Die Fiatflucht beginnt: Erstes großes Unternehmen macht Bitcoin zur primären Kapitalreserve

Exit. Bild von Kevin Doncaster via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Das börsennotierte Unternehmen MicroStrategy macht Bitcoin mit einem 250-Millionen-Dollar-Investment zu seiner primären Kapitalreserve. Getrieben wird das Unternehmen von der Furcht, dass eine Abwertung der Fiatwährungen seine Reserven bedroht. Für Bitcoin ist das die bisher wichtigste Nachricht des Jahres. Denn der Vorfall könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Es gibt Meldungen, auf die wartet man als Bitcoiner schon seit Jahren, weil es so naheliegend ist, reibt sich dann aber doch verblüfft die Augen, wenn man sie dann wirklich liest. Eine solche Meldung ist die Pressemitteilung von MicroStrategy, dem weltweit führenden Anbieter von Software zum Unternehmens-Monitoring. Die US-Firma hat laut Wikipedia 2.600 Mitarbeiter und erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von 450 Millionen Dollar.

MicroStrategy kündigt an, 21.454 Bitcoins zu einem Gesamtpreis von 250 Millionen Dollar gekauft zu haben. Dieser Kauf war ein Teil der neuen Strategie zur Kapitalallokation, die das Unternehmen im zweiten Finanzbericht 2020 angekündigt hat. In dieser Strategie wurde unter anderem beschlossen, bis zu 250 Millionen Dollar in alternative Finanzprodukte zu investieren.

Der CEO von MicroStrategy, Michael J. Saylor, erklärt, die Entscheidung „reflektiert unsere Überzeugung, dass Bitcoin, als die am weitesten verbreitete Kryptowährung, ein verlässliches und attraktives Investment ist, das mehr Potential in sich trägt als Cash“. Getrieben wurde der Zug aber weniger vom Enthusiasmus für Bitcoin – sondern vielmehr von den ungünstigen Aussichten der Fiatwährungen.

Saylor sieht „einen Zusammenfluss von Makro-Faktoren, der die Wirtschaft und Unternehmenslandschaft beeinflusst, und von dem wir denken, dass er langfristige Risiken für die Kapitalreserven unseres Unternehmens mit sich bringt.“ Konkret meint er die Corona-Krise, beispiellose Finanzspritzen durch die Regierung und eine globale politische und wirtschaftliche Unsicherheit: „Wir glauben, dass diese und andere Faktoren zusammen einen signifikanten abwertenden Effekt auf den langfristigen Wert von Fiat-Währungen und vielen anderen konventionellen Investmentprodukten haben wird.“

Von Bitcoin dagegen erwartet Saylor nicht nur einen Schutz vor Inflation, sondern auch die Aussicht auf eine höhere Wertsteigerung als andere Investments. „Bitcoin ist digitales Gold – härter, stärker, schneller und smarter als jedes Geld, das wir bisher kannten. Wir gehen davon aus, dass sein Wert zunimmt, wenn die Technologie voranschreitet, die Akzeptanz zunimmt und die Netzwerkeffekte eintreten, die den Aufstieg von so vielen Killer-Apps der Moderne angetrieben hat.“ Daher nimmt MicroStrategy Bitcoin nicht nur ins Portfolio der Kapitalreserven auf – sondern macht es zu seiner primären Reserve.

Man muss sich vergegenwärtigen, was das bedeutet: Ein relativ großes Unternehmen erkennt Risiken für den Kapitalbestand, die auch – vielleicht vor allem – von der Geldpolitik der Regierungen ausgeht, die versuchen, Krisen zu lösen, indem sie die Geldmenge erhöhen, um den Aktienmarkt aufzublähen. Soweit ist das noch nicht ungewöhnlich. Solche Sorgen tragen und äußern viele Unternehmer, mal lauter, mal leiser. Nun ist aber mit Bitcoin eine Alternative zum bestehenden Finanzsystem da, und MicroStrategy wird zum ersten Unternehmen, dass diese ergreift. Es gibt einen Ausweg, und er steht jedem offen, der durchgehen möchte. Bitcoin befreit Unternehmen daraus, mit Gedeih und Verderb vom Fiat-System abhängig zu sein.

Der Markt scheint es zu begrüßen. Der Aktienkurs von MicroStrategy springt direkt nach Veröffentlichung der Pressemitteilung von 105 auf 115 Euro. Dies mag auch daran liegen, dass das Unternehmen mit derselben Mitteilung angekündigt hat, mit 250 Millionen Dollar eigene Aktien aufzukaufen. Dennoch zeigt es zumindest, dass der breitere Markt das Investment in Bitcoin nicht negativ aufnimmt.

Für andere Unternehmen könnte diese Strategie eine Vorbildfunktion einnehmen. Auch wenn viele Finanzexperten versichern, dass eine Inflation unwahrscheinlich sei, dürfte kaum einem Unternehmer nicht mulmig werden, wenn die Geldmengen rund um den Globus mit beängstigender Geschwindigkeit wachsen. In der Eurozone nahm sie im Juni um stolze 9,4 Prozent zu, in den USA sogar um mehr als 20 Prozent. Wer sorgt sich nicht, dass dies die Zukunft eines Unternehmens bedroht, das seine Kapitalreserven in Fiatwährungen hält? Und welche Signalwirkung wird es haben, wenn MicroStrategy mit seinem Investment nur einen Gewinn von 10-20 Prozent erreicht? Wird dies die Mitbewerber unter Druck setzen?

Wenn andere Firmen MicroStrategy nacheifern, könnte dies zu einem Wettlauf um Bitcoins führen, der für diejenigen, die zu spät kommen, sehr teuer werden wird. Es könnte auch eine Kettenreaktion in Gang setzen, durch die die Fiatwährungen zunehmend an Wert verlieren und Bitcoin zum globalen Standard für Werte wird. Vielleicht hat das Rennen zum Ausgang bereits begonnen.

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33 Kommentare zu Die Fiatflucht beginnt: Erstes großes Unternehmen macht Bitcoin zur primären Kapitalreserve

  1. Vor paar Jahren hätte ich mir solche Nachrichten NIEMALS vorstellen können haha.
    Geniesst das schöne Wetter 😛

  2. Interessante Nachrichten 🙂

  3. Vor einigen Jahren wäre das auch eine schöne Meldung zum 1.April gewesen.

  4. Ich war mir noch nie so sicher wie heute, dass Bitcoin die zentrale Währung dieser Welt sein wird. Bedauerlicherweiese können wir dieser Beschleunigung nur Corona verdanken.
    Freue mich auf die nächsten Monate, die werden spannend.

    • Bitcoin wird nicht die zentrale Währung werden. Bitcoin Core kann nicht skalieren und wird nur an der Börse gehypt. Die Leute haben bisher nicht begriffen, dass es der Nutzen ist, der den Wert des Bitcoins ausmacht. Es ist kein Aufbewahrungsmittel wie Gold!
      Der einzige Bitcoin, den man nutzen kann ist BTC SV ! Er hat zudem niedrige TRX Gebühren, nicht wie Ethereum.

  5. der zentrale Wertspeicher der Welt wäre prinzipiell denkbar… auch nur als solches will MicroStrategy Bitcoin verwenden

    dafür müsste Bitcoin allerdings so viel wert sein, dass die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs auf seine Kappe gehen würde… das ist schlicht nicht denkbar

    1 Billion Market Cap sehe ich so in etwa als die Grenze, ab der der Energieverbrauch auf arge Gegenwehr stößt.

    Corona hat übrigens nichts beschleunigt, das waren die Gegenmaßnahmen gegen Corona bzw. die Gegenmaßnahmen gegen die Gegenmaßnahmen und derzeit vor allem die weiter vorherrschende Panik und Unsicherheit…

    • Nixgeschenkt // 12. August 2020 um 23:40 // Antworten

      Kannst du den von dir beschriebenen Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Preis mal etwas näher erläutern? Ich höre das immer wieder kann es aber nicht nachvollziehen. Der Energieverbrauch hängt ja direkt von der Hashrate ab (Mal von der Weiterentwicklung der Mining Hardware abgesehen). Die Hashrate selbst ist aber durch die Difficultyanpassung eher relativ zum Preis zu sehen. Oder andersrum. Ende 2017 war die Hashrate wesentlich niederer als heute heute, der Preis aber deutlich höher.

      • Der Energieverbrauch hängt (natürlich mit zeitlicher Verzögerung) direkt vom Preis ab
        Je größer der Wert der Rewards ist, um so mehr Energie kann dafür aufgewendet werden, um trotzdem profitabel Mining zu betreiben. Der Rest erledigt der Markt.

        Hashrate, Weiterentwicklung der Mining-Hardware, Difficulty-Anpassung sind für diesen Zusammenhang komplett irrelevant.

        Relevant ist lediglich der Strompreis und die Reward-Höhe. D.h. eine deutliche Verteuerung der Energiepreise weltweit würde im Prinzip helfen, genauso wie jedes Halving. Es war allerdings gerade erst Halving, d.h. für die nächsten 4 Jahre ist die Situation erstmal unverändert und damit sind dem Preis und damit auch der Kapazität als weltweiter Wertspeicher einfach Grenzen gesetzt.

  6. Paul Janowitz // 13. August 2020 um 11:58 // Antworten

    Interessant wäre, wie die Bitcoins bzw. deren Schlüssel verwahrt werden, konnte dazu leider nichts finden. Ist ein QuadrigaCX Szenario irgendwie ausgeschlossen? Kryptowährungen sind bekanntlich einfacher verschiebbar als Fiat, für die man schon einen enormen Aufwand betreiben muss, wie das Beispiel Wirecard gezeigt hat.

    Man beachte auch, dass die mehr als 21k „Mal eben“ über 0,1% der gesamten bis in die Zukunft emittierten Menge ausmachen, wenn man verlorene Schlüssel & Co. einberechnet, sind eher um die 0,2% realistisch.

    @DerJoe
    Willst Du vielleicht Deine Berechnungen zum Energieverbrauch hier ausführen? Ich wäre jdf. interessiert!
    Sobald dieser der KP zu hoch wird, werden die Minen eben verstaatlicht und minen nur noch dann, wenn Überschuss vorhanden ist. Hätte noch den Nebeneffekt, dass man gleich noch Blacklists einführen könnte… Da vermutlich über 70% der Hashrate und der größte ASIC Hersteller in China ansässig ist, wäre das nicht ganz abwegig.

    • Verstatlichung des Minens… wie soll das funktionieren? Wenn das ginge, könnte man auch Bitcoin verbieten.
      Da ist bisher aber jeder Anzatz gescheitert

      @DerJoe
      Daran wäre ich auch sehr interessiert. Was würde ein Preis von 100k oder 1 Mio als Anreiz bei den Minern auslösen? Die Diff-Anpassung regelt ja nur die durchschnittliche 10 Minuten Regel eines neuen Blocks.
      Bei steigender Diff kommen eben weniger Miner zum Reward, was aber bis zur Rentabilitätsgrenze eine steigende Hashrate impliziert.
      Damit würde sich dann in der Tat eine gewisse Preisgrenze durch den Stromverbrauch ergeben, der sich nur noch durch steigenden Energiepreis eindämmen liesse.
      Steigen dadurch die Preise anderer Güter, weil er in Konkurrenz zur Profitabilität der Kryptowährungsgenerierung steht ? Musste es besondere Strompreise fürs Mining geben? Wer soll das durchsetzen oder kontrollieren?

      • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 13:26 //

        Verstatlichung des Minens… wie soll das funktionieren? Wenn das ginge, könnte man auch Bitcoin verbieten.
        Da ist bisher aber jeder Ansatz gescheitert

        Es gab schlichtweg nie den ernsthaften Versuch, sonst würden Fakten geschaffen werden. Ich vermute, die KP unterstützt die Mining Dominanz in China sogar, auf die sie ggf. direkten Zugriff hat, sobald es die Agenda erfordert.

        Siehe die aktuelle Lage in Hong Kong, wo Mal eben „über Nacht“ die „zwei Systeme, ein Staat“ Lösung gekippt und HK der Pekinger Führung unterworfen wurde, obwohl dies eigentlich bis mindestens 2047 zugesichert wurde. Das betrifft direkt über 7 Millionen Menschen, die paar großen Bitcoin Minen, die alleine über den Stromverbrauch und über die Great Firewall nicht schwer auszumachen sein sollten, wären da eher eine Randnotiz für die Parteiführung. Bitcoin hat übrigens keinen Plan B für so ein Szenario, der mir bekannt wäre und ein neuer Mining Algo müsste erst entwickelt werden oder ein Konsens gefunden werden, dass man einen bestehenden (eventuell leicht modifiziert) nutzt. Das ist nicht mal eben über Nacht möglich, selbst 12 Monate Vorlauf scheinen unrealistisch für so einen Hard Fork.

        Erst gestern habe ich mit Leo Weese von Bitcoin HK gesprochen und die Lage sieht ziemlich düster aus, aber zumindest sind sie noch nicht hinter der Great Firewall und genießen zensurfreies Internet.

        Ich kann die Argumentation von DerJoe durchaus nachvollziehen, habe mich aber noch nicht mit den genauen Zahlen von aktuellen (zumindest „öffentlich“ verfügbaren) Minern wie dem S19 in Relation zur Gesamthashrate im Vergleich zum weltweiten Stromverbrauch auseinandergesetzt…

    • Ich habe das irgendwann mal grob überschlagen anhand des damals aktuellen Stromverbrauchs und BTC-Preis und hochgerechnet, einfach nur proportional… hab jetzt nicht den Nerv alles wieder rauszusuchen, sry

      war eh eine eher qualitative Geschichte…

      Annahmen:
      – Energieverbrauch von BTC wird nicht mehr akzeptiert, so bald er so groß ist wie der der USA
      – wenn ein BTC-Preis über längere Zeit stabil überschritten wird, dann wird irgendwann ca. 50% der Rewards in Stromkosten gesteckt und dafür Stromquellen mit niedrigen Preisen verwendet

      Damit sollte sich ein theoretischer max. stabiler Kurs errechnen lassen (unter Verwendung dieser Annahmen, wie valide die sind kann sich jeder selbst aussuchen)… bei momentaner Reward-Höhe natürlich… und ein Überschießen vom Preis im Hype ist natürlich immer drin…

      Wenn jemand Lust hat, viel Spaß 😉 Jetzt nach dem Halving würde ich darauf tippen, dass etwas im Bereich 50-100k rauskommt.

  7. @DerJoe
    Wie ist das mit der Abhängigkeit vom Energiepreis, wenn alle Bitcoins geschürft sind?

    • Dann müsste das Mining logischerweise über die Gebühren alleine gedeckt werden. Ob das überhaupt sinnvoll funktionieren wird/würde, weiß ich nicht. Darüber habe ich mir noch keine näheren Gedanken gemacht, da es noch sehr weit in der Zukunft liegt.

      Aber eine Schmerzgrenze für den BTC-Kurs sehe ich dann eher nicht mehr.

      • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 20:14 //

        Aber eine Schmerzgrenze für den BTC-Kurs sehe ich dann eher nicht mehr.

        Gerade dann sehe ich sie, mit jedem neuen Halving kommt diese Grenze näher. Aktuell fließen ca. 60.000-70.000 USD Coinbase Reward pro Block in die Sicherung der Chain in Form von Strom, zusätzlich ca. 1.000-20.000 USD aus Fees. Um die gleiche Sicherheit der Chain aufrecht zu erhalten, müssten pro Transaktion ca. 30-50 USD Gebühren anfallen und solange der Mempool das nicht hergibt, werden Miner gar nicht versuchen, einen Block zu generieren und Bitcoin wäre praktisch Unbenutzbar, denn selbst mit einer hohen Fee könnte es sein, dass es ewig dauert, bis ein Block generiert wird, weil die Nachfrage mit entsprechenden Fees gerade zu niedrig ist.

        Die Sache ist natürlich ziemlich komplex, denn einige Mining Farmen dürften auch vertraglich geregelt haben, wie viel Strom sie ständig abnehmen müssen, um einen entsprechend niedrigen Tarif zu bekommen.

  8. Energieverbrauch – so stell ich mir das vor:
    6,25 Bitcoin gibt es aktuell alle 10 Minuten fürs Mining
    Also 37,5 Bitcoin pro Stunde. Macht 375.000 €. 30 % Gewinn und Investitionskosten peilen die Miner an.
    Bleiben etwa Stromkosten 250.000€ pro Stunde, die genutzt werden können. Weltweit vielleicht etwa 10 Cent Stromkosten je kWh – Energiebedarf 2.500.000 kWh. Das MIT kommt etwa auf die doppelte Energiemenge. Aber so ungefähr werden sie es vermutlich auch berechnet haben.

    • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 14:30 // Antworten

      Soweit mir bekannt, sind 10 Dollar-Cent absolute Schmerzgrenze für Miner, eher werden (entlegene) Lokalitäten gesucht, an denen z.B. ein Staudamm Überschuss an Energie produzieren kann, wenn das Wasser nicht einfach durchgeleitet werden soll und dann sind Preise von 2-5 Cent möglich. Vorsicht: Gefährliches Halbwissen, habe nämlich noch nie eine Mining Farm aufgesetzt.

    • da sind ja noch die Kosten der Geräte und den Betrieb (Versicherung, Gebäude, Personal). Ich denke das MIT dürfte bei 4-5 cent / kWh mit 5000 TWh ganz gut liegen. Das sind 10 AKW Blöcke.
      Bei BTC Kurs von 100k und entsprechender Hashrate Zunahme macht das schon 100 Blöcke… soviel grünen Wasserkraftstrom gibt es nicht (Ende der Mär) und bei BTC Kurs von 1 Mio macht es dann 1000 AKW Blöcke.

      Die Frage ob der Stromverbrauch des gegenwärtigen Algos also eine Begrenzung der BTC Marktkapitalisierung darstellt ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

      Ein Wechsel von POW zu anderen Modellen ist dann aber nicht mehr Bitcoin.
      Vielleicht wäre die sinnvolle Nutzung der Rechenaufgaben für sowieso anstehende wissenschaftliche Berechnungen ein Lösungsansatz statt alles in Entropie verpuffen zu lassen

      • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 19:14 //

        Das sind in der Tat interessante Fragen, denn falls Bitcoin sagen wir Mal x10 steigen sollte, könnte Mining selbst in Deutschland sehr profitabel werden. Würden die privatisierten profitorientierten Stromversorger ihren Strom weiter an den Privatkunden „verscherbeln“ oder lieber an den höher Bietenden verkaufen?

        Ein Wechsel von POW zu anderen Modellen ist dann aber nicht mehr Bitcoin.

        Ich würde mich da nicht so festfahren, wo Bitcoin endet. BSV Anhänger sagen, Segwit sei nicht mehr Bitcoin, andere sagen, das 1MB Limit ist nicht mehr Bitcoin da es in den frühen Releases wie auch im Whitepaper nicht existent war usw.
        Weniger Religiosität würde der ganzen Community nicht schaden, Technik-agnostisch vorgehen und wenn eine Idee besser sein sollte und für bestehende Probleme eine Lösung bietet, warum nicht übernehmen?

        Persönlich bin ich weiter ein Verfechter von PoW (wenn auch nicht unbedingt mit ASICs) weil das Sicherheitsmodell bisher durch nichts übertroffen wurde.

        Vielleicht wäre die sinnvolle Nutzung der Rechenaufgaben für sowieso anstehende wissenschaftliche Berechnungen ein Lösungsansatz statt alles in Entropie verpuffen zu lassen

        Die Idee ist nicht neu, aber bisher leider gescheitert und ich würde behaupten, dass ich mich seeeeehr intensiv mit PoW beschäftigt habe, insbesondere wie man ASICs verhindern kann und damit Ethereums ProgPoW Vorschlag und Moneros RandomJS, welches schließlich in RandomX resultierte. Das Problem dabei ist nachzuweisen, wie viel „Arbeit“ man verrichtet hat, so dass es jeder Node mit einem sehr geringem Aufwand überprüfen kann. Aber ich behaupte nicht, dass dies unmöglich ist, wer Ideen hat, immer her damit!

  9. NochEinAnonoymerAccount // 13. August 2020 um 15:25 // Antworten

    Zunächst mal müssten dafür erst ausreichend ASICs zur Verfügung stehen, die müssten also produziert und in Betrieb werden. Dann würden aufgrund des höheren Preises für BTC auch teurere Stromquellen erschlossen, weshalb der Energieverbrauch nicht linear auf „1000 AKW Blöcke“ steigen dürfte. Je mehr normale Energie (statt der bisher überwiegend genutzen Überschuss-Energie) verwendet wird, desto höher wird der Strompreis, was ebenfalls zur Begrenzung der Hashrate und des Energieverbrauchs beiträgt. Das Mining ist ein sehr dynamisches Ökosystem, rein marktgesteuert und schwer einzuschätzen. Ganz sicher aber kann man nicht sinnvoll linear extrapolieren.

    • anders herum würde auch jeder alte ausgediente stromfressende Schrottminer wieder ans Netz gehen, bis er von effizienten ASICs verdrängt wird.
      Die spannende Frage war ja: wird die benötigte Energiemenge zum limitierenden Faktor für den Preis (Marktkapitalisierung)?
      vielleicht stösst es aber auch wieder neue solar-dessert Projekte an… wer weiss das schon

    • …und hätte BTC wie ursprünglich geplant grosse Blöcke, wie die bei BSV angestrebten TerraBlocks müssten die Miner das Geld in anderes Equipment stecken (Nodes = Datacenter) statt es für ASICs auszugeben.

      • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 18:51 //

        Das stimmt nur bedingt, seit Solo Mining bei Bitcoin praktisch nicht-existent ist, haben nur Pool Betreiber die Bürde, Transaktionen so schnell wie möglich zu verifizieren und in einen Block zu packen, bevor die Arbeiter sich an das Hashing machen. Ein ASIC kann auch getrost über eine Edge Verbindung laufen und transferiert wenige MB pro Tag.

        Da Pool Betreiber tausende von Minern koordinieren, dürften diese ohnehin bereits so weit skaliert sein, dass sie auch mit deutlich größeren Blöcken zurecht kommen würden als heute.

      • Bei Terrabyte grossen Blocks und 2(?) Milliarden Menschen die täglich x-mal die Wallets nutzen werden die Pools von Abfragen überschwemmt. Dazu benötigt es Serverfarmen in der Grössenordnung von Facebook oder Google. Die Pools würden die Kosten den Minern weiterverrechnen.

      • Paul Janowitz // 13. August 2020 um 21:26 //

        Müssen wir denn gleich ins Extreme abdriften? Ich halte auch heute Gigabyte Blöcke für Unsinn, aber so 20-100MB sollten drin sein für eine Konsensfindung.

      • Da hast du recht, ich denke ein bisschen gar weit in die Zukunft. Falls die Infos von Independent korrekt sind dürfte es in etwa 5 Jahren zumindestens möglich sein. https://www.independent.co.uk/life-style/gadgets-and-tech/news/internet-speed-world-record-fastest-download-a9527236.html

  10. „Und welche Signalwirkung wird es haben, wenn MicroStrategy mit seinem Investment nur einen Gewinn von 10-20 Prozent erreicht? Wird dies die Mitbewerber unter Druck setzen?

    Wenn andere Firmen MicroStrategy nacheifern, könnte dies zu einem Wettlauf um Bitcoins führen, der für diejenigen, die zu spät kommen, sehr teuer werden wird“

    Das könnte zum entscheidenden Funken für eine neue Dynamik werden. Wenn z.Bsp. eine Automobilfirma auf das gleiche Konzept setzt und eine zusätzliche Rendite auf die Barreserven erwirtschaftet wäre es seinen Konkurrenten überlegen für die anstehenden Innovationskosten. Die Konkurrenten hätten quasi keine andere Wahl als dem Beispiel zu folgen oder irgendwann mit veralteten Produkten dazustehen.

    Ein solcher sich selbst rückkoppelnder Mechanismus würde alles bisher gesehene als mini-Bullrun aussehen lassen und weitaus grössere Verwerfungen in der Wirtschaft auslösen als die bisher vermutete Disruption im Finanzwesen.
    Es könnten also nicht all die kleinen Michels, die Angst um ihre Ersparnisse haben, sondern die grossen Wirtschaftsunternehmen sein, die Bitcoin den Weg in eine neue Geldära ebnen

  11. „Damit würde sich dann in der Tat eine gewisse Preisgrenze durch den Stromverbrauch ergeben“

    Zunächst ist der Energieumsatz eine Folge aus dem Bitcoin-Kurs. Je höher der Kurs, umso mehr Geld investieren die Miner und umso mehr Energie werden sie umsetzen. Nun ist zwar Energie eine be-grenzte Ressource. Nähert man sich der maximal verfügbaren Energie, so muss diese teurer erworben werden, sodass der Zuwachs an umgesetzter Energie zwar immer niedriger wird, jedoch immer noch ein Zuwachs vorliegt. Solange ein Zuwachs möglich ist, und das ist immer der Fall, wird aber der Bit-coin-Kurs nicht begrenzt. Aus einem höheren Bitcoin-Kurs folgt lediglich, dass der Zuwachs an umge-setzter Energie niedriger wird.
    Ich möchte jetzt aber gar nicht zu lange über obiges Zitat nachdenken, da es vermutlich niemals rele-vant für die Praxis werden dürfte. Kryptowährungen entwickeln sich ständig weiter. Wir sind noch weit davon entfernt, dass der Stromverbrauch ein schmerzliches Level erreicht. Eher wird der Bitcoin durch ressourcenschonendere Alternativen abgelöst.

    • „Wir sind noch weit davon entfernt, dass der Stromverbrauch ein schmerzliches Level erreicht. Eher wird der Bitcoin durch ressourcenschonendere Alternativen abgelöst.“

      Aber auch das stellt eine Preisbegrenzung dar… eben indirekt, wenn die Leute ihre BTC in Coin XYZ wechseln

      • Hans Frosch // 14. August 2020 um 16:52 //

        „Aber auch das stellt eine Preisbegrenzung dar“
        Ok. Wenn der Strompreis aufgrund eines hohen Bitcoin-Preises zu hoch wird, dann wird der Bitcoin-Preis dadurch begrenzt. Sehe ich ein. Das ändert aber nichts daran, dass diese Überlegungen nur theoretischer Natur sind. Dann der Bitcoin-Preis wird in der Praxis vielmehr durch technische Unzulänglichkeiten wie die 1MB-Blocksize und der sich daraus ergebenden hohen Gebühren bei hohem Transaktionsaufkommen begrenzt.

  12. Moin,

    Da hier auch viel von der Hashrate die Rede war, habe ich eine kleine Frage. Müsste sie sich nicht automatisch langfristig (wenn kaum noch neue BTC geschürft werden) auf einen Wert einpendeln, der nur von den durchschnittlichen Größen der TX-Gebühr, der Minereffizienz und den Stromkosten abhängt (wenn man die Investitionskosten der Hardware mal ausklammert)? Oder begehe ich da einen Denkfehler?

    Mit folgenden Annahmen z.B.:
    TX-Rate: 400kTX/d
    TX-Gebühr: 10€/TX
    Stromkosten: 0,1€/kWh
    Minereffizienz: 34GH/s / W

    Komme ich auf ca. 57EH/s

    Und je höher der Preis pro BTC, desto mehr Miner müssen alle 4 Jahre von einem Tag auf den anderen ihre Geräte abstellen…

    Peter

    • Paul Janowitz // 14. August 2020 um 15:16 // Antworten

      In der Tat pendelt sich die Hashrate langfristig immer irgendwo an der Grenze der Profitabilität ein, aktuell maßgeblich durch den Block Reward, später sollen das eben Fees komplett übernehmen, was einige Probleme mit sich bringt. Solange der Mempool nicht genügend Transaktionen mit entsprechend hohen Gebühren hergibt, lohnt sich das Mining nicht, da der mögliche Ertrag statistisch nicht mehr die Kosten deckt und es wird dadurch wahrscheinlich größere Hashrate Sprünge geben und damit unregelmäßigere Block Zeiten als heute, denn die Anpassung der Difficulty ist sehr träge.

      Die Effizienz pro kWh erhöht sich mit neuen Generationen von ASICs, allerdings nicht mehr um x100 oder gar x1000 wie früher, sondern eher im unteren 2-stelligen Prozentbereich, alte Miner werden langsamer ausgemustert und so lange betrieben, wie sie von den Betriebskosten noch wirtschaftlich sind und wahrscheinlich nicht gleich verschrottet, da sie bei steigenden Kursen und/oder Gebühren womöglich doch wieder profitabel werden könnten.

      Altruistische Miner, wie früher gibt es heute nicht mehr, alleine aus dem Grund, dass die Hardware bereits extra angeschafft werden muss. Interessant hierzu ist auch eine Analyse, die zeigt wie Satoshi wohl in den Anfängen die Hashrate gesteuert hat, um ungefähr auf 10-Minuten Blöcke zu kommen (und 51% Attacken abzuwehren):
      Auf Medium.com ansehen

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