Liquid-Tether nun im BTCPayServer

Die Liquid-Sidechain von Blockstream erlaubt es, Bitcoin und Tether offchain zu überweisen. Transaktionen auf ihr sind schneller, privater und günstiger als auf der Bitcoin-Blockchain. Nun bringt Blockchain Liquid zur beliebten BitPay-Alternative BTCPayServer.

„Dies sind Lügen, mein Vertrauen in euch ist gebrochen, ich werde euch überflüssig machen.“

Mit diesem Tweet begann die Geschichte des BTCPayServers. Am Ende der Blocksize-Kriege wollten einige Bitcoin-Unternehmen die Blockade mit SegWit2x lösen. Darunter war BitPay, jener größten Bitcoin-Zahlungsdienstleister, an den der Tweet von Nicolas gerichtet war.

Der BTCPayServer ist ein Open-Source-Instrument, das ungefähr das macht, was BitPay macht: Es erlaubt Usern, in einem Shop oder vor Ort Zahlungen in Bitcoin (und anderen Kryptowährungen) anzunehmen. Aber eben ohne einen Mittelsmann wie BitPay. Aus der Empörung über BitPay wurde eine Open-Source-Bewegung, die bald mehr Dynamik entwickelte als BitPay. Der BTCPayServer unterstützt neben Bitcoin optional bereits 12 Altcoins, ist kompatibel mit Full Nodes und Hardware-Wallets, und erlaubt auch Lightning-Zahlungen.

Es ist ein wenig wie Linux gegen Windows.

Liquid-Tether

Nun bringt Blockstream Liquid in den BTCPayServer. Liquid ist eine sogenannte Sidechain. Bitcoins werden auf der Bitcoin-Blockchain eingefroren und können auf der Liquid-Sidechain bewegt werden. So können Zahlungen skalieren, ohne die Blockchain zu belasten, und es können neue Features integriert werden, ohne das Basis-Protokoll zu verändern, beispielsweise eine bessere Tokenisierung oder privatere Zahlungen durch Confidential Transactions. Diese enthalten zwar weiterhin die Information, welche Adresse an welche etwas sendet, verschleiern aber den versendeten Betrag.

Gesichert wird die Liquid-Sidechain durch ein von Blockstream entwickeltes Konsens-Verfahren, das Transaktionen bereits nach etwa zwei Minuten finalisiert. Das Verfahren benutzt Multisig-Skripte; es ist milde ähnlich wie der Konsens von Ripple, allerdings ist die Validierung der Transaktionen nicht offen und frei, sondern einem überschaubaren Kreis an Unternehmen vorbehalten, die im Liquid-Konsortium sitzen. In diesem Artikel erfahrt ihr mehr darüber wie die Liquid-Sidechain technisch funktioniert.

Durch Liquid haben User, schreibt Blockstream in der Ankündigung, „auch die Option, tokenisiertes Fiatgeld wie USDt [Tether] auszugeben anstatt der kostbaren L-BTC“. L-BTC bedeutet „Liquid Bitcoin“. Einen Zugang zu Bitcoin und Tether auf der Liquid Sidechain bekommt man als User am einfachsten duch Green, eine von Blockstream entwickelte Wallet.

Für Blockstream bedeutet das eine Menge. CEO Adam Back tweetet:

Übersetzung: „man kann nun bei @BTCPayServer Shops Liquid $USDt (und L-BTC) annehmen und ausgeben. stack sats, gebe USD aus mit Liquid USDt, der libra killer mit confidential transactions :)“

Noch deutlicher wird der CSO Samson Mow:

„Jedes Assets auf dem #LiquidNetwork kann jetzt bei Zehntausenden von @BtcpayServer Händlern auf der ganzen Welt akzeptiert werden. Stablecoins wie Liquid @Tether_to $USDt, @BullBitcoin’s L-Cad, und @listreserve’s AUDL sind jetzt ein Zahlungsmittel für den Einzelhandel. #DasSpielHatSichGedreht“

Tatsächlich sind die Tether-Dollar auf der Liquid-Sidechain eine Lösung für viele Probleme von Bitcoin. Sie sind schneller bestätigt als Bitcoins auf der Bitcoin-Blockchain – Börsen können sie schon nach ein bis zwei Minuten akzeptieren -, dank Confidential Transactions privater, durch die laut Blockstream besser skalierende Sidechain auch günstiger, und, weil es keine Bitcoins, sondern Dollar-Token sind, auch nicht mehr so volatil. Sind damit alle Voraussetzungen erfüllt, um im Mainstream durchzustarten?

Wo ist Bitcoin hin?

Andererseits … hat das noch etwas mit Bitcoin zu tun? Der Plan war eigentlich, dass Bitcoin eine Art Währungsreform auslöst, dass es zu Geld – also zu einem Zahlungsmittel – wird, was mit Offchain-Methoden wie Liquid und Lightning nun vielleicht auch wieder möglich wird. Ist es da nicht kontraproduktiv, nun doch wieder Fiatgeld zu akzeptieren und auszugeben, was verlangt, dass man Kaufkraft nicht in Bitcoin, sondern in Dollar aufbewahrt? Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was angedacht war?

Anders als das native Token einer Blockchain – also Bitcoin – trägt ein Stablecoin kaum etwas zu deren Stabilität bei. Um sicher zu bleiben, braucht Bitcoin starke Miner; wenn der Bitcoin-Preis steigt, verdienen die Miner mehr und können stark bleiben. Stablecoins helfen ihnen allenfalls dadurch, dass User Gebühren bezahlen, um damit Transaktionen zu machen. Mit einer Sidechain wie Liquid gehen diese Transaktionsgebühren aber nicht länger an die Miner, sondern an die Teilnehmer eines Konsortiums. Diese konkurrieren mit den Minern um die Einnahmen aus der Validierung digitaler Zahlungen. In gewisser Weise untergraben sie damit die langfristige Sicherheit des Systems.

Auch technisch oder politisch drücken die Liquid-Tether eher das Gegenteil von dem aus, was Bitcoin darstellt: Die Software ist zwar Open-Source, wird aber von einem Unternehmen geleitet, das auf sie (defensive) Patente hält; das System ist nicht mehr erlaubnisfrei, da nur ausgewählte Partner einen Superknoten betreiben können, der Transaktionen validiert und Gebühren einnimmt.

Es kann natürlich sein, dass die Tether-Dollar als ein trojanisches Pferd gedacht sind. Dank der Atomic Swaps auf der Liquid-Blockchain kann man Tether ohne Zwischenmann gegen Bitcoin tauschen; die Integration auf derselben Blockchain wird es sehr einfach machen, in einer nahen oder fernen Zukunft technisch von Dollar auf Bitcoin umzusatteln. Die Liquid-Blockchain schließlich ist ja nur eine Sidechain, die Leute benutzen können, aber nicht müssen; sie schützt die Mainchain davor, durch Transaktionsspam beschädigt zu werden.

Aber ob das wirklich ausreicht, um einen Schritt rückwärts zu einem Schritt nach vorn zu machen?

Über Christoph Bergmann (1877 Beiträge)
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11 Kommentare zu Liquid-Tether nun im BTCPayServer

  1. Paul Janowitz // 16. Januar 2020 um 14:18 // Antworten

    Sorry, aber Liquid ist für mich tatsächlich in einer Kategorie mit Ripple, denn es ist nicht mehr trustless und das „Konsortium“ der Investoren sackt die Gebühren ein, ist aber auch regulierbar und zensierbar wie jeder andere Finanzdienstleister.
    Liquid ist Blockstreams Trojanisches Pferd zu sein, oder Blockstream an sich ist schon das Trojanische Pferd…

    Zum Glück nutzt das auch niemand, daran wird auch die Integration in BTCPayServer nichts ändern, nichts als leere Blöcke: https://blockstream.info/liquid/

    Man hat Confidential Transactions eingebaut, die bereits ca. 2013 von Greg Maxwell vorgestellt wurden, aber Bitcoin immer verwehrt blieben, maßgebliches Argument war immer deren Größe im Vergleich zu transparenten Tx: https://people.xiph.org/~greg/confidential_values.txt
    Blockstream hat stattdessen eine Sidechain gebaut, die angeblich alles besser kann als Bitcoin, weil sie damit von den Konsortium Mitgliedern Geld einsacken können für die Lizenzierung etc.
    Toll, man hat nach Jahren endlich ein Geschäftsmodell gefunden bzw. von anderen Scammern im Umfeld abgeschaut – Chapeau Adam Back!

    Wie gut ist Liquid tatsächlich?
    Abgesehen von der Zentralisierung kann ich mir nur die technischen Aspekte, die leicht Verfügbar sind ansehen (um das Protokoll an sich zu studieren ist mir die Zeit zu schade), da ich kein Mitglied des Konsortiums bin, bietet mir Blockstream aber gnädig einen „Zugang“ per Block Explorer. Nicht so einfach dort einen Block mit mehreren Transaktionen neben dem Coinbase Reward zu finden (wie idiotisch, da dieser immer 0 ist und ggf. Tx Fees dazu kommen).
    Eine zufällige Transaktion mit üblichen 1 Input und 2 Outputs (Ziel + Wechselgeld): https://blockstream.info/liquid/tx/cbf69ae0757e54c6d12fc5442c394dd0b6977ca23158890336b1943755c306c0

    Was fällt auf?
    keine Beträge (hallo Confidential Tx).
    HD-Wallet Adressen, weiterhin klar sichtbar wer mit wem Transaktionen durchgeführt hat, die Chain bleibt vom Lock-In echter BTC bis zur Nutzung auf einer Exchange, Merchant etc. bleibt gewahrt.
    Die Fee 0.00001937 L-BTC (1:1 BTC), aktuell ca. 0,15 EUR, habe auf die Schnelle keine Transaktion mit niedrigerer Fee gefunden, wahrscheinlich hat das Konsortium ein Lower Limit per Byte dafür gesetzt.
    Die Größe 6387 Byte oder 6,3KB WOW!!! eine vergleichbare Bitcoin Tx hat 224 Byte, mit Schnorr sogar eher 200. Das ist Mal eben 32 Mal so viel, für jede einzelne Transaktion! War nicht irgendwann die Rede von Bottlenecks im Netzwerk?

    Die ersten beiden Punkte sind aus meiner Sicht trivial, ich konzentriere mich eben auf die beiden anderen.
    Die Fee wird scheinbar vom Konsortium festgelegt und unterliegt dessen Willkür, nicht wie bei Bitcoin, wo man eine kleinere Fee wählen kann in der Annahme, dass sie irgendwann ein Miner trotzdem in seinen Block aufnimmt, weil er ihn sonst nicht voll bekommt.
    Die Transaktionsgröße ist nicht mehr oder weniger als ein Hohn an alle, die Blockstreams Märchen von der Problematik von Blocks größer als 1MB geglaubt haben, Liquid braucht in seinem zentralisierten Konsortiums Netzwerk 32MB pro 10 Minuten für die gleiche Anzahl an Transaktionen und sie wollen ja noch weiter skalieren…
    Interessant auch, dass sie damit scheinbar obsolete Technologie verwendet haben, denn auch bei Monero gab es dieses Problem und mit CT und Ring Signaturen sind die Transaktionen auf über 13KB angeschwollen, mittlerweile mit der Einführung von Bulletproofs auf 2KB gesunken sind, wahrscheinlich bald sogar 1,5KB. Spätestens da muss man schon stark an der Kompetenz der Blockstream und damit Core Entwickler zweifeln, wenn sie ihr Flaggschiff noch nichtmal so effizient hinbekommen wie die Chaoten bei Monero.

    Dass man sich nun mit ungedeckten Tethern in ein Boot setzt und sich damit rühmt, passt ganz gut ins Gesamtbild. Das alles ist so gegen alle Prinzipien, die ich mir von Bitcoin erhofft habe, dass ich meine Wut kaum zum Ausdruck bringen kann…

    • Ui, das mit der Transaktionsgröße wusste ich nicht. Seltsam. Hat Blockstream nicht die Bulletproofs mitentwickelt?

      Aber mit 6,3kb Transaktionen zu behaupten, man würde skalieren, ist ja noch krasser als bei IOTA. Und 15 Cent Gebühren?

      • Paul Janowitz // 16. Januar 2020 um 19:36 //

        Maßgeblich sind sie von Benedikt Bünz entwickelt, aber Blockstream hat an der Ausarbeitung mitgearbeitet, ja. Die erste Implementierung in Form von Code hat aber Monero entwickelt und sowohl das Whitepaper als auch den Code dann aufwendig extern auditen lassen, einige kleinere Cryptonote Coins haben das (teilweise noch vor den abgeschlossenen Audits) bei sich übernommen und sogar vor Monero aktiviert.

        Wusste ich ehrlich gesagt auch nicht, aber wenn ich ein mehr oder weniger „neues“ Projekt ansehe, fange ich oft beim Block Explorer an und das ist mir sofort aufgefallen, war ziemlich schockiert. Aber klar kann das trotzdem „besser“ skalieren, ist ja mehr eine auf mehrere Knoten verteilte Datenbank und die dürften alle die entsprechende Bandbreite und Hardware zur Verfügung stellen. Die Fee ist in der Tat eine Frechheit und kann von deren Konsortium jederzeit beliebig angepasst werden, scheint auch, dass sie statisch ist, jdf. haben irgendwie Transaktionen von gleicher Größe exakt die gleiche Fee, mit der Größe steigt sie immer entsprechend und auch da habe ich gleich große Tx mit exakt gleicher Fee gesehen.

        Bei Monero, welches nicht nur CT, aber auch RingCT und Stealth Adressen mitbringt, sind die Fees aktuell bei etwa 0,0013 EUR: https://moneroblocks.info/tx/520d589496e447b4e1dd71e3622e95a980571d1f32f409d32274c28d43a91aeb
        Klar steigen die Min-Fees in Fiat auch mit steigenden Kursen, aber wenn die Nutzung der Chain steigt und Blöcke größer werden, werden Fees in XMR umgekehrt günstiger.

        Am Ende ist wohl jede andere Chain günstiger (und wahrscheinlich sinnvoller) als Liquid. Man hätte die Sidechain auch Merge-Mined mit BTC bauen können, statt von einem obskuren Konsortium. Dann hätten die BTC Miner auch eine zusätzliche Einnahmequelle, aber dann wäre Blockstreams geniales Businessmodell futsch…

  2. Liquid ist kein trojanisches Pferd, um die Ideale von Bitcoin zu verraten, um daraus digitales Fiat-Geld zu machen.
    Ich halte diese Angst für absolut an den Haaren herbeigezogen. Ich frage mich wirklich, wie man auf so einen Gedanken kommen kann.

    Als erstes muss man festhalten, dass Blockstream dafür schon mal gar nicht die Macht hat.
    Außerdem wird BTC ja überhaupt nicht angefasst.

    Und natürlich ist Liquid zentral. Was für eine Aussage.

    Wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre, da es sich ja hierbei auch nur um einen, von einer Firma / Konsortium angebotenen, privaten, unternehmerischen Service geht, um BTC schneller und preiswerter zu transferieren. Ein Angebot eben, was auch seinen Preis hat.

    Blockstream ist nicht Bitcoin. Niemand muss das nutzen. Genauso wenig wie niemand Toyota fahren muss. Es ist einfach die mögliche Lösung eines Problems eben.
    Das ist nun mal die Aufgabe von Unternehmen in einem Markt und jedem steht es frei, selbst ein besseres Angebot ins Rennen zu schicken.

    Wie man das Unternehmen Blockstream persönlich bewertet, ist erstmal völlig irrelevant.

    Ob gut oder schlecht, werden die Nutzer entscheiden, wie in einer Marktwirtschaft eben üblich. Wenn Blockstream Erfolg hat und gute Gewinne macht, wird das sogar noch weitere Konkurrenten anlocken, die vielleicht ähnliche Services für BTC auf den Markt werfen oder ganz neue Möglichkeiten aufzeigen, von denen wir heute nur träumen können.

    Blockstream kann mit Nichten tun und lassen was es will. Erstens gibt es auch noch andere Möglichkeiten um BTC zu transferieren und Zweitens buhlen auch noch viele andere Kryptos um die Gunst der Teilnehmer.

    Das die BTC-Miner ebenfalls Konkurrenz bekommen ist daher zu begrüßen. Nichts wird dadurch untergraben oder kaputt gehen. Im Gegenteil. Niemand hat einen Anspruch auf den Erfolg seines Geschäftsmodeles oder über die zu erhaltenden Gewinne.

    Jeder Unternehmer trägt eben auch ein Geschäftsrisiko, welches den Gewinn erst rechtfertigt. Das gilt für Blockstream genauso wie auch für die Betreiber von Mininghardware, die ebenfalls nur einen Service anbieten und diese machen das bestimmt nicht nur aus Idealismus.

    Welche Projekte und in welchem Umfang dann letztendlich von den Menschen wirklich auch genutzt werden, entscheidet schlichtweg der Markt / die Kunden. Das Projekt erhält damit erst seine Daseinsberechtigung, ob es einem nun ganz persönlich gefällt oder nicht.

    Konkurrenz ist und bleibt das effizienteste, fairste und neutralste Disziplinierungsinstrument in einer freien und echten Ökonomie. Konkurrenz ist gelebter Fortschritt.

    • Paul Janowitz // 17. Januar 2020 um 13:07 // Antworten

      Lieber Axel, danke für Deine Sichtweise!

      Wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre, da es sich ja hierbei auch nur um einen, von einer Firma / Konsortium angebotenen, privaten, unternehmerischen Service geht, um BTC schneller und preiswerter zu transferieren. Ein Angebot eben, was auch seinen Preis hat.

      Genau so wird es vermarktet, es werden aber keine BTC transferiert sondern ein Altcoin, der als an BTC gekoppelter Stablecoin konzipiert wurde. Zumindest bleiben die BTC scheinbar tatsächlich eingefroren hinterlegt in einer Art Multisig des Konsortiums im Gegensatz zum neuen Partner Tether… Eigentlich ist es technisch noch nicht einmal eine BTC Sidechain, sondern tatsächlich ein Altcoin, denn spätestens mit der Einführung von Tether haben Transaktionen darauf nicht mehr unbedingt einen Bezug zu Bitcoin, sondern lediglich zu Tether. Es ist also maximal eine Multi-Sidechain verschiedener Assets.

      Bezeichnend übrigens, für wie „sicher“ Blockstream scheinbar den Miner-Konsens der BTC Chain hält, denn für einen Peg-on (BTC zu L-BTC) werden läppische 102 Confirmations (ca. 17 Stunden) benötigt, könnte ja zu Reorgs kommen. Peg-off hingegen ist nur durch / über Mitglieder des Konsortiums möglich, da nur diese Zugriff auf den „eingefrorenen“ BTC-Pool haben. Spätestens das ist dann vollständig trusted, man muss dem Anbieter vertrauen und womöglich KYC / AML etc. über sich ergehen lassen bzw. riskiert seine Funds.

      Blockstream ist nicht Bitcoin.

      Die starke Korrelation zwischen Core Developer und Blockstream Mitarbeiter ist nicht von der Hand zu weisen und es könnten durchaus Interessenskonflikte entstehen zwischen der Entwicklung eines Open Source Protokolls, welches dann mit dem Produkt des Arbeitgebers konkurriert. Wenn dann auch noch Features, die seit Jahren für das Open Source Protokoll verfügbar waren, aber mit fadenscheinigen Argumenten schlecht geredet wurden, aber im kommerziellen Produkt eben dieses Arbeitgebers doch Anwendung finden (schnellere & größere Blöcke, CT), würde ich durchaus von einem Trojanischen Pferd sprechen.

      Das die BTC-Miner ebenfalls Konkurrenz bekommen ist daher zu begrüßen.

      Die Miner sichern die Blockchain und je mehr sie einnehmen, desto mehr werden sie in Equipment und vor allem Energie stecken und desto sicherer wird das Netzwerk. Man beachte, dass ohne entsprechende Kursgewinne bei jedem Halving die Vergütung eben um die Hälfte sinkt, wenn sich kein entsprechender Fee Markt bildet. Mittelfristig sinkt dann auch die Sicherheit der Chain, aber Blockstream hat ihre Schäfchen in trockenen Tüchern, sie verlangen ja 102 Confirmations fürs L-BTC Onboarding, da sind regelmäßige Reorgs egal.

  3. @Paul Janowitz
    Klar steigen [bei Monero] die Min-Fees in Fiat auch mit steigenden Kursen, aber wenn die Nutzung der Chain steigt und Blöcke größer werden, werden Fees in XMR umgekehrt günstiger.

    Das hast du schon mal behauptet. Bitte um Erläuterung.

    • Paul Janowitz // 18. Januar 2020 um 14:56 // Antworten

      Gerne! Monero hat einen grundlegend anderen „Fee Markt“ als z.B. Bitcoin. Dieser basiert auf zwei Grundpfeilern, zum Einen auf einer dynamischen (maximalen) Block Größe und einer dynamischen (minimalen) Fee.

      Im Detail hier: https://web.getmonero.org/2017/12/11/A-note-on-fees.html (leider bereits nicht mehr aktuell, da damals die Transaktionsgröße noch bei ca. 13,2kB lag, heute bei ca. 1,7kB)

      Monero hat eine maximale Block Größe, die sich dynamisch an den Bedarf anpassen lässt, falls dieser höher ist als die aktuell maximale Größe. Wenn ein Miner einen Block bis 300kB erstellt, bekommt er den vollen Base Reward (Coinbase), falls er einen größeren Block erstellt, wird dieser mit einer Strafe prozentual verringert. Vereinfacht gesagt kann ein Miner den Block um bis zu 100% erhöhen, die Penalty im Block Reward wird durch die „Normal Fees“ ersetzt, falls diese nur 1% höher gesetzt werden, ist es für den Miner profitabler als nur der Base Reward. Falls der Median der letzten 100 Blöcke höher ist als 300kB, wird dieser zur neuen (dynamischen) maximalen Block Größe, wenn also durchschnittlich jeder Block um 50% überschritten wurde, ist das neue Maximum bei 450kB und kann von einem Miner auf bis zu 900kB gegen Penalty vom Base Reward angehoben werden. Falls Blöcke danach nicht mehr voll werden, verringert sich das Maximum wieder entsprechend des Medians der letzten 100 Blöcke bis Minimum 300kB. Um ein logarithmisches Wachstum zu unterbinden, gibt es noch einen längerfristiges Limit (Median 1000? Blöcke), die genauen Zahlen dazu müsste ich aber nachschauen. Die „Normal Fee“ kann allerdings vom Wallet auf bis zu 1/4 gesenkt auf „Low Fee“ gesenkt werden, wenn man es trotz voller Blöcke nicht eilig haben sollte und trägt nicht zur Erhöhung der Block Size bei, diese Transaktionen werden von Minern wahrscheinlich nur einbezogen, wenn Blöcke nicht mehr durch unbestätigte „Normal Fee“ Transaktionen steigen.

      Das funktioniert nur zusammen mit der dynamischen minimalen Gebühr für Transaktionen, die für „Normal Fee Level“ für einen vollen Block umgekehrt quadratisch ist zur Penalty, 100% Steigerung der Block Size führen zu 50% geringeren Fees. Falls die Nachfrage (Block Size) also auf x10 steigen sollte, sinken gleichzeitig die Gebühren gemessen in XMR auf 10%.

      Gemessen in Zahlen sind die Fees für eine übliche (1in, 2out) Transaktion derzeit bei etwa 0,0012 EUR bei „Low Priority“, 0,006 EUR bei „Normal Priority“, darüber hinaus ist alles erlaubt und würde eine Transaktion selbst bei moderat steigender Block Size wahrscheinlich in den nächsten Block bringen.

      Warum so komplex und nicht einfach eine „Unlimited“ Block Size wie etwa bei BSV? Ein 1GB (vielleicht auch 100MB) Block würde etliche Nodes und (vor allem Solo)miner direkt überfordern, bezüglich Bandbreite und Hardware. Mit dem 100 Block Median hingegen gibt es einen Voting / Konsens Mechanismus, der Ausbrüche nach oben wie auch unten abschneidet, also auch leere Blöcke, die z.B. zur Manipulation erstellt werden sollten, oder 100% Erhöhungen, die die meisten Miner nicht mittragen (wollen). Spätestens wenn 50% der Hashrate nicht mehr mitkommt, werden diese mit kleineren Blöcken gegensteuern und die Block Size entweder wieder herunterschrauben (dabei ohne Bevorzugung leerer Blöcke, denn bereits leicht unter der aktuellen Block Size zählt beim Median genauso viel wie ein Ausbruch auf 0) oder zumindest auf diesem Level halten können, bis sie womöglich aufrüsten. Theoretisch gibt es keine Begrenzung nach oben… Bei x100 Block Size wären die „Normal Fees“ bei 1% der aktuellen und die Low Fees die vom Netzwerk noch angenommen werden entsprechend 1/4 davon.

      • > Ein 1GB (vielleicht auch 100MB) Block würde etliche Nodes und (vor allem Solo)miner direkt überfordern, bezüglich Bandbreite und Hardware.

        Deswegen würde der Block verwaisen.

      • Paul Janowitz // 18. Januar 2020 um 15:43 //

        Christoph, nicht unbedingt… Wenn der Miner „glücklich“ genug ist, schnell einen nächsten Block zu finden, wird es immer schwieriger für eine alternative Chain. Auch wenn die Mehrheit der Hashrate kurzfristig kollaborieren sollte, können sie mehrere Giga Blöcke hintereinander erstellen und den Rest der Miner direkt ausbooten, ohne dass diese die Möglichkeit hätten, sich irgendwie anpassen zu können. Selbst ein späterer Sync wäre unter Umständen schwierig, selbst wenn sie wollten. Das Problem ist sogar die Ungewissheit bei Minern, ob ihr Block angenommen wird, wenn er substantiell größer ist als andere. Was ist noch annehmbar, was nicht mehr und ich verliere bei einem Orphan 100%? Die Motivation ist dabei eher möglichst kleine Blöcke zu erstellen, damit diese auf jeden Fall angenommen werden, denn die Fees der meisten Transaktionen sind gemessen am Coinbase Reward ein Witz.

        Bei oben erklärten Algo ist es „einfach“ maximal +100% des aktuellen Medians, Miner müssen sich nur immer am Vote beteiligen, wie weit sie selbst gehen und der Median pendelt sich (wahrscheinlich ohne verwaiste Blöcke) automatisch ein. Der Algo ist allerdings auch noch nicht „Battle“-tested, denn er kam bisher nur wenige Male zum Einsatz, denn selten waren 100 aufeinander folgende Blöcke größer als 300kB.

      • Wenn mehrere Miner kooperieren – stelle ich mir bei Monero schwer vor – um eine Serie von Mörderblöcken an die Blockchain anzuhängen – also um die Blockchain anzugreifen – spielen sie mit dem Risiko, dass Monero die Blöcke rausforkt. Daher betrachte ich das nicht als Risiko.

      • Paul Janowitz // 18. Januar 2020 um 18:03 //

        Insgesamt müssten ja „nur“ ein paar Pools kollaborieren, und mit 100% Steigerung per 100-Block Median wäre das auch bei Monero eine Steigerung jenseits des 1000% Bereichs binnen ziemlich kurzer Zeit, genaue Berechnungen gab es dazu bei der „Big Bang“ (theoretischen) Diskussion: https://github.com/noncesense-research-lab/Blockchain_big_bang
        Das wurde im März 2019 Release „Boron Butterfly“ vorläufig gekappt auf 300kB Erhöhung zum Median der letzten 100 Blöcke, also dürften meine oben genannten in Teilen nicht stimmen, man kann nämlich nur am Anfang um 100% erhöhen, dann eben immer weniger prozentual gesehen.

        Big Bang Attack war eigentlich eine abgeschwächte Form einer komplett „Unlimited“ Block Size und bei BSV sehe ich durchaus die Gefahr, die bei Monero nur schwach vorhanden war, trotzdem gefixt wurde. Was BSV damit veranstaltet ist entweder Gambling darauf dass der komplett freie Markt das schon irgendwie regelt oder gezieltes Zusteuern auf eine Hand voll Pools, die sich untereinander perfekt vernetzen, denn der Rest des Netzwerks wird Mühe haben, selbst einen Full Node auch nur zu syncen… Big Bang war sogar nicht direkt auf eine Attacke seitens der Miner, sondern auf einfaches erstellen von Spam Transaktionen, die die Block Size erhöhen. Wie ich dem BSV Block Explorer entnehmen kann, landen selbst 0.00000000 BSV fee Tx in Blöcken, eine ähnliche Attacke würde sich also auf die Generierung der Transaktionen beschränken… Ich bin wirklich gespannt, ob das nicht jemand tatsächlich macht und den Mempool mit 100-en GB an Transaktionen flutet.

        Übrigens warum RandomX zur Dezentralisierung beiträgt: https://www.reddit.com/r/Monero/comments/eq8h2s/i_solo_mined_a_block_using_the_gui_thanks_randomx/
        Eigentlich will man das mit einer Art „Protokoll-Pooling“ noch weiter treiben, damit es eben keine (zentralisierten) Pools mehr gibt, sondern jeder Solo Miner in einer Form einer zufälligen „Gruppe“ aktiver Miner zugeordnet wird und bei einem gefundenen Block wird der Reward auf Protokollebene gemäß der Hashes gesplittet. Noch gibt es keine gute Lösung dafür, aber wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ein Random Code Algo möglich ist? Genauso wie die Reduzierung der Tx von 13,2kB auf 1,7kB bei gleichzeitiger Erhöhung der Ring Size…

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