PayPal wird Kryptowährungen in die Accounts bringen

Bild von PayPals Firmenzentrale. Quelle: paypal.com.

Laut einer unbestätigten Meldung wird PayPal in den kommenden Monaten die Option einführen, Kryptowährungen zu kaufen, zu verkaufen und zu speichern.

PayPal, der Titan der Online-Zahlungen, plant laut einem Artikel von Coindesk, im Lauf der kommenden drei Monate Kryptowährungen in die Accounts zu bringen. Bisher hat das Unternehmen den Bericht weder bestätigt noch dementiert, was dafür spricht, dass er nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

Eine „hervorragend positionierte Quelle aus der Branche“ hat dem Magazin erzählt, dass die Kunden von PayPal und Venmo direkt aus ihren Accounts Kryptowährungen kaufen und verkaufen können werden. Es werde eine Art von integrierter Wallet geben, so dass man die Coins auch im Account speichern kann. Eine weitere namentlich nicht genannte Quelle bestätigt dies und ergänzt, dass der Service im Lauf der kommenden drei Monate, „vielleicht auch früher“, verfügbar sein solle.

Wieviele und welche Kryptowährungen in den PayPal-Account kommen, ist derzeit noch unklar. Laut der Quelle von Coindesk werde PayPal mit verschiedenen Börsen zusammenarbeiten, um Liquidität zu bündeln. Als Börsen wurden dabei BitStamp und Coinbase genannt. Wie schon PayPal selbst lehnten diese es ab, die Gerüchte zu kommentieren.

PayPal war lange eine Art „Erzfeind“ von Bitcoin, da die Kryptowährung den Anspruch hatte, Online-Zahlungen der Hand zentralisierter Dienstleister zu entreissen. Als PayPal 2010 Spenden an WikiLeaks blockierte, war dies mit ein Grund, weshalb Bitcoin erstmals die Aufmerksamkeit der Medien dafür erhielt, ein zensurresistentes Online-Zahlungsmittel zu sein. Seitdem empört sich die Krypto-Szene immer wieder darüber, dass PayPal Kunden den Account sperrt, die zuviel mit Bitcoin zu tun haben, was oft als Zeichen dafür verstanden wurde, dass PayPal die neue, dezentrale Konkurrenz fürchtet.

Im Lauf der vergangenen Jahre haben sich diese Wellen jedoch gelegt. Wie alle Tech-Unternehmen sprang PayPal ein Stück weit auf den „Blockchain“-Zug auf. So hat der CTO von PayPal, Sri Shivananda, in einem Interview gegenüber Coindesk unlängst gesagt, das Unternehmen entwickle eine eigene Perspektive auf Blockchain-Technologie und erkenne, wie sie „uns helfen kann, zu dem Konzept beizutragen, dass es eine offene Plattform für digitale Zahlungen gibt, die jedem zur Verfügung steht.“ Der CTO äußerte sich nicht zu konkreten Plänen, betonte aber, dass PayPal vom Potenzial der Technologie überzeugt sei.

Zur gleichen Zeit hat Bitcoin vorübergehend den Anspruch aufgegeben, mit PayPal, Mastercard und anderen verbreiteten digitalen Zahlungsmethoden zu konkurrieren. Bitcoin-Zahlungen sind langsam, teuer und damit sehr viel weniger komfortabel als PayPal-Zahlungen. Das mag sich mit Lightning ändern, doch bislang ist die Usererfahrung von Lightning sowohl für Bezahlende als auch Zahlungsempfänger noch weit davon entfernt, auch nur im Ansatz das Potenzial zu haben, PayPal Konkurrenz zu machen. Andere Kryptowährungen haben es nicht geschafft, vergleichbare Netzwerkeffekte aufzubauen, weshalb PayPal gegenüber dem dezentralen Geld eine sehr entspannte Haltung an den Tag legen kann. Die Disruption der zentralen Zahlungsdienstleister scheint ausgeblieben zu sein.

Dementsprechend haben in den letzten Jahren mehrere Mitbewerber von PayPal bereits Kryptowährungen integriert. Am bekanntesten dürfte die Cash App von Twitter-Gründer Jack Dorseys Square sein, die den Kauf von Bitcoin in der App erlaubt und damit beträchtliche Einnahmen erwirtschaftet. Aber auch andere Fintech-Apps wie Revolut oder Robinhood haben sich auf Bitcoin und andere Kryptowährungen eingelassen.

PayPal zieht nun also mit Verspätung nach. Es ist annehmen, dass der Zahlungsdienstleister Kryptowährungen wie Bitcoin eher als „Assets“ integrieren wird: Also als Anlageinstrument; eventuell möchte das Unternehmen Trader bedienen, die Bitcoins von Börsen ein- und auszahlen. Denkbar wäre auch, dass PayPal Ether und Token auf Ethereum in die Accounts bringt, um sich Smart Contracts, Security Token Offerings und DeFi gegenüber vorsichtig zu öffnen. Es könnte für das Unternehmen attraktiv sein, wenn es dank der Blockchain Wertpapiere oder Zinsen in die Accounts bringen kann, ohne dafür auf die direkte Hilfe einer Bank oder eines Brokers angewiesen zu sein.

Unter Umständen könnte PayPal Kryptowährungen schließlich nutzen, um die eigenen Zahlungen in Grenzbereichen zu optimieren, etwa indem es die Kosten internationaler Überweisungen oder Mikrozahlungen senkt. Hierfür wäre aber vermutlich weniger eine native Kryptowährung relevant, sondern vielmehr Stablecoins, die auf Blockchains mit niedrigen Gebühren laufen.

Das gute an all dieser Spekulation ist: Wir werden es voraussichtlich in den kommenden Monaten sehen.

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30 Kommentare zu PayPal wird Kryptowährungen in die Accounts bringen

  1. Bitcoin2000 // 23. Juni 2020 um 12:00 // Antworten

    Ist heute der 1. April?
    Nie im Leben glaube ich daran.

  2. Wenn PayPal das bestätigt geht BTC wieder to the Moon

    • Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 14:28 // Antworten

      Leider deckt sich meine Wahrnehmung, dass Bitcoin nur noch Preisspekulation ist, scheinbar mit der Wirklichkeit. Schade.
      Bis der letzte merkt, dass es nicht nutzbar ist… Der kann dann das Licht ausmachen.

      • Fuchur // 2. Juli 2020 um 23:44 //

        Genau das war von Anfang an zu erwarten gewesen. Ich finde es seltsam, daß es auch bei Leuten, die ich eigentlich für intelligent halte, dermaßen lange gedauert hat bis das bemerkt wurde.

    • Der Großteil der User möchte halt auch nicht mit Bitcoin bezahlen.

      Gutes Geld wird gehortet und schlechtes ausgegeben. Da der Bitcoin zumindest langfristig (bisher) im Wert steigt, wäre es irrational Bezahlungen im Alltag damit durchzuführen.

      Dennoch kann man aktuell, wenn man möchte, das Netzwerk nutzen um zum Beispiel kostengünstig Geld ins Ausland zu senden. Wir hatten 2019 schon fast das Transaktionsvolumen wie zum Peak 2017 und die Gebühren waren günstiger durch u.a. Segwit. Klar das sind nur kleine Schritte.

      Bitcoins Priorität ist die größtmögliche Sicherheit und Dezentralität Wenn man etwas mehr skaliert muss man dafür auch etwas mehr an Dezentralität und Sicherheit opfern.

      Finde es eine tolle Sache das versucht wird über 2nd Layer wieder Lightning die Skalierung hinzubekommen, denn bei Zahlungen im Alltag braucht man keine maximale Sicherheit und Dezentralität. Ob es funktioniert wird man sehen…

      @Paul bezüglich „Bitcoin ist nutzlos“
      war das rein auf dich bezogen oder findest du wirklich das Bitcoin für jeden nutzlos ist? Wenn ja könntest du das tiefer begründen bezüglich?

      Denn da man meiner Meinung nach sein Geld vor Inflation und Enteignung mit maximaler Sicherheit im Bitcoin Netzwerk schützen kann und ich damit günstiger Geld ins Ausland transferieren kann als mit klassischem Banking, ist Bitcoin für mich nicht nutzlos.

      Grüße Gregor

  3. Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 13:50 // Antworten

    Crypto Twitter ist bereits begeistert, ich frage mich nur, warum eigentlich?

    • Ja, hehehe …

      Habe mich auch gefragt, ob PayPal LN integriert. Wäre theoretisch möglich. Aber praktisch würde das Funding und Channel Management ziemlich viel Arbeit machen. Und wenn die Börsen, die teilnehmen, nicht auch über LN arbeiten, würde es nicht klappen.

      • Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 14:07 //

        In der Tat, aber alleine das Eröffnen dieser Channels für 1%, also über 3 Millionen User würde die Bitcoin Blockchain für etwa 10 Tage komplett für sich beanspruchen und die Fees würden wohl über das Niveau von Ende 2017 steigen. Da hilft derzeit auch kein Batching, Schnorr, Taproot und sonstige magischen Workarounds.
        Ergo: Wird halt ein Asset mehr in der Datenbank und komplett von der Willkür PayPals abhängig.

      • Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 14:47 //

        Hammer, wieder eine Blockade von einem Idioten erhalten, der nicht deilusioniert werden will…

        Für meinen oben genannten Tweet, habe wohl seine Gefühle verletzt und darf ihm nicht einmal mehr antworten 😆

      • herzmeister // 26. Juni 2020 um 4:01 //

        wieso, hat er doch recht, es gibt kein theoretisches limit.

        kein wunder, dass man dich blockt, wenn du nur in der gegend rumderpen kannst.

  4. na da freut man sich doch jetzt schon auf sein eingefrorenes Crypto-Konto wegen einer der beliebten und gerne wiederkehrenden Paypal „Routine“prüfungen. :p Gelegentlich mal den Pizzaservice damit bezahlen – meinetwegen. Aber diesem dubiosen Laden meine Cryptocoins anvertrauen? Ne, lasst mal stecken.

  5. Bitcoin langsam und teuer? Die letzte Transaktion, die ich durchgeführt habe, hat ungefähr einen Euro-Cent gekostet und war im Bruchteil einer Sekunde in der Wallet des Empfängers verbucht.

  6. JohnMKeynes // 23. Juni 2020 um 16:10 // Antworten

    @Wayne – Im Augenblick hast du recht, weil aktuell der Mempool im Grunde leer ist siehe https://jochen-hoenicke.de/queue/#0,all
    Wenn aber statt 4 Transaktionen pro Sekunde wie momentan, viele tausend anstehen, dann wird es ganz schnell sehr langsam und teuer. Siehe Ende 2017 beim letzten Boom. Mit der Folge, dass hunderttausende von Transaktionen im Nirvana stecken und wochenlang nicht prozessiert werden. Das fördert kein Vertrauen. Andere Cryptos können das besser, BCH, XMR, ETH und andere.

  7. Immer die gleiche Diskussionen hier 😀 seit wann muss den Bitcoin überhaupt skalieren? Für das wir erst gerade Halving durchgemacht haben, sieht es doch sehr gut aus? Mempool ist mehr oder weniger fast leer.
    Ich sehe viele Alt’s die skalieren aber dafür andere Einbussen in der Sicherheit und Dezentrlität haben. Alles miteinander geht einfach nicht.

    • Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 17:08 // Antworten

      In der Tat ziemlich frustrierend, dass wir das bis heute noch diskutieren müssen. Das Halving ist ein Event, welches durch etliche Leute hochgepusht wurde, aber langfristig eher ein Problem ist, Bitcoin ist nicht verlässlich nutzbar wie die Fees kürzlich wieder gezeigt haben und skalieren kann es eh nicht. Wo geht die Reise denn dann hin?

      Dass man nicht alles haben kann, ist halbwegs richtig. Aber man kann sich bemühen, so viel wie möglich zu ermöglichen… Das zeigt eben nicht zuletzt Monero mit einem pragmatischen Ansatz, Probleme, die auch nur theoretisch auftreten, zu lösen. Sei es die Blocksize, die Privatsphäre, seien es die Fees, seien es die Miner Rewards und eben nicht zuletzt die Dezentralisierung, die ganz sicher deutlich besser ausgeprägt ist als bei Bitcoin.

      • Michael // 23. Juni 2020 um 18:01 //

        Wir haben zur Zeit fast so viele Transaktionen wie Ende 2017, also zusagen das es sich in den letzten Jahren nicht gebessert hat, ist bisschen fies 🙂
        Ich glaube eines Tages haben wir Transaktionskosten von drei bis vierstelligem Bereich und alles läuft über andere Coins wie z.B. WBTC.
        Ich mag Monero, hab ich auch im Portfolio aber es ist nun halt so das auch der Kurs von Bitcoin selbst abhängt. Vielleicht entkoppelt sich das mal? Wäre für das ganze Ökosystem am besten und dann könnten die guten Alts auch hervorstechen.

      • Paul Janowitz // 23. Juni 2020 um 18:59 //

        Ja, eben. „Wir haben zur Zeit fast so viele Transaktionen wie Ende 2017“. Und mehr geht nicht, das ist jedem klar. Wenn der Andrang auch nur leicht höher ist, wird der Druck auf die Gebühren eher exponentiell (wie vor ein paar Tagen bereits angedeutet). Ist das ein sinnvolles System? 3-4 stellig halte ich für absurd und spätestens dann kommt wieder das böse Erwachen, weil die meisten merken, dass der Scheiß nicht skaliert und für nichts nutzbar ist. Rein technisch bieten selbst die beiden Forks BCH und BSV weniger Angriffsfläche, da sie das Problem (wenn auch hypothetisch) angegangen sind und ich persönlich bin trotzdem kein Fan von einem davon.

        Echt jetzt? Ist der Anspruch von Bitcoinern „be your own bank“ mittlerweile so weit „entartet“, dass eine Tokenisierung auf einer komplett anderen Chain akzeptabel ist? Dann brauchts den Bitcoin auch nicht mehr…

        Monero ist bei Weitem nicht perfekt. Man kann sich (wie bei Bitcoin) Gedanken machen, wie groß die frühen Wale wirklich sind und wie gut es verteilt ist. Aber zumindest gibt man sich Mühe, jede kleinste Kritik am Protokoll, an der CLI, an der GUI oder selbst der Website konstruktiv aufzunehmen und möglichst zu fixen, wenn sie berechtigt ist. Bitcoin „Maximalisten“ (so nennen sie sich selbst) tendieren dagegen eher, ihre Scheuklappen sogar noch zuzuklappen statt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, wie man an oben genanntem Beispiel sieht. Das geht dann eher in Richtung Religion / Sekte und hat weder mit politischem System noch Technologie zu tun.

      • Michael // 24. Juni 2020 um 11:31 //

        Als erstes ich bin kein BTC Maxi, ich sehe vielmehr ein miteinander von Coins anstatt gegeneinander.
        Nein wir haben zur Zeit so „billige“ Transaktionskosten wegen Segwit? Es laufen immer mehr Transaktionen darüber. Mich nerven da viel mehr die ver**** Börsen, die es nach knapp drei Jahren es immer noch nicht geschafft haben Segwit einzubauen.

        Wie willst du denn bitte skalieren? Einfach die Blöcke erhöhen ist doch wirklich keine Lösung. Satoshi hat nicht grundlos die 1 MB Grenze eingebaut (lol Craigh….) und man sieht es doch bei BCH und BSV, dass es auch keine Lösung ist. Die Sicherheit und Dezentralität von beiden ist einfach ein Witz.

        Bei Bitcoin geht es halt nicht um Skalierbarkeit sondern um Sicherheit. Wieso baut echt Microsoft eine Sidechain für Bitcoin und nicht irgendein anderer Coin? Weil es vielleicht das sicherste und dezentralste IT-System ist?

        Wie gesagt ich mag Monero, weiss jetzt nicht wieso du immer die Vorteile davon aufzählst. Es wird doch auch ständig an BTC weiterentwickelt? Kann man schön auf Github verfolgen.

      • Paul Janowitz // 24. Juni 2020 um 12:30 //

        Lieber Michael, dass Du persönlich kein „Maxi“ bist, nehme ich Dir gerne ab.

        Es gab bei Bitcoin ursprünglich kein Block Size Limit, lediglich ein technisch bedingtes „Message Size Limit“ bei ca. 32MB, das 1MB Limit kam unkommentiert irgendwann als SatoshiDice ihren Boom hatte und die Dezentralisierung damals gefährden könnte. Skalierbarkeit kann man meiner Meinung auch nicht nur durch eine plumpe Erhöhung der Block Size lösen, wie es z.B. BSV tut, ich habe seit Anfang der Blocksize Debatte dafür „gekämpft“, dass man eine langsame, langfristig für (fast) alle tragbare Blocksize Erhöhung implementiert, (vielleicht quadratisch) gegenläufig der Block Reward Halvings, wahrscheinlich wäre hier Nielsen’s Law die beste Formel, da Bandbreite ohne Frage der Flaschenhals sein dürfte:
        https://digitalavocation.com/nielsens-law-of-internet-bandwidth/
        Wir wären demnach heute seit der Einführung des 1MB Limits ganz rational betrachtet bei knapp 60MB, angenommen das 1MB Limit war „gottgegeben“. Speicherbedarf spielt in meinen Augen keine wirkliche Rolle, zumal man ohne Weiteres prunen kann und zum Anderen ist es relativ egal, ob die Blockchain 200GB oder 2000GB umfasst, ein TB Speicher kostet heute um die 20 Euro (falls man die Blockchain warum auch immer bei sich horten möchte). Die Verifikationszeit ist auch vernachlässigbar, denn mit z.B. hashed Merkle Trees reicht es einen Header zu verifizieren, ohne alle Transaktionen darin zu kennen (was uns noch mehr Bandbreitenmöglichkeiten gibt).

        Ohne OnChain Skalierbarkeit kann auch kein Second Layer skalieren, weil er darauf aufbaut und Menschen ändern ihre finanziellen Vorlieben oder Gegebenheiten und kein Mensch wird seine gesamten freien Mittel in Lightning Channels stecken, um damit irgendwann vielleicht etwas zu bezahlen, also müssen Channels regelmäßig nachjustiert oder geschlossen und wieder neue eröffnet werden. Du sprachst von Transaktionsgebühren im 3-4 stelligen Bereich, wer wird sich das noch leisten (können/wollen)?

        Warum ich immer wieder auf Monero zurückkomme?
        Weil ich Bitcoin und dessen Entwicklung seit 2012 erst eher passiv, dann aktiv mitverfolge und Monero das ist, was ich dachte, Bitcoin zu sein schien: Ein dezentrales Geldsystem ohne Mittelsmänner.
        Für die meisten Probleme, die Bitcoin seit Jahren plagen, hat Monero bereits Lösungsansätze implementiert. In Kürze: Mining-Dezentralisierung, dynamische moderate Block Size Erhöhung, bestmögliche Privatsphäre für alle Transaktionen, dynamische Transaktionsgebühren (die mit mehr Nutzung sinken), keine Notwendigkeit eines Fee Marktes durch Tail Emission. Freilich müssen sich diese Konzepte alle noch beweisen, aber sie werden immer stärker weiterentwickelt und wenn es um langfristige Skalierbarkeit geht, kann das Monero heute bereits deutlich besser als Bitcoin. Wenn ein Problem aufgedeckt wird, sei es auch durch Außenseiter wie bei der dynamischen Block Size vor ein paar Monaten, die es einem potenziellen Angreifer erlaubt hätte in kurzer Zeit auf Gigabyte Blöcke zu wachsen, wird diesem pragmatisch nachgegangen und ein Fix wurde erörtert und dann auch implementiert, der das mögliche Wachstum auch sehr langfristig begrenzt. Diesen Pragmatismus gab es früher auch bei Bitcoin, mittlerweile stehen Entscheidungen nicht mehr zur Debatte.

  8. Gut, dass Paul Janowitz hier ist.

    Er ist zwar super unsympathisch aber seine kritischen Kommentare verleiten oft zum Hinterfragen.

    Frage an Mr. Janowitz:
    Siehst du für Lightning überhaupt keine Erfolgschance oder glaubst du nur, dass es noch ein paar Jahre dauern wird? 9 bis 18 Monate hahah..

    • Paul Janowitz // 24. Juni 2020 um 5:57 // Antworten

      Er ist zwar super unsympathisch aber seine kritischen Kommentare verleiten oft zum Hinterfragen.

      Danke für die Ehrlichkeit! Real bin ich wohl weniger provokativ, online ist das imho aber oft das einzige Mittel, vielleicht doch etwas zu verändern…

      Lightning halte ich persönlich für gescheitert. Es wird seine Nische weiterhin haben, große Adoption wird es aber nicht in der breiten Masse ankommen. Warum?
      – Weil es OnChain Transaktionen benötigt und spätestens beim nächsten Boom (den ich durchaus kommen sehe) werden gerade Neulinge merken, dass sie gar nicht partipizieren können… Unterirdische User Experience.
      – Kaum ein durchschnittlicher (potenzieller) User ist bereit, größere Beträge im System einzufrieren, die er vielleicht später nutzen wird. Spieltheoretisch würde das vielleicht funktionieren, wenn die kritische Masse überschritten ist und das Gehalt per LN kommt und man tatsächlich überall damit bezahlen könnte.
      – Für Händler ist das „simple“ Handling von Kryptowährungen bereits jetzt eine Qual, insbesondere für die Buchhaltung, daher weichen die meisten auf Bitpay, Coinpayments, Globee und Co. aus und verbuchen gegen Gebühr ihre Landeswährung. Bei Lightning kommt noch das Channel Management hinzu und die Sorge um immer genügend eingehende Liqudität, die sich bedingt durch Volatilität ständig ändert, jeder Buchhalter wird sich freuen!
      – Tokenisierung / Virtualisierung von Bitcoin auf anderen Chains ist zuverlässiger als Lightning es werden kann, auch wenn das absurd ist. Blockstream (und damit wichtige Teile Cores) machen es mit Liquid vor, auf Ethereum kann man das auch und sogar Paypal könnte diese in seinen Datenbanken abbilden, intern und durch eine Zusammenarbeit mit Börsen „Bitcoin“ Zahlungen ohne Bitcoin durchführen.

      Fazit: Lightning wird seine Nische unter Fans / Idealisten weiter halten, die vielleicht beim Bitcoin Meetup ihr Bier damit bezahlen, außerhalb dieser Nische wird es aber wahrscheinlich nie ankommen, weil der Base Layer (Bitcoin) keine großen Innovationen / Problemlösungen der oben genannten Dinge erlaubt.

      • Fuchur // 2. Juli 2020 um 23:54 //

        Also ich finde dich weder unsympathisch noch provokativ. Du weißt einfach nur worüber du schreibst und ich lese diesen Blog nur, weil ich mich darauf verlassen kann, daß Paul Janowitz in den Kommentaren erläutern wird, was wirklich Sache ist. Würdest Du einen eigenen Blog führen, dann würde ich dich dort lesen. Wahrscheinlich geht es vielen anderen auch so und Bitcoinblog.de würde dann langsam verwaisen.

      • Paul Janowitz // 5. Juli 2020 um 20:52 //

        Vielen Dank für die Blumen, Fuchur, ich schätze das sehr und es ermutigt mich auch weiter zu kommentieren!
        Das mit dem eigenen Blog habe ich bereits (nicht nur einmal) probiert, aber es ist leider nicht mein Format, regelmäßig lesenswerte Artikel zu schreiben, denn ich scheitere meist an meinen eigenen Qualitätskriterien, wonach ich einen Artikel veröffentlichen würde. Als Kommentator hier brauche ich kein Proof-Reading, auch eventuelle Fehler in der Rechtschreibung sind mir egal…

        Christoph macht hier echt einen guten Job und ich bin gern hier, auch wenn ich oft nicht seiner Meinung bin. Aber vielleicht finde ich doch irgendwann meine publizistische Vene und forke weg… Ne, geht nicht, selbst dann müsstet ihr meine Kommentare hier weiter ertragen 😛

      • Aber hoffentlich 🙂

    • Das Problem ist doch das er etwas lösen möchte das noch kein Problem darstellt.
      Sollte es wieder zu problemen beim onboarding kommen (Weil wieder FOMO ausbricht) stehen viele möglichkeiten zur verfügung. Lightning oder Liquid sidechain.
      Das Blocksizelimit ist nicht 1MB, es wird nur so angenommen!
      Es sind theoretische 4MB möglich seit Bitcoin Core 0.13.0 (released August 2016): https://en.bitcoin.it/wiki/Weight_units
      Wer genauer beobachtet hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass es bereits jetzt schon Blöcke gibt die über 1MB groß sind. Es ist nunmal eben alles eine sache des Batchings.
      Die Nutzer, Börsen und andere Dienstleister müssen es endlich lernen mit der wertvollen Ressource Blocksize richtig umzugehen!

      Ein Blocksizelimit wie von Paul Janowitz vorgeschlagen (32MB) dürfte so ziemlich jeden Normalanwender davon abhalten eine Node zu betreiben.
      Derzeit kann man mit einem Raspberrypi 4 und einer 1TB HDD problemlos eine Fullnode samt lightning und dutzender server betreiben (BTC Payserver, Electrum usw)
      Man muss es aber nicht.
      Es stehen auch dutzende Wallets für lightning bereit, was übrigens mittlerweile schon multipath payments besitzt. Telegram besitzt einen Lightningfähigen bot (@lntxbot) es gibt sogar schon webwallets und mindestens 10 Lightningapps die ich empfehlen könnte. Für jeden was dabei, nicht jeder möchte selbst seinen channel managen, oder gar einen knoten betreiben. Aber jeder sollte dazu in der Lage sein.
      Derzeit ist Lightning nur ca 1000BTC groß, aber das sagt noch lange nichts über das Transaktionsvolumen, oder wie schnell es wachsen würde wenn millionen Menschen es nutzen wollen.
      Glaub mir Lightningnodebetreiber werden es mit batching und MPP problemlos bewältigen.
      Und Wer weiß vielleicht entscheidet sich ja Paypal doch zu einer sidechain, da es selbst ja auch kein dezentrales Konstrukt ist.
      Wer sich zu lightning informieren möchte kann gerne die Quelle nutzen: https://www.lopp.net/lightning-information.html

      Thomas ↯

      • Paul Janowitz // 26. Juni 2020 um 15:36 //

        Lieber thomas,
        Lightning ist eine Anwendung auf der (Bitcoin) Blockchain, die eine komplett „andere“ User Experience hat und viel komplexer zu verstehen ist als Bitcoin selbst.
        Mikrotransaktionen funktionieren derzeit schon ganz ordentlich, wenn man die ersten Channels eröffnet hat, für dreistellige Beträge wirst Du hingegen kaum eine Route finden und benötigst eine OnChain Transaktion für einen neuen Channel, die Du dann gleich Mal ausschöpfst und der Empfänger muss den Channel wahrscheinlich schließen um die Coins zu nutzen, weil er selbst keine Route über Dich mit ausreichend Liquidität findet, um sie z.B. an eine Börse zu senden (falls diese LN überhaupt unterstützt) -> Statt einer simplen Transaktion sind also zwei komplexere nötig. Multi-Channel Routing soll etwas Abhilfe schaffen, aber das ist alles noch seeeeehr experimentell und kaum ein Merchant will sich ständig um Channel Management, eingehende Liquidität usw. kümmern.
        Ein weiterer Nachteil zum Base Layer ist eben die „always on“ Voraussetzung, die Mal eben nicht immer gegeben ist und wer schon auf der Autobahn, im Zug oder im Flugzeug gereist ist, wird feststellen, dass selbst in „der Westlichen Welt“ etliche Funklöcher bestehen. Watchtower bringen nur Schutz vor betrügerischen Akteuren, wenn das Routing funktionieren soll, muss man dann auf Custodial Wallets ausweichen.

        Glaub mir, ein Raspi4 kommt auch locker mit 50MB Blöcken alle 10 Minuten zurecht 😉 Wie gesagt kann man das meiste ja auch wieder nach Überprüfung prunen und ich würde dafür eine kleinere SSD bevorzugen als eine HDD…

      • thomas // 27. Juni 2020 um 4:38 //

        Lieber Paul,
        wäre schön wenn du die Userexpierience dem User überlässt!
        Diese ist seit 2018 um welten besser geworden. Es ist schon lange fast einfacher als onchain. Jeder der es nicht glaubt der möge anwendungen probieren wie die Webwallet https://lnbits.com/ oder eine der Dutzenden Lightningwallets (Blue wallet, BLW, wallet of satoshi, Phoenix, Breeze usw) für jeden was dabei, wie gesagt du kannst das mit den Kanälen selbst machen oder es profis überlassen! Wenn du es selbst machst, dann musst du wissen was du tust, ansonsten hast du sicherlich probleme höhere Zahlungen zu routen wenn du schlecht verbunden bist.
        Lightningfähige Börsen gibt es immer mehr und du kannst auch einen Swap direkt zu Lightning machen https://swapready.net/
        Jeder kann einfach mal für 10cent LTC swappen, offchain empfangen und es ausprobieren: https://submarineswaps.org/

        Für Merchants gibt es schon lange opennode, wo du dich um nichts kümmern musst.
        Das mit dem online sein hast du irgendwie missverstanden, das gilt nur für fullnodebetreiber.
        Ein Pi 4 validiert blöcke von 50mb einfach zu lange und es geht darum jetzt noch einen pi3 mit 500gb oder einen pi4 mit 1tb für die nächsten 1-2Jahre betreiben zu können. Alleine der Festplattenspeicher bei 50MB pro 10min ist einfach krank.
        Eine pruned node ist defacto keine fullnode! Fehlende Daten müssten abgefragt werden.
        Es geht darum zu verstehen das BTC auf Layer1 ein settlement ist, Payments werden im Layer2 gemacht.
        Es ist schade das du die Party (vermutlich 2018) verlassen hast als die Spekulanten 2017 vom Freibier gehört haben und diese gestürmt sind, aber du warst schon länger nicht mehr auf der Party und kannst daher nicht beurteilen wie es derzeit ist. Würde mich freuen wenn du neulinge hier nicht desillusionieren würdest und es den Leuten die Feiern überlässt ob und wann das licht ausgeht. Derzeit gibt es Strom auf dieser Welt und solange sich das nicht ändert bleibt das Licht an und die Party geht weiter 😉

        Thomas ↯

      • Paul Janowitz // 27. Juni 2020 um 12:46 //

        für jeden was dabei, wie gesagt du kannst das mit den Kanälen selbst machen oder es profis überlassen!

        Genau, ich muss also in der Regel einem Mittelsmann vertrauen und wie gut das ausgehen kann, zeigt aktuell das Beispiel Wirecard. Kryptokarten werden gecanceled, immerhin versprechen die Betreiber dahinter die Guthaben auszuzahlen… Bei Custodial Wallets muss man sich auch klar sein, dass es keinerlei Einlagensicherung wie bei Bankguthaben bis 100k gibt. Geht der Anbieter Pleite oder verschwindet wie zuletzt bei Quadriga, ist das Konto halt weg. Channel Management selbst zu betreiben ist extrem aufwendig und keinem durchschnittlichen User zuzumuten, wenn es über Micropayments hinaus geht.

        Wie würden all die tollen (und da gibt es einige wirklich gute) Non-Custodial Wallets denn das Handling von (neuen) Channels stemmen, wenn wir auch nur einen Peak wie Ende 2017 sehen? Wie wäre die UX? Falls Bitcoin in der breiten Masse ankommen will, war das damals ja nur ein kleiner Vorgeschmack…

        Eine pruned node ist defacto keine fullnode! Fehlende Daten müssten abgefragt werden.

        Das ist falsch. Nachdem Dein Node einen Block und seine Transaktionen validiert hat, kann er ca. 90% direkt löschen (abgesehen von Reorgs, die aber so selten sind und sagen wir Mal nach 5 Blöcken nichtexistent), denn er braucht nur die UTXOs (wobei mit jedem Block weitere UTXOs auch löschbar werden weil sie ausgegeben wurden). Ein Pruned Node bei Bitcoin hält derzeit bei der offiziellen Wallet ca. 2GB an aktuellen Blockchain Daten + alle UTXOs. Für die Validierung von neuen Transaktionen benötigt man nichts außer dem aktuellen UTXO Set, es muss nichts nachgeladen werden. Das einzige, was einen Full Node auszeichnet ist, dass er das Netzwerk unterstützt und neuen Nodes einen vollen Sync ermöglicht.
        Natürlich kann man mit einem Custodial Wallet eine ähnliche User Experience erschaffen, wie bei PayPal, aber dafür braucht es kein Bitcoin, es gibt PayPal, Venmo usw. und auch die großen Chatanbieter führen P2P Payments ein. Ohne Volatilität, direkt in der eigenen Währung, fast so geil wie Tether 😆

        Ich bin bei Bitcoin bereits weitgehend „ausgestiegen“, als die Blocksize Debatte einen zweiten Bitcoin mit BCH kreiert hat. Trotzdem habe ich lange Zeit einen Full Node weiter betrieben, alleine für meinen eigenen Block Explorer, aber auch das wurde mir igendwann zu blöd, weil ein Pruned Node dafür nicht in Frage kam und ich persönlich den Node nicht gebraucht habe. Praktisch vollständig ausgestiegen bin ich bei Bitcoin kurz vor der Blase Ende 2017 und habe meine restlichen Coins teurer verkauft, als sie jetzt stehen. Falls ein Kunde mich in Bitcoin bezahlen möchte, gebe ich ihm meist direkt eine Wallet auf einer Exchange und wandle sie ziemlich zeitnah in Monero, die ich dann auch nicht auf der Exchange lasse.

  9. Paypal ist so scheisse..man kann keine Überweisungen tätigen und nicht mal anrufen

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