Der Bitcoin-Preis ist ein wenig wie ein alpiner Skifahrer: Der Weg hinauf dauert lang, während die Abfahrt schnell vorbei ist. So ist der Bitcoin-Kurs in einem langen Weg der kleinen Schritte von Anfang Februar bis Mitte März von 200 auf fast 280 Euro gestiegen. Um von dort aus auf knapp 230 zu fallen, hat er dagegen nicht mal zehn Tage gebraucht. Woran lag’s?
Für ein paar Tage sah es so aus, als habe der Preis ein neues stabiles Plateau bei rund 280 Euro erreicht und würde, falls er sich bewegt, dem schon bald zwei Monate andauernden Trend nach oben folgen. War aber nichts. Stattdessen brachten die vergangenen acht Tage zwei Preisstürze mit sich: Einmal, am 18. und 19. März, von etwa 270 auf 240 Euro, und dann, am 24. und 25. März, von 250 auf etwa 225 Euro.
Der zarte Aufwärtstrend seit Mitte Januar bleibt damit zwar weitgehend erhalten. Aber die beiden Stürze zeigen, dass nicht viel Luft nach unten bleibt, um zurück in den Abwärtstrend zu fallen. Noch ein oder zwei weitere Einbrüche, und der lange Bärenmarkt ist zurück.
Die Gründe für die neuen Einstürze sind, mal wieder, schwer festzustellen. Selbstverständlich sinkt der Preis, wenn mehr Leute verkaufen als kaufen, aber das ist eine Binsenweisheit, die nicht wirklich weiterhilft. Es könnte sein, dass die Einbrüche aus dem bis dahin gesund aussehenden Anstieg vor allem ein Resultat der Hacks und Betrügereien der vergangenen Wochen sind. Wie schon berichtet ist der Darknet-Marktplatz Evolution mit Bitcoins im fünf- oder sechsstelligen Bereich verschwunden und coinapult sowie AllCrypt wurden gehackt. Letzte Woche kam dazu noch die Börse Cryptoine.
Da die Hacker in der Regel versuchen, die Bitcoins in Fiat-Geld umzuwandeln, schaffen solche Vorfälle einen steten Verkaufsdruck. Zwar wurden im Falle von Evolution die Coins zwar von Börsen identifiziert und abgelehnt, doch sie werden, in dieser oder jenen Form, doch ihren Weg auf den Markt finden und dort einen gewissen Verkaufsdruck erzeugen. Schlimmer noch als die tatsächlich verkauften Coins dürfte das Imageproblem sein, welches solche Hacks dem Bitcoin wieder und wieder bereiten: Wie soll man einer digitalen Währung vertrauen, wenn die Wallets immer wieder gehackt werden?
Um weitere Gründe zu finden, muss man nicht lange suchen. Möglich, dass verschiedene Altlasten weiterhin den Preis drücken – so hat etwa der Vorverkauf der Ethercoins Bitcoins im sechs- bis siebenstelligen Wert eingebracht, die nun ebenfalls (zumindest zum Teil) verkauft werden. In eine ähnliche Kategorie fallen die MtGox-Coins, von denen weiterhin niemand weiß, was aus ihnen wurde, die Coins diverser Betrügereien, etwa im Mining, oder im Altcoin-Handel.
Schließlich ist noch der fortlaufende Druck von der Verkaufsseite zu nennen, der durch das tägliche Mining sowie die merkwürdige „Bitcoin-Akzeptanz“ durch Dienstleister, welche Bitcoin direkt in Euro wechseln, entsteht. Geschätzt ist der Markt darauf angewiesen, dass täglich Bitcoins im Wert mehrerer Millionen verkauft werden. Und solange es keine adäquate Nachfrage gibt, wird der Preis nachgeben.
Anstatt zu fragen, warum Bitcoins verkauft werden, sollte man vielleicht eher fragen, weshalb nicht genügend Coins gekauft werden.

