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Nun auch Venmo: Weiterer US-Zahlungsdienstleister erlaubt Kauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen

Venmo, die Tochter von PayPal, ist in den USA vor allem für die beliebte Zahlungs-App bekannt. Wie das Mutterunternehmen erlaubt Venmo es nun seinen Usern, Bitcoin und andere Kryptowährungen zu kaufen und zu verkaufen. Wie bei PayPal hat die Integration auch ihre Schattenseiten – demonstriert aber einmal mehr, warum deutsche Zahlungsanbieter nicht mit der Konkurrenz aus den Staaten mithalten können.

Crypto on Venmo“ titelt der Zahlungsanbieter auf seinem Blog. Seit gestern können die amerikanischen User der Zahlungsapp in dieser Bitcoin, Ether, Bitcoin Cash und Litecoin ab einem Betrag von einem Dollar kaufen, speichern und verkaufen. Dazu erhalten die User Artikel und Videos über Kryptowährungen, um auf dem Laufenden zu bleiben, und können ihren Kauf über den Appfeed ihren Freunden mitteilen.

Da Venmo eine Tochter von PayPal ist, kommt die Ankündigung nicht allzu überraschend. Schließlich erlaubt PayPal es seinen US-Kunden schon seit einigen Monaten, genau dieselben Kryptowährungen zu kaufen. Dass der Service auch an die Tochter durchsickert, war eigentlich zu erwarten. Ebenso wenig überraschend ist, dass Venmo die Krypto-Integration ebenso restriktiv handhabt wie PayPal: Weder kann man Kryptowährungen von anderen Wallets einzahlen, noch kann man sie an diese oder an andere Venmo-User auszahlen.

Man kann also kaufen, halten und verkaufen, und im Prinzip hantiert man dabei nicht mit Bitcoin oder Ethereum, sondern mit Schuldscheinen gegenüber Venmo oder PayPal. Effektiv liegen die Coins nicht auf einer Blockchain – da man keinen Zugang zu dieser hat – sondern auf einer extrem zentralisierten Sidechain. Im Vergleich zur PayPal-Sidechain ist die Venmo-Sidechain noch etwas abgespeckter, da die Kryptowährungen bei PayPal auch in das Bezahlen im Internet eingebunden werden. Bei Venmo beschränkt sich das Angebot klar auf das Investment.

Dennoch bringt Venmo Kryptowährungen zu seinen 60 Millionen Kunden, für die an sich nicht mehr dagegenspricht, in der Venmo-App Kryptos zu halten als Dollar.

Vor allem aber illustriert die Nachricht einen immer deutlicheren Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen – insbesondere deutschen – Zahlungsanbietern. Während in den USA mit Square, PayPal, Venmo, Mastercard und Visa so gut wie alle großen Zahlungsanbieter mittlerweile etwas „mit Krypto“ im Angebot haben – seien es echte Kryptowährungen oder Stablecoins – gibt es von den wenigen deutschen Zahlungsanbietern noch nicht einmal einen Kommentar dazu.

So sind sowohl paydirekt als auch giropay angetreten, um eine Konkurrenz zu PayPal Made in Germany zu schaffen. Beide Anbieter sind durch Zusammenschlüsse von Banken entstanden – paydirekt eher von Sparkassen, giropay eher von Volksbanken – und wollen das Bankkonto fits fürs Online-Banking machen. Soweit ich es sehe, hat PayPal die Initiativen auflaufen lassen, indem es anbietet, Geld rückwirkend vom Bankkonto abzuziehen. Aber ich weiß nicht viel darüber.

Was ich weiß ist, dass ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass einer der beiden Zahlungsanbieter – oder ein anderer deutscher Finanzdienstleister – zu diesem Zeitpunkt seinen Kunden anbietet, Kryptowährungen zu kaufen oder zu benutzen. Vermutlich dürfte dies daran scheitern, dass man keine Einigkeit unter den vielen Kooperationspartnern findet, und wenn doch, droht es an aufsichtsrechtlichen Problemen zu zerschellen. Es ist einfach nicht wirklich vorstellbar.

Zu sagen, Deutschland oder Europa drohe, den Anschluss zu verlieren, wäre freilich falsch. Denn der Anschluss gegenüber den USA und China ist bereits verloren, und es gibt wenig Aussichten, dass der Rückstand noch einzuholen sein wird. Leider.

Über Christoph Bergmann (2073 Artikel)
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3 Kommentare zu Nun auch Venmo: Weiterer US-Zahlungsdienstleister erlaubt Kauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen

  1. Wilma Kaltenberg // 24. April 2021 um 10:00 // Antworten

    Wen wundert das? Deutschland hat fertig. Phantasielos, verkrustet und oberflächlich rennt man dem Klimahysterietrend hinterher:

    Grüner Kapitalismus per Steinzeittechnik, zelebriert auf Instagram und Co. ist gut, PoW ist böse. So steht man automatisch immer auf der guten Seiten.

    Dabei hecheln die Obermoralist*Innen mit dem neuste Smartphone in der Hosentasche durch die Welt, gebaut in Asien, geflissentlich dabei ignorierend, dass das gesamte kapitalistische Wirtschaftssystem auf PoW basiert. Woran orientiert sich wohl der Wert einer staatlichen Währung?

    Wirecard ist dabei nur symptomatisch. Dieses Unternehmen war angeblich innovativ und vertrauenswürdig, dezentrale OpenSource Software hingegen ist nur für Kriminelle*Innen. Man müßte lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

    Und Annalena wird den Abstieg nur beschleunigen. Die letzte macht das Licht aus.

    • Hans Frosch // 25. April 2021 um 6:56 // Antworten

      Hört doch bitte auf mit diesen bescheuerten Geschlechtersternchen. Da bekomme ich Augenkrebs.

  2. #Hans Frosch, es handelt sich offensichtlich um ein stilistisches Mittel um die Ironie zu unterstreichen…

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