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Tesla kauft sich Bitcoins: Der Tag, an dem Bitcoin unheimlich wurde

Tesla-Transformator. Bild von Antivolt via wikipedia. Lizenz: Creative Commons

Dingdong. Der Kurs stieg innerhalb weniger Minuten um mehr als 3000 Euro. Der Grund: Tesla hat für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft. Langsam deutet sich jener Prozess an, den phantasievolle Bitcoiner seit langem prophezeien: Die größte finanzielle Umwälzung aller Zeiten.

Tesla hat sich für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft. Der nach der Marktkapitalisierung größte Autobauer der Welt hat im Januar seine Investitionsrichtlinien angepasst, um sein Vermögen flexibler und diversifizierter anzulegen. Kurz darauf hat er für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins kauft.

Wer Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter beobachtet hat, dürfte nicht so sehr überrascht sein. Musk, der durch den sensationell bombastischen Tesla-Börsengang angeblich zum reichsten Mann der Welt wurde, hat immer wieder über Bitcoin und Dogecoin getweetet, was bei Dogecoin nette Kurssprünge auslöste; für einige Tage hatte er seine Twitter-Biographie durch das Hashtag „#bitcoin“ ersetzt, ganz nach dem Vorbild von Twitter-CEO Jack Dorsey, der dies schon längers so pflegt. Eventuell signalisierte Musk damit unter Eingeweihten, dass Tesla in Bitcoin investiert.

Darüber hinaus plant Tesla, Bitcoins als Zahlungsmittel anzunehmen, und diese nach Erhalt nicht zwingendermaßen zu liquidieren, wie es meist üblich ist, sondern sie auf der Firmen-Wallet zu HODLen.

Die Nachricht wurde vor etwa einer halben Stunde bekannt und beruht auf einem Bericht, den Tesla bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Der Börsendienst Bloomberg war einer der ersten, der die Meldung brachte, mittlerweile hat sie gefühlt jede zweite Internetseite übernommen. Innerhalb der folgenden 30 Minuten sprang der Kurs um rund 4.000 Dollar, was der größte Kurssprung war, den Bitcoin jemals hingelegt hat.

Eine Zahl, die fix ist. Mehr nicht.

Was soll man dazu sagen? Bitcoin als Wertspeicher und digitales Gold kam im Mainstream an.

MicroStrategy war ein nicht winziges, aber im globalen Bild vernachlässigbares Unternehmen mit einem exzentrischen, von Bitcoin besessenen CEO. Der Zahlungsdienstleister Square war schon eine Nummer größer. Aber nun Tesla – Tesla ist eine gewaltige Hausnummer, mit der wir, trotz der Gerüchte, nicht ernsthaft gerechnet haben.

Tesla ist DIE Erfolgsgeschichte der globalen Automobilindustrie und DER Hoffnungsträger für eine Mobilität ohne Öl. Nun signalisiert das Unternehmen, dass es Dollar und Euro misstraut, aber Bitcoin vertraut. Die Flucht aus dem Fiatsystem hat mit MicroStrategy begonnen, Square hat sie fortgesetzt – Tesla macht sie offiziell.

Das sind alles US-amerikanische Unternehmen. Sollte einem das zu denken geben?

Bitcoin ist das Angebot an Unternehmen und Einzelpersonen, sich der Logik des Fiatgeldsystems zu entziehen. Sie müssen sich nicht der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken aussetzen, nicht den Aktien- und Immobilienmärkten, die sich mehr und mehr nach einer Blase anfühlen. Bitcoin ist nur eines: Ein Token, auf das sich alle einigen, es als Wertspeicher zu benutzen, und dessen Knappheit resistenter ist als jede andere Art der Knappheit.

Es geht derzeit wirklich nur darum: Eine Zahl zu haben, die fix ist, und die in dieser Welt von Überfluss und „es werde“-Geld und -Aktienkursen stabil bleibt. Alles weitere ist ein Bonus.

Eine unheimliche Mechanik

Das Bitcoin-Angebot setzt eine perverse Mechanik in Gang. Sie erinnert an ein Pyramidensystem, ist aber ebenso wenig eines wie Aktien: Diejenigen, die zuerst aussteigen, werden extrem profitieren, wenn andere nachfolgen.

MicroStrategy hat im August 2020 mehrere hundert Millionen Dollar in Bitcoin investiert. Der Betrag hat sich mittlerweile gut vervierfacht. Ähnlich gut lief das Investment von Square. Selbst Tesla, das im Laufe des Januars Bitcoins gekauft hat, dürfte spätestens heute, mit einem Sprung um knapp 10 Prozent, ordentlich im Plus sein.

Der Ausstieg von Unternehmen aus dem Fiatsystem setzt dieses unter Druck. Je weniger die Unternehmen bereit sind, Dollar zu halten, je weniger sie von ihren Kunden Dollar wollen, desto geringer wird die Nachfrage nach Dollar. Das kann in einer Abwärtsspirale enden: Je geringer die Nachfrage nach Dollar oder Euro, desto geringer der Wert, und desto mehr müssen Zentralbanken Geld erzeugen, damit Staaten Schulden bedienen können und Banken liquide bleiben, und je mehr Geld es gibt, desto weniger ist dieses etwas wert. Und so weiter. Bitcoin ist nicht die Ursache des Niedergangs der Fiatwährungen – aber geleitet diese gerne an ihr Grab.

Das Beispiel Nigeria zeigt, wie rasch Bitcoin eine nationale Währung unter Druck setzen kann, wenn er beginnt, diese in wichtigen Teilbereichen zu ersetzen. Zusammen mit beispielsweise dem Bestreben Chinas, den Yuan als Reservewährung Ostasiens zu etablieren, könnte die Flucht großer Unternehmen in Bitcoin den Niedergang der etablierten Fiatwährungen beschleunigen.

Die große Umwälzung

Gerade ist es noch sensationell, wenn ein Unternehmen Bitcoins hält, auf eine Weise wagemutig, wie man es von tollkühnen Geschäftsleuten wie Elon Musk kennt. Sollte sich der Prozess fortsetzen, wird es als innovativ gelten, dann wird es normal sein, seine Innovativität durch das Bitcoin-Investment zum Ausdruck zu bringen. Schließlich wird es selbstverständlich sein, einen Teil des Firmenportfolios in Bitcoins umzuschichten, und am Ende wird es als wagemutig gelten, dies nicht zu tun.

So muss es nicht kommen. Aber so könnte es kommen, wenn der von MicroStrategy, Square und nun Tesla angestoßene Prozess zum Selbstläufer wird.

Da die Unternehmen, die zuerst kaufen, ungeheuer davon profitieren, wenn andere nach ihnen kaufen, könnte all dies zu einer gewaltigen Umschichtung von Marktmacht führen. Nur ein simples Beispiel: Wie viele Batterien kann Tesla seinen Kunden zum halben Preis geben, wenn sich der Bitcoin-Preis verdoppelt? Wie viele Kilowattstunden kostenlosen Strom kann Tesla den Autokäufern schenken? Wie viele Forscher bezahlen, damit diese bessere Batterien entwicklen und patentieren lassen? Und so weiter.

Wenn dann die deutsche Automobilwirtschaft hinterherzieht, bei, sagen wir, 80.000 Dollar, und ebenfalls Milliarden investiert – dann wird Tesla weitere Milliarden an Kursgewinnen machen. Und so weiter. Wenn dagegen die deutsche Automobilwirtschaft niemals investiert, weil sie verständlicherweise nicht will, dass Tesla gewinnt – sich aber der Prozess dennoch fortsetzt, dann wird sie irgendwann auf wertlosen Euro sitzen. Das ist dann noch schlimmer. Nicht zu investieren, um zu verhindern, dass andere reicher werden, kann ab einem gewissen Moment überhaupt keine Option mehr sein.

Und das passiert nicht nur in der Automobilindustrie. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es keine Branche mehr geben, die nicht in diesen Sog gerät, und in jeder einzelnen werden die Unternehmen, die als erste investieren, die anderen fressen.

Kann es sein, dass gerade eben die größte finanzielle Umwälzung seit Jahrhunderten begonnen hat?

Über Christoph Bergmann (2098 Artikel)
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11 Kommentare zu Tesla kauft sich Bitcoins: Der Tag, an dem Bitcoin unheimlich wurde

  1. „Wenn dagegen die deutsche Automobilwirtschaft niemals investiert“
    Mich würde es nicht wundern, wenn sie den Bitcoin links liegen lassen und lieber gleich in IOTA gehen.

  2. Fiatgeld wird wegen Bitcoin niemals untergehen.

    USD, EUR usw. sind hervorragende kurzfristige Wertspeicher. Gold und Bitcoin sind hervorragende langfristige Geldspeicher. Gold hat nie das Finanzsystem gefährdet, ebensowenig wird Bitcoin das Finanzsystem gefährden.

    Zentralbanken haben immer Gold als langfristigen Wertspeicher gekauft, weil sie damit niemals das Fiatgeld gefährden konnten.

    Fiatgeld war nie ein langfristiger Geldspeicher. In würde Bitcoin verboten werden hätte das keinen Einfluss auf USD, EUR usw, da diese Investoren dann wieder Gold, Aktien usw. kaufen und natürlich deswegen keine USD, EUR usw.

    Wer also Bitcoin verbietet, müsste auch die alternativen Anlagen wie Gold, Aktien, Anleihen usw. verbieten.

    Panikmache gegen das Fiatgeldsystem und gegen Bitcoin ist unsinnig.

    • „USD, EUR usw. sind hervorragende kurzfristige Wertspeicher“

      Die Vergangenheit lässt sich nicht immer auf die Zukunft extrapolieren. Aus der Vergangenheit wissen wir zum Beispiel auch, dass wenn Staaten anfangen sich mit der Druckerpresse zu finanzieren, dass dies nicht selten im Kollaps der Währung endet.

      Aber ja, ich erwarte auch, das selbst nach einem Kollaps des € oder $ wieder neues Fiatgeld eingeführt wird (womöglich direkt Zentralbank-Coins). Es wird wahrscheinlich ähnlich laufen wie beim Gold:

      Die Menschen werden aus Sorge / Bequemlichkeit ihr Krypto nicht selbst halten, sondern es einer vermeintlich sicheren Stelle anvertrauen (Bank). Dafür werden sie auch zunächst schöne Zinsen bekommen, weil Kryptos ja tatsächlich eine brauchbare Sicherheit sind (im Gegensatz zu heutigem Cash).

      Irgendwann ist es dann wieder soweit, dass hauptsächlich nur noch in Bank-Guthaben gehandelt wird statt direkt per Krypto. Krypto ist dann wieder nur noch Teil der Reserve wie heute Gold.

      Bis die herrschende Elite wieder mit schwachsinniger Geldpolitik anfängt, und das Spiel wieder von vorne losgeht.

    • Man könnte auch argumentieren, dass Bitcoin dabei hilft, das Fiatsystem zu stabilisieren, zumindest was die Inflationsangst anbelangt: auch wenn immer mehr Fiatgeld im Umlauf ist, kommt dabei an den Märkten (und dem Otto-Normalverbraucher) möglicherweise nicht soviel an, dass es zu einer merklichen Inflation führen würde, denn die Leute schichten vielleicht in gleichen Teilen ihre Kohle einfach in Bitcoin um und entziehen sie damit wieder dem System (*) … ein Problem hätten wir dann erst, wenn die Bitcoin-Wale „auschecken“ würden und damit beginnen würden, die Kohle als Helikoptergeld unter die Bevölkerung zu verteilen (aber wie wahrscheinlich ist das?)

      (*) Ja mir ist klar, wenn ich Bitcoin kaufe bekommt jemand anderes meine Kohle, der sie ausgeben und damit Inflation machen könnte, aber ich gehe mal davon aus, dass die Kohle statt in den Konsum letzten Endes vermutlich eher anderweitig weiter umgeschichtet wird (in Anleihen, Gold, Aktien etc.)

  3. Die Entwicklung die wir aktuell bei Bitcoin sehen ist Spieltheorie at its best =).

    Klar, die Zukunft kann niemand vorhersehen! Aber speziell in Rechtstaaten wie dem unseren, sinken die potenziellen Risiken von Bitcoin doch deutlich bzw. sind praktisch nicht mehr vorhanden. Besonders mit Investitionen wie dieser durch Tesla, den ganzen großen Makroinvestoren, den Banken und und, habe wir aus meiner Sicht eine Punkt erreicht, an dem es kein regulatorisches zurück mehr gibt. Denn aktuell übernimmt der Netzwerkeffekt, die beschriebene Spieltheorie sowie die Prinzipien des freien Marktes.

    Das bedeutet das zu tode subventionierte Märkte oder Unternehmen die sich nur durch billiges Geld über Wasser halten können einfach pleite gehen. Was nichts schlechtes ist sondern zu einer Wirtschaft dazugehört! Nur irgendwie herrscht aktuell eine Situation, in der jeder meint das ein Staat unwirtschaftliches handeln kompensieren muss und das das am Ende auch noch funktioniert. WTF? Das ist doch das kranke an der ganzen Situation.

    Der Staat soll seinen hohheitlichen Aufgaben nachkommen… Infrastruktur schaffen und bewahren, Bildung ermöglichen, eine funktionierten Gesetzgebung ermöglichen usw.. Er soll sich aber nicht als besserer Wirtschafter oder Krisenmanager aufspielen. Weil er das einfach nicht kann! Und was mit planwirtschaftlich gesteuerten Märkten passiert hatten wir ja schon gesehen.

    Das sich Deutschland vielleicht über die letzten Jahrzehnte etwas zu sehr auf seinen Loorberen ausgeruht hat und in einer gewissen selbstherrlichkeit auf Märkte wie China geblickt hat, ist dann einfach eine Tatsache. Wer dann zudem noch die gute alte Zeit der Mark herbeiträumt, dem kann man einfach nicht helfen.

    Also ist doch ein großer Wandel / Wertetransfer hin zu einem unveränderbaren Wertesystem mit entsprechenden kleineren und größeren Erdbeben nur gut, oder nicht? Zudem hat jeder heute mehr den je die Möglichkeit diesen Umstand zu erkennen und zu nutzen.

    Man leben wir in einer spannenden Zeit

  4. Wie viele Batterien kann Tesla zum halben Preis anbieten oder wie viel Strom verschenken? Schwer vorstellbar das ein Unternehmen so handelt nur weil es + gemacht hat mit Bitcoin. Ist ja nicht so das eine Firma Rücklagen bildet, um diese dann später an Kunden zu verschenken.

    Dennoch, hier hat eine Firma den Werterhalt von Bitcoin verstanden. Wenn das so weiter geht, wird immer offensichtlicher das die Zukunft von Bitcoin rosig aussieht.

  5. Hallo Herr Bergmann,

    dieser hervorragende Beitrag wird intensiv in diesem Artikel auf Focus Online zitiert: https://m.focus.de/finanzen/boerse/kryptowaehrungen/aktienkurs-hat-sich-mehr-als-verfuenffacht-bitcoin-gruppe-der-westfaelische-bitcoin-steigt-rasant_id_12974480.html

    Wenngleich ich deren Beschreibungen Ihres Artikels nicht teile…

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