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China erklärt Bitcoin zum legitimen virtuellen Gut – Preis stürzt ab.

Nun ist es wieder passiert: Der Bitcoin ist gecrasht. Am Donnerstag stürzte der Preis von einem Höchststand von bis zu 850 Euro ab. Am Freitag erreichte er Tiefwerte von unter 500 Euro. Der Crash folgte unmittelbar auf eine Mitteilung der Chinesischen Zentralbank. Aber was genau ist eigentlich passiert? Und was hat es zu bedeuten? Ist der Bitcoin jetzt in China verboten – oder richtet die Volksrepublik eine Bitcoin-Sonderwirtschaftszone ein?

Um zu verstehen, wieso es jetzt plötzlich hinab geht, muss man wissen, was den Kurs nach oben getrieben hat. Und allgemein gilt, dass der Höhenflug, der uns die vergangenen 40 Tage so entzückt hat, maßgeblich von China ausgegangen war. Nicht nur verzeichnen die Börsen in der Volksrepublik seit Monaten das höchste Handelsvolumen weltweit, sondern es schien auch so aus, als halte sich die Volksrepublik mit der Regulierung zurück, während es erste Anzeichen einer Akzeptanz des Bitcoins als Zahlungsmittel gab.

网民币 steht für Wangmimbi – „Die Währung der Netzbewohner“

Erst hatte das chinesische Staatsfernsehen in den offizielle Abendnachrichten vom Bitcoin ATM in Vancouver berichtet, ohne die üblichen Vorurteile – Kriminalität, Tulpenzwiebeln etc. – zu bedienen. Dann hatte er Baidu – das google Chinas – für einen Dienst Bitcoins akzeptiert, vor kurzem folgte die chinesische Telekom, die Bitcoins für eine exklusive Vorauslieferung neuer Samsung-Smartphones akzeptierte. Es sah gut aus im Reich der Mitte. Auch ein Statement des obersten Notenbankers der Volksrepublik gab dem Optimismus Nahrung: Yi Gang sagte, die oberste Bank Chinas könne Bitcoins in naher Zukunft unmöglich als legitimes Finanzprodukt anerkennen, doch als virtuelles Gut sollte die virtuelle Währung frei handelbar sein. Klingt doch nicht schlecht?

Chinas Zentralbank reguliert durch

Den Markt schockte es dennoch, als die Zentralbank am Donnerstag den Worten Taten folgen ließ. Sie schickte sämtlichen Banken des Landes eine Mitteilung, in der sie den rechtlichen Status des Bitcoin definierte: Er ist keine legitime Währung und soll und darf nicht als solche auf dem Markt zirkulieren. Banken und Zahlungsdienstleister dürfen in keinster Weise mit Bitcoins Geschäfte machen. Zugleich erklärte die Zentralbank aber, dass Bitcoins ein legitimes virtuelles Gut seien und dass sich die Börsen an sämtliche Geldwäsche- und Internetbestimmungen zu halten haben.

Der Kurs stürzte fast augenblicklich um 20 Prozent ab. Daran änderte es auch nichts, dass der Geschäftsführers von BTCChina – der weltweit umsatzstärksten Bitcoin-Börse – kommentierte, er begrüße den Vorstoß der Zentralbank: Regulierung sei gut fürs Geschäft. Am Freitag zeigte sich dann, wie schnell die Bestimmungen Wirkung zeigen. Die Börsen forderten ihre Kunden auf, sich zu verifizieren, die chinesische Telekom und Baidu stellten ihre Bitcoin-Akzeptanz ein. Der Kurs reagierte mit einem weiteren deutlichen Rückgang, der erst bei guten 500 Euro wieder einen Boden fand.

Es ist normal, dass Chinas Regierung einen neuen Markt umzäunt

Welches Ergebnis die Regulierung zeitigen wird, ist jetzt noch keinesfalls zu sagen. Einerseits muss man schon sehr optimistisch sein, um die Auflage, dass der Bitcoin nicht als Währung verwendet werden darf, positiv zu bewerten. Andererseits – was wäre anders zu erwarten gewesen? Dass China die üblichen strengen Währungsbestimmungen ausgerechnet beim Bitcoin lockert? Auch der Dollar ist in China als Währung verboten.

Das Verbot für Banken, mit Bitcoins Geschäfte zu machen, führt zu der Frage, ob die Börsen weiterhin mit Banken zusammenarbeiten können. Bisher scheint es in dieser Beziehung keine Probleme zu geben, es wird fleißig weitergehandelt, und weshalb sollten Banken nicht den Erwerb eines legitimen virtuellen Gutes ermöglichen?

Joseph Wang, ein Investmentbanker aus China, erklärte, wie er die Mitteilung versteht: Die chinesische Zentralbank habe grünes Licht für Bitcoins-Börsen gegeben. Die Regierung versuche jedoch, Bitcoin von anderen Teilen des finanziellen Systems zu separieren, so dass, falls es zu einem großen Crash kommt, der Schaden gering sein wird und keine anderen Wirtschaftszweige betrifft. Die Strategie, einen neuen Markt zu umzäunen, also eine Sonderwirtschaftszone einzurichten, sei ein Standardvorgehen in China. Für den Bitcoin ist dies wohl eine richtig gute Nachricht.

Oder war China nur ein Auslöser?

Zuletzt sei noch bemerkt, dass zwar der Anstieg zu einem großen Teil von China, der Sturz jedoch eher vom Westen ausging. Dies eröffnet zwei weitere Erklärungen für den Crash, welche die Position der chinesischen Zentralbank zum reinen Auslöser herabstufen. Zum einen war ein Wert von 850 Euro schon extrem hoch, und es ging verdammt schnell nach oben. Für viele zu schnell, trotz der enormen Fortschritte, die der Bitcoin gemacht hat. Die Medien haben zumindest hierzulande kräftig für den Crash getrommelt. Es lag schon eine gewisse Absturzstimmung in der Luft.

Zum anderen war ein Kurs von 800 Euro für viele eine gute Gelegenheit, zumindest teilweise zu verkaufen: Der Preis hatte sich innerhalb weniger Monate versechs- bis verachtfacht; wenn jeder nur soviel verkauft hat, um seinen Euro-Einsatz wieder herauszuholen, hätte dies den Kurs um 1/6 bis 1/8 gedrückt. Rechnet man hierzu noch die Dynamik des Marktes, ist man schnell bei einem Crash – auch ohne schlechte Nachrichten.

Also: Bleiben Sie ruhig. Es ist verständlich, wenn Sie sich ärgern, falls der Preis derzeit unter Ihrem Investment liegt. Aber dies ist nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Bitcoin-Crash. Die Entwicklung, die dem Bitcoin letztlich ihren Wert verleiht, ist ungebrochen. Dazu ein andermal mehr.

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