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Craig Wright: Ich bin Satoshi!

Der Australier Craig Steven Wright verkündet, er sei Satoshi, und signiert in Anwesenheit mehrere prominenter Bitcoiner eine Nachricht mit einem Schlüssel von Satoshi. Ist die Identität des Bitcoin-Erfinders damit enthüllt? Oder ist alles nur ein genial eingefädelter Betrug? Und warum rennt die Bitcoin-Community nun vor Wut im Viereck? Es ist schwer, Antworten zu finden, die nicht in einer Verschwörungstheorie münden.

Es gibt Geschichten von mittelalterlichen Heiligen, die in ihren Dörfern Jahre lang verehrt, aber dann von den Bewohnern plötzlich totgeschlagen wurden, weil sie nicht den erhofften Segen auf die Ernte warfen. Ähnlich dürfte sich der Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto nun fühlen. Wenn er denn Craig Steven Wright ist.

Der Australier war bereits im Herbst 2015 in heftigem Verdacht, Satoshi zu sein. Allerdings gab es nur Vermutungen, die größtenteils verdächtig aussehen, und er tat nicht das, was als einziges Satoshis Identität beweist – nämlich eine Nachricht mit Schlüsseln zu signieren, die nur Satoshi haben kann – sondern verschwand zunächst. Nun ist er wieder da. Er bekennt nicht nur als erste Person der Welt öffentlich, Satoshi zu sein, sondern beweist dies angeblich auch:

Craig Wright (CSW) „Mein Name ist Craig Wright und ich werde nun eine Nachricht mit dem Schlüssel signieren, der mit der ersten Transaktion assoziert wird, die jemals mit Bitcoin getan wurde.“

Moderator: „Was ist mit dieser Transaktion? Welcher Name wird damit verbunden?“

CSW: „Der Name ist Satoshi Nakamoto.“

Moderator (bebt geradezu vor zurückgehaltener Aufregung): „Du wirst mir also nun zeigen, dass du Satoshi Nakamoto bist?“

CSW: „Ja. Manche Leute werden es glauben, manche nicht, und um ehrlich zu sein: Mir ist es egal.“

In dem sehr sehenswerten Interview sagt CSW, dass er ein Teil von Satoshi Nakamoto sei. Auf die Frage, warum er nun, nach so langer Zeit, seine Geheimhaltung aufgibt, gibt er eine recht konfuse Antwort: Er würde es vorziehen, weiterhin unbekannt zu sein, was auch sein Recht sei; er sei zwar stolz, Satoshi Nakamoto zu sein, dies bedeute aber nicht, dass er im Fernsehen umherhüpfen müssen. Ohne konkret zu werden, erklärt er, dass „wir“ versucht haben, gegenüber dem australischen Finanzamt die korrekte Summe an Steuern zu bezahlen. Ihm geht es nicht ums Geld, er wolle keine Hilfe. Nachdem der Moderator noch einmal nachhakt, warum er nun „entschieden“ habe, sich zu enthüllen, antwortet er:

Ich habe es nicht entschieden, es gibt Leute, die das für mich entschieden haben, und sie machen das Leben schwierig, nicht meines, sondern für meine Freunde, meine Familie und meine Mitarbeiter … ich mag es nicht, die Leute zu verletzen, um die ich mich sorge, daher mache ich das nun, und ich mache es einmal, und nur einmal, ich stelle mich einmal vor die Kamera, und ich werde niemals wieder, niemals!, wieder vor einer Kamera sein, für keinen TV-Sender.

Anschließend hat CSW vor der BBC-Kamera demonstriert, wie er eine Nachricht mit dem Genesis Block signiert.

Aber nicht nur das: Craig Wright hat in den vergangenen Monaten Gavin Andresen, Jon Matonis und Ian Grigg getroffen. Gavin Andresen ist ehemaliger Bitoin-Chefentwickler und leitender Entwickler von Bitcoin Classic; Jon Matonis ist ein Journalist und Finanzexperte, der einmal die Bitcoin Foundation geführt hat, und Ian Grigg ist ein bekannter Kryptograph, der auch schon frühzeitig mit Bitcoin zu tun hatte.

Jon Matonis schreibt:

Während der Londoner Beweis-Session hatte ich die Gelegenheit, die relevanten Daten auf drei Ebenen zu prüfen: kryptograpisch, sozial und technisch. Aufgrund dessen, wovon ich Zeuge wurde, glaube ich, dass Craig Steven Wright in allen drei Kategorien besteht. Als kryptographischen Beweis hat Craig in meiner Anwesenheit eine Nachricht signiert und verifiziert mit den privaten Schlüsseln der neu generierten Bitcoins von Block #1 und Block #9. Der soziale Beweis beinhaltet seine einzigartige Persönlichkeit, frühe Emails, die ich erhalten habe, und frühe Entwürfe des Bitcoin-Whitepapers. Weiterhin habe ich erschöpfende Erklärungen für meine Fragen erhalten, wie er die Domain bitcoin.org registriert hat und weshalb er zu so verschiedenen Zeiten auf bitcointalk gepostet hat. Hinzuzufügen ist, dass Craigs technisches Wissen rund um public key Kryptographie, Bitcoins Adress-System und den Proof-of-Work-Konsens in eine distributiven P2P-Umwelt sehr stark ist.Meiner Meinung  nach ist der Beweis schlüssig und ich habe keinen Zweifel, dass Craig Steven Wright die Person hinter der Bitcoin Technologie ist.

Ian Grigg schreibt:

Craig Wright hat sich eben als Leiter des Satoshi Nakamoto Teams geoutet. Ich bestätige, dass dies wahr ist, sowohl aus meinem Wissen und auf Basis von Beweisen. In einem Artikel erklärt Craig, dass Dave Kleiman ein Mitglied des Teams war. Auch das bestätige ich.Der Tod von Kleiman brachte das Team aus der Balance, und es machte das Leben der übrigen zu einer Art Hölle. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Satoshi-Erfahrung die Leute viel stärker geprägt hat, als man es sich von außen vorstellen kann – sie änderten sich, ihre Persönlichkeit wurde abgespalten, ihr Charakter geprüft, ihr Leben durcheinandergewirbelt. David Kleiman starb unter verdächtigen Umständen, eine Story, die noch zu erzählen ist.

Satoshi Nakamoto war das am besten gehütete Geheimnis der Kryptographie seit Enigma. Mehr als sechs Jahre lang wurde das Geheimnis gehütet von einer kleinen Gruppe von Unterstützung um das Team herum – für die Privatsphäre, die Sicherheit und aus Furcht. Irgendwann im Sommer 2015 begann das Geheimnis sich auszubreiten, und es war klar, was geschehen würde. Ein Erpresser und ein Hacker begannnen anzugreifen, vielleicht gemeinsam, ielleicht getreibt; and um es noch schlimmer zu machen, steckten Dr. Wright und seine Firma mitten in einem langen und bitteren Disput mit dem australischen Finanzamt …

Gavin Andresen erzählt:

Ich glaube, dass Craig Steven Wright die Person ist, die Bitcoin erfunden hat. Ich bin vor einigen Wochen nach London geflogen, um Dr. Wright zu reffen, nachdem mich eine einführende E-Mail-Korrespondenz davon überzeugt hat, dass es wahrscheinlich sit, dass ich mit derselben Person kommuniziere wie 2010 und 2011. Nachdem ich einige Zeit mit ihm verbracht hatte, bin ich über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt: Craig Wright ist Satoshi.

Einen Teil der Zeit haben wir für eine sorgfältige kryptographische Verifizierung einer Nachricht verbracht, die mit einem Schlüssel signiert wurde, den nur Satoshi besitzen konnte. Aber schon bevor ich Zeuge wurde, wie die Schlüssel signiert und auf einem sauberen Computer verifiziert wurden, der nicht manipuliert werden konnte, war ich sicher, dass ich neben dem Vater von Bitcoin sitze.

Während unseres Treffes erlebte ich einen brillanten, eigensinnigen, fokusierten, großherzigen – und auf seine Privatsphäre bedachten – Mann, der dem Satoshi entspricht, mit dem ich vor sechs Jahren gearbeitet habe. Er klärte viele Rätsel auf, auch, weshalb er verschwunden ist und womit er seit 2011 beschäftig war. Aber ich respektiere Dr. Wrights Privatsphäre und lasse ihn entscheiden, wie viel von seiner Geschiche er der Welt mitteilt.

Auf r/btc erzählte Gavin noch etwas genauer, wie der Beweis abgelaufen ist:

Craig signierte eine von mir gewählte Nachricht („Gavins Lieblingszahl ist elf. CSW“) mit dem privaten Schlüssel von Block Nummer 1.

Die Signatur wurde auf einen sauberen USB-Stick kopiert, den ich mit nach London gebracht hatte, und dann auf einem brandneuen Laptop mit einer neu heruntergeladenen Kopie von Electrum validiert.

Mir wurde nicht erlaubt, die Nachricht ode den Laptop zu behalten (Furcht, es würde vor der offiziellen Ankündigung geleakt).

Anschließend bracht die Hölle auf und r/bitcoin zeigte sich von seiner schlechtesten, allerschlechtesten Seite. Ein Mob, organisiert oder nicht, beherrschte sämtliche Thread in Bitcoins wichtigstem Forum, und jeder einzelne Thread hatte die Botschaft:

Craig Wright lügt und Gavin Andresen ist ein Lügner oder inkompetent.

Ein Thread nach dem anderen. Beschimpfungen gegen Gavin Andresen, Gründe, warum Craig Wright nicht Satoshi ist. Peter Todd setzte durch, dass Gavin der Commit-Access zu Bitcoin Core entzogen wurde, weil Gefahr bestand, dass Gavin „gehackt“ wurde. Selbst nachdem Gavin auf der Consensus-2016-Konferenz öffentlich, live und in Persona sagte, er sei nicht gehackt, sondern habe Craig Wright getroffen und halte ihn für Satoshi, wurde ihm der Zugang nicht zurückgegeben. Gregory Maxwell sagte in einem Chat, er halte es für unwahrscheinlich, dass Gavin den Zugang zurückerhalte.

Das, worüber reddit so tobt, ist die Tatsache, dass Craig Wright so einfach der ganzen Welt beweisen könnte, dass er Satsohi Nakamoto ist: er hätte die Nachricht nur öffentlich signieren müssen. Dass er das nicht tat – und zudem Gavin Andresen nicht erlaubte, den Laptop oder die Signatur zu behalten – ist für einen zunehmend durchdrehenden Mob genug, um eine Shitstorm gegen Craig und Gavin zu entfachen. Warum zum Teufel macht Craig Wright es nicht öffentlich? Und wie kann Gavin so blöd sein, der Story mit dem brandneuen Laptop zu glauben? Hat er die Signature geprüft, oder hat er sich wie ein Anfänger einlullen lassen?

Es gibt an dieser Stelle nur zwei Möglichkeiten, die all das Drama erklären:

So oder so – es gibt derzeit kaum eine Version möglicher Wahrheiten, die nicht in einer Verschwörungstheorie endet. Hoffen wir, dass es bald neue Hinweise gibt.

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