Krypto-Unternehmer Brock Pierce bewirbt sich als US-Präsident

Wahlkampfseite brock.vote von Brock Pierce

Der Early Adopter und Investor Brock Pierce hat sich für das Amt des US-Präsidenten beworben. Seine Chancen sind zwar eher winzig – doch die Kandidatur gibt ihm Gelegenheit, einigen wichtigen Themen Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Eine Mindestvoraussetzung für das Amt des US-Präsidenten hat Brock Pierce schon mal erfüllt: Er hat ziemlich viel Geld. Der ehemalige Kinderschauspieler hatte schon vor Bitcoin mit virtuellen Währungen Geld verdient und stieg früh in Bitcoin ein. Nachdem er einige Jahre die Bitcoin Foundation leitete, gründete er Block.one, eine Investmentfirma, die etwa hinter der gigantischen ICO von EOS steht. Auch wenn keine konkreten Zahlen bekannt sind, dürfte sein Vermögen hunderte Millionen oder auch mehr als eine Milliarde Dollar umfassen.

Nun möchte Brock Pierce Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Er hat seine Bewerbung für die Wahl am 3. November letzte Woche angekündigt. In einem Video stellt er sich als Kinderschauspieler und Unternehmer vor, der große Dinge aus Nichts gemacht hat. Er tritt an, weil die Nation gespalten ist, und er Rechts und Links und Arm und Reich wieder harmonisieren möchte. Seine wichtigen Themen sind Freiheit und Technologie. Technologie solle benutzt anstatt gefürchtet werden. Er habe die Antworten, um die Nation mit den Technologien des 21. Jahrhunderts wieder aufzubauen, auch wenn er nicht perfekt sei.

Pierce hat dabei eine nicht ganz unproblematische Vergangenheit. Ihm wurde vor mehr als zehn Jahren von ehemaligen jugendlichen Angestellten vorgeworfen, sie unter Drogen gesetzt und sexuell belästigt zu haben. Zwar konnte er den Vorwurf dementieren und seine Ausbreitung dank dem harten Vorgehen seiner Anwälte verhindern. Doch er steht weiterhin im Raum. Ihm ist klar, dass er durch seine Kandidatur durchleuchtet werden wird und dass die anderen Kandidaten jeden Schmutz, der über ihn zu finden ist, ausnutzen werden. Doch er sei, erklärt er in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox, offen wie Glas. Er habe Fehler gemacht und trage die Narben davon. Aber er habe nichts zu verbergen.

Brock Pierce ist ein durchaus charismatischer Redner und Selbstdarsteller. Sein Auftritt in einem Fireside Talk auf der letzten UNCHAIN-Konvention war so mitreissend wie unterhaltsam. Die meisten Berichte aus den Krypto-Kreisen zeichnen ihn als eine einnehmende, faszinierende Persönlichkeit. Er lege wenig Wert auf Luxus und Geld, sondern atme dafür, die Welt zu verbessern und spirituelle Reifung zu finden. Ohne Zweifel ist er eine herausragende Figur im Krypto-Universum.

Dennoch dürfte Pierce nicht das Format haben, das ein US-Präsident benötigt; es ist schwer vorstellbar, dass der kleine Mann mit dem etwas maushaften Gesicht und der leicht quietschigen Stimme die Amerikaner genügend begeistert, um ohne die Hilfe eines Parteiapparats auch nur den Hauch einer Chance auf das Amt zu haben. Zudem dünstet das von ihm geplante Krypto-Utopia auf Puerto Rico den Geruch einer Steueroase für ICO-Millionäre aus, was keine gute Voraussetzung ist, um ein Land zu heilen, in dem die Schere zwischen Arm und Reich mittlerweile eine den sozialen Frieden gefährdende Weite erreicht hat.

Man könnte dem etwas narzistischen Pierce nun Größenwahn unterstellen. Ist ihm das viele Geld und der Erfolg in Krypto nun vollends zu Kopf gestiegen? Doch in einem Fireside Talk auf der digital stattfindenden Unitize Konferenz am 7. Juli zeigt er, dass er einen kühlen Kopf behält und seine Chancen relativ realistisch sieht. Er vergleich seine Kandidatur mit der von Ron Paul, der sich drei Mal vergeblich um das Amt beworben hatte, aber dem es dabei gelang, Aufmerksamkeit für bestimmte wirtschaftspolitische Themen zu schaffen. Selbst wenn die Chance, dass Pierce Präsident wird, nichtig gering ist, gibt ihm seine Kandidatur die Chance, „eine Menge sehr wichtiger Diskussionen auf die Agenda zu setzen.“

Diese Themen werden natürlich Technologie, Freiheit und das Unternehmertum sein. Im Fox-Interview erklärt Pierce, dass er überzeugt sei, dass die Blockchain-Technologie den USA sehr viel helfen können, und dass Kryptowährungen die finanzielle Inklusion vorantreiben könnten. Sollte es ihm gelingen, diesen Themen tatsächlich mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, wird sich seine Bewerbung als Präsident gelohnt haben. Aber vermutlich rechnet sich Pierce, trotz der an sich kühlen Betrachtung, insgeheim bessere Chancen aus, als er zugeben möchte.

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24 Kommentare zu Krypto-Unternehmer Brock Pierce bewirbt sich als US-Präsident

  1. peter neuer // 9. Juli 2020 um 13:14 // Antworten

    Pfff, Bitcoin. Wenn er BSV unterstützen und leiten würde , okay. Meine Stimme hätte er, aber Bitcoin???

    • Wird das nicht langweilig? Du hast je Kommentar ein paar Hundert Anschläge, ich lösche sie mit einem Klick. Von mir aus können wir das ewig so machen.

      Übrigens: Brock Pierce findet BSV ganz gut und hält auch gar nicht so wenig von CSW. Nur am Rande 🙂

    • BSV ist doch Bitcoin, du Narr.

  2. Paul Janowitz // 9. Juli 2020 um 18:05 // Antworten

    Ich finde das persönlich super, denn um wirklich Aufmerksamkeit zu erhalten, muss man in der Politik ankommen. Chancen hin oder her, das Thema Kryptowährungen muss durch andere Politiker wahrgenommen werden.

    Aus dem Monero Lager will sich Douglas Tuman in den Kongress wählen lassen und hat die Republikaner in seinem Wahlbezirk klar hinter sich: https://www.nytimes.com/interactive/2020/06/23/us/elections/results-new-york-house-district-4-primary-election.html
    Er fordert die Kandidatin der Demokraten heraus, die seit drei Wahlperioden immer gewonnen hat, also durchaus eine Herausforderung, aber Doug hat imho das Zeug dafür, da er bereits als Kommissar für die Stadt arbeitet und reden kann er auch, was er in seinem regelmäßigen Live-Podcast mit zahlreichen Interviews unter Beweis stellt:
    https://www.monerotalk.live/episodes

    Man könnte in Zeiten Trumps fragen, warum ausgerechnet für die Republikaner? Ob aus Überzeugung kann ich nicht beurteilen, aber selbst pragmatisch gesehen könnte er sich in seinem Bezirk bei den Demokraten gegen ihre „Dauerkandidatin“ durchsetzen, so hat er immerhin eine reale Chance, die Wähler für sich zu überzeugen…

    Wenn Pierce auch nur ein paar Prozent holen sollte, werden sich bei den nächsten Wahlen auch die anderen Kandidaten gerade angesichts der „Swing States“ mit den Themen auseinandersetzen müssen… Ein paar Prozent ist vielleicht schon hoch gegriffen, aber gerade viele Bitcoiner könnten sich dazu entschließen, „aus Prinzip“ Pierce zu wählen, auch wenn er nicht der beste Kandidat ist, wenn sie sich ohnehin zwischen zwei ziemlich schlechten Kandidaten wählen sollen. Viele Bitcoiner sind eher im konservativen Lager und aktuell kommen Details ans Licht, dass Trump seinen Finanzminister wohl dazu angehalten hat, gegen Bitcoin vorzugehen…

  3. Sollte Trump demnächst der EU die selbe Medizin wie China und Russland verpassen wollen, bin ich schon gespannt auf das Gekreische unserer Trustessen.
    Ob VdL, Merkel, AKK, Gifey oder sonst einer Quotenprinzessin, keine wird es schaffen und auf Dauer wird eher der € drauf gehen und der $ noch etwas länger durchhalten als Vampir.
    Bitcoin profitiert also egal.

    • Paul Janowitz // 9. Juli 2020 um 22:37 // Antworten

      Ich wäre mir da nicht ganz soooo sicher, die Geldmenge in der Eurozone:
      https://tradingeconomics.com/euro-area/money-supply-m1
      https://tradingeconomics.com/euro-area/money-supply-m2
      Man sieht einen klaren Anstieg seit Januar diesen Jahres, dieser ist aber deutlich unter 10%. Hingegen beim Dollar bei über 25%:
      https://tradingeconomics.com/united-states/money-supply-m1
      https://tradingeconomics.com/united-states/money-supply-m2
      Da die USA aktuell voll in die zweite Corona Welle fahren, kann ich mir vorstellen, dass die Geldmenge dieses Jahr locker noch einmal um den gleichen Prozentsatz steigt, um die Wirtschaft vor den Wahlen noch irgendwie am Leben zu erhalten. Das wäre laut gängiger Definition, die meist mit 50% binnen eines Monats bezeichnet wird, aber da ist es nicht mehr weit hin, wenn sich die Spirale angefangen hat zu drehen…

      Generell sollte Bitcoin davon profitieren, zumindest im vergleich zum rapide steigenden Fiat-Wertverfall, also ein einigermaßen krisensicherer Hafen, wie sich auch in Venezuela oder einigen afrikanischen Ländern aktuell zeigt, wo die Kurse weit über denen der restlichen Welt liegen, weil die Landeswährung von Tag zu Tag weiter verfällt.

      Sollte es aber zu einer Hyperinflation kommen (der Kurs stimmt schon Mal), wird Trump nicht anders handeln als Maduro… https://www.theblockcrypto.com/linked/70744/venezuelan-military-officials-seize-315-bitcoin-miners

      China, Russland, Indien, Iran und auch die EU werden den Petro-Dollar zunehmend maximal noch für Geschäfte mit den USA direkt nutzen, die Stabilität dessen dürfte also auch darunter leiden. Alleine Vasallenstaaten wie die Saudis werden sich wahrscheinlich nicht so schnell davon abkehren, denn sie wollen weiterhin mit militärischen Gadgets beliefert werden…

      • Seiler // 10. Juli 2020 um 1:21 //

        Hallo werter Paul,
        hatte mich auf eine Antwort Deinerseits schon gefreut.

        Ja Amis drucken mehr aber an dieser Stelle muss man nach Absetzung des Gold-Standarts nach dem Wert fragen?

        Warum ist Geld wert was es wert ist?

        Waffen!

        MMn die einzig ehrliche Antwort auf diese Frage, lasse mich gerne anders aufklären.
        Daher wird der € in den nächsten Jahren diesen Defizit zu spüren bekommen.
        Der Gedanke erklärt auch ganz trivial die Aufrüstung der EU oder allgemein den Wunsch nach Selbstverteidigung.

        Zu Deinen letzten Absatz;

        Wo unterscheidet sich den die Politik und die Unterwürfigkeit der „real Politik“ von Deutschland und den Saudis, bis auf die Tatsache das die Saudis keine Flüchtlinge aufnehmen und die Petrodollars dafür verwenden es ihrem „eigenen Volk“ angedeihen zu lassen?
        Ok die am Wochenende stattfindenden Enthauptungen auf dem Marktplatz gibts bei uns nicht.
        Ziemlich rechts, tschuldigung.

        China, Russland, Indien, Iran…Swift?!?
        https://www.anti-spiegel.ru/2019/wie-und-warum-sich-russland-und-china-von-swift-unabhaengig-machen/

      • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 10:16 //

        Lieber Seiler,
        vielen Dank für die Diskussion hier!

        Zu den Charts sollte man (wie so oft) herauszoomen, siehe:
        https://d3fy651gv2fhd3.cloudfront.net/embed/?s=unitedstamonsupm1&v=202006131007V20191105&d1=20100713&h=300&w=600
        Beim Euro ist der Ausbruch zwar deutlich sichtbar, aber historisch gesehen nicht sooo relevant. Übrigens ist die Inflationsrate bei Bitcoin seit dem Halving und jetzt insbesondere mit dem Gelddrucken aktuell das erste Mal niedriger als beim Dollar.

        Was passiert nun mit der Geldschwemme? Investoren versuchen kurzfristig, in andere Assets zu flüchten, was absurde Ausmaße an den Aktienmärkten angenommen hat und obwohl alle Indikatoren negativ sind, sehen Aktienmärkte ein All Time High nach dem anderen, KGV und Co. sind bei den meisten Titeln wahrscheinlich mittlerweile schlechter als bei den aufgeblähten Immobilienpreisen. Rational gesehen ist nur der steigende Goldpreis zu erklären, allerdings halten hier die meisten auch nur Zertifikate, von denen man nicht weiß, wie gut oder schlecht sie gedeckt sind, weil die sichere Lagerung und selbst die Überprüfung auf Echtheit nicht trivial ist… Auch die Flucht in Bitcoin ist vergleichbar nachvollziehbar, wenn wir endlich die endlose Skalierbarkeitsdebatte und am besten auch gleich Privatsphäre mit ablegen könnten.

        Chinas Dollar-Reserven belaufen sich auf drei Billionen Dollar, was mittlerweile selbst jetzt mehr als 50% von M1 bzw. knapp 20% von M2 der USA ausmachen. Falls der Handelsstreit nicht beigelegt werden kann, könnte ich mir vorstellen, dass China diese heiße Kartoffel langsam aber sicher abbauen wird und damit zu einer zusätzlichen externen Geldschwemme auf den Märkten führen und damit die reale Inflation der USA erhöhen könnte. Wenn die Wirtschaft adäquat steigen würde, wäre das an sich kein Problem, aber alle Indikatoren der US-Wirtschaft sprechen dagegen und die meisten Wirtschaftszweige haben meiner Meinung nach negative Prognosen wie Fracking, Flugzeugbau, Automobile und auch Werbung, von der Tech-Konzerne hauptsächlich leben oder „Luxus“ wie Apple, denn die Nachfrage danach dürfte bei einer Wirtschaftsflaute deutlich rückläufig sein.

        Auch die EU hat ähnliche Probleme zu meistern, aber sie hat kein so gewaltiges Problem mit dem Außenhandelsdefizit und hoffentlich hat die aktuelle Krise zu einem Umdenken geführt, sodass viele Güter wieder zumindest innerhalb des gemeinsamen Wirtschaftsraums produziert werden können, anstatt sie aus Fernost zu importieren.
        Die EU hat aber den „Vorteil“, dass sie nicht homogen ist und die Gelddrucker nicht gleich auf Volllast angeschmissen hat, sondern (immer noch) um einen Kompromiss ringt. Das ist wohl eine ganz gute Konrollinstanz, wenn sie auch lästig ist, denn die Billionen an Dollar sind scheinbar verpufft und letzten Endes bei denen gelandet, die ohnehin nicht wissen, wohin damit und so kommt es an die Aktienmärkte. Realwirtschaftlich eher düstere Aussichten…

        Klar, bliebe noch die von Dir angesprochene Waffengewalt. Aber sind die Amerikanischen Bürger nach etlichen Jahren Krieg im Nahen Osten mittlerweile nicht wieder ähnlich kriegsmüde wie damals mit Vietnam? Vor allem weil sie sehen, dass sich die Kriege seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gewinnen lassen, weil die Welt inklusive der „dummen“ Gegner mittlerweile ausreichend hochgerüstet ist, dass sie nachhaltig Widerstand leisten kann, ganz im Gegensatz zu den Ureinwohnern in Amerika…

        Die spürbare Inflation in Supermärkten wird erst mit Verzögerung folgen, aktuell werden die meisten Assets weltweit in USD gelistet und gehandelt (inklusive Bitcoin) und ein Umstieg ist träge, somit gibt es aktuell noch eine Stütze für die „Weltwährung“ als Standard. Sobald aber immer mehr Deals in Landeswährungen oder in Teilbeträgen derer (z.B. 50% Euro + 50% Yuan) abgewickelt werden, kann der USD massiv einbüßen und dann merkt der durchschnittliche Bürger, dass das Brot auf einmal doppelt so viel kostet…

        Brauchen wir ein neues Geldsystem? Das kann man wohl eindeutig mit „ja“ beantworten, denn die Überlebensfähigkeit heutiger Fiat Währungen ist irgendwo bei 20-30 Jahren, Dollar ausgenommen durch den genialen Schachzug, ihn mit dem Petro-Dollar zum Standard zu etablieren.
        Halte ich die finale Null-Inflation bei Bitcoin für sinnvoll? Nein. Zum einen aus technischen Gründen aber auch aus ökonomischen, denn ein nicht-inflationäres Geldsystem regt zum Horden an, siehe HODL 😆
        Habe ich eine bessere Idee? Nein. Ein optimales Geldsystem müsste an die Wirtschaftsleistung fixiert sein und ggf. die Geldmenge sogar sinken, wenn sich die Wirtschaft negativ entwickelt. Das müssten aber Wirtschaftsforscher besser hinbekommen als meine Gedankengänge hier in der Kommentarspalte des Bitcoinblogs 😉

      • DerJoe // 11. Juli 2020 um 1:01 //

        Servus!
        Erstmal meine Meinung zu Bitcoin bzgl. Inflation: BTC ist nicht dazu designt die ursprüngliche Vision eines weltweiten freien Geldes zu erfüllen (und auch seine Abkömmlinge nicht) und die unternommenen Versuche sehe ich an keiner Stelle für geeignet das zu ändern.
        Für das was BTC geworden ist, ein „digitales Gold“, ist Inflation nicht nötig, sogar eher nachteilig.
        Sollte es in Zukunft zu einer Abänderung zu höherer Inflation kommen als im Protokoll momentan vorgesehen, dann nur, wenn die Sicherheit auf dem Spiel steht, aufgrund zu geringer Anreize für die Miner.

        „Auch die EU hat ähnliche Probleme zu meistern, aber sie hat kein so gewaltiges Problem mit dem Außenhandelsdefizit und hoffentlich hat die aktuelle Krise zu einem Umdenken geführt, sodass viele Güter wieder zumindest innerhalb des gemeinsamen Wirtschaftsraums produziert werden können, anstatt sie aus Fernost zu importieren.“
        Ist zwar jetzt ein bisschen off-topic… aber:
        Das dürfte das Thema des 21. Jahrhunderts schlechthin werden. Wie werden wir unabhängiger von China und den potentiell vom chinesischen Gutdünken abhängigen Nachbarstaaten… Alles deutet auf einen Kalten Krieg 2.0 hin… China’s Ambitionen, eine weltweite Hegemonialmacht zu werden, sind nicht zu übersehen, deren Menschenrechtsverletzungen und nicht vorhandenen Vorstellungen von individueller Freiheit auch nicht. Die Haltung von ebenfalls mittlerweile autokratischen Staaten wie Russland, Türkei u.a. wäre zumindest unklar…
        Es gibt eine naturgegebene Inkompatibilität zwischen dem momentanen China (und ich fürchte, dass es sich in absehbarer Zeit nicht positiv verändern wird) und westlichen Demokratien. Um als „Westen“ hier machtpolitisch gegenhalten zu können, brauchen wir ein sicher auf demokratischen Grundwerten stehendes Amerika. Ob wir darauf zählen können, entscheidet sich im November… die zweite Amtszeit eines selbstverliebten Gernegroß, der Autokraten bewundert, wäre in dem Zusammenhang evtl. nicht nur für die USA selbst eine Katastrophe.

      • Paul Janowitz // 11. Juli 2020 um 8:09 //

        Hallo DerJoe 😉

        Für das was BTC geworden ist, ein „digitales Gold“, ist Inflation nicht nötig, sogar eher nachteilig.

        Auch Gold hat eine relativ stabile Inflation von ca. 1,5% jährlich, die aus den Minen kommen…

        Sollte es in Zukunft zu einer Abänderung zu höherer Inflation kommen als im Protokoll momentan vorgesehen, dann nur, wenn die Sicherheit auf dem Spiel steht, aufgrund zu geringer Anreize für die Miner.

        Das halte ich für ausgeschlossen, nach den ganzen Jahren des Krieges um die relativ unproblematische Protokolländerung der Blockgröße. Blockstream sieht das ähnlich und nicht umsonst werden läppische 108 Bestätigungen benötigt, um seine Bitcoin auf der Liquid Chain zu tokenisieren, weil sie scheinbar davon ausgehen dass mit jedem Halving die Sicherheit des Netzwerks abnehmen könnte.

        Es gibt eine naturgegebene Inkompatibilität zwischen dem momentanen China (und ich fürchte, dass es sich in absehbarer Zeit nicht positiv verändern wird) und westlichen Demokratien. Um als „Westen“ hier machtpolitisch gegenhalten zu können, brauchen wir ein sicher auf demokratischen Grundwerten stehendes Amerika.

        Erstmal halte ich das in diesem Beitrag überhaupt nicht für Off-Topic, denn es geht um die Präsidentschaftswahl in den Staaten, also eher (Welt)Politik als Bitcoin.
        Wie fragil diese „Grundwerte“ der Demokratie sind, zeigt sich nicht erst seit Trump, obwohl dieser eine neue Qualität der öffentlichen Missachtung etabliert. Der Vietnamkrieg, welcher einem Kreuzzug ähnelte, ist wohl das beste Beispiel für diese Kaltschnäuzigkeit und zieht sich weiter über Bushs Kriegsrhetorik und entsprechendes Handeln bis zu Obama, der zwar einen Friedensnobelpreis erhalten, aber wenig dafür getan hat, die Konfliktherde an denen die USA maßgeblich beteiligt waren, einzudämmen.
        China ist da freilich ein anderes Kaliber, innenpolitisch sehr autoritär und nicht vereinbar mit „unseren“ Werten, aber außenpolitisch bisher eher zurückhaltend. Man konzentriert sich, wenn dann auf direkte Nachbarschaft wie Tibet, Nepal, Kaschmir oder die Inseln…

        „Früher“ waren Kriege noch ziemlich klar erkennbar und man konnte die Fronten einigermaßen zuordnen, heute sind sie eher schwelend und im Prinzip ist es für einen Außenstehenden ziemlich schwer zu erkennen, wer genau gegen wen kämpft und von wem unterstützt wird, die Gründe dafür sind noch komplexer. Siehe Syrien, Libyen, Iran/Israel, Somalia, Indien/Pakistan/(China), Jemen, Sudan, zahlreiche „unsichtbare“ Drohnenkriege usw. und fast überall ist „The Land of the Free“ direkt oder indirekt beteiligt.

        Ob es irgendwann zu einem Umdenken kommt und wir uns irgendwie zusammenraufen müssen, weil wir nur einen Planeten haben? Aktuell steht es wohl schlecht darum, denn die Nationalisten / Narzissten / Populisten / Faschisten sind in Demokratien eher im Aufschwung – weltweit. Bei „schon immer“ autoritären Staaten ist es zumindest eine Konstante…

        Von daher: Es wäre wünschenswert, ein freies Geldsystem zu etablieren, denn damit würde auch der staatlichen Willkür ein Riegel vorgeschoben. Dass Bitcoin das nicht mehr schafft / schaffen will, ist mir mittlerweile bewusst geworden, meine Hoffnung liegt noch bei Monero… Zumindest die „freidenkende“ Drogenszene im Darknet hat das bereits erkannt und die täglichen Transaktionen sind seit einigen Monaten am steigen. Wenn der „Rest“ der Gesellschaft in einer Krise in Geiselhaft genommen wird, werden auch andere erkennen, wie wichtig ein freies Geldsystem ist…

      • DerJoe // 11. Juli 2020 um 16:42 //

        Ja, da kann ich großteils zustimmen.
        Nur kurz zu Gold: Dass Gold eine Inflation hat, heißt ja nicht im Umkehrschluss, dass ein Wertaufbewahrungsmittel zwingend eine benötigt.

        Dass der Westen auch genug Leichen im Keller hat, werde ich kaum bestreiten. Und in außenpolitischer Hinsicht war Trump für uns Europäer vermutlich sogar besser als Obama. Immerhin hat er keinen neuen Failed State in unserer Nachbarschaft geschaffen und uns vor Augen zu führen, dass Europa eine eigenständigere Rolle spielen muss, kann vielleicht auch eine heilsame Erfahrung sein.
        Zusätzlich wird es auch weniger Brain Drain in Richtung Amerika geben, da die gut ausgebildeten jungen Leute, die dort mehr verdienen könnten, sich momentan zweimal überlegen, ob es das wert ist.

        Für die amerikanische Gesellschaft wären 4 weitere Jahre Trump aber eine Katastrophe mit unklarem Ausgang. Die Checks & Balances haben bislang das Schlimmste verhindern können, aber wie lange das gutgehen würde ist fraglich. Dass Trump gerne ein genauso „lupenreiner Demokrat“ wie Putin wäre, hat er oft genug zur Schau gestellt.

        Bzgl. freies Geldsystem: Klar wäre das wünschenswert. Leider fehlt es mittlerweile manchmal schon an der Grundlage, dem freien Internet.

      • Paul Janowitz // 12. Juli 2020 um 10:57 //

        Bzgl. freies Geldsystem: Klar wäre das wünschenswert. Leider fehlt es mittlerweile manchmal schon an der Grundlage, dem freien Internet.

        Warum so schnell aufgeben? Es gibt Tor, es gibt I2p, es gibt für beide auch „anonyme“ Brücken, wenn ein Regime alle Eintrittsnodes sperren sollte. Tor wurde auch maßgeblich von den US-Spionen mitfinanziert, um den Truppen im Ausland freien Zugang zum Netz zu gewähren, Pornhub & Co. sind in Afghanistan und Irak eher nicht geduldet…
        Mit z.B. Tails und Whonix gibt es auch abgehärtete Betriebssysteme, die das Routing konsequent über Tor leiten und damit ihren wichtigen Beitrag zur Freiheit des Netzes leisten, freilich sind sie nicht so weit verbreitet wie Wintendo. Aus meinen persönlichen Beobachtungen sehe ich aber eine stark zunehmende Nutzung z.B. in Russland, der Türkei und auch in China (wo gerade Pluggable Transports wichtig sind, weil die Great Firewall mit Deep Packet Inspection zuverlässig bekannte Protokolle filtert).

        Natürlich kommen seitens der Politik immer wieder Forderungen nach Verboten von Verschlüsselung oder Anonymisierung des Internettraffics oder Hintertüren auf, aber zum einen ist das in demokratischen Staaten imo nicht mehr durchsetzbar, weil es an der Judikative scheitern wird, zum anderen ist es selbst bei einem Verbot praktisch nicht mehr durchsetzbar: Transportverschlüsselung per SSL/TLS ist mittlerweile praktisch Standard, selbst „Standard“-Messenger verschlüsseln Ende zu Ende und Tor/I2p haben Bridges und Pluggalbe Transports Protokolle entwickelt, mit denen man z.B. SSH Traffic imitieren kann, ohne als Tor identifiziert zu werden.

        Als ich vor ca. 8 Jahren auf Bitcoin gestoßen bin, dachte ich, genau diese Art Liberalisierung des Geldsystems gefunden zu haben, wie Tor/I2p es mit dem Netzwerktraffic vormachen. Ziemlich schnell wurden mir die Beschränkungen in der Skalierbarkeit und Privatsphäre bewusst und ich habe mich an den Diskussionen um Weiterentwicklungen aktiv beteiligt, bis ich mir eingestehen musste, dass die Entwicklung nicht wie bei Tor läuft, sondern stagniert hat und die Blocker die Überhand gewonnen haben. Auch I2p hatte einen ähnlichen Stillstand, bzw. nicht I2p selbst sondern i2pd, eine Implementierung in C++ als Alternative zum standardmäßigen I2p Client, den Monero mit Kovri dann geforkt hat, der (durch die Community gefundete) Hauptentwickler aber leider versagt hat, weil er von der I2p Idee irgendwann in ein „Privacy Framework“ abgedriftet ist, das er alleine nicht hätte stemmen können und am Ende ist gar nichts rausgekommen. Mittlerweile ist das Projekt ohnehin obsolet, da man Java Anwendungen ohne die lästige (und sicherheitsanfällige) Virtuelle Maschine nativ bauen kann und daraus ist dann ziemlich schnell I2p-zero entstanden, ein Lightweight Client für I2p.

        Ich persönlich habe die Idee eines freien Geldsystems zwischenzeitlich zwar verworfen, hauptsächlich nachdem ich in den Blocksize „Kriegen“ demotiviert wurde und allerlei ICOs von Bitcoin Klonen aufkamen, die zwar all das versprochen, aber nichts geliefert haben. Erst 2016 bin ich dann auf Monero aufmerksam geworden und sehe dort die konsequente Entwicklung eines perfekten und freien Geldsystems, an der ich auch noch aktiv teilnehmen kann. Es kann aber auch nur das, ein fungibles Wertaustauschsystem ohne Smart Contracts, ohne DeFi usw.
        Es ist aktuell eine Nische, aber ist dezentrales, freies Geld nicht gerade die Killeranwendung für Blockchain? Hat nicht auch Bitcoin mit diesem Ansatz gestartet „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“? Freilich, heute nutzen das nur Idealisten und Nerds (mich eingeschlossen), aber war oder ist das nicht auch so mit Tor/I2p? In der Türkei gab es erst einen sehr starken Peak in der Nutzung als soziale Netzwerke zensiert wurden. Ist es nicht gut, ein sicheres Backup zu haben, falls unser Finanzsystem kollabiert?

  4. Wenn man sich Pierces Interview zu Mt. Gox vom „WhatBitcoinDid-Podcast“ anhört, wird man sich fragen wer wohl der größere Selbstdarsteller ist, Trump oder Pierce.

    • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 10:18 // Antworten

      Danke für den Tipp, werde ich mir anhören! Meinst Du das hier?

      Ich glaube, jeder US-Präsident bisher war in einer gewissen Art ein Selbstdarsteller, das gehört wohl zur „Kultur“…

      • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 10:20 //

        Sorry, der Link wurde scheinbar abgeschnitten, vielleicht kann das Christoph fixen 😦

      • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 12:08 //

        Auf der internationalen Bühne macht Merkel einen ganz guten Eindruck, wenn Du mich fragst. Und das sage ich als jemand, der noch nie CDU/CSU gewählt hat…
        Siehst Du Kanzlerkandidaten (unabhängig der Partei), die Du für besser geeignet hälst? Mit Begründung bitte, destruktive Kritik ist einfach und genau keine Alternative.

      • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 12:43 //

        Mein letzter Kommentar zu Merkel ist nun obsolet, denn er bezog sich auf einen mittlerweile gelöschten von Peter Neuer 😉

      • Ja, Peter Neuer postet hier im Grunde unter jedem Artikel Kommentare wie „BSV ist Beste“ oder so, die ich lösche, sobald ich sie sehe. Auch der Merkel-Kommentar war getrollt …

  5. Sehr informative Kommentare wieder. Warum gerade diesmal Inflation erwartet wird, obwohl schon seit Jahren die Geldmenge erhöht wird, liegt daran das die Zentralbanken diesmal minderwertige Assets(ausfallgefährderte Kredite) kaufen.
    Einer meiner Lieblingsökonomen ist Daniel Stelter und veröffentlicht sehr viel – da kann man sich gut belesen.
    http://www.think-bto.com
    Mein Zukunftsmodell für Bitcoin ist, dass es in dritte Weltländern durchaus einen Zukunft hat. China, Europa und USA werden mit einer eigenen Digitalwährung kommen. Versuche seitens China und Europa laufen ja schon und es gibt sehr konkrete Pläne.

    • Paul Janowitz // 10. Juli 2020 um 22:21 // Antworten

      Mein Zukunftsmodell für Bitcoin ist, dass es in dritte Weltländern durchaus einen Zukunft hat. China, Europa und USA werden mit einer eigenen Digitalwährung kommen. Versuche seitens China und Europa laufen ja schon und es gibt sehr konkrete Pläne.

      Das wäre oder war auch mein Zukunftsmodell für Bitcoin, bis ich begriffen habe, dass es nicht so skalierbar ist, dass es sich die dritte Welt leisten kann und selbst für die „erste“ Welt wird es ziemlich schwierig.

      Mit Fiat-Digitalwährungen ausgegeben durch Staaten sehe ich nichts anderes als Schlangenöl, denn genau das haben wir doch bereits seit Jahrzehnten. Nennt sich Buchgeld und ist dank diverser Dienstleister wie Visa, Mastercard, Paypal oder Banken relativ einfach transferierbar. Was bitte wäre der Unterschied zu einem E-Euro?

      • Der digitale Euro bietet die Möglichkeit bis zu einer gewissen Anzahl an Transaktionen und einer gewissen Obergrenze anonyme Transaktionen durchzuführen. Alles andere ist dann nicht mehr anonym.
        Genau das hat auch die EZB in ihren Konsultationspapier meines Wissens drin.

        Vielleicht wäre auch mal ein Artikel von Christoph über die TenX Wallet inklusive Kreditkarte interessant? Man hat quasi ein Bitcoin-Konto und merkt es nicht. Überall kann man einfach mit Kreditkarte bezahlen, wirkt für mich erst mal ziemlich genial – einfacher geht Bitcoin nicht.

      • @Je
        auch die neue Binance Card .. powered by Swipe

      • Paul Janowitz // 13. Juli 2020 um 12:42 //

        @Je
        Ich habe so viel Vertrauen in einen digitalen Euro, dass ich ihm wahrscheinlich sogar Tether vorziehen würde, wenn ich mir Großprojekte der Digitalisierung hierzulande ansehe (Maut, Gesundheitskarte, digitaler Perso, De-Mail, …).
        Vielleicht gibt es mehr Hoffnung, wenn die EU die Estländer oder Litauer machen lassen würde, die haben scheinbar etwas mehr Plan von Digitalisierung. Aber auch da würde das Konzept von der tatsächlichen Umsetzung bestimmt meilenweit abweichen, weil etliche EU-Behörden etwas beisteuern wollten. Das mit den anonymen Zahlungen würde zu 99% nicht umgesetzt werden, und wenn, dann nur so anonym, dass etliche Behörden trotzdem ständigen Zugriff darauf hätten.

  6. Bitcoin ist nicht nur ein Technik- sondern vor allem auch ein Freiheitsprojekt. Um erfolgreich zu werden, muss der Freiheitsgedanke gesellschaftlich wie politisch wieder viel stärkeres Gewicht erhalten. Leider gibt es in Deutschland keine freiheitlichen Stimmen von Relevanz mehr und nach dem Austritt der Briten sieht es auch für ganz EU-Europa düster aus. Diejenigen, die uns in den vergangenen 15 Jahren viele Bürgerrechte genommen haben und uns mit finanzieller Repression (Steuer, Inflation, Negativzinsen) überziehen, werden euch freiwillig bestimmt keine finanzielle Freiheit oder Privacy zurückgeben. Insofern sei Christoph gedankt, dass er auch immer wieder einmal Personen außerhalb des Mainstream-Kartells eine Stimme gibt.

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