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Der Aufstieg des Bitcoin – Mögliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Staat

Über die letzten 2 Monate ist der Bitcoin-Kurs rasant angestiegen. War ein Bitcoin am Ende des Jahres 2012 noch knapp über 10€ Wert, wird dieser inzwischen für 27€, wenn nicht bald sogar 30€, gehandelt. Diese gestiegene Marktkapitalisierung erfreut natürlich die Anleger, macht jedoch auch die Regierungen und Offiziellen auf das Thema aufmerksam. Wie wird der weitere Kursverlauf des Bitcoin aussehen und welche Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft sind denkbar?

Anders als herkömmliche Landeswährungen ist der Bitcoin immun gegen Inflation. Trotzdem kann im Prinzip jeder, der über die nötige Hardware verfügt, Bitcoins auch einfach selbst generieren. Wie lassen sich diese scheinbaren Widersprüche zusammenbringen? Das lässt sich auch ohne größeres technischen Hintergrundwissen verstehen: Die Berechnung von Bitcoins erfolgt mihilfe eines speziellen Algorithmus, dessen Variablen in regelmäßigen Zeitabständen so angepasst werden, dass im Schnitt alle 10 Minuten 25 neue Bitcoins generiert werden. Alle 4 Jahre wird diese Menge an neuen Bitcoins zudem nochmals halbiert, sodass eine maximale Geldmenge von 21 Millionen Bitcoins nicht überschritten werden kann. Der Zuwachs an Bitcoins ist somit streng limitiert und im Voraus kalkulierbar. Die zukünftige Nachfrage hängt hauptsächlich von der Berichterstattung und öffentlichen Wahrnehmung rund um den Bitcoin ab. Da viele potentielle Nachfrager den Bitcoin noch gar nicht kennen, scheint ein weiterer Anstieg durchaus wahrscheinlich.

Eigenheiten des Bitcoin und ihre Bedeutung für den klassischen Geldtransfer

Bitcoins sind privates Geld und damit dem öffentlichen Zugriff weitgehend entzogen. Nicht der Staat steuert und kontrolliert die im Umlauf befindliche Geldmenge, sondern die Internetuser „produzieren“ und generieren ihr eigenes Geld. Aufgrund dieser Unabhängigkeit vom Finanzmarkt gelten Bitcoins in Zeiten wirtschaftlicher Krisen und globaler Ungerechtigkeit als demokratische Alternative. Die Zahlung mit Bitcoins ist praktisch, funktioniert schneller als auf dem üblichen Weg, ist – dank der Verschlüsselung – absolut fälschungssicher und: Sie erfolgt anonym. Der Zahlungsverkehr wird dezentral über das Bitcoin-Netzwerk abgewickelt, jede Zahlung ist eindeutig identifizierbar, trotzdem ist die Zuordnung zu einem bestimmten Absender oder Empfänger nicht möglich, sofern dieser seine Zahlungsadresse für sich behält. Das bedeutet auch, dass Bitcoin-Einkommen und ein möglicherweise in Bitcoin angehäuftes Vermögen dem Zugriff durch den Fiskus entzogen ist. Und das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange: Erste Online-Unternehmen wie z.B. das Internet-Archiv bietet seinen Mitarbeitern bereits jetzt die Möglichkeit, sich auf Wunsch in Bitcoins auszahlen zu lassen. Internet-Aktivisten gehen davon aus, dass die Bitcoin-Revolution gerade erst begonnen hat und in spätestens zehn Jahren ein großer Teil des Zahlungsverkehrs mit Bitcoins oder anderen Formen des „Kryptogeldes“ abgewickelt werden wird.

Der Bitcoin und das deutsche Steuersystem

Wenn sich der Bitcoin tatsächlich als gängige Währung etablieren kann, wären Steuerexperten gut beraten, sich frühzeitig ein paar Gedanken zu machen. Die Folgen für die öffentlichen Haushalte könnten nämlich ein durchaus dramatisches Ausmaß annehmen. Die persönlichen Steuern – Einkommensteuer, Kapitalertragsteuer, Lohnsteuer -, aber auch indirekte Steuern, wie Umsatzsteuer, machen einen Großteil der staatlichen Einkünfte aus. Beim Zahlungsverkehr mit virtuellem, anonymisiertem Kryptogeld können Einkommens- und Vermögensverhältnisse vom Staat nicht mehr offen eingesehen werden – der persönlichen Besteuerung, aber auch dem Transfer von Sozialleistungen wäre damit die Bemessungsgrundlage entzogen. Die Folge: Steuer- und Sozialsysteme müssten nach neuen Kriterien strukturiert, Besteuerungsquellen neu definiert werden. Im Netz wird in diesem Zusammenhang derzeit eine so genannte „Flat-Tax“ für Konsumgüter diskutiert. Ohne persönliche Steuern – so die Grundüberlegung – könnte das Steuersystem deutlich vereinfacht, bei einer entsprechenden Erhöhung der auf Konsumgüter erhobenen Mehrwertsteuer das Steuereinkommen der Staaten trotzdem in etwa stabil gehalten werden.

Solche Gedankenspiele sind weniger weit von der Realität entfernt, als man zunächst annehmen möchte. Unlängst hat die erste BTC-Börse Bitcoin-Central eine staatliche Lizenz erhalten. In wenigen Wochen werden die ersten Bitcoin-Konten eine eigene IBAN erhalten, während die Ausgabe der ersten Bitcoin-Debitkarten beginnt. Gleichzeitig wird die nicht enden wollende Euro-Krise mehr und mehr Aufmersamkeit auf alternative Währungen lenken. Je weiter der Bitcoin dabei mit positiver Berichterstattung in das Licht der Öffentlichkeit rückt, desto wahrscheinlicher ist auch ein weiterer Kursanstieg. Es bleibt also spannend.

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