Jeder Mensch ist eine Firma, und jeder Computer sein Angestellter. Die Vision, dass euer Computer ein Grundeinkommen erwirtschaftet, wird Wirklichkeit. Die Firma 21.co schafft dafür mit dem 21 Bitcoin Computer und dem 21 Bitcoin API Marktplatz wichtige Grundlagen.
Stellt euch vor, euer Computer verdient Geld. Das Mining ist eine Art Grundeinkommen, und durch die Anbindung an das Bitcoin Netzwerk kann der Computer flüssig und problemlos Geld verdienen, indem er leichte Aufgaben für andere erledigt. Die Idee ist, wie es auch Bosch-Forscher Weinberger sagt, dass das „Fog Computing“ übernimmt: weg von der Wolke, die Rechenleistung, Speicher und Dienstleistungen in einem Datenzentrum bündelt, hin zum Nebel, der diese Dinge in ein freies, ungebundenes Netz von privaten Computern auslagert.
Der 21 Bitcoin Computer soll diese Idee wahrmachen. Die Firma wurde im letzten Jahr gegründet und hat die irrsinnige Menge an 116 Millionen Dollar Venture Kapital bekommen. Die Idee des Startups ist es, einen Asic-Chip in alle mögliche Geräte zu bekommen, um diese minen zu lassen und damit einen konstanten Strom an Nano-Bitcoins zu erzeugen, die es für verschiedene Aufgaben nutzen kann. Da einer der Investoren in 21.co der Chiphersteller Qualcomm ist, kann man hoffen, dass das Startup mit seinem Chip tatsächlich einmal ein weites Spektrum an Geräte erreicht und damit ein riesiges Netzwerk im Internet-der-Dinge verbindet und finanziell unabhängig macht.
Bis jetzt ist das einzige Produkt von 21.co aber der 21 Bitcoin Computer. Dieser ist mit einem Asic-Chip und einem Software-Paket ausgestattet. Er richtet sich an Entwickler und soll diesen die Möglichkeit geben, mit der Idee von 21.co zu experimentieren.
Verdiene Geld mit pings
Ein erster Ansatz ist ein Marktplatz für pings. Für die, die nicht wissen, was ein ping ist: mit einem ping klopfen Computer über das Netz aneinander an und fragen, ob der andere erreichbar ist. Wenn Sie beispielsweise die IP-Adresse 85.3.93.45 „anpingen“, fragen Sie bei einem Bitcoin Unlimited Knoten in Suhr, Schweiz, an. Wenn die Adresse antwortet, wissen Sie: ok, hier ist jemand zuhause. Pingen ist etwas, das jeder Computer kann und darum ein gutes Beispiel, um zu demonstrieren, dass Computer mit kleinen Arbeiten Geld verdienen können.
Denn es gibt Dienstleister, die pings verkaufen. Zum Beispiel Pingdom. Diese Firma betreibt ein weltweites Netzwerk an Rechnern, die auf Wunsch eine Webseite von überall aus testweise anpingen. So kann man sehen, ob die Webseite weltweit eine konstante Performance liefert. Mit dem 21 Bitcoin Computer kann nun jeder diese Aufgabe übernehmen. Die Firma hat den Befehl 21ping integriert und die pings auf den 21 Marktplatz gestellt. Wer Statistiken über die Performance seiner Webseite möchte, kann die IP-Adresse auf den Marktplatz stellen und ein Stückchen Bitcoin dafür bezahlen, um Proben zu bekommen.
Ob das pingen profitabler als das Mining ist und wie sehr sich dies für die Betreiber der Computer lohnt, wird man sehen. 21 stellt dieses Beispiel auf seinem Blog vor, weil es einfach veranschaulichen soll, wie ein Computer mit APIs Geld verdienen kann.
Der 21 Marktplatz für APIs
Kurz davor hat 21.co seinen Marktplatz für APIs veröffentlicht. API bedeutet soviel wie „Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung“ und meint eine Art Scharnier, an dem die eine Software eine andere Software beauftragen kann, Daten zu liefern oder Befehle auszuführen. Wenn man etwa einen Trade auf bitcoin.de ausführen möchte, ohne eingeloggt zu sein, kann man die Trading-API von Bitcoin.de benutzen, um Bitcoin.de zu sagen, diesen oder jenen Trade zu machen.
Auf dem 21 Marktplatz für APIs kann man eine Vielzahl von API-Ausführungen auf den 21 Bitcoin Computer kaufen – oder mit diesem verkaufen. Derzeit gibt es etwa für ~1 cent je Call eine „Social Sentiment Analyses“, einen „URL tagger“, einen „URL Shortener“ und diverse Datenumwandlungen. All das ist natürlich erst der Anfang. Angedacht sind mehr Ideen, als ich hier wiedergeben kann: Die Vermietung von WLans, retweets, proxies, zusätzliche Rechenkraft und vieles mehr.
Das, was der 21 Bitcoin Computer und, vor allem, die dazugehörende Software-Umgebung macht, ist ungeheuerlich: Sie schafft eine Verwertungsplattform für die ungenutzte Rechenkraft der Computer. Ich selle mir hier eine Zukunft vor, in der ein Ingenieurbüro sich keinen Supercomputer kauft, sondern Fog Computer dafür bezahlt, Maschinen zu simulieren, und in der ich etwa meinen Computer dafür arbeiten lassen, dass meine Stadt die Taktung von Ampeln berechnet und so weiter.
Dass wir hier natürlich noch zahlreiche Sicherheits- und Vertrauensprobleme klären müssen, ist ebenfalls klar.
Derzeit noch exklusiv für 21 Bitcoin Computer, bald aber vielleicht für alle
Derzeit dürfen nur Besitzer des 21 Bitcoin Computers ihre Rechenleistung verkaufen. Dies freilich macht den Marktplatz kleiner, als er sein könnte. Allerdings fährt 21.co eben auch das „Apple-Prinzip“ – produziere Software, verkaufe Hardware. Um die Plattform derzeit zu finanzieren – um sie langfristig mit niedrigen Gebühren finanzieren zu können – muss die Firma die 21 Bitcoin Computer verkaufen.
Diese Computer haben einen integrierten Asic-Chips, der sozusagen ein leistungsloses Grundeinkommen durch das Bitcoin Mining darstellt. Dieses Grundeinkommen ist allerdings so gering, dass es vermutlich niemals den Preis des Geräts – 399 Dollar – rechtfertigen wird. Die geschürften Bitcoins stellen vielmehr eine Art Grundversorgung dar, mit der der 21 Bitcoin Computer von anderen Computern API Calls kaufen oder sich identifizieren kann.
Allerdings hat 21.co bereits angekündigt, künftig das Software-Packet, das auf den 21 Bitcoin Computern installiert ist, zum kostenlosen Download freizugeben. Mit diesem kann jeder einen Account bei 21.co eröffnen und mit der 21 API interagieren, um seine Computer-Dienstleistungen gegen Bitcoins zu verkaufen.
Payment Channels
Leser dieses Blogs wissen, dass wir seit langer Zeit eine „Scalability-Diskussion“ haben, die derzeit das – hoffentlich vorläufige – Ergebnis hat, dass Bitcoin nicht skalieren kann und – in seiner jetzigen Form – in keinster Weise geeignet ist für Micropayment. Wie aber kann 21.co den Bitcoin dennoch allen Ernstes fürs Micropayment der Maschinen nutzen wollen?
Das Zauberwort hier heißt Payment Channels. 21.co hat Payment Channels in die Software-Library integiert, die es zwei 21 Bitcoin Computern erlauben, sich vollkommen gebührenlos Kleinstbeträge zuzusenden. Dazu eröffnen die beiden Computer mit einer ersten Transaktion den Kanal, schicken danach, ohne echte Transaktionen, die Kleinstbeträge, und schließen den Kanal anschließend mit einer zweiten Transaktion. Dies scheint reibungslos zu funktionieren.
Die Einschränkungen sind, dass die erste Transaktion, je nach Eile, zwischen 1,2 und ~10 cent betragen sollte. Damit sich dies lohnt muss der gesamte Handel beider Parteien mindestens einen Dollar betragen. Dies, meint 21.co, sei nicht immer gegeben, könne aber künftig durch Architekturen wie das Lightning Network gelöst werden.

