Anypay entsorgt BTC. BitPay macht BIP70 wieder optional und kündigt Lightning an.

Neuigkeiten von Zahlungsdienstleistern: Der Platzhirsch BitPay kehrt ab von seiner umstrittenen Politik, das Payment-Protokoll verpflichtend zu machen. Damit kann man wieder mit allen Wallets bei BitPay bezahlen. Ferner kündigt der Zahlungsdienstleister an, Lightning und weitere Kryptowährungen zu integrieren. Der kleinere Dienstleister Anypay dagegen nimmt BTC aus dem Portfolio und setzt vollständig auf Bitcoin Cash, Bitcoin SV und Dash.

BitPay und die Bitcoin-Szene sind eine Geschichte, die in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger wurde. Nun versucht BitPay offenbar, wieder den Weg zurück ins Herz der Bitcoin-Community zu finden.

Der große Zahlungsdienstleister für Bitcoin, der die Zahlungen für gut 30.000 Händler verarbeitet, hatte sich äußert unbeliebt gemacht, als er begann, nur noch Zahlungen mit dem BIP70-Protokoll zu akzeptieren. Bei diesem senden die User die Zahlung nicht länger wie bisher an das Bitcoin-Netzwerk. Stattdessen gibt BitPay Ihnen eine vorgefertigte Transaktion, die die User signieren, um sie dann an BitPay zurückzugeben, von wo aus sie dann ans Netzwerk gesendet werden. Mit BIP70 konnte BitPay die Fehlerquote von Zahlungen dramatisch reduzieren – stieß aber viele User vor den Kopf, weil BitPay nur noch mit einer eingeschränkten Anzahl an Wallets benutzbar war.

Die heftige Kritik, die BitPay dafür abbekam, hat dem Erfolg des Zahlungsdienstleisters allerdings keinen Abbruch getan. Wie Coindesk berichtet, hat BitPay im vergangenen Jahr so viel Volumen wie noch nie prozessiert – eine Milliarde Dollar. Dennoch scheint BitPay einzusehen, dass es nicht in seiner Macht liegt, BIP70 durchzusetzen. Kaum eine Wallet hat sich seit der umstrittenen Aktion von BitPay für das Payment Protokoll (BIP70) erwärmt, ja, die Core-Entwickler haben ihre Abneigung gegen BIP70 sogar noch verschärft, indem sie es im Referenzclient standardmäßig abschalten.

Daher kündigt BitPay nun folgerichtig an, dass Kunden in Bälde BitPay-Rechnungen von jeder Wallet und jeder Börse aus bezahlen kann. Diese Öffnung wird seit dem 4. Februar schrittweise ausgerollt. An die Händler gerichtet erklärt BitPay, was diese zu erwarten haben: Die Abkehr vom verpflichtenden BIP70 werde vermutlich die Anzahl der Bitcoin-Zahlungen erhöhen, aber damit einhergehen, dass mehr Kunden zu wenig, zu viel oder zu spät bezahlen. Für all diese Fälle bereitet BitPay für die Kunden entsprechende Vorgehensweisen vor.

Die tatsächliche Lösung bedeutet allerdings, dass Kunden beim Checkout anwählen müssen, welche Wallet sie benutzen. Ob das nun wirklich benutzerfreundlicher ist?

Mehr Coins, mehr Blitze

Neben diesem von der Bitcoin-Szene freudig aufgenommenen Schritt kündigt der CEO Stephen Pair in einem Interview mit CoinTelegraph einige weitere künftige Änderungen an. Zunächst sagte er, dass BitPay weitere Kryptowährungen in seinen Checkout bringen werde. Er wolle nicht sagen, welche genau, aber man solle sich die Top-Coins auf CoinMarketCap anschauen, um zu erraten, an welchen BitPay interessiert ist.

Erst vor kurzem hat BitPay neben Bitcoin, Bitcoin Cash und Ethereum auch Ripple (XRP) in das Portfolio integriert. Darüber hinaus kann man bei BitPay auch mit den Stablecoins USDC, GUSD und PAX bezahlen. Tether (USDT), den mit Abstand stärksten Stablecoin, unterstützt BitPay nicht. Der Grund ist, dass es keine Nachfrage der Kunden gebe und die Diskussionen und Gerichtsverhandlungen um Tether noch abschreckend seien.

Ebenfalls auf der To-Do-Liste steht für BitPay das Lightning-Netzwerk. Mithilfe von Lightning-Zahlungen im Checkout könnte BitPay die Skalierungsprobleme von Bitcoin überwinden und wieder Bitcoin-Zahlungen mit günstigen Gebühren anbieten.

AnyPay: Keine Lust mehr auf BTC

Weniger Geduld als BitPay hat AnyPay, ein sehr viel kleinerer Zahlungsdienstleister aus Pourthmouth, New Hampshire. AnyPay hat vor allem Kunden in New Hampshire, einem unter Libertären in den USA durch das Free State Project beliebten Staat, aber auch weltweit einige seiner gut 100 Akzeptanzstellen. Mit 20 bis 30 täglichen Transaktionen ist das Volumen von AnyPay relativ gering.

Eine kurze Video-Nachricht von Mitgründer Steven Zeiler dürfte Bitcoinern nicht besonders gut gefallen. „Wir haben BTC in den AnyPay Cash Register deaktiviert, nachdem mir klar wurde, dass es wertlos für Zahlungen ist.“ Das Cash Register meint vermutlich die App, mit denen AnyPay Zahlungen im Einzelhandel und in der Gastronomie prozessiert, eine App, die das ansonsten übliche Terminal ersetzen kann.

Warum sagt er das? Ein Grund könnten die hohen und schwer berechenbaren Gebühren bei Bitcoin sein. Nicht nur, dass die Kunden höhere Gebühren bezahlen müssen – auch die Shopbetreiber, die Bitcoin akzeptieren, müssen rückwirkend diese Gebühren bezahlen, wenn sie die eingenommenen Bitcoin verwenden, konsolidieren oder auf eine Börse senden. Wenn noch dazu kommt, dass Bestätigungen lange dauern, ist ein zeitnaher Wechsel in Dollar oder Euro unmöglich, was den Effekt der Volatilität noch verstärkt.

Ein weiterer Grund könnte „Replace-by-Fee“ (RBF) sein, ein Mechanismus, der in Bitcoin eingeführt wurde, um Usern zu erlauben, die Transaktionsgebühren nachträglich zu erhöhen. Für die meisten Fälle handelt es sich um ein praktisches Feature. Allerdings erlaubt es Usern relativ einfach, eine unbestätigte Transaktion später abzubiegen, etwa zurück in die eigene Wallet. Ein Bitcoin-Cash-Blogger hat in einem Video nachgewiesen, wie dies auch mit mobilen Wallets möglich ist. Auch wenn dies im echten Leben wohl noch nicht breitflächig geschehen ist, könnte es ein Risiko sein, dass AnyPay nicht mehr tragen möchte. Andererseits könnte AnyPay auch einen Algorithmus einführen, der prüft, ob Transaktionen RBF benutzen. Dies wäre allerdings kompliziert und könnte die Akzeptanz im Einzelhandel noch weiter erschweren.

Anders als die großen Multicoin-Zahlungsdienstleister fokusiert sich AnyPay auf einige wenige Coins: neben den Bitcoin-Forks Bitcoin Cash und Bitcon SV ist dies Dash. Insgesamt dominiert Dash den Zahlungsverkehr über AnyPay mit weitem Abstand, gefolgt von Bitcoin Cash und Bitcoin. Laut einem Tweet von Steven Zeiler machte allerdings Bitcoin Cash im vergangenen Monat die Mehrheit der Zahlungen aus. Zeiler scheint, seinem Twitter-Profil zufolge, fest und neutral auf dem Boden von „Big-Block-Bitcoin“ zu stehen – er tweetet ebenso über Neuigkeiten von Bitcoin SV als von Bitcoin Cash.

Über Christoph Bergmann (1845 Beiträge)
Das Bitcoinblog wird von Bitcoin.de gesponsort, ist inhaltlich aber unabhängig und gibt die Meinung des Redakteurs Christoph Bergmann wieder. Christoph hat vor kurzem ein Buch geschrieben: Bitcoin: Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. Das Buch stellt Bitcoin in seiner ganzen Pracht dar. Ihr könnt es direkt auf der Webseite Bitcoin-Buch.org bestellen - natürlich auch mit Bitcoin - oder auch per Amazon. Natürlich freuen wir uns auch über Spenden in Bitcoin, Bitcoin Cash oder Bitcoin SV an die folgende Adresse: 1BergmanNpFqZwALMRe8GHJqGhtEFD3xMw. Wer will, kann uns auch Hier mit Lightning spenden. Tipps für Stories sind an christoph.bergmann@mailbox.org immer erwünscht. Wer dies privat machen möchte, sollte meinen PGP-Schlüssel verwenden.

9 Kommentare zu Anypay entsorgt BTC. BitPay macht BIP70 wieder optional und kündigt Lightning an.

  1. AnyPay hat auf Twitter mitgeteilt, dass der Anteil der BTC-Zahlungen unter 1% fiel, daher ist die Entscheidung durchaus nachvollziehbar.

  2. Paul Janowitz // 10. Februar 2020 um 21:26 // Antworten

    Dass Bitpay von diesem Irrsinn endlich Abstand nimmt, ist erfreulich und es war immer eine Qual erst deren Payment Link in eine Plain Adresse + Amount zu decodieren, xmr.to macht das zum Glück mittlerweile selbst.

    Aber Anypay in einem Atemzug mit Bitpay zu erwähnen ist schon ziemlich abenteuerlich, wenn man sich deren Statistiken ansieht: https://anypaycharts.com/
    Payments Last 90 Days: 2.057
    Average Payment Amount by Denomination in January: $1,01 USD
    Das heißt der Laden macht sage und schreibe weniger als 1.000 USD Umsatz im Monat mit eher Micropayments in Thailand und dafür ist BTC tatsächlich nicht nutzbar, denn selbst Fees von 0,1 USD sind dann schon viel.

  3. Die Nachricht von Anypay ließ den Bitcoinkurs gestern crashen. Ein schwerer Schlag. Ich glaube nicht, das Bitcoin sich davon noch einmal erholt.

    • Soso. Eine Miniklitsche (von der selbst du bis Gestern noch nie etwas gehört hast) mit einem monatlichen Volumen(666 Dollar), der niedriger ist als was ein Hartz4 empfänger bekommt, lässt also den Bitcoin Kurs crashen. Klingt plausibel 😀

  4. Ich glaube du hast den Sarkasmus im posting über dir nicht erkannt 🙂

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