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Die Schlinge zieht sich zu: EU-Kommission will anonyme Wallets verbieten

Was kann schon schiefgehen? Mit der richtigen Regulierung kann die Bitcoin-Branche in er EU abheben.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Europäische Union (EU) versucht, anonyme Krypto-Transaktionen zu unterbinden. Ein von der EU-Kommission gestern präsentierter Gesetzentwurf bringt hierfür drastische Maßnahmen ins Spiel: Nicht nur sollen Krypto-Treuhänder bei jeder Transaktion umfangreiche Daten erheben – es soll auch verboten werden, anonyme Wallets anzubieten.

Die Europäische Union schließt sich dem Kreuzzug gegen Privatsphäre und Autonomie bei Kryptowährungen an, den die Financial Action Task Force (FATF) und das deutsche Finanzministerium bereits angestoßen haben. Gestern schlug die Europäische Kommission ein Gesetz vor, welche die sogenannte „Travel-Rule“ europaweit einführen und Lücken in der Überwachung schließen soll.

Der Gesetzesentwurf, erklärt die Kommission, „wird die vollständige Nachverfolgbarkeit von Krypto-Asset-Transfers, wie bei Bitcoin, gewährleisten. Durch ihn wird ihre mögliche Nutzung für Geldwäsche und Terrorfinanzierung aufspürbar und verhinderbar.“ Indem das Gesetz die Travel-Rule verbindlich macht, lädt es Unternehmen, die Kryptowährungen und -assets für ihre Kunden treuhänderisch verwahren, weitere Pflichten auf: Sie müssen Name, Postanschrift und Geburtsdatum des Sender sowie den Namen des Empfängers dokumentieren und dem Unternehmen schicken, welche die Transaktion im Auftrag des Empfängers entgegennimmt. Dieses muss prüfen, ob die übermittelten Informationen korrekt und vollständig sind.

So umgesetzt verlangt die Travel-Rule den Krypto-Unternehmen eine Nachrichteninfrastruktur ab, die derzeit nicht gegeben ist. Vermutlich wird es aber in Zukunft eine solche Infrastruktur geben, welche zentralisiert reichaltige Informationen zu Kryptowährungen sammelt. So entwickelt etwa eine Initiative Schweizer Krypto-Unternehmen das OpenVASP-Netzwerk, welches Unternehmen helfen soll, die Travel-Regel umzusetzen.

Schon jetzt können User, die ihre Kryptowährungen auf Börsen speichern, nicht auf Anonymität hoffen – allerdings darauf, dass das Netz der finanziellen Massenüberwachung bei Krypto etwas löchriger ist als im Bankwesen. Wenn sich dieses Netz nun weiter zusammenzieht, bleibt als einzige halbwegs private Alternative die Nutzung eigener Wallets. Wo kein Mittelsmann, da ist niemand, der Informationen erheben, speichern und teilen kann.

Diese Lücke in der Kontrolle beunruhigt die FATF bereits seit einiger Zeit enorm, weshalb das Organ die Regierungen auffordert, gegen solche „P2P-Transaktionen“ vorzugehen. Mit ihrem Gesetzesvorschlag überbietet die EU-Kommission jedoch die Vorschläge der FATF noch: Künftig soll es verboten sein, „anonyme Krypto-Asset-Wallets“ anzubieten. Schließlich sind in der EU ja auch anonyme Bankkonten verboten. „Wir sollten im Finanzsystem keine verschiedenen Regeln haben. Sie sollten auch für digitale Währungen gelten“, sagte Finanzmarktkommissarin Mairead McGuiness.

Zur Umsetzung des Gesetzes soll ein neues Organ auf EU-Ebene geschaffen werden, welches aus 250 Mitgliedern besteht und als riskant eingestufte Transaktionen überwachen soll. Ferner plant die Kommission, EU-weit „Cash-Transaktionen“ über 10.000 Euro zu verbieten.

Konkrete Folgen für freie Wallets

Die Travel-Rule stellt den umstrittensten und realitätsfremdesten Bestandteil der Empfehlungen der FATF zur Regulierung von Kryptowährungen dar. Diese Regel ist bereits im Bankwesen in Kraft, weshalb es Regulierer und Regierungen nur fair finden, dass sie auch bei Krypto gilt. Aufgrund der technisch vollkommen anderen Basis greift die Travel-Rule hier jedoch zwei fundamentale Kernwerte an.

Erstens die verbesserte Privatsphäre durch pseudonyme Accounts – also Adressen. Erst diese macht es überhaupt erträglich, dass alle Transaktionen transparent in der öffentlichen Blockchain liegen. Wenn sie fällt, wird Bitcoin ein prinzipiell vollständig überwachtes Geldsystem sein. Zweitens die Möglichkeit, autonom Coins zu empfangen, zu speichern und zu versenden, indem User über eine eigene Wallets unmittelbar mit der Blockchain kommunizieren.

Anders gesagt: Krypto ist nur dort Krypto, wo User ihre Schlüssel selbst verwahren. Und genau dies soll durch das Gesetz der EU-Kommission erschwert oder gar ganz verboten werden. Der konkrete Vorschlag ist derzeit noch nicht online verfügbar, weshalb seine Interpretation nur auf den wenigen Angaben beruht, welche die Artikel bei Reuters und Bloomberg hergeben. [Update: Der Vorschlag ist doch schon online, und zwar hier.]

Eindeutig wird langsam, wie Krypto-Unternehmen die Travel-Rule umsetzen müssen. Dies wird schmerzhaft und teuer, im Detail auch kompliziert, aber schon irgendwie machbar. Schwieriger ist es, die Konsequenzen für Wallets und deren Nutzer zu erahnen – also das, was am wichtigsten ist.

Laut der Formulierung im Reuters-Artikel soll nicht das Benutzen eigener Krypto-Wallets selbst verboten werden, sondern lediglich das Anbieten „anonymer Krypto-Wallets“. Da die Blockchain vollkommen transparent ist, sollte dies technisch gesehen nur auf Wallets zutreffen, die wie Wasabi helfen, Coins zu mixen, oder die auch anonyme Kryptowährungen wie Monero, Zcash und so weiter unterstützen.

Möglicherweise meint die Kommission aber mit anonymen Wallets jede Wallet, bei der es keinen zentralen Server gibt, der bei jeder Transaktion private Daten von Sender und Empfänger mitschreibt. Nicht jeder kennt den Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität, und eventuell beginnt für die EU Anonymität dort, wo der Name fehlt. In diesem Fall wäre es verboten, JEDE Art von unabhängigen Wallets anzubieten, also JEDE Art von Wallet, die dem User erlaubt, seine privaten Schlüssel selbst zu speichern. Dies würde beispielsweise den Vertrieb von Hardware-Wallets, wie sie Ledger aus Frankreich oder Trezor aus Prag anbieten, illegal machen, und diese Firmen zwingen, ihre Wallets entweder nicht mehr in der EU zu verkaufen oder Kunden aus dieser mit vielerlei KYC-Maßnahmen zu belästigen. Damit würde die EU die letzte Krypto-Branche zerstören, in der EU-Firmen weltweit noch führend sind.

Möglicherweise wird es so gesehen auch illegal, Downloads von Wallets an EU-Kunden anzubieten, etwa über die Play- und Appstores von Smartphones, über eigene Internetseiten sowie Plattformen wie Github. Gerade zentrale Vertriebsnetze wie die Appstores und Github dürften gute Hebel darstellen, um die Verbreitung von echten Wallets deutlich zu beschränken. Und möglicherweise droht auch Softwareentwickler, die an solchen Wallets arbeiten, Ärger, da sie durch ihre Arbeit einen Beitrag leisten, dass eine solche „anonyme Wallet“ angeboten wird.

Angesichts dieser Aussichten kann man vor allem über eines froh sein: Dass der Gesetzesentwurf noch von den EU-Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament abgesegnet werden muss und es daher noch gut zwei Jahre dauern kann, bis er in Kraft tritt. Dennoch zeigt er, dass sich die Schlinge um Privatsphäre und Autonomie weiter zuzieht.

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36 Kommentare zu Die Schlinge zieht sich zu: EU-Kommission will anonyme Wallets verbieten

  1. Paul Janowitz // 21. Juli 2021 um 14:07 // Antworten

    Der konkrete Vorschlag ist derzeit noch nicht online verfügbar, weshalb seine Interpretation nur auf den wenigen Angaben beruht, welche die Artikel bei Reuters und Bloomberg hergeben.

    Das ist nicht ganz richtig…
    https://ec.europa.eu/finance/docs/law/210720-proposal-aml-cft_en.pdf
    Der entscheidende Passus dürfte hier sein:

    The anonymity of crypto-assets exposes them to risks of misuse for criminal purposes. Anonymous crypto-asset wallets do not allow the traceability of crypto-asset transfers, whilst also making it difficult to identify linked transactions that may raise suspicion or to apply to adequate level of customer due diligence. In order to ensure effective application of AML/CFT requirements to crypto-assets, it is necessary to prohibit the provision and the custody of anonymous crypto-asset wallets by crypto-asset service providers.

    Ein ausführlicherer Kommentar von mir dazu kommt etwas später 😉

  2. Meine Meinung // 21. Juli 2021 um 14:55 // Antworten

    Es zeigt sich mehr und mehr, dass die Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen in Gefahr gerät.
    Warum soll man 98% der Bevölkerung in Geiselhaft nehmen. nur weil es einen kriminellen Bevölkerungsanteil von vielleicht maximal 2% gibt. Dann sollen sie gleich sagen, wir stellen hinter jeden Bürger einen Polizeibeamten und nennen die EU China 2.

    Im Entwurf steht zwar nur, dass „service providers“ keine anonymen Wallets anbieten dürfen sollen, womit die private Wallet nicht angetatstet wird (geht ja auch rein technisch nicht, sollte man nicht Vollüberwachung des Internets anstreben … (sic!)), aber die Marschrichtung ist klar: Freiheit für Menschen darf es offenbar in der EU nicht geben.

    Die Argumentation, die FATF und EU hier auffahren ist en etwa so, als würde man sagen: 2% der Migrabteb sind kriminell, daher müssen wir alle Migranten dauerhaft komplett überwachen.

    Wie gesagt, es geht um UNSERE Freiheit. Die Beschneidung derselben mit solch hanebüchenen Argumenationen dürfen wir nicht zulassen.

    Letztlich ist BTC damit wohl zu einer Gretchenfrage geworden: Wollen wir es zulassen und müssen es akzeptieren, dass ein minimalster Anteil der Bevölkerung nunmal immer krumme Dinger drehen wird und lassen deshalb die Kirche im Dorf, oder lassen wir es zu, dass mit einer faschistoiden Argumentation alle Nutzer einer bahnbrechenden und für die Menschheit insgesamt förderliche Technologie verunmöglicht wird, nur weil manche Leute (Politiker, Banken und sonstige kleinteilige Interessengruppen bzw, bisherige Profiteure eines teils sehr ungerechten bisherigen Geldsystems) ihre Felle davon schwimmen sehen und auf Kosten der Allgemeinheit Gesetzte vorschlagen, die kein Mensch mit Verstand gutheißen kann?

    Niemand würde einer Vollüberwachung aller Wohnungen zustimmen, nur weil ein sehr geringer Anteil von Menschen in seiner Wohnung Verbrechen plant. Man könnte ja auch hier mit Sicherheit, Terror, Geldwäsche und Co. argumentieren. Warum sollte man so etwas also bei der Geldnutzung gut finden? Es sind und blieben letztlich Stasi-Methoden. Die Verhältnimäßigkeit ist weder bei kompletten Wohnraumüberwachung gegeben, noch bei den Zahlungsströmen. Nur weil einer Unsinn macht, dürfen nicht alle überwacht werden. Wenn, dann nur im konkreten Verdachtfall. Und das ist bei Nutzung einer anonymen Wallet ja nun wirklich nicht gegeben. Das wäre so, als würde man alle Wohnungsnutzer pauschal kriminalisieren, nur weil eben ein kleiner Teil den nächsten Coup oder ein Schwerstverbrechen in einer Mietwohnung abspricht.

    Sippenhaft ist aus gutem Grund verboten. Und deshalb müssen wir für unsere Freiheit kämpfen, auch hier. Die EU-Parlamentarier müssen über den Fortschritt, den Kryptowährungen der Menschheit bringen, aufgeklärt und informiert werden. Nur so kann man den Wahnsinn der Kommission stoppen und sie zur Vernunft zwingen. Indem so ein Unsinn rundheraus im Parlament abgelehnt wird und den Freiheitsräubern Grenzen aufgezeigt werden, statt den unschuldigen Nutzern von dezentralen Geldsystemen.

  3. Man könnte ja eine Unterschriftenaktion versuchen – ich bezweifle jedoch, dass genügend Kryptointeressierte zusammenkommen.

    • Meine Meinung // 21. Juli 2021 um 19:07 // Antworten

      Jeder sollte seinen zuständigen EU-Parlamentarier anschreiben und aufklären. Das würde schon sehr helfen. Gleichzeitig erwarte ich von der Kryptobranche und ihren Verbänden, dass sie hier aufstehen und Druck machen und nicht locker lassen, sich nicht von den naiven Argumentationen der Überwachungsfanatiker blenden lassen und Duckmäusern.

      Es wird sich niemals jedes Verbrechzen ausmerzen lassen, auch mit 100% Überwachung nicht.
      Wieso soll z.B. Bargeldzahlung auf 10.000 Euro beschränkt werden? Nur weil ggfls. auch Kriminelle mit Bargeld bezahlen? Wieso werden dann nicht auch Stühle im Restaurant verboten, da könnten ja auch Kriminelle draufsitzen. Klingt völlig grotesk? Ja, genau wie ein Bargeldverbot, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen oder ein verbot anonymer Wallets oder die Einstufung als „Verdachtsfall“ für Wallets auf dem eigenen Rechner.

      Zum Thema Geldwäsche z.B. muß man immer wieder auf den Text von Bundesrichter Thomas Fischer verweisen:

      https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/geldwaesche-fischer-im-recht/komplettansicht

  4. Paul Janowitz // 21. Juli 2021 um 22:27 // Antworten

    @Christoph
    Immer gerne, /r/Monero in die täglichen Lesezeichen aufnehmen, dort bekommt man Privacy-Zeugs immer als erstes und auch noch relativ kompetent diskutiert, zumindest im Vergleich zu Reddit oder Social Media an sich… Alle relevanten Themen werden ohnehin schnell hochgespült und man braucht nicht mehr als die ersten 5 Headlines durchschauen. Moonbois findet man kaum 😉

    @Meine Meinung
    Gute Meinung, die ich so unterschreiben würde, vor allem:

    Sippenhaft ist aus gutem Grund verboten. Und deshalb müssen wir für unsere Freiheit kämpfen, auch hier.

    Aber im Vergleich zur Vorratsdatenspeicherung geht es hier um viel, viel mehr, vor allem um Staatsfinanzen. Dass der Staat miserabel wirtschaftet, ist kein Geheimnis (BER, Elgphilharmonie, Humboldtforum, Masken, Schnelltests, schier unendlich erweiterbar…) und das alles muss irgendwie finanziert werden. Naheliegend seit Jahrhunderten war, dass der Herrscher von seinen Untertanen Steuern z.B. in Form eines Teils der Ernte einzieht und dann mit der Etablierung eines Geldsystems eben in Form von Steuern. Da das Geldsystem seit Einführung des Giralgelds auf Schulden basiert musste man die Zinslast tragen und hat das größtenteils mit der Geldschöpfung = Inflation gemacht. Hat die letzten ~10 Jahre auch nicht mehr gereicht und man hat die Leitzinsen kurzerhand auf 0 oder sogar ins Minus gesetzt, sodass z.B. Deutsche Staatsanleihen auf 10 Jahre teilweise mit negativem Zins angenommen werden, der Staat verdient also damit, wenn er sich verschuldet… Wenn man eine reale Inflation von 5-7% und gestrichene Zinsen addiert, kommt man auf eine zusätzliche Staatsrendite von über 10% jährlich, das noch ohne reguläre Steuern.

    Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen stellen das System nun auf den Kopf und in Frage (ich schließe dabei Premine Scams aus, auch Ethereum und wahrscheinlich 90% aller anderen Coins). Bei klassischen PoW Coins ist die Geldschöpfung dezentral bei Minern, die unter Konkurrenzdruck einen Großteil der geschöpften Geldmenge in Infrastruktur und Strom investieren müssen, eben diese Arbeit leisten. Der Staat kassiert also maximal Steuern auf die Investitionen und auf den Profit aus dem Mining. Selbst bei 50% Steuerlast sind das bei unter 2% aktueller Inflationsrate bei Bitcoin weniger als 1% staatlicher Geldmengenschöpfung auf der ganzen Welt und dabei müsste man den Umsatz und nicht nur den Gewinn besteuern. Ein Großteil der staatlichen Finanzierung fiele damit komplett weg, auch die relativ unkomplizierte Möglichkeit der Steuerung der Inflationsrate und damit ein immenser Machtverlust, denn der Staat wäre lediglich auf Steuern angewiesen, die unter Umständen auch schwerer eingetrieben werden könnten, denn ohne Private Schlüssel ist anders als z.B. bei Bankguthaben, Immobilien, Aktien, Depots usw. kein Zugriff darauf möglich.

    Zum Gesetzesentwurf sehe ich nicht sooo schwarz wie Christoph, denn er betrifft meiner Interpretation nach nur Dienstleister und nicht User. Auf Seite 75 findet sich z.B. folgender Abschnitt:

    Credit institutions, financial institutions and crypto-asset service providers shall be prohibited from keeping anonymous accounts, anonymous passbooks, anonymous safe-deposit boxes or anonymous crypto-asset wallets as well as any account otherwise allowing for the anonymisation of the customer account holder.

    Owners and beneficiaries of existing anonymous accounts, anonymous passbooks, anonymous safe-deposit boxes or crypto-asset wallets shall be subject to customer due diligence measures before those accounts, passbooks, deposit boxes or crypto- asset wallets are used in any way.

    Man könnte sagen, die Politik hat vielleicht glücklicherweise Cryptowährungen weiterhin nicht verstanden und man geht von Dienstleistern aus, die jeweils benötigt werden.

    Zumindest bei Open Source Wallets sehe ich auch keine Gefahr, denn die EFF hat schon vor Jahrzehnten in den USA durch alle Instanzen durchgeboxt, dass Code = Meinungsäußerung ist und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dies ggf. auch in der EU tun würden, mit praktisch sicherem Erfolg…
    https://www.eff.org/de/deeplinks/2015/04/remembering-case-established-code-speech

    Auch Hardware Wallet Anbieter sind imho nicht davon betroffen, denn sie bieten lediglich ein Gerät + Software. Der Kunde muss seine Wallet selbst generieren, wenn er denn möchte und KYC wäre sinnbefreit, denn der Anbieter kennt die Wallet (Adresse) nicht und hat bis vielleicht auf Garantieansprüche keinerlei Interaktion mit seinen Kunden. Notfalls könnten sie die „nackte“ Hardware verkaufen und die Software komplett Open Source lizenzieren, was zu großen Teilen bereits der Fall ist und das bisschen Aufwand für den Rest ist machbar, falls nicht alle Teilnehmer mitziehen muss man eben diese Teile der Software neu-/um-schreiben.

    Zeitgleich zum obigen Vorschlag wurde übrigens ein anderer veröffentlicht, der sehr stark andockt. In diesem geht es eher um Geldwäsche mittels Bargeld und dort werden 1.000 Euro als Obergrenze genannt, jeweils nicht nur für Bargeld, sondern auch für Krypto…
    https://ec.europa.eu/finance/docs/law/210720-proposal-funds-transfers_en.pdf
    (einfach nach „1000“ im PDF Dokument suchen)
    DAS ist imho ein Ritterschlag für Kryptowährungen, denn sie werden mit Bargeld gleichgesetzt. Ausnahmen sieht dieser Vorschlag weiterhin für Zahlungen zwischen Privatanbietern vor, die trotzdem z.B. einen privaten Gebrauchtwagenverkauf ermöglichen sollen.

    Insgesamt sehe ich eine Regulierung von Kryptowährungen analog zu Bargeld sehr positiv, auch wenn die 1.000 Euro angesichts der vorherrschenden Inflation in 10 Jahren wahrscheinlich beim Bäcker schon geknackt werden…

    @Jo
    Unterschriften bringen da echt nicht viel (zumal die Menschen „da draußen“ kaum verstehen, worum es geht), wir brauchen mehr Druck auf die Politik. Bei den Unionsparteien wären das Wirtschaftsverbände und ihre Sponsoren, wo ich kaum Bewegung sehe. Bei den anderen Parteien sehe ich noch Potenzial, dass man mit freiheitlichen Argumenten punkten kann. Wie @Meine Meinung erwähnt hat, ist die direkte Ansprache lokaler Politiker wahrscheinlich sinnvoller, da diese nicht unbedingt in die kaputte Staatsfinanzierung involviert und manche von ihnen noch ideologisch korrekt sind…

  5. Ähnlich wie Paul, sehe ich die aktuellen Regulierungsbestrebungen ebenfalls nicht als ganz so gravierend an. Ich sehe auch keinen Grund warum der Vertrieb von privaten Wallets verboten werden sollte. Dann dürften auch keine Geldbörsen mehr angeboten werden, in welchen theoretisch Geldscheine im Gegenwert von mehr als 10.000 € Platz hätten 😉

  6. Der Link zu dem Artikel des Bundesrichters Thomas Fischer
    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/geldwaesche-fischer-im-recht/komplettansicht
    ist wirklich erhellend. Vielen Dank dafür. Kernaussage: „Das wäre doch wohl gelacht, wenn es der [deutschen] Verwaltung nicht gelänge, das Verbrechen auszumerzen!“ Denn Geld ist das einzige Motiv der Verbrecher und ohne Motiv keine Verbrecher. Ausnahme: „Aggressionstaten von Dummköpfen.“

    Und übrig bleibt der gläserne, manipulierbare Verbraucher. Das 10K€-Limit für Bargeld ist denke ich nur der erste, harmlose Schritt. Wenn es die CBDC gibt wird der Umtauschkurs von Euro zu Digital-Euro seblstverständlich jedes Jahr an den herrschenden Negativzins angepasst. Im ersten Jahr der CBDC bekommst du für 100,– € noch 100,– digitale €, dann bei 2% Negativzins 98,– €, im nächsten Jahr bei 1% noch 97,02 €, dann im nächsten Jahr bei 3% 94,11 € etc.

    Es wird andererseits enorm schwierig sein eine CBCD aufzubauen und vor Hackern sicher zu machen. Aber die Zeit drängt. Mit Google-Rechen-Power und der Amazon-S3-Cloud könnte es klappen.

    Der Wunsch das bestehende System am Leben zu halten ist verständlich. Doch vielleicht ist es unvermeidlich, dass der Kapitalismus in seine Endphase eintritt.

    Fall 1: P2P-Transaktion sind möglich, die Macht der grossen Konzerne und deren Allianz mit der Politik wird gebrochen. Die Welt wird transparenter, die Menschheit bildet Expertenteams o.ä. die Problem gezielt angehen, nutzt also das mühsam erworbene Wissen, Erfahrung und die in Quellcodes gegossenen Algorithmen optimal.

    Fall 2: Transaktionsverfolgung, Bargeldabschaffung, Negativzins. In einem solchen Szenario muss man nicht nur auf der einen Seite zum Steuern zahlen und wird damit zum arbeiten gewzungen – sondern auf der anderen Seite auch zum Konsum weil das erarbeitete Geld schwindet.

    In Fall 1 wird der Mensch freier. Im Fall 2 extrem unfrei denn was wärst du noch außer eine Batterie in der die EZB und die Wirtschaft das Geld parken? Im Film „Matrix“ hatte man immerhin noch die schöne, simulierte Realität. In der neuen Realität gäbe es keine Blaue Pille (Sklaverei) oder Rote Pille (Freiheit).

    Den Konsum lässt sich theoretisch auch steuern indem man aus deiner CBDC-Transaktions-Historie (es soll eine ID kommen) ein CO2-Scoring ableiten und daraus einen individuellen Negativzins. Und ehe wir es wissen hat jeder ein Scoring und einen individuellen Negativzins der sich täglich ändert. Klingt übertrieben? Stimmt. Erwarte Zukünfte treten niemals ein.

    Horst Lüning sagte allerdings halb im Ernst, halb im Spaß: „Der Unterschied zwischen einer Verschwörungstheorie und der Realität beträgt 6 Monate.“

    Sicher gibt es einen guten Kompromiss aber ob Bitcoin den überlebt ist die Frage. Vielleicht war er nie dazu bestimmt, oder wie EZB-Präsidentin LaGarde sagte: „Bitcoin ist eine disruptive Technologie“. Vielleicht zeigte uns Bitcoin nur die Schwächen des alten Systems und verschwindet wieder wenn er das getan hat.

  7. Hans Frosch // 22. Juli 2021 um 17:35 // Antworten

    Entscheidend wird wohl sein, ob es einer Kryptowährung gelingt, genügend dezentral zu sein, bevor Staaten eingreifen. Dem Bitcoin wird dies meiner Meinung nach nicht gelingen, da das Mining zu zentralisiert ist. Da haben Staaten einen guten Angriffspunkt.

    • Paul Janowitz // 22. Juli 2021 um 18:21 // Antworten

      Mein Tipp wäre ja, wenn, dann eindeutig Monero 😀
      1. Mining nur mit herkömmlichen CPU profitabel, deren freien Verkauf / Einfuhr kann man außer vielleicht in NK nicht kontrollieren wie den von ASICs oder auch High-End Grafikkarten. Letztere haben außer im Mining ein Nischendasein bei Profis in dem Bereich und Gamern. RandomX hat jetzt seit ca. 2 Jahren gehalten und die besten ASICs dafür scheinen moderne CPUs zu sein. Optimal wäre natürlich, wenn mehr User mit ihrer ohnehin vorhandenen Hardware mitmachen, aber das ist auch im Kommen und ich kenne im Gegensatz zu Bitcoin einige Leute, die mitmachen, mich eingeschlossen…
      2. Plausible Abstreitbarkeit. Auch wenn man XMR auf einer zentralisierten (KYC) Exchange erworben hat, kann man sofort nach dem Transfer auf ein Non-Custodial Wallet behaupten, man hätte den Privaten Key verloren. Anders als bei Bitcoin wird niemand mitbekommen, wenn die Coins trotzdem bewegt werden oder wurden. Mit eingebautem Dandelion++, Tor und I2p Support ist selbst ein Monitoring der Verbreitung von Transaktionen wenig aussichtsreich.
      3. Echte Grassroots Bewegung ohne zentrale Autorität. Das Core Team zieht sich immer weiter zurück, Community Workgroups übernehmen immer mehr Projekte und Aufgaben. Core kümmert sich um die noch nicht dezentral organisierbaren Bereiche wie Server für Website, Repositories etc., Domains und den General Fund und die Spenden an einzelne Vorschläge aus der Community. Die Communities sind komplett autark, dazu noch von jeweils verschiedenen Gruppen geleitet, ob Telegram oder Reddit. Einige Core Mitglieder sind namentlich bekannt, einige nur unter Pseudonym, alle zu infiltrieren wird extrem schwer, zumal sich kaum jemand in derselben Jurisdiktion mit einem anderen Core Member befindet. Es gibt keine verantwortliche Foundation, Firma oder sonstiges Konstrukt wie bei Ethereum, Zcash oder auch IOTA lol.
      4. Selbst wenn Core komplett malicious werden sollte, ob aus Zwang oder niederen Beweggründen, ist das Projekt schon so weit vorangeschritten, dass sie kaum noch etwas anrichten könnten, denn mit Reproducible Builds können sich nicht nur Profis sicher sein, dass der offene Source Code auch tatsächlich so im Build kompiliert wurde, dazu wird mittlerweile jede kleinste Änderung am Source Code von etlichen Leuten begutachtet und es gab etliche externe professionelle Audits des aktuellen Codes.

      Natürlich ist FLOSS auch nicht gerade einfach, weil es eben keine Hierarchien gibt und selbst kleine Meinungsverschiedenheiten extrem aufwändig ausdiskutiert werden müssen, ich kann jedem das Buch „Die Kathedrale und der Basar“ dazu empfehlen. Open Source in Geld ist imo noch einen ganzen Ticken schwieriger und ich bin schon gespannt, ob ich meinen Kindern in ein paar Jahren erzählen kann, dass ich in den ziemlichen Anfängen dieses Experiments dabei war, welches für sie vielleicht selbstverständlich sein wird, oder ob ich ihnen erzählen muss, dass wir mal versucht haben, das Geldsystem von den Zentralbanken wegzurevolutionieren, aber leider gescheitert sind…

  8. Eine Frechheit was die sich ständig herausnehmen… Wird mal wieder zeit dass das volk geschlossen auf die straße geht… Wo der staat in die Privatsphäre und die Grundrechte eingreift hat er sein recht auf seine position verwirkt. Nieder mit diesen wahnsinnigen…

    • Paul Janowitz // 23. Juli 2021 um 13:59 // Antworten

      Lieber Marvin, die Menschen sind bequem geworden und als Merchant kann man sich nur wundern, wie viele Menschen z.B. PayPal über alle anderen angebotenen Zahlungsmöglichkeiten wählen und damit ihre Transaktionsdaten hunderten Partnerunternehmen offenlegen und sich zusätzlich der Willkür eines Privatunternehmens unterziehen. Man teilt sein Leben öffentlich auf Facebook & Co., gibt den Unternehmen noch komplette Kontaktlisten über z.B. Whatsapp, teilt Bewegungsprofile usw.

      Man sollte zurückschauen, wie wichtig Datenschutz den Menschen früher war, man denke nur an das Volkszählungsurteil ’83… Ich freue mich mittlerweile über jedes „Event“ wie das Whatsapp Debakel mit der veränderten AGB, welches zumindest einen kleinen Teil etwas bei der Privatsphäre sensibilisert hat.

      Vor 20-30 Jahren gab es deutlich weniger Überwachung, denn diese konnte nicht automatisiert auf eine ganze Bevölkerung ausgerollt werden. Es gab kaum digitale Spuren, Geschäfte wurden hauptsächlich bar abgewickelt und irgendwie hat das nicht zum derzeit immer kolportierten Untergang des Abendlandes geführt. Klar, es gab auch damals Korruption, man denke nur an die schwarzen Koffer unseres Bundestagspräsidenten, an die er sich bis heute nicht erinnern kann… Aber die gibt es heute gefühlt in noch viel größerem Ausmaß — über Offshore Konstrukte und nicht (oder kaum) Kryptowährungen.

  9. @Paul:
    | 2. Plausible Abstreitbarkeit. Auch wenn man XMR auf einer zentralisierten (KYC) Exchange erworben hat, kann man sofort nach dem Transfer auf ein Non-Custodial Wallet behaupten, man hätte den Privaten Key verloren.

    Die Art wie Finanzbehörden das i.d.R. lösen (solche Versuche, gibt es auch in der klassischen Welt) ist die Umkehr der Beweislast. Dann musst Du beweisen, dass Du den Schlüssel verloren hast. Da Du das nicht kannst, wird Dir einfach erstmal unterstellt, Du hast den Key noch und Du wirst erstmal mit dem gesamten Betrag zur Steuer veranlagt. Nach aufwendigem Verfahren gewinnst Du vielleicht, kostet aber viele Nerven …

    Wenn es so gemeint ist, dass Anbieter von privaten Soft- und Hardwarewallets doch zunehmend illegalisiert werden sollten, werde ich Monero ernsthaft in Erwägung ziehen.
    Das ist dann aber der vielfach befürchtete Kampf um Krypto und Freiheit, und nicht mehr Easy Peasy wie jetzt. Davon würde ich aber erstmal nicht ausgehen, sondern eher davon, dass die Regulierer genau wie jeder andere Bürger, gerade massiv von dem was unsere Technik ermöglicht, überollt werden. `Code is Law` bürdet den Technikern Verantwortungen auf die bisher von Regulierern übernommen wurden.

    • Paul Janowitz // 27. Juli 2021 um 9:29 // Antworten

      Die Umkehrung der Beweislast ist schon ein starkes Stück und mir sind extrem wenige Fälle bekannt, ich dachte auch nicht primär an Steuern, die für Langzeit-Halter ohnehin nicht anfallen, sondern eher um die Kriminalisierung von Crypto an sich… Aber ja, auch Steuern auf ein paralleles Geldsystem sind ätzend, denn im Grunde ist jede Transaktion wie z.B. ein VPN für 5 Dollar bezahlt mit Krypto ein Verkauf, dessen Wertzuwachs ggf. besteuert werden muss. Langfristig müssten hier auch Freibeträge ähnlich der Verzollung bei Einfuhr aus dem Ausland eingeführt werden, denn Taschengeldbeträge zu versteuern ist komplett unwirtschaftlich, da es nicht nur beim Nutzer Aufwand bedeutet, sondern auch bei den Behörden, der sich schlichtweg nicht rentiert.

      Etwas zu besteuern, das es nicht gibt, würde ich aber tatsächlich durch alle Instanzen peitschen, auch wenn ich kein Fan von Gerichten bin… Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sehr, sehr viele Bitcoins, Monerujo und andere Kryptowerte tatsächlich verloren sind, da Menschen sich kaum um Backups kümmern, ganz zu schweigen von der Vererbung von Kryptowährungen…

      Falls Du passende Urteile zur Umkehrung der Beweislast zur Hand hast, bitte um Links dazu.

      • Ja, das ist in der Tat ein Problem: Viele Leute haben Coins verloren, müssten aber theoretisch Steuern darauf bezahlen, und es ist unmöglich, zu beweisen / festzustellen, ob jemand eine Seed verloren hat oder das nur behauptet.

      • Paul Janowitz // 27. Juli 2021 um 10:48 //

        Auf einer transparenten Blockchain wie bei Bitcoin sind zumindest die Indizien ziemlich erdrückend, sobald die Coins bewegt werden und könnten vor Gericht wahrscheinlich sogar ausreichen, wenn man nicht plausibel glaubhaft machen kann, dass man seinen Seed / Privaten Schlüssel mit anderen geteilt hat. Andererseits ist die Nicht-Bewegung wie z.B. der frühen Satishi-Coins ein sehr schwacher Beweis, dass die Schlüssel dazu verloren sind.

        Daran ändern weder Coinjoins noch das Lightning Netzwerk etwas, denn beide erfordern aktive Interaktion des Halters…

      • Naja, was wenn man Coins mit LN empfängt und dann der Server ohne Backup abschmiert? Oder wenn man Coins durch Coinjoin gemixt hat, und dann die Schlüssel verliert? Das kann passieren.

        Mit Monero ist es ja noch ein ganz anderes Thema 🙂

      • Paul Janowitz // 27. Juli 2021 um 12:00 //

        Es geht mir um Coins, die aktuell „irgendwo“ lagern, deren Schlüssel eigentlich nur der Halter kennen dürfte aber auch schon lange verloren haben könnte. Kann er behaupten und eine Umkehrung der Beweislast dürfte imho extrem schwierig werden, dass er diese noch kennt. Sobald sich diese Coins aber bewegen und das auf der Blockchain offensichtlich einsehbar ist, dürfte das Argument der Abstreitbarkeit ziemlich dünn dastehen, auch über Jahre hinweg.

        Bei einem Coinjoin, den ich vor einer eventuellen Anschuldigung gemacht habe, ist die Lage deutlich besser, obwohl sich mit der Zeit einige der Mixing-Partner „outen“ dürften und spätestens wenn alle Outputs bewegt wurden, ist offensichtlich, dass die Schlüssel von keinem der Teilnehmer „verloren“ waren.

        Bei Lightning ist die Sache noch offensichtlicher, da es aktive Interaktion benötigt und praktisch nicht abstreitbar ist, selbst wenn man nur etwas empfängt. Quasi Einschreiben mit Rückschein…

        Bei Monero ist der letzte Punkt maximal ein Trade, bei dem man seine Identität preisgegeben hat, sei es Exchange, ein Merchant oder Freund, dem man etwas überwiesen hat. Ab da kann man nicht mehr feststellen, ob die Funds / Change bewegt wurden oder nicht. Dabei ist die Community um Monero sehr selbstkritisch und hinterfragt sich ständig selbst, siehe aktuell https://github.com/monero-project/monero/issues/7807
        Dabei muss man wissen, wie eine Transaktion aufgebaut wird: Das Wallet nimmt 10 zufällige Transaktionen aus der Blockchain, die Zufälligkeit basiert auf dem tatsächlichen Spending der Bitcoin Blockchain, welches ja öffentlich ist. Outputs können eigentlich zum zusätzlichen Schutz erst nach 10 Bestätigungen OnChain genutzt werden, was bei Monero ~20 Minuten entspricht, unchained Transaktionen wie bei Bitcoin sind aufgrund der Privacy derzeit nicht möglich, es gibt aber konkrete Vorschläge das zu ändern. Da gemäß der Datenlage ganz frische Outputs extrem selten benutzt werden, kommen diese auch entsprechend selten als „Decoys“ in einer Ring Signatur vor und falls ein Output tatsächlich bereits nach 10 Bestätigungen in einer Transaktion auftaucht, ist es zu fast 100% der tatsächliche. Für 99% der User und Transaktionen ist das irrelevant, denn sie nutzen ihre Outputs meist nicht sofort, aber für die Entwickler ist es relevant und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir binnen weniger Tage einen oder mehrere Vorschläge für einen Fix sehen werden, die vielleicht sogar noch anderen Extremfälle abdecken. An der Privatsphäre an sich kratzt das nur sehr leicht, denn maximal könnte z.B. eine Exchange sehen, dass man die Coins sofort nach dem Transfer auf eine Non-Custodial Wallet bewegt hat, nicht aber wohin oder welchen Betrag. Die Ringgröße von aktuell 11 wird mit einem neuen Algorithmus namens Triptych, der aktuell unter Peer Review ist wahrscheinlich auf 64 oder 128 erweitert werden, was das Anonymitätslevel bereits nach zwei Transaktionen von aktuell 121 auf über 10.000 steigern würde.

      • Andres // 28. Juli 2021 um 22:42 //

        Prinzipiell geb ich Dir Recht, dass man einen Umgang entsprechend dem Betrag finden muss.

        Wenn es allerdings reichte, zu sagen man kann sich nicht mehr an das Kontonummer auf den Caymans, oder eben an die Schlüssel auf der Wallet erinnern und hat ergo keinen Zugriff, ist das wie ein direkte Aufforderung zu massivem Steuerbetrug. Und selbst als libertärer NoTaxes-Fan kann man sich das eigentlich nicht wünschen- zumindest nicht plötzlich, über Nacht.

        Insofern kann man schon verstehen, warum perfekte Privacy Coins wie Monero Finanzbeamten tiefe Sorgenfalten in die Stirn zaubern. Das ist auch ein Problem das erst durch die Perfektion der Privacy entsteht, und nicht anders gelöst werden kann, als die Beweislast eben umzukehren, und sei es nur um das Verfahren aufwendig zu machen. Ob das vor Gericht Bestand hat, ist sicher eine andere Frage, bzw. Abwägensfrage des jeweiligen Richters. Aber der potentielle Verfahrensaufwand muss schon sehr abschreckend sein.

        Besser ist es, wenn Privacy abgestuft nach Betrag möglich ist. Also eben Perfekt privacy für Taschengeld und – mit fifty shades of Grey dazwischen – No Privacy für den Kauf von Panzern oder den Bau von Autobahnen.

        Oder wie bei Lightening, wo der letzendliche Schlussbetrag zwar bekannt wird, sobald er auf der Blockchain finalisiert wird, aber das, wofür ich 125 Bitcoin Bits ausgegeben habe, eben nicht.

        Konkret gesprochen, keiner weiss, dass ich für die Bits bei Starbucks in Filiale XY einen Kaffee getrunken habe. Aber Starbucks muss seine Gesamteinnahmen für Kaffee über Lightning trotzdem versteuern.

        > Bei Lightning ist die Sache noch offensichtlicher, da es aktive Interaktion benötigt und praktisch nicht abstreitbar ist, selbst wenn man nur etwas empfängt. Quasi Einschreiben mit Rückschein…

        Wie gesagt, das von wem und wofür ist abstreitbar, aber nicht der finalisierte Endbetrag.

      • Paul Janowitz // 29. Juli 2021 um 14:34 //

        Andres, Korruption, von der Du sprichst gibt es heute, auch beim Bau von Autobahnen und die wird meist über Schattenfirmen mit dubiosen Bankstandorten abgewickelt, nicht „der kleine Mann“ ist das Problem. Es ist eigentlich erstaunlich, wie schnell die flächendeckende Komplettüberwachung von Finanzen Akzeptanz gefunden hat, denn vor ca. 30 Jahren wurde noch (fast) alles per Bargeld abgewickelt, welches genau wie Monero maximal bis zum letzten quittierten Erhalt (Lohn, Rente, größerer Privatverkauf) verfolgbar war und trotzdem hat der Staat funktioniert, vielleicht sogar effizienter als heute. Finanzbeamte und Regierungspolitiker möchten sich diese neu erworbenen Möglichkeiten natürlich nicht nehmen lassen, denn neben der bis dato üblichen direkten Besteuerung, die breite Akzeptanz in der Bevölkerung erfordert hat, sonst wäre der Anteil der „nicht so genauen Angaben“ rapide gestiegen, hat man noch die Inflation und sogar Negativzinsen für die mittlerweile kaum mehr rational zu erklärende Finanzierung, wie aktuell durch die Pandemie argumentierten über 500 Milliarden Euro Neuverschuldung.

        Mit einem dezentralen Geldsystem ist das nicht stemmbar, ganz abgesehen von der Marktkapitalisierung. Aber eine generelle Flucht vor Steuern und Abgaben sehe ich nicht gegeben, denn auch wenn der Handwerker früher wie heute im weiteren Bekanntenkreis vielleicht mal ohne Rechnung arbeitet, wird der Fiskus spätestens beim Hauskauf aufmerksam, wenn dieser nicht zu den Einnahmen aus Arbeit, Erbe usw. erklärbar ist und dabei ist afaik mittlerweile tatsächlich eine Umkehr der Beweislast üblich.

        Ob die „Settlementtransparenz“ bei Lightning einen Finanzbeamten zufrieden stellt, wage ich zu bezweifeln, denn am Beispiel des Handwerkers, kann der Channel zig Male rebalanced und laufende Zahlungen mit eingehenden verrechnet worden sein. Wenn der Channel nun nach einigen Monaten geschlossen wurde, sieht man ohne aktives und recht aufwendiges Monitoring von Channels nicht, wie viel Geld tatsächlich darüber geflossen ist. Interessant wirds dann eventuell, wenn gegen den Channelpartner ermittelt wird und man ggf. Zahlungsströme an und von diesem geroutet hat…

      • Andres // 29. Juli 2021 um 22:08 //

        Hm, das wir nicht den kleinen Mann belasten wollen, sondern eher große
        Fische fangen wollen, da sind wir uns einig, Paul. Und die größtmögliche
        Privacy für den kleinen Mann will ich, genau wie Du. Ich will eben, dass
        es nicht nachvollziehbar ist, mit wem ich wann wo einen Kaffee getrunken
        habe und worüber wir da möglicherweise gesprochen haben.

        Idealerweise muss gelten, je weniger Menschen von einer Entscheidung und
        Transaktion betroffen sind, desto mehr Privacy gibt es. Beim kleinen
        Mann wäre das idealerweise nahezu 100% Privacy. Beim kleinen Betrieb
        90%. Beim Großkonzern 20%. Und beim Einsatz von Steuergeldern vielleicht
        noch 10% (Pi mal Daumen).

        Bitcoin und Monero wird aber längst nicht nur von kleinen Männern (und
        Frauen) genutzt. Krypto ist genau genommen ziemlich agnostisch, wer es
        wie benutzt. Und eine Transaktion kostet ziemlich gleich viel, egal ob
        man 100 Satoshi oder Tausende von Bitcoin transferiert.

        Den Finanzbeamten komplett zufrieden stellen will ich gerade nicht. Der
        Beamte soll nur nicht, wegen den imensen Schwierigkeiten die er gerade
        beim fangen große Fische hat – das ist ja schliesslich sein
        gesellschaftlicher Auftrag – er soll nur nicht eine flächendeckende
        Komplettüberwachung von Finanzen für alle fordern können wegen seiner
        Schwierigkeiten. Etwas, was ich, genau wie Du, global in zunehmenden Maß
        beobachte. Und mit großen Fischen meine ich sicher nicht den einen
        kleinen Handwerksbetrieb, der auch mal was schwarz machen muss um zu
        überleben. Ich meine eher globale agierende Konzern wie Amazon, Google,
        Facebook, oder Monsato, Nestle, Deutsche Bank, … (Auswahl ist
        willkürlich).

        IMHO steckt hinter der globalen Finanzüberwachung erstmal schon der
        Versuch, die Welt für alle gerechter und nachvollziehbarer und sicherer
        zu machen. Z.B. angesichts global agierende Konzerne, die immer gerade
        dort ihren Hauptwohnsitz anmelden, wo die Steuern niedrig sind, das
        Geschäft dann aber ganz woanders abwickeln. Was schon gegenüber national
        agierenden Firmen sehr wenig fair ist, ganz zu schweigen vom kleinen Mann.

        Genau wie Du, finde ich es den komplett falschen Weg, die
        flächendeckende Überwachung zu einem finanziellen Big Brotherstaat
        auszubauen, wie es gerade weltweit passiert. Und ein Big Brotherstaat
        ist es genau, wenn jegliche finanzielle Transaktion überwacht wird.

        Eigentlich ist da aber auch gerade ein Teufelskreis im Gange, in dem auf
        beiden Seiten (Privacy vs. Transparenz) aufgerüstet wird, was die
        Technik hergibt. Und selbstverständlich wird Privacy und Transparent
        immer von der jeweiligen Seite aus verstanden als Privacy für mich, und
        Transparenz für die anderen.

        Nur wenn wir etwas nicht einseitig perfektes bauen, dass eine sinnvolle
        Balance zwischem beidem ermöglicht, egal wer Du in dem System bist, mit
        Regeln die für alle gleich sind, schaukeln wir uns nicht immer weiter
        hoch. Und ja, Bad Actors dürfen das nicht (ohne großem Aufwand) einfach
        brechen können, denn „Code is Law“ stimmt.

        > wird der Fiskus spätestens beim Hauskauf aufmerksam, wenn dieser nicht
        zu den Einnahmen aus Arbeit, Erbe usw. erklärbar ist und dabei ist afaik
        mittlerweile tatsächlich eine Umkehr der Beweislast üblich.

        Hm, gerade dort finde ich die Beweislastumkehr kritisch. Wenn ich zu 3$
        in Bitcoin eingestiegen bin und zu 30.000$ wieder austeige, muss ich in
        den Augen des Finanzamtes ja geradezu wie ein Schwerverbrecher
        erscheinen und logischerweise jede einzelnen Minute der letzten 10 Jahre
        im Detail nachweisen, obwohl ich in dieser Zeit vielleicht rein gar
        nichts gemacht habe. Ausserdem ist der Gewinn ein riskantes Investment
        in ein Startup gewesen und damit vollkommen legal.

      • Paul Janowitz // 29. Juli 2021 um 22:51 //

        Lieber Andres,
        wir sind tatsächlich nicht weit auseinander, wenn es um die Prinzipien geht. Allerdings sehe ich eben bei der Durchsetzung vieles anders als Du…

        1. Der Staat hätte alle Möglichkeiten, auch ausländische Unternehmen bzw. diese, die sich als solche ausgeben so zu besteuern wie den kleinen Handwerker um die Ecke, der einen 100x Steuersatz von dem bezahlt, was z.B. Amazon, Facebook, Google, Apple & Co. hierzulande abführen. Kleine Shops werden dazu verdonnert, individuelle EU-Umsatzsteuersätze abzuführen, wenn sie über die ziemlich harten Freigrenzen von in den meisten Ländern deutlich unter 50k€ kommen. Bei Dienstleistungen wie z.B. Hosting gibt es gar keine Freigrenzen, wenn ich eine Dienstleistung an einen Belgier verkaufen will, muss ich dessen Mehrwertsteuersatz ansetzen und abführen (der dann wohl international verrechnet wird).
        2. Amazon ist wohl das Paradebeispiel, denn es gibt wohl kein umsatzstärkeres Unternehmen im B2C Sektor. Dabei schafft es Amazon in der EU auf eine Steuerquote von unter 1% auf den GEWINN zu kommen, Lizenzen werden nach Bedarf hin- und her verschoben, dazu braucht man keine Kryptowährungen und der Handwerker um die Ecke kann von solchen Steuersätzen nur träumen und bei ihm haben Zwangsabgaben wie IHK, GEZ usw. einen signifikanten Einfluss, während das bei Konzernen eher Portokasse ist, weil diese meist nicht an Umsatz / Mitarbeitern sondern an eine Betriebsstätte an sich gekoppelt sind.
        3. Am aktuellen Beispiel des Bundesgerichtshofs zu Cum-Ex „Geschäften“ sieht man eindeutig, dass gerade Banken die kriminellen Treiber in mafiösen Strukturen sind. Es bedarf kein Jurastudium, um zu erkennen, dass eine Steuererstattung, die ich beantrage, die Steuer aber nie abgeführt habe, Betrug ist. Es ist keine Steuerhinterziehung wie von den meisten Medien berichtet, sondern es ist schlicht Betrug. Bei Cum-Ex geht man von 12-50 Milliarden Euro aus, bei Cum-Cum (welches afaik noch nicht durch alle Instanzen verhandelt wurde) geht man von deutlich mehr aus. Monero hat im Vergleich dazu eine Gesamtmarktkapitalisierung von 4 Milliarden.

        Bezüglich der gekauften Bitcoins für 3$ hast Du ja eine offene Blockchain, die das beweisen kann. Dass die Beweislast bei Immobilien jenseits der Millionengrenze umgekehrt wird, finde ich gar nicht soooo abwegig, denn der durchschnittliche Mensch kann selbst bei gelebter Sparsamkeit zu Lebzeiten kaum so viel zurücklegen. Die Grenze ist natürlich fließend, denn vor 50 Jahren hat der Porsche auch noch keine 10k Mark gekostet und kaum eine Wohnung sechsstellig…

      • Lieber Paul,

        > wir sind tatsächlich nicht weit auseinander, wenn es um die Prinzipien geht. Allerdings sehe ich eben bei der Durchsetzung vieles anders als Du…

        Genau das macht die Diskussion doch erst richtig spannend. 😉

        > ich dachte auch nicht primär an Steuern, die für Langzeit-Halter ohnehin nicht anfallen, sondern eher um die Kriminalisierung von Crypto an sich…

        Schwierig zu sagen, ob es um eine „Kriminalisierung von Crypto an sich“ geht. Fühlt sich immer mal so an, ja. Nur mit so pauschalen Argumenten kann man immer schlecht einen Blumentopf in der öffentlichen Diskussion gewinnen.

        Eventuell geht es den Beamten erstmal ja auch nur darum Lösungen für die neuartigen Probleme zu finden, die die neuartigen Assets so alle mit sich bringen.
        Bzw. natürlich auch darum, die Lösung dieser neuen Probleme erstmal der Kryptocommunity aufzubürden. Das ist wie Du mal ganz richtig irgendwoanders geschrieben hast, Teil des zunehmenden Erwachsen- und ernstgenommen werdens der Branche.

        > Bezüglich der gekauften Bitcoins für 3$ hast Du ja eine offene Blockchain, die das beweisen kann.

        Hm, ich glaube gegenüber dem Finanzamt gibst Du erstmal immer nur die Werte (bzw. den Gewinn) der getauschten Mittel (in €) an, niemals die Adressen auf denen diese liegen. Insofern ist das erstmal nicht offen, auch wenn die Behörde im Verdachtsfall natürlich eine Chainanalyse machen können. Aber das ist aufwendig und die Regel wird das erstmal nicht sein. Bei Monero wäre dann aber ja auch dieser Weg schon sehr schwierig.

        IMHO geht es beiden Seiten erstmal darum, eher perfektionierte abstrakte Bedrohungen der Zukunft (Steuerflucht, et al. auf der einen Seite, finanzielle Totalüberwachung auf der anderen Seite) durch Perfektion der technischen (und regulatorischen) Gegenmassnahmen zu entgehen. Durch die gegenseitige Aufrüstung geht aber die Balance zwischen Beidem irgendwo verloren. Schliesslich rechtfertigen die Perfektion der einen Seite eine ebenso perfekte Abwehrlösung auf der Andern und wieder umgekehrt. Wenn man – zumindest die akzeptablen – Argumente der anderen Seite mit aufnimmt, hilft das schon mal ein paar der Abwehrreflexe zu mindern.

        Dein Argument, dass schon das jetzige System korrupt ist, führt meines Erachtens nicht weiter, da das neue System dann doch wenigsten bessere Antworten auf die alten Probleme – auch die der Steuergerechtigkeit – bieten sollte und nicht etwa gleich Schlechte.

        By the way, trotzdem finde ich Monero extrem wichtig für das Ökosystem. Das alles erklärt mir nur, dass es dort halt prinzipienbedingt mehr (regulatorische) Schwierigkeiten gibt, als bei Bitcoin. Und – zumindest nicht alle – diese Schwierigkeiten sind auf böse Absichten der Behörden zurückzuführen, sondern auch mal Ausdruck von Hilflosigkeit.

        Da hilft IMHO nur, Hilfe im Problemlösen anbieten, selbst dann wenn das auf der anderen Seite nicht gleich mit derselben Gegenliebe beantwortet werden sollte.

      • Paul Janowitz // 3. August 2021 um 22:43 //

        Lieber Andres, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

        Eventuell geht es den Beamten erstmal ja auch nur darum Lösungen für die neuartigen Probleme zu finden, die die neuartigen Assets so alle mit sich bringen.
        Bzw. natürlich auch darum, die Lösung dieser neuen Probleme erstmal der Kryptocommunity aufzubürden. Das ist wie Du mal ganz richtig irgendwoanders geschrieben hast, Teil des zunehmenden Erwachsen- und ernstgenommen werdens der Branche.

        Wir hatten bis vor 50 Jahren praktisch NUR Bargeld, welches nicht verfolgt werden konnte, durch etliche Gerichte sogar einen Sonderstatus bekommen hat und z.B. bei Diebstahl oder Raub nicht automatisch als Hehlerware gilt, sondern weiterhin fungibel ist, solange der Empfänger von dessen bösen Vergangenheit nichts wissen konnte.

        Die neuerliche (automatische) Überwachung aller Transaktionen gibt es erst seit maximal 20 Jahren, wie hat die Menschheit davor nur überleben können?

        Insofern ist das erstmal nicht offen, auch wenn die Behörde im Verdachtsfall natürlich eine Chainanalyse machen können. Aber das ist aufwendig und die Regel wird das erstmal nicht sein. Bei Monero wäre dann aber ja auch dieser Weg schon sehr schwierig.

        Sollten wir Chainanalyse als Normalfall akzeptieren, nur weil Bitcoin als Referenzimplementierung es nicht besser hinbekommen hat oder sollten wir nicht viel mehr wieder „zurück“ zum Bargeld streben, gegebenenfalls eben digital?

        IMHO geht es beiden Seiten erstmal darum, eher perfektionierte abstrakte Bedrohungen der Zukunft (Steuerflucht, et al. auf der einen Seite, finanzielle Totalüberwachung auf der anderen Seite) durch Perfektion der technischen (und regulatorischen) Gegenmassnahmen zu entgehen.

        Steuerflucht und Geldwäsche gehen schon heute nicht über Kryptowährungen, denn spätestens beim Tausch in Fiatwährungen wird KYC, AML und „ziehdichnacktausundpissindenbecher“ zum Standard. Es geht Regierungen um Machtverlust, dass sie die gängige Währung nicht selbst kontrollieren.

        Dein Argument, dass schon das jetzige System korrupt ist, führt meines Erachtens nicht weiter, da das neue System dann doch wenigsten bessere Antworten auf die alten Probleme – auch die der Steuergerechtigkeit – bieten sollte und nicht etwa gleich Schlechte.

        Das ist kein Argument, das ist maximal eine Feststellung des Status Quo. Steuerungerechtigkeit passiert massiv im Großen, der kleine Handwerker wird auch wenn er Monero nutzt und das nicht deklariert, kaum zu dieser beitragen. Die Gesellschaft muss damit klarkommen, dass Güter wie physisches Gold, Kryptowährungen oder auch Bargeld nicht besteuerbar sind. Letzteres leider doch, sobald man Minuszinsen ansetzt.

        By the way, trotzdem finde ich Monero extrem wichtig für das Ökosystem. Das alles erklärt mir nur, dass es dort halt prinzipienbedingt mehr (regulatorische) Schwierigkeiten gibt, als bei Bitcoin. Und – zumindest nicht alle – diese Schwierigkeiten sind auf böse Absichten der Behörden zurückzuführen, sondern auch mal Ausdruck von Hilflosigkeit.

        Freut mich, auch wenn die Zuneigung sehr eingeschränkt ist. Monero verfolgt als einzige mir bekannte Kryptowährung bis heute genau das, was im Bitcoin Whitepaper propagiert wurde und als Nakamoto Konsens in die Geschichte eingehen wird, selbst wenn wir scheitern sollten.

      • > nicht viel mehr wieder „zurück“ zum Bargeld streben, gegebenenfalls eben digital?

        Ja, nur verhält sich Monero eben auch nicht ganz wie das alte Bargeld. Koffer voller Bargeld lassen sich bei Checks deutlich schneller entdecken, als ein Zettel mit einer Seed. Und „Be your own bank“ beinhaltet auch erstmal, dass der gesellschaftliche Druck der bisher Banken getroffen hat nun auch auf Einzelpersonen ausgeübt wird, da man zwischen der Transaktion eines kleinen Handwerkbetriebs oder der von Jeff Bezos ja nicht wirksam unterscheiden kann.

        Das ist in etwa vergleichbar damit, dass in den USA viel mehr Menschen von Polizisten erschossen werden als in der EU. Die Polizisten müssen dort einfach davon ausgehen, dass die Menschen, die sie anhalten, potentiell bewaffnet zuerst schiessen können. Da sitzt der Griff am Ablöser dann einfach viel lockerer.
        Und trotzdem ist jeder Polizistenmord als Einzelfall betrachtet, selbstverständlich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

        Außerdem hat seitdem Helmut Kohls schwarze Kassen – ja das waren tatsächlich noch Koffer voller Bargeld – damals entdeckt wurden, auch die Steuerehrlichkeit von Otto-Normal-Bürger etwas nachgelassen. Insofern haben sich die Zeiten schon geändert.

        Trotzallem ist der finanzielle Generalverdacht unter den heutzutage alle Bürger eines Landes zunehmend gestellt werden, selbstverständlich nicht in Ordnung.

        Und darauf kann man, wie die ersten Siedler Amerikas mit Selbstverteidigung reagieren, das stimmt.

        Oder man versucht den ebenfalls sehr alten Grundsatz wiederzubeleben, dass die Polizei im Staat zwar das Gewaltmonopol hat, dafür aber jeden Einsatz davon ausführlichst rechtfertigen muss.
        Also übertragen den Überwachern für jeden Überwachungsvorgang hohe Kosten aufbürden. Denn wirklich wirksam kann man jemand der alle andern überwacht, nicht überwachen.

        @Flux Kompensator:
        Ein EU Vermögenregister klingt erstmal sogar verhältnismäßig steuergerecht. Damit liesse sich auch die von @Paul präferierte Besteuerung großer Immobilen umsetzen.

        > D.h. die Vorratsdatenspeicherung von Wallet Adressen zu Identität Mapping, die in einer anderen Studie verdachtsunabhängig gesammelt wird, soll für Steuerfahnder durchsuchbar gemacht werden.

        Das kleine Detail, dass verdachtsunabhängig Mappings von Nutzern zu Walletadresse gespeichert werden sollen, ist allerdings (wie alle Vorratsdatenspeicherungen) wirklich wieder eine massive rote Linie, die die EU-Bürokratie da überschreiten möchte.

        Und wenn die weiter so überschritten wird, wechsel ich freiwillig alle meine Coins in Monero und schliesse mich den Partisanen im neuen libertären Dschungel an.

        Lieber wäre mir allerdings echt etwas andres, Drittes.

  10. EU-KOMMISSION WILL VERMÖGENSREGISTER

    Die EU-Kommission hat derzeit ein Ausschreibungsverfahren laufen, das sich auf eine Machbarkeitsstudie für ein geplantes „Europäisches Vermögensregister“ bezieht. Gesucht wird also ein Beratungsunternehmen, das einen Plan erstellt, wie so ein Vermögensregister in der Praxis ausgestaltet werden kann. Zum Beispiel müsste darin geklärt werden, wie man Kunstgegenstände wertmäßig erfasst. In der Ausschreibung
    https://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:358265-2021:TEXT:DE:HTML&src=0
    heißt es nämlich unter Anderem:
    „Die Möglichkeit, Daten über das Eigentum an anderen Vermögenswerten wie Kryptowährungen, Kunstwerken, Immobilien und Gold in das Register aufzunehmen, ist ebenfalls zu berücksichtigen.“

    Die EU-Kommission will also auch libertäre Geister wie „Monero-Paule“ Janowitz nun endlich vollständig gläsern machen. Adieu Privacy! Vordergründig richtet sich das Vorhaben gegen die üblichen Verdächtigen (Geldwäsche und Steuerhinterziehung), aber klar dürfte sein, dass es auf die früher schon vom Internationalen Währungsfonds vorgeschlagene einmalige Vermögensabgabe (und zwar in Höhe von 10%) hinauslaufen wird. 10% werden aber beim Finanzbedarf der Staaten wohl nicht reichen… In Spanien gibt es ein derartiges Vermögensregister in elektronischer Form schon seit einigen Jahren. Allerdings werden dort bisher nur bestimmte Anlageklassen erfasst. Wer Gold hat, segelte in Spanien bisher legal unter dem Radar. Dies wird sich durch das kommende europäische Vermögensregister ändern. Ich rechne damit, dass dieses erst im Jahre 2024 an den Start gehen wird. Das derzeit gesuchte Unternehmen wird nach dem EU-Zuschlag 15 Monate Zeit (nicht verlängerbar) haben, um seinen Vorschlag auszuarbeiten. Kryptos werden darin ziemlich sicher enthalten sein.

    • Paul Janowitz // 4. August 2021 um 18:49 // Antworten

      Die EU-Kommission will also auch libertäre Geister wie „Monero-Paule“ Janowitz nun endlich vollständig gläsern machen. Adieu Privacy!

      Problem ist nur, dass der ziemlich dement ist und sich gerade noch daran erinnern kann, mit Monero rumexperimentiert zu haben, Keys, Seeds, Balance usw. sind schon ihm aber längst nicht bekannt. Afaik hilft selbst Beugehaft nicht gegen solch massive Erinnerungslücken…

      aber klar dürfte sein, dass es auf die früher schon vom Internationalen Währungsfonds vorgeschlagene einmalige Vermögensabgabe (und zwar in Höhe von 10%) hinauslaufen wird. 10% werden aber beim Finanzbedarf der Staaten wohl nicht reichen…

      Sehe ich ähnlich, die einmalige Abgabe wird zur regulären jährlichen und vielleicht an die Inflationsrate angepasst. Ganz ehrlich? Das wäre ziemlich bullish für Monero.

      Ich rechne damit, dass dieses erst im Jahre 2024 an den Start gehen wird.

      Wenn ich mir alleine die Zeitspanne ansehe, seit ich in Bitcoin oder auch Monero „involviert“ bin, 9 vs. 5 Jahre, ist das für eine Behörde schon eher Vollgas. Auf einen relativ simplen Termin, einen neuen Perso zu beantragen, warte ich in Berlin aktuell über 2 Monate. Auf die Durchführung einer hirnrissigen Hausdurchsuchung durfte ich exakt 6 Monate warten, denn danach wäre der Durchsuchungsbeschluss verjährt, auf die Einstellung des Verfahrens nochmal 18 Monate.

      • Andi Maar // 5. August 2021 um 20:06 //

        > Auf die Durchführung einer hirnrissigen Hausdurchsuchung durfte ich exakt 6 Monate warten,

        Die meisten echten Kriminelle wären wohl froh, wenn sie solange auf die Durchführung einer Hausdurchsuchung warten könnten. 🙂

  11. Das spanische Parlament hat im letzten Monat ein Gesetz beschlossen, dass der Besitz von Digitalwährungen jetzt gegenüber dem Finanzamt deklariert werden muss.

    Das Problem aller Besitzer von Ersatzwährungen wie Gold oder Bitcoin bleibt das gleiche: Früher oder später muss man zurück ins System des Fiatgeldes. Nämlich dann, wenn die Kfz-Steuer oder die Klassenreise der Tochter bezahlt werden muss. Was nützen Goldmünzen oder Bitcoins, wenn man nur innerhalb einer kleinen Gemeinde von verschwiegenen Gleichgesinnten damit handeln kann? Diese bittere Erkenntnis werden auch die Monero-Fans schlucken müssen.

    Zum Zeitplan des geplanten EU-Vermögensregisters:
    Bis spätestens 1. Oktober 2021 müssen die interessierten Unternehmensberatungen ihre Bewerbung einreichen. Die EU-Kommission wählt dann den Sieger aus, der anschließend exakt 15 Monate Zeit hat, einen Vorschlag für ein Europäisches Vermögensregister zu präsentieren. Die EU-Kommission wird dies im Jahre 2023 bewerten und in einen Gesetzesentwurf bringen. Dieser Entwurf muss sodann von den Mitgliedstaaten im EU-Rat diskutiert und beschlossen werden und anschließend noch vom EU-Parlament genehmigt werden. Da wird es sicher Änderungswünsche geben. Andererseits wird die Finanznot der Staaten in den Jahren 2023/2024 vermutlich bereits so groß sein, dass man vielleicht eine EU-Verordnung mal ausnahmsweise schnell durchwinkt.

  12. Ja, siehe oben unter „EU-Kommission will Vermögensregister“:
    https://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:358265-2021:TEXT:DE:HTML&src=0

  13. Flux Kompensator // 5. August 2021 um 19:07 // Antworten

    Aus der Ausschreibung:
    > Die Möglichkeit, Daten über das Eigentum an anderen Vermögenswerten wie Kryptowährungen, Kunstwerken, Immobilien und Gold aufzunehmen in das Register aufzunehmen, ist ebenfalls zu berücksichtigen.

    Hm! :thinking:, und was ist mit anderen Commodities, wie Briefmarken, Oldtimer, Grundstücke, oder einer Tonne Kupfer?

    @Paul:
    > Ganz ehrlich? Das wäre ziemlich bullish für Monero.

    Seh ich ganz genauso.

    > Afaik hilft selbst Beugehaft nicht gegen solch massive Erinnerungslücken…

    Naja, wenn wir die Privacy erstmal vollständig abgeschafft haben, findet sich schon irgendein Grund die Beugehaft endlos zu verlängern, solang der simple Verdacht nicht vollständig ausgeräumt ist.

    • Flux Kompensator // 5. August 2021 um 20:10 // Antworten

      Oder es geschieht Dir wie dem australischen Wikileakianer, und Du nimmst Dich selbst in Beugehaft. Ganz ohne Zwang versteht sich …

  14. Flux Kompensator // 5. August 2021 um 19:59 // Antworten

    Interessanter Part aus der Ausschreibung:
    > Box 2 – Previous and ongoing studies or projects in relation to asset registries

    > Crypto Assets: For crypto-assets, study commisioned by the European Commission^19 which inter alia explore possible technically sound solutions to set-up and maintain a central database registring users‘ identities and wallet addresses and make them accessible to financial intelligence units (FIUs) at the level of the EU. This study is ongoing. DG FISMA will keep the contractor up-to-date with any relevant developments in this field.

    D.h. die Vorratsdatenspeicherung von Wallet Adressen zu Identität Mapping, die in einer anderen Studie verdachtsunabhängig gesammelt wird, soll für Steuerfahnder durchsuchbar gemacht werden.

    Äquivalent dazu ist eigentlich nur, sämtliche Seriennummern von Geldscheinen, die ich jemals im Portemonaie hatte, mit Datum an dem ich sie hatte durchsuchbar in einer zentralen Datenbank zu speichern.

    Diese andere Studie wäre interessant, ist aber leider nicht verlinkt. Laut Fussnote:
    > Study is conducted and not available

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