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„Stell‘ dir als vor, es gäbe ein Metall, das so knapp ist wie Gold, aber die folgenden Eigenschaften aufweist …“

grey block pattern von public domain images via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Satoshi Nakamoto macht ein Gedankenexperiment und vergleicht Bitcoin mit einer langweiligen grauen Masse, die nur eine einzige, sehr spezielle Eigenschaft hat. Eine Analogie, die viel über das Wesen des Geldes aussagt.

Damals, 2009, in den dunklen, frühen Tagen des Bitcoins, wurde Satoshi Nakamoto auf bitcointalk gefragt, ob Bitcoin das Mises’sche Theorem der Regression verletzt. Das ist die etwas verquarzte Art, zu fragen, was Bitcoin einen Wert gibt.

Aber fangen wir von vorne an. Ludwig von Mises war ein 1881 geborener Wirtschaftswissenschaftler und einer der wichtigsten Vertreter der klassischen liberalen oder österreichischen Schule der Ökonomie. Mises war vor Hayek, und Hayek ist der Säulenheilige der Liberalen. Mises hat also über die Frage nachgedacht, weshalb Geld einen Wert bzw. eine Kaufkraft habe.

Hört sich blöd an, ist aber hochkompliziert und sauspannend. Denn das Problem ist: Während andere Dinge einen Wert bekommen, indem Leute ihnen einen subjektiven Wert beimessen – zum Beispiel schmeckt mir Lindt-Lindor-Schokolade so toll, dass ich dafür unverschämt viel Geld bezahle, obwohl sie, rein objektiv gesehen, nicht mehr wert ist als ein Stück Billigschokolade – während man also Konsumartikeln nach persönlicher Facon allerlei Werte verleiht, hat Geld keinen subjektiven Wert. Es wird ja nicht konsumiert. Abgesehen von einigen Sammlern wird man niemanden finden, der 20 Euro mehr Wert beimisst also eben 20 Euro.

Das klingt nun logischer als es ist. Denn wenn Geld nur den einen Wert hat, nämlich seine Kaufkraft, dann sind wir in dem zirkulären Schluss angelangt, dass die Kaufkraft des Geldes seine Kaufkraft erklärt. Mises‘ Theorem der Regression besagt nun, dass die Leute ursprünglich tatsächlich ein Gut gegen Geld getauscht haben, weil Geld für sie subjektiv betrachtet wertvoller war. Denn sie haben darauf vertraut, dass Geld auch zukünftig eine Kaufkraft haben wird, während Dinge wie Lindt-Lindor-Schokolade irgendwann schlecht werden. Sie haben den subjektiven Eindruck, dass Geld eine besonders konservierende Form der Werte sei.

Geld verhält sich demnach ursprünglich wie ein anderes Gut – es erhält seinen Wert durch eine subjektive Einschätzung seines Wertes. Dasselbe trifft auf den Bitcoin zu: Er verhält sich zunächst wie eine Ware. Er wird auf Börsen gegen Dollar oder Euro getauscht. Die Frage, die jemand auf bitcointalk gestellt hat, war jedoch: Wennn Bitcoin keinen eigenen Wert als Konsumgut hat – und das hat er wohl nicht – warum sollte jemand subjektive Gründe haben, Dollar gegen Bitcoin zu tauschen?

Satoshi antwortete darauf mit einer Analogie:

Re: Bitcoin verletzt nicht Mises‘ Theorem der Regression
Posted by satoshi, August 27, 2010, 05:32:07 PM

Stell‘ dir als ein Gedankenexperiment vor, es gäbe ein Metall, das so knapp ist wie Gold, aber die folgenden Eigenschaften aufweist:
– es ist langweilig grau
– es ist kein guter Leiter von Elektrizität
– es ist nicht besonders stabil, aber auch nicht geschmeidig oder leicht zu formen
– es ist nicht nützlich für irgendeinen praktischen oder dekorativen Zweck

Aber es hat die eine spezielle, magische Eigenschaft:
– es kann über einen Kommunikationskanal transportiert werden.

Falls es irgendwie und aus welchem Grund auch immer einen Wert bekommt, dann könnte jeder, der einen Wert über eine lange Distanz senden will, sich etwas davon kaufen, es dem Empfänger senden und dieser verkauft es. Vielleicht bekommt es zirkulär einen initialen Wert, indem Leute seine künftige Nützlichkeit für den Tausch voraussehen (Ich will auf jeden Fall etwas davon). Vielleicht entzünden Sammler oder ein zufälliger Grund den Kreislauf.

Ich denke, die traditionellen Qualitäten für Geld wurden in der Annahme festgesetzt, dass es so viele konkurrierende Objekte in der Welt gibt, die knapp sind, so dass ein Objekt mit dem automatischen Startvorteil eines intrinsischen Wertes sich mit Sicherheit gegen die durchsetzen wird, die keinen intrinsischen Wert haben. Aber ich denke, wenn es nichts in der Welt geben würde, das als Geld benutzt werden kann und einen intrinsischen Wert hat, nur knappe Objekte ohne intrinsischen Wert, dann würden die Leute dennoch irgendetwas als Geld benutzen (ich benutze das Wort knapp hier nur, um von einem begrenztes potenzielles Angebot zu reden).

 

 

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