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Glanz und Elend

(c) Marianne J. / pixelio.de

Die letzte Woche war eine der dramatischsten seit langem. Es gab einen Bug in der Software, eine netzwerkweite DDoS-Attacke, gestoppte Auszahlungen auf fast allen Börsen und einen schmerzhaften Kurssturz. Der Versuch eines Fazits. Außerdem einige Updates: MtGox kündigt an, bald wieder Auszahlungen vorzunehmen, der Preis zeigt seit Sonntag-Nacht wieder klare Aufwärtstendenzen, und AZ Europe, ein Shop der so gut wie alles verkauft und auch nach Deutschland liefert, akzeptiert seit heute Bitcoins.

Bevor wir uns der vergangenen Woche zuwenden, habe ich noch eine hübsche kleine Neuigkeit: Der slowakische Online-Shop AZ Europe akzeptiert seit heute Bitcoins und liefert europaweit aus. Der Shop ist nicht allzu bekannt und wirkt auf den ersten Blick wie ein kleiner Bruder von Amazon bzw. wie ein osteuropäischer Quelle-Versand.

Es gibt so gut wie alles – Mode, Schmuck, Elektronik, Sex-Toys, Puppen, Bücher, Musik – allerdings sind die Preise laut einem von mir durchgeführten, extrem selektiven Vergleich extrem weniger Produkte teilweise um ein gutes Stück teurer als auf Amazon. Manchmal aber auch günstiger. In jedem Fall gibt es seit heute auch für Europäer richtig viel für Bitcoins zu kaufen. AZ Europe nutzt BitPay zur Abwicklung der Bezahlungen. Bislang ist die Option „Mit Bitcoin bezahlen“ nur im Einkaufswagen zu sehen; sie gilt nur für Produkte, die der Shop auf Lager hat.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob heute ein guter Moment ist, mit Bitcoins einzukaufen. Mit anderen Worten: Was ist vom Preis zu erwarten? Geht es (weiter) runter oder (endlich wieder) aufwärts? Damit wären wir bei Glanz und Elend der vergangenen Woche.

Elend

Um das ganze Elend der vergangenen Woche zu beschreiben sagt ein einziger Chart mehr als tausend Wörter:

Autsch! Es handelt sich hier um den 2-Jahres-Chart von MtGox. Er zeigt den Preis des Bitcoins in Dollar. Falls man ein Musterbeispiel für eine geplatzte Blase sucht – hier hat man es. Fast der gesamte Anstieg seit November vergangenen Jahres wurde innerhalb einer Woche kassiert. Man konnte in der vergangenen Woche nur staunenden Auges zusehen, wie eine nimmerendenwollende Verkaufsorgie den Preis tiefer und tiefer drückte, Stunde um Stunde.
Angefangen hatte alles damit, dass MtGox die Bitcoin-Auszahlungen stoppte (Freitag, 07. Februar) und am darauffolgenden Montag (10. Februar) bekanntgab, ein Bug der Bitcoin-Software verhindere die Auszahlung (siehe diesen und diesen Artikel). Seit diesem Moment sackte der Kurs bei Gox nach unten und erreichte mit 220 Dollar einen Tiefpunkt, den ich nicht für möglich gehalten hätte.

Glanz

Ein zweiter Chart zeigt hingegen den Glanz der vergangenen Woche:

Zu sehen ist der 2-Jahres-Kurs von Bitstamp, der mittlerweile wichtigsten Bitcoin-Börse für Dollar. Auch hier ist ein deutlicher Abstieg zu erkennen. Allerdings fällt dieser längst nicht so aggressiv aus wie bei MtGox. Er erreicht nicht mal den Tiefpunkt im Dezember, sondern hielt sich bis auf sehr kurze Ausnahmen über der 600-Dollar-Marke. So wie Bitstamp haben alle anderen Börsen, auch Bitcoin.de, die Stellung gehalten, während MtGox heillos abgeschmiert ist. Sofern Sie es mir erlauben, zu wagen, nach einer derart durchwachsenen Woche von positiven Ergebnissen zu schwadronieren, so möchte ich bemerken, dass diese riesige Differenz zwischen MtGox und allen anderen Börsen zeigt, wie sehr die Bitcoin-Ökonomie im Lauf der vergangenen acht Monate gereift ist. Heute ist es nicht mehr möglich, dass eine einzige Börse mit einem Amoklauf den Kurs crashen lässt und alle anderen Börsen mitzieht. Die Börsenlandschaft hat sich dezentralisiert, und dies sorgt für Stabilität.

Wieso?

Die Frage, die sich jetzt unbedingt stellt, ist diese: Wieso? Wieso hat der Kurs bei Gox einfach nicht aufgehört, abzustürzen, während andere Börsen diesem Druck nach unten widerstehen konnten? Schließlich stand MtGox mit dem Problem der Transaction Malleability nicht allein, was spätestens am Mittwoch klar wurde, als so gut wie alle Börsen die Bitcoin-Auszahlung aussetzen mussten, um die Systeme gegen die Transaction Malleability zu immunisieren.

Eine Antwort auf diese Frage habe ich nicht, aber ich bin sicher, sie wird uns noch beschäftigen. Das einzige, was ich anbieten kann, sind einige bestenfalls halbgare Spekulationen, die ich niemandem als genussreif verkaufen möchte.
– Vielleicht hatten die MtGox-Kunden endgültig genug. Die große Börse ist berüchtigt für ihre notorischen Verzögerungen von Fiat-Auszahlungen. Möglich, dass das Aussetzen von Bitcoin-Auszahlungen schlichterdings der eine berühmte Tropfen war, der das Fass zum Sie wissen schon brachte und in den Kunden das Bedürfnis weckte, einfach nur raus zu wollen. Raus aus MtGox, vielleicht raus aus dem Bitcoin.
– Die enorm tiefen Preise bei MtGox sollten eigentlich eine Einladung sein, Arbitrage auszuschöpfen. Sofern man erwartet, dass MtGox bald wieder Auszahlungen gestattet, wäre es ökonomisch blanke Torheit,  jetzt zu den aktuell unterirdischen Preisen zu verkaufen anstatt zu kaufen und teurer weiterzuverkaufen. Es scheint also, als würden die Kunden von MtGox der Börse nicht zutrauen, das Problem zu lösen.
– es geht die Panik um, MtGox wäre insolvent. Dieses Gerücht gibt es seit dem die US-Behörden Konten der Börse mit mehreren Millionen Dollar eingefroren haben. Nun hat MtGox bekannt gegeben, dass Nutzer wegen der Transaction Mallebility Einlagen doppelt auszahlen lassen konnten. Sollte die Börse schlicht nicht mehr die Bitcoins besitzen, um alle User auszuzahlen, wäre es eine logische Entscheidung, zu gruftigen Preisen zu verkaufen, um immerhin das zu retten, was zu retten ist. Zudem sind, wenn es zu einem Gerichtsprozess kommt, Euro- oder Dollar-Einlagen in der Regel sicherer bzw. besser beweisbar als Bitcoins.

Wie gesagt: Alles reine Spekulationen von meiner Seite.

Ausblick

Zum Abschluss habe ich noch zwei Updates zum Drama der vergangenen Woche:
Zum einen sieht es aus, als hätte der Kurs eindlich einen Boden erreicht. Seit Sonntag-Nacht steigen die Preise auf allen Börsen wieder. Auch auf Gox. Dort hatte der Euro-Preis ein neues Tief von 161 Euro (!!) erreicht. Mittlerweile steht er jedoch wieder bei fast 300 Euro, während sämtliche anderen Euro-Börsen knapp 500 Euro mit Tendenz aufwärts aufweisen. Update: Einen Tag später entpuppt sich dies jedoch als Wunschgedanke. Es geht seit- bis abwärts, auch wenn das Tief von Sonntag-Nacht bisher nicht wieder unterboten wurde.
Schließlich hat MtGox heute morgen eine weitere Pressemitteilung veröffentlicht. Darin schreibt die Börse, sie habe mithilfe ihrer „Freunde“ von Blockchain.info eine Lösung implementiert, die die betrügerische Manipulation von Auszahlungen verhindere. MtGox werde bald wieder Auszahlungen vornehmen, dies aber zunächst mit moderater Rate und täglichem / monatlichem Limit, um Probleme mit dem neuen System zu verhindern und Rücksicht auf die aktuelle Marktlage zu nehmen. Ein nächstes Update kündigt Gox für Donnerstag an.

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