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Wenn der Kurs den Bärenmarkt bestätigt

Die Straße gehört den Bären. Grizzly auf Wanderschaft. Bild von Yellowstone National Park via flickr.com, Lizenz: Öffentliche Domäne

Der Kursverlauf scheint zu bestätigen, was alle fürchten: Wir sind im Bärenmarkt angekommen. Wird sich das nun für die nächsten zwei, drei, vier Jahre so hinziehen, dass die Preise fallen oder fallen? Und hat es auch eine gute Seite, die nicht nur Zwangsoptimisten verstehen? Wir denken, ja.

Für Investoren in Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen begann die Woche ziemlich übel. Schon die vergangene Woche hatte den Kurs auf 35.000 Dollar heruntergebeutelt, also etwas unter 30.000 Euro. Gestern knüppelte der Markt weiter und drückte Bitcoin auf 31.400 Dollar, den tiefsten Punkt seit der Spitze von gut 63.000 Dollar im April.

1-Jahres-Chart bei Bitcoin.de

Das alles sieht jetzt ziemlich eindeutig aus. Rauf geht’s zäh, runter entschieden; die Hochs werden tiefer, und die Tiefs werden tiefer. Klarere Signale für einen Bärenmarkt wird man kaum mehr kriegen. Furcht und Pessimismus regieren, Optimismus gibt’s, wenn überhaupt, nur mit Verzweiflung.

… und in Dollar in der 3-Monats-Sicht bei Coinmarketcap.com

Wer mit Überzeugung hodled, sollte das weiter tun, solange er es sich leisten kann. Aber jeder, der es sich nicht leisten kann, sollte zumindest darüber nachdenken, wie es kurz- oder mittelfristig weiter gehen kann. Vielleicht ist ein Verkauf jetzt schmerzhaft, aber in einigen Wochen oder Monaten noch schmerzhafter?

Die große und positive Verschiebung

Auf den Kryptomärkten findet derzeit eine massive Verschiebung statt, die man nicht leichtfertig abtun sollte. Das Ende des Minings in Sichuan markiert das Ende von Krypto in China. Der vielleicht mächtigste, definitiv aber in seiner harmonischen Tyrannei kompetenteste Staat der Welt beschlossen hat, Bitcoin auf seinem Territorium auszurotten.

Keine Bören, keine ICOs, kein P2P-, kein OTC-Handel, keine Banken, keine Akzeptanz, kein Mining. Nichts. Ein riesiger, investitionsfreudiger und in Spekulation verliebter Markt, der Bitcoin seit 2013 antreibt, scheidet aus.

Es wird sicherlich weiter Schlupflöcher geben. In der chinesischen Diaspora weltweit sind Kryptowährungen bereits weithin verbreitet, und das wird auch aufs Festland schwappen. Aber es wird nicht mehr sein, wie es war. Und das drückt den Markt. So unschön es ist – die Altcoins, Shitcoins, Kloncoins, ICO, zwielichten Token und nackten Ponzispiele, nach denen China so hungrig ist – all das schuf auch eine Nachfrage nach Bitcoin.

Was wird, was kann sie füllen? Lateinamerikanische Staaten, die Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen? Nordamerikanische Unternehmen, die Bitcoins in ihre Bilanzen aufnehmen? Aus Afrika stammende Gastarbeiter, die Geld zu ihren Familien nach Hause schicken? All das ist natürlich besser, wertvoller und unbedenklicher als chinesische Ponzis. So wie texanische Windkraft und paraguayanische Hydroenergie besser sind als chinesische Kohlekraft.

An sich sieht alles gut aus. Bitcoin treibt sinnvollere Anwendungen. Lightning wird langsam, und die fürs Mining verbrannte Energie wird immer erneuerbarer. Aber man sollte sich keine Illusionen machen. China hinterlässt eine große Lücke. Die chinesische Mittel- und Oberschicht ist breit, aufstrebend, hungrig, spekulationswütig und finanzstark genug, um sowohl zu investieren als auch zu halten. Gibt es ein vergleichbares Publikum in Lateinamerika?

Auf dem breiteren Markt darf – oder muss! – noch ziemlich viel absterben. Es gibt weiterhin 64 Einhörner – Kryptowährungen oder Token mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar. Diesen Status verdienten bestenfalls zehn davon, wenn man nach einer echten ökonomischen Grundlage fragen würde. Solange nicht noch Dutzende Einhörner gestorben sind, wird eine Rückkehr in den Bullenmarkt auf tönernen Füßen stehen.

Immer noch viel zu viele Einhörner auf coinmarketcap.com

Aber Ethereum wird bleiben. Mit DeFi und NFTs hat die zweitgrößte Kryptowährung bewiesen, wie mächtig Smart Contracts sind. Dezentrale Organisationen, sogenannte DAOs, haben sich bewährt, und es hat sich ein vitales, breites Ökosystem gebildet. Das wird erhalten bleiben, und da wird noch sehr viel mehr kommen.

Die Schönheit der Bären – und viele Fragen

Im Bullenmarkt wird gefeiert. Im Bärenmarkt gearbeitet. Der Bullenmarkt schleppt Ballast mit, der Bärenmarkt trennt die Spreu vom Weizen. Er bringt die schöpferische Zerstörung, die ein Markt braucht, um sich selbst zu reinigen.

Wer daher wirklich an Bitcoin interessiert ist, anstatt bloß am Wert seines Portfolios, wird dem Bärenmarkt mit Wonne entgegensehen. Bitcoin und Ethereum stehen sehr viel besser da als Anfang 2018. Die Technik ist gereift, die Akzeptanz breiter, und immer mehr Anwendungen haben in der Wirklichkeit bewiesen, dass sie nützlich sind.

Wie in jedem Bärenmarkt wird das Kapital, das der Bullenmarkt eingespült hat, nun beginnen, zu arbeiten. Es wird mehrere Mühlen geben, die in den kommenden Jahren mahlen werden; Herausforderungen, die die Krypto-Szene erwarten, Bedrohungen, die ihr gefährlich werden können. Ein paar Beispiele:

  • Werden Kryptowährungen weiter im Portfolio von Unternehmen und traditionellen Investoren ankommen? Wird der zarte Trend, dass Banken ihren Kunden auch Bitcoins anbieten fortbestehen und gedeihen?
  • Werden Chinesen weiterhin willens und in der Lage sein, irgendwie in Krypto zu investieren?
  • Wird DeFi auch in einem Bärenmarkt attraktive Renditen erlauben? Durch tokenisierte Bitcoins wie WBTC ist dies längst auch eine für den Bitcoin-Preis wichtige Frage.
  • Wird Bitcoin die Rolle, die er im globalen Remittance zu spielen beginnt, weiter ausbauen? Oder wird der schwindende Wert die Kryptowährung gerade für die Ärmsten des Planeten unattraktiv machen?
  • Werden weitere lateinamerikanische und andere Länder Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel anerkennen? Und werden sie sich vor dem Schaden schützen können, den dies bei für eine lange Zeit fallenden Kursen anrichten kann?
  • Was wird in Russland und Indien passieren? In diesen beiden Ländern steht immer wieder ein Verbot im Raum, das aber immer wieder irgendwie abgewendet wurde. Bisher.
  • Welche Rolle wird die Regulierung durch die FATF-Vorgaben einnehmen? Werden die Travel-Rule und andere Gemeinheiten Kryptowährungen einen großen Schaden anrichten?
  • Wird die Ransomware weiter um sich greifen – und wird dies weitere Verbotsforderungen auslösen?
  • Wird Lightning weiter benutzerfreundlicher werden? Und wird dies Bitcoin wieder als Zahlungsmittel interessant machen?
  • Welche Folge zeitigt eine Umverteilung von den schwachen zu den starken Händen? Wird sich die Reichtumsverteilung im Bitcoin-Universum weiter zentralisieren?
  • Wird der Trend dazu, mit erneuerbaren Energien zu minen, Bestand haben? Und wird das ausreichen, um Kritiker zu besänftigen?
  • Werden die Tether-Dollar die Parität zum Dollar halten können? Und welche Folgen hätte ein Crash der Dollar-Token?

All diese und weitere Fragen werden im Laufe des kommenden Bärenmarktes zu beobachten sein. Die Antworten auf sie werden darüber entscheiden, ob Bitcoin die Chancen, die in jedem Bärenmarkt liegen, beim Schopf ergreift – und ob Krypto den Weg hinaus, in den Bullenmarkt, findet.

Über Christoph Bergmann (2111 Artikel)
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20 Kommentare zu Wenn der Kurs den Bärenmarkt bestätigt

  1. Nicht nur Elon Musk kann die Kurse beeinflussen, nach dem Bog von Christoph Bergmann ist der Kurs rapide gefallen… Das nenne ich Einfluss! 🙂

    Ich hatte auch kurz nachgedacht ein Großteil zu verkaufen…. Aber ich werde eher nachkaufen.

  2. Warum muss ich auf einmal so viele Scripte zulassen, um einen Kommentar zu schreiben?

    • Paul Janowitz // 22. Juni 2021 um 15:26 // Antworten

      Scheinbar hat wordpress.com das Kommentarsystem überarbeitet und man kann jetzt sogar Kommentare liken <3
      Zum Glück nicht downvoten, sonst wäre ich wahrscheinlich an vordester Front 😀

    • Frank Müller // 23. Juni 2021 um 0:26 // Antworten

      Und WordPress hat scheinbar meinen letzten Kommentare gefressen…

      • Der Spam-Filter ist grade etwas aggressiv. Habe ein paar Kommentare rausgefischt, von dir war leider keiner zu finden.

      • Frank Müller // 24. Juni 2021 um 0:04 //

        @Christoph: Passt schon. Schlechte Erfahrungen haben mich etwas paranoid gemacht und so hab ich mal ein anderes Pseudonym benutzt. Wie sich raustellt, völlig unnötig. Aber Danke für das rausfischen. Und für das große Vertrauen in die Pseudonymität Deiner Leser.

        Wie man an der Atmosphäre in Deinem Blog gut sehen kann, funktioniert das sehr gut, und wird kaum – oder besser gar nicht – misbraucht. Jedenfalls ist mir bisher nichts wesentliches aufgefallen.

  3. Freudscher Versprecher: sollte natürlich Blog sein…

  4. Das denke ich nicht Paul, denn deine Kommentare sind wirklich eine Bereicherung das Blogs!

  5. Ich bin weniger pessimistisch, denn der Markt ist deutlich reifer als noch vor ein paar Jahren.

    Danke, Christoph Bergmann, für das update der reddit links. Es ist so schön leise 😉

  6. Zum Liken muss man sich leider zwingend anmelden. Insofern brauchst Du Dir nicht ganz so viele Sorgen zu machen. 😉

  7. Frank Müller // 23. Juni 2021 um 0:46 // Antworten

    Hm, bislang konnte man hier kommentieren ohne Javascript zu zulassen. Das ist mit dem neuen WordPress nicht mehr möglich.

    • Ja, WordPress überrascht uns gerne mit Änderungen. Gestern haben wir es endlich geschafft, eine der lästigsten Änderungen aller Zeiten, den Gutenberg-Editor, auszuschalten. Aber das Backend hat uns das noch nicht verziehen, und bei den Kommentaren hat sich dabei wohl auch etwas geändert …

  8. 1. Ich spüre in den sozialen Netzwerken auch keinerlei Begeisterung aktuell.
    2. Das Preisniveau könnte stark manipuliert sein. Da sind mal vor ein paar Wochen solche Chats geleakt. Kann natürlich Fake sein, aber groß angelegte Manipulation gibt es ja wirklich.
    3. Ich denke, dass Unmengen Kapital langfristig rein wollen. Die Frage ist nur, wann sie es dann tun. Wir sehen ja seit neuestem Großkäufe von Unternehmen in nennenswerter Zahl.

  9. „die Hochs werden tiefer, und die Tiefs werden tiefer“

    Nur im geglätteten Linienchart könnte man ein bisschen diesen Eindruck gewinnen. Tatsächlich haben wir aber einen Kursverlauf in einer Seitwärts-Range – „klare Signale“ für einen Bärenmarkt sehe ich jedenfalls nicht. Denn wenn dies das Ende einer erneuten Spekulationsblase gewesen sein soll, dann sieht der Kursverlauf jedenfalls sehr untypisch aus:
    – keine Beschleunigung des Kursverlaufs kurz vor dem ATH, sondern im Gegenteil eine Verlangsamung,
    – keine Zwischenerholung nach dem ersten Kurssturz, sondern Seitwärtsrange,
    – starke Indizien für Kursmanipulation, zumindest um den 19. Mai herum.

    Zudem wäre der vom BTC-Halving getriebene Kurszyklus dieses Mal sehr kurz ausgefallen, wenn man es mit den Zyklen 2012/13 und 2016/17 vergleicht. Gerade weil es so erstaunlich war, dass auch das Halving 2020 wieder rund ein halbes Jahr später einen rapiden Kursanstieg auslöste, hätte ich erwartet, dass auch der weitere Kursverlauf den Blaupausen der vorherigen Halving-Zyklen folgt. Denn eigentlich tritt ein Kursverlauf, den fast alle am Markt erwarten, nie ein (Markteffizienz-Hypothese). Aber faktisch hat sich der Zyklus 2020 bislang – bestenfalls mit ein klein bisschen Front-Running – eben doch wiederholt. Nur der zweite Teil des Kursanstiegs, gipfelnd in einer offensichtlichen Spekulationsblase, steht noch aus.

    Bei dem gestrigen Kurssturz unter die 29.000 USD tippe ich daher mal ganz frech auf „Bärenfalle“ und glaube, dass wir dieses Jahr noch ein deutlich höheres ATH sehen werden. 🙂

    • Mal schaun, das gute am Pessimismus ist ja, dass man entweder positiv überrascht wird oder sich damit trösten kann, recht zu haben 🙂

      Welche Anzeichen für Manipulation der Preise gab es im Mai? Das ist an mir etwas vorbeigerauscht.

      Der Zyklus, der bisher üblich war, hat sich nicht wiederholt, das stimmt. Aber er hat sich seit 2011 auch immer etwas abgeschwächt, und diese Rally wurde weniger von Retail-Investoren, sondern von Portfolio-Manager getrieben, die vielleicht vorsichtiger und weniger überschwänglich agieren, weshalb es nicht zu der typischen Übertreibung kam. Könnte man zumindest vermuten.

      • Thomas // 23. Juni 2021 um 10:35 //

        „Welche Anzeichen für Manipulation der Preise gab es im Mai? Das ist an mir etwas vorbeigerauscht.“

        Darüber hatte ich, leider etwas sehr spät, in Deinem Artikel vom 20. Mai zwei Kommentare geschrieben. Hat wahrscheinlich niemand mehr gelesen … Daher hier einfach nochmals:

        ————————————————–

        Es wurde in diversen Medien über einen anonymen „Insider“ aus China berichtet, der den Flash-Crash vom Mittwoch [19.5.] als geplante Marktmanipulation geleakt habe, aber praktisch alle Medien tun dies als Zufall ab. Leider wird dabei ein Follow-Up zu diesem Thread übersehen, in dem der anonyme „Insider“ eine korrigierte Uhrzeit sowie nochmals das exakte Kursziel angibt. Ich zitiere:

        „[…] the schedule has changed due to noncompliance (greed) from another party. The operation has been pushed back to 1pm UTC. Expect 30k. That’s a guarantee.“

        1pm UTC, also 13 Uhr nach Weltzeit, war 15 Uhr unserer Zeit (MESZ). Ich habe den Kursverlauf nachgesehen: Der Kurssturz ging von 37.000 USD aus um 12:47 UTC los, die zweite Welle startete ab exakt 13:00 UTC und der tiefste Kurs war um 13:10 UTC bei knapp unter 30.000 USD erreicht.

        Das war also nicht nur eine Vorhersage auf das exakte Kursminimum, sondern auch im Timing nahezu minutengenau!

        Es mag auf dem berüchtigten 4chan-Forum viel Unsinn gepostet werden, aber eine solch präzise Vorhersage kann man nicht mit Zufall erklären. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, was man davon halten kann:
        1. Es handelt sich bei den Posts um eine nachträglich erstellte Fälschung. Hierfür müsste es eine Möglichkeit geben, den Zeitstempel bei 4channel zu manipulieren.
        2. Es stimmt. Der „Insider“ war Teil des Manövers und hat die Infos vorab geleakt.

        Hier die Dokumentation der wichtigsten Passagen aus den Posts des „Insiders“:

        18.5.2021, 21:06 UTC:
        „[…] there will be another announcement from China soon. […] Can’t tell you guys what firm I work for, but it’s MASSIVE and it’s working with the PRC. The purpose of today’s press release alongside all the FUD posting is to get BTC as low as it can get before 7am UCT. First, there will be a coordinated sell-off to drop the prices below a certain threshold and liquidate one certain stakeholder (can’t outright say who he is but he bought a lot at the dip that he was partly responsible for). Once liquidated, the plan is then to buy up all the reserves and essentially leave him bankrupted. If you guys want to get rich, grab some coffee and watch for the big dip. Once it happens, things are going to get green really fast (we project 70k).“

        21:25 UTC:
        „It all depends on how many other firms are liquidated in the process. This is going to be big and fast. 35k limit order if you want to be safe, but you can probably go as low as 31.25k.“

        19.5.2021, 7:58 UTC:
        „[…] the schedule has changed due to noncompliance (greed) from another party. The operation has been pushed back to 1pm UTC. Expect 30k. That’s a guarantee.“

        ———————————————

        Ein paar Nachträge zum zitierten „Insider“-Leak:

        – In den sozialen Medien werden weitere Postings auf 4chan aus der Zeit nach dem Flash-Crash verlinkt, aber dabei handelt es sich offensichtlich um Trittbrettfahrer-Spaßvögel. Jedenfalls ist keine der weiteren dort geposteten Vorhersagen eingetroffen.

        – Im Zusammenhang damit kam die Angst auf, dass die Marktmanipulation fehlgeschlagen sei, dass es also nicht gelungen sei, die Bestände der Zielperson zu liquidieren. (Hier wird über Justin Sun als mögliche Zielperson gemutmaßt, dem es wohl gelang, sein öffentlich bekanntes DeFi-Collateral im Gegenwert von rund 1 Milliarde USD wenige Minuten vor der ansonsten eintretenden Zwangsliquidierung durch Teil-Glattstellungen zu retten.) Sollte die Aktion der Chinesen tatsächlich gescheitert sein, würde natürlich ein zweiter Versuch drohen, sprich ein erneuter Flash-Crash. Aber all die Infos zu diesen Befürchtungen stammen aus Postings der genannten Trittbrettfahrer, die wie gesagt meiner Meinung nach unglaubwürdig sind.

        – Bleibt die Frage, welchen Reim man sich auf die folgende Ankündigung im ursprünglichen Post des Insiders machen soll: „Once it happens, things are going to get green really fast (we project 70k).“ Für so größenwahnsinnig möchte man selbst ein chinesisches Konsortium kaum halten, dass sie ernsthaft in der Lage wären, den BTC-Kurs in kurzer Zeit nun auf 70.000 USD hochzutreiben.
        Eine denkbare Interpretation: Natürlich sind sie nicht in der Lage, den Kurs auf 70k zu pushen, aber der ganze Leak war Teil der Strategie. Nachdem er sich bewahrheitet hat, sollen die Marktteilnehmer nun auch glauben, dass das Konsortium tatsächlich den Kurs zügig auf 70k zu bringen vermag. Das ergäbe dann eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, wenn nun jeder kräftig nachkauft in Erwartung eines stark steigenden Kurses.

  10. Hallo Christoph,

    vielen Dank für Deinen wie immer gut geschriebenen Artikel!

    Ich bin im Hinblick auf Deine Prognose „mehrjähriger Bärenmarkt“ jedoch noch skeptisch. Wer sagt denn, dass Bärenmärkte beim Bitcoin immer mehrere Jahre dauern müssen? Ein längerer Bärenmarkt war in der Vergangenheit immer eine logische Reaktion auf einen krassen Anstieg, z.B. von ATH 1000$ Ende 2013 auf ATH 20.000$ Ende 2017. Wie schon diskutiert war der aktuelle Zyklus kürzer und hat gegenüber dem vorigen ATH „nur“ einen Faktor von 3 gebracht. Wenn sich die bisherige Gesetzmäßigkeit fortsetzt, dass der Kurs nie das ATH zu Beginn des vorigen Zyklus unterschreitet, dann haben wir gar nicht mehr viel Luft nach unten. Jedenfalls nicht genug um mehrere Jahre Bärenmarkt zu begründen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass wir recht bald am Boden sind und es dann wieder bergauf geht. Kann sein, dass es noch länger dauert, bis wir neue ATHs sehen, aber der Bärenmarkt kann sehr schnell vorbei sein!

    -drjazz

  11. Paul Janowitz // 23. Juni 2021 um 14:20 // Antworten

    Der Kurs ist seit dem Erscheinen des Artikels bereits über 10% im Plus, aber daraus einen Trend zu deuten traue ich mir nicht zu, denn der Markt ist zu illiquide und bereits ein Tweet von Elon reicht, um den Kurs jeweils deutlich umzukehren.

    Bekannte Muster müssen sich nicht wiederholen, insbesondere die aktuell praktisch weltweite Inflation könnte die Nachfrage steigern, aber muss nicht zwingend. Es fehlen mir leider die Fundamentals wie Adoption oder technische Optimierungen, ein paar Ankündigungen kleiner Länder sind am Ende leider nicht wirklich viel „wert“.

    • Na, ja, abseits der derzeitigen Negativmeldungen (Musk, China) gibt es mittelfristig doch sehr positive Fundamentals, weitaus positivere jedenfalls, als noch vor einem Jahr abzusehen war:

      – PayPal hat seine Krypto-Integration bislang nur auf dem US-amerikanischen Markt realisiert, soweit ich weiß. Dies soll allerdings weltweit kommen, und damit hätten viele, viele Millionen PayPal-Nutzer weltweit erstmals einen einfachen Zugang zu Kryptowährungen. Schon letzten Herbst hatte PayPal ja allein mit seinen US-amerikanischen Kunden für einen enormen BTC-Nachfrageschub gesorgt.

      – El Salvador ist ja auch das Pilotprojekt der Lightning-App „Strike“ von Zap: sollte die über den Beta-Status hinauskommen und tatsächlich wie angekündigt nach und nach weltweit verfügbar werden, bekommen wir bald doch noch eine schnelle, günstige und einfach zu bedienende Möglichkeit: sowohl für die Nutzung von BTC als Zahlungsmittel als auch für den schnellen und günstigen Umtausch in die jeweilige Fiat-Währung. Man denke auch daran, welche Geldsummen von Gastarbeitern weltweit immer noch zu horrenden Kosten über Western Union abgewickelt werden. Dieser riesige Markt könnte auf Sicht von Strike und vergleichbaren Applikationen aufgerollt werden.

      – Das viele billige Geld, das als geldpolitische Antwort auf Corona gedruckt wurde, wird auch in naher Zukunft die Fiat-Währungen weiter inflationieren: in Bezug auf Anlagegüter, in Bezug auf Konsumgüter (also was wir klassischerweise unter Inflation verstehen) oder beides – in jedem Fall wirkt es direkt oder indirekt preistreibend auf Anlagegüter wie BTC.

      • Paul Janowitz // 23. Juni 2021 um 16:52 //

        Zu PayPals „Krypto“ Integration habe ich eine ziemlich negative Meinung, denn es ist keine Integration sondern eher Simulation. Damit steigen sie auf einen Trend auf, der von Revolut & Co. gestartet wurde, ich würde diesen aber nicht unbedingt positiv bewerten, denn es ist kein Krypto im Spiel und wird wahrscheinlich per Fractional Reserve gefahren wie Fiat…
        Zu El Salvadors Vorstoß würde ich mir gerne selbst ein Bild machen, dieses Jahr klappt es leider nicht, da mein Pass in wenigen Monaten abläuft und für El Salvador nicht mehr einreisefähig ist, die Berliner Behörden sind auch leider so effizient, dass es aktuell KEINE Termine gibt, egal in welchem Bezirk. Erstmal halte ich den Feldversuch für spannend! Aber eben noch nicht für bahnbrechend, da es kaum Berichte gibt wie das tatsächlich aussieht.
        Klar, die Geldschwemme ist enorm, insbesondere beim US-Dollar. Immobilien, Aktien und auch Bitcoin stehen auf Kursen, die eigentlich undenkbar waren. Aber was passiert bei einem tatsächlichen Crash?

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