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Mal wieder ein Update im Fall Mt. Gox

Schön wäre es, wenn es eine Wahrheit gäbe. Leider reicht es hier nur zu einer wilden Ansammlung neuer Gerüchte und Spekulationen. Immerhin ist – zumindest höchstwahrscheinlich – auch eine Aussage von Mark Karpeles dabei. Und der ist der einzige, der weiß, was wirklich passiert ist. Das wenige, was er verlauten lässt, wirft jedoch nur weitere Rätsel auf – und bestätigt Unglaubliches. Die Bitcoin Foundation distanziert sich derweil von Mt. Gox und bietet dem FBI ihre Hilfe an.

Es gibt nicht wirklich viel, was man mit Bestimmtheit sagen könnte. Der einzige, der die Wahrheit kennt, ist Mark Karpeles, und der schweigt. Vielleicht gibt es einige Mitwisser, aber auch diese schweigen. Immerhin ist klar, dass das gesamte Geld, das auf Mt. Gox war, zunächst nicht mehr erreichbar ist und es vielleicht nie wieder sein wird. Damit wird der Zusammenbruch von Mt. Gox zu einem der größten Geldgräber der jüngeren Vergangenheit. Die nun folgenden Neuigkeiten, die es seit Dienstag gibt, sind nicht auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Im Zweifel ist davon auszugehen, dass es hinter den vielen Schalen der Wahrheit anders aussieht.

  1. Auf der Homepage von Mt. Gox gibt es eine neue Nachricht. Diese ist, gelinde gesagt, nichtssagend: Mark Karpeles himself versichert, dass er noch in Japan ist und mithilfe verschiedener Dritter hart daran arbeitet, die Probleme zu lösen. Zudem bittet er darum, von Fragen an seine Mitarbeiter abzusehen. Diese seien instruiert worden, keine Antworten zu geben.
  1. Es gab ein IRC-Chat-Interview mit Mark Karpeles. Dieser ist kurz angebunden. Er kommentiert nicht, ob er Geschäftsführer von Mt. Gox bleibt, aber er sagt, dass er am folgenden Morgen einen Termin mit einem Anwalt habe und sich in Japan befinde. Als Beweis schickt er ein Foto von seiner Katze Tibanne auf der Tastatur seines Computers. Auf die Frage, ob das geleakte Dokument zur „Crisis Strategy“ korrekt sei, antwortet er, „mehr oder weniger“. Es sei ein Entwurf, nicht aus der Feder von Mt. Gox. Nach seinem persönlichen Vermögen gefragt, sagt Karpeles, alle Bitcoins, die er habe, seien in Mt. Gox und für ihn ebenso wenig verfügbar wie für die Kunden. Aber er habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Die Bitcoins seien, technisch gesprochen, nicht verloren, sondern „temporarily unavailable“.
  1. Was wahr ist, ist im Internet schwer zu sagen, da letztlich alles (bis auf den Bitcoin) aus reproduzier- und manipulierbaren Bits besteht. Wenn aber der Chat echt ist und Mark Karpeles darin nicht lügt, dann wäre die Lage tatsächlich die, dass Mt. Gox derzeit fast 750.000 Bitcoins nicht verfügbar hat. Was auch immer das heißen mag.
  1. Mit der Malleable Transaction ist dies nicht wirklich zu erklären. Zum einen wären Bitcoins, die durch eine Malleable Transaction gestohlen worden sind, weg und nicht „temporarily unavailable“. Zum anderen ist es schwer vorstellbar, dass man durch den Trick mit den manipulierten Transaktionen 750.000 Bitcoins aus Mt. Gox herausholen konnte. Noch 2012 hat Mark Karpeles bestätigt, dass 98 Prozent der Kundeneinlagen auf Mt. Gox in „cold wallets“ an verschiedenen Orten gespeichert sind. Das bedeutet, der private Schlüssel wurde ausgedruckt, vom Rechner gelöscht und in einen Safe gesperrt. Eine solche kalte Lagerung ist nicht zu hacken, auch nicht durch Malleable Transaktionen.
  1. Es gibt mehrere Erklärungsmodelle. Eines davon ist, dass die Cold Wallets auf eine gewisse Weise mit den Hot Wallets gekoppelt waren und demnach automatisch entleert worden sind. Aber dies ist technisch unwahrscheinlich. Gängiger ist die Vermutung, dass Mt. Gox bei der Überprüfung der Einlagen auf ein Problem mit den Cold Wallets gestoßen ist, das erheblich gravierender war als die Verluste durch die Malleable Transaction. Vielleicht sind sie auch an Orten, zu denen Mark Karpeles keinen Zugang mehr hat. Man weiß es nicht. Sollte es aber so sein, dann würde es bedeuten, dass die 750.000 Bitcoin nicht gestohlen, sondern vernichtet worden sind. Kurzum: Die Gesamtzahl Bitcoins wäre weiter gesunken. Für den Wert des einzelnen Bitcoins wäre dies nun nicht die schlechteste Nachricht.
  1. Heute morgen gab es aus Insiderkreisen noch eine weitere, spekulative Vermutung: Die 750.000 Coins sind seit langem verloren, nämlich seit 2011, als es den großen Bitcoinica-Hack gab. Mt. Gox handele seitdem auf Fractional Reserve, um das Blühen der Bitcoin-Ökonomie aufrechtzuhalten und in der Hoffnung, die Bitcoins durch Gebühren wieder einzuspielen. Dagegen spricht allerdings, dass Mark Karpeles nach dem Hack bewiesen hat, dass er die Bitcoins, um die es ging, noch hatte, indem er sie auf Ankündigung von Adresse zu Adresse bewegt hat. Zudem handelte es sich – anscheinend – nur um 40.000 Bitcoins.
  1. Der Mt. Gox Whistleblower The Two-Bit-Idiot hat einen weiteren Artikel gepostet. Er habe mit Insidern gesprochen und diese haben ihm bestätigt, dass Mt. Gox mit drei wohlbekannten Firmen aus Bitcoinland Übernahmegespräche geführt habe. Als diese jedoch von der Tragweite des Schlamassels gehört haben, hätten sie verlangt, dass Karpeles den Verlust öffentlich macht. Besagte Unternehmen hätten zudem andere Unternehmer, darunter die Bitcoin-Foundation, darüber informiert, wie viel Geld Mt. Gox wirklich verloren habe.
  1. Die Bitcoin Foundation zieht sich energisch von Mt. Gox zurück. Nachdem bereits der Foundation nahestehende Unternehmen in einer gemeinsamen Presseerklärung Mt. Gox des Missmanagements beschuldigt haben, hat nun Roger Ver, bekannt als „Bitcoin Jesus“, Mt. Gox das „am schlechtesten gemanagte Unternehmen der Welt“ genannt. Zudem hat Jon Matonis, Direktor der Foundation, gesagt, Mt. Gox sei gescheitert, weil die nötigen Aufsichtsregeln nicht befolgt worden seien. Eine Mitschuld treffe auch die japanische Regierung, die Mt. Gox nicht kontrolliert habe.
  1. Die Foundation hat zudem dem FBI ihre Hilfe bei Ermittlungen gegen Mt. Gox angeboten. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat bereits eine Vorladung an Mark Karpeles verschickt, das FBI erwägt noch, ob es ermitteln soll.
  1. In den USA hat Senator Joe Manchin III die Implosion von Mt. Gox mit zum Anlass genommen, ein Verbot des Bitcoins zu fordern. „Bevor die USA in diesem wichtigen Thema zurückfällt, fordere ich die Regulierer auf, zusammenzuarbeiten, schnell zu handeln und diese gefährliche Währung zu verbieten, bevor sie noch mehr hart arbeitenden Amerikanern Schaden zufügt.“
  1. Auch in Japan schalten sich die Behörden ein. Die Finanzaufsicht und nationale Polizei sammeln bereits Informationen. Allerdings wird ausdrücklich nicht von einem Kriminalfall gesprochen.
  1. Es gibt darüber noch Dutzende von Verschwörungstheorien. Eine geht etwa davon aus, dass die Mt. Gox fehlenden Bitcoins auf dem Konto von Dread Pirate Roberts sind, eine andere, dass die US-Regierung Mt. Gox in der Hand hat. Wem’s gefällt. Ob man jemals die Wahrheit erfahren wird, ist zweifelhaft. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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