Viele mündige Bürger investieren dann in sichere Assets, wie eben Bitcoin; im Iran dürfte Bitcoin zudem attraktiv sein, weil es die Bürger vor möglichen Enteignungen durch das Teheraner Regime schützt, das durch den US-Militärschlag kaum netter zu seinem Volk werden wird, und weil es helfen könnte, im Falle des Falles das Vermögen mitzunehmen, wenn man vor einem Krieg aus der Heimat flüchten muss.

Michael Novogratz, CEO von Galaxy Digital und einer der prominentesten Bitcoin-Investoren, tweetete am Samstag er, je mehr er die Situation um den Iran analysiere, desto bullischer werde er für Gold und Bitcoin. „Der Mittlere Osten wird weniger stabil, was bedeutet, dass es mehr Volatilität gibt.“ Während manche Beobachter auf solche Prognosen mit dem Vorwurf des Zynismus reagieren, widersprechen andere ihnen aus rationaleren Gründen. So meint Ryan Selkis von Messari, dass Bitcoin und Krypto ein Risiko-Asset sei, von dem Investoren eher flüchten, wenn es brenzlig und gefährlich wird. Eine globale Krise, die von geopolitischen Konflikten zu politischen Instabilitäten und schließlich wirtschaftlichen Krisen führt – also zu einer allgemeinen Krise – könnte eine so breite Unsicherheit schaffen, dass Investoren anstatt des neumodischen und schwer einzuschätzenden Bitcoins lieber auf Gold und Immobilien setzen. Also auf das, was sie kennen und was sich seit langem bewährt hat.

Auch das allgemeine Muster der Preisbewegung widerspricht der Iran-These: Die Rally begann nicht bei Bitcoin, sondern bei so gut wie allen Altcoins. Es dürfte eine ziemlich steile These sein, dass iranische Bürger und internationale Investoren sich dadurch gegen Krisen des Fiat-Geldes schützen, indem sie in einen Korb von Altcoins investieren und dabei Bitcoin außen vor lassen. Daher wird es wahrscheinlich sein, dass nicht die geopolitische Krise die Preise machen, sondern die Preise selbst.

Über Christoph Bergmann (1793 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

4 Kommentare zu Bitcoin-Preise: Ist die tote Katze endlich am Boden angekommen?

  1. So wie es aussieht, war der vorangehende Anstieg der Alts nur ein Fakeout. Im Verhältnis zum Bitcoin haben die Alts gestern und heute deutlich mehr verloren als zuvor gewonnen.

    • Paul Janowitz // 11. Januar 2020 um 12:01 // Antworten

      Erklär mal bitte den heutigen Breakout bei SV… Allgemein sah man in der jüngeren Vergangenheit in Bull-Runs eher „Alt“ Coins stärker steigen als Bitcoin, in einem Bear Markt dagegen auch stärker fallend, bei aller Volatilität war Bitcoin im Vergleich das stabilste Asset. Ob sich die Geschichte wiederholt? Schwer zu sagen, meine Kristallglaskugel ließ mich schon öfter im Stich…

  2. Schaut Euch mal die Korrelation zwischen BTC und Gold an. Das sagt alles.
    Weniger sicher bin ich mir bei diesem Gedanken: während bei ETH, RPL, etc. eher Nerds investiert sind, die wissen, wie sie schnell reagieren können, sind es bei BTC heute auch Familiy Offices, Fiat-Vermögende, etc., die ein paar Tage lang ihren Anlageberater instruieren, neben Gold auch in BTC zu gehen.
    Nur so ne Idee…

    • Paul Janowitz // 11. Januar 2020 um 15:31 // Antworten

      Die Korrelation zwischen Gold und Bitcoin ist durchaus vorhanden, wie stark allerdings, wenn man sich die letzten zehn Jahre ansieht? Während der Bitcoin Preis von praktisch Null auf 20k gestiegen um wieder auf 4k zu fallen und sich aktuell bei 8k einzupendeln, sieht die Goldpreis Enwicklung ziemlich nüchtern aus…

      Mit „RPL“ meinst Du wohl Ripple oder XRP und glaube mir, kein Nerd würde darin investieren, es sind die Marketing Leute, die das tun und das gleicht immer mehr einem Ponzi… Die „Freaks“ bleiben bei Bitcoin, Decred, Monero oder vllt. Ethereum, auch wenn letzteres nicht unbedingt so dezentralisiert ist, wie es sich jemand aus der Open Source Szene wünschen würde…

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