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Bitcoins werden verkauft bevor sie erzeugt sind, aber der Pessimismus der Trader ist übertrieben

Der kleinen Rally am 24. September ging nach einem Blitzstart rasch der Sprit aus. Der Kurs verfiel daraufhin wieder in seinen üblichen Abwärtstrend. Quellen: Bitcoin Wisdom

Was ist nur mit dem Bitcoin-Kurs los? Egal was passiert, er fällt, nun schon seit mehr als neun Monaten. Dabei ist die Bitcoin-Wirtschaft quicklebendig und der Bitcoin wird zu einer immer nützlicheren Währung. Was steckt also hinter diesem Kursrückgang? Eine kleine Analyse von ungünstigen Marktmechanismen. Oder: warum der Anstieg der Hashrate auf den Kurs drückt und weshalb der Pessimismus der Trader zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Die missglückte Rally vor einer Woche war passabel geeignet, um Hoffnungen auf einen besseren Preis zu zertrümmern. PayPal ist bekanntlich einen Schritt auf den Bitcoin zu gegangen, und das ist ohne jeden Zweifel eine gute Nachricht. Es zeigt, dass der Bitcoin nun offiziell ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel ist. Die Rally ist aber nach ein paar Stunden verhungert. Ein paar Tage später ist der Kurs wieder auf das Level gefallen, wo er davor stand, und ein paar weitere Tage später noch tiefer. Die Minirally hat lediglich vedeutlicht, wie fest der Bärenmarkt im Sattel sitzt.

Aber warum eigentlich? Denn die Wirtschaft um den Bitcoin herum gedeiht vorzüglich: Die Börsen professionalisieren sich, überall auf der Welt poppen ATMs auf, Investoren haben schon mehrere hundert Millionen Dollar in das Bitcoin-Ökosystem gepumt und immer mehr Shops akzeptieren den Bitcoin. Der Bitcoin ist so nützlich wie nie zuvor in so vielen Ländern wie nie zuvor, und er wird auch mehr benutzt als jemals zuvor. Das zeigt die Anzahl der Transaktionen, die munter steigt. Mittlerweile werden täglich knapp 80.000 Bitcoin-Transaktionen gemacht, es werden 150.000 bis 200.000 Adressen benutzt. Die steigende Nutzung des Bitcoins geht allerdings einher mit einem kontinuierlichen Verfall des Preises.

Nach neun Monaten kann man nicht mehr davon reden, dass es sich um eine Korrektur handelt oder dass Leute eben Gewinne abschöpfen. Dafür ist der Trend zu deutlich, zu stark und zu konstant. Da der Bitcoin als Produkt nicht schlechter, sondern besser geworden ist, müssen schief gewickelte Marktmechanismen verantwortlich sein.

Seit Anfang 2014 hat der Preis schon mehr als 400 Euro verloren. Derzeit befindet er sich kurz vor einem 10-Monats-Tief. Quelle: Bitcoin Charts

Wir haben hier schon öfters über zwei Mechanismen geschrieben, die den Preis drücken: Zum einen ist die florierende Bitcoin-Akzeptanz eine Pseudoakzeptanz, da die Bitcoins immer öfter direkt in Euro gewechselt werden, in der Regel von BitPay. Wenn man mit Bitcoins bezahlt, ist das oft dasselbe, als würde man die Coins verkaufen und dann damit shoppen gehen. Nur etwas bequemer. Zum anderen sind da die Miner, die am Tag rund 4.000 neue Bitcoins erzeugen. Wieviel sie davon auf den Markt werfen, ist unbekannt.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, kommt man aber zu dem Schluss, dass es noch viel schlimmer ist: Es werden nicht nur die frisch generierten Coins auf den Markt geworfen, sondern auch die Coins, die in Zukunft einmal erzeugt werden. Denn heute gewinnt man im Mining keinen Blumentopf mehr, wenn man nicht investiert hat. Entweder in Leute, die Miner kaufen und aufbauen (wie in Cloudmining-Provider) oder in einen Asic-Miner. So oder so muss man erst etwas investieren, bevor man dann Bitcoins erntet. Jedem einzelnen Gigahash, das der Hashrate zugefügt wird, ist eine Investition vorausgegangen.

Nichts in der Bitcoin-Ökonomie steigt so sehr wie die Hashrate. Quelle: Blockchain.info

Man darf nun davon ausgehen, dass ein großer Anteil dieser Investitionen in Bitcoins gemacht wird. Die Cloudminer oder Hersteller von Asics haben aber keine andere Wahl, als die eingenommenen Bitcoins sofort umzutauschen. Schließlich kann man mit Bitcoins weder Zulieferer noch Mitarbeiter noch Mieten noch Strom noch Bauteile bezahlen. Also wird jeder Satoshi, der investiert wird, um künftig Bitcoins zu minen, auf den Markt geworfen.

Von welchen Summen reden wir? Im Detail ist das schwer zu schätzen. Die Hashrate ist seit Januar 2014 von circa 10.000.000 Gigahash auf kurzzeitig 280.000.000 Gigahash gestiegen. Es gab also seit Januar Investitionen in 270.000.000 Gigahash. Bei den derzeitigen Anbietern von Asics bezahlt man je Gigahash zwischen 1 und 3 Dollar, im selben Preisraum bewegen sich die Cloudminer, und Mining-Contracts werden bei cex.io ebenfalls für etwa 1 Dollar gehandelt. Im Februar war ein Gigahash auf cex.io noch 10 bis 20 Dollar wert, im März und April noch etwa 5 Dollar und im Mai und Juli etwa 3 Dollar.

Wenn wir also konservativ davon ausgehen, dass die Hälfte der Gigahashes durch Bitcoins finanziert worden sind und einen Durchschnittspreis von 2,50 Dollar hatten, haben wir Ausgaben von rund 340 Millionen Dollar – ohne dass wir Strom und Miete berücksichtigt haben. Realistischer sind vermutlich Schätzungen von mehr als 500 Millionen Dollar. Auch Beträge von 800 Millionen oder einer Milliarde Dollar sind nicht auszuschließen.

Insgesamt haben wir also mehrere hundert Millionen Dollar an Verkäufen, bevor die Coins überhaupt geschürft sind. Dem folgen dann noch weitere Verkäufe, wenn die Miner Bitcoins finden (schließlich müssen sie auch Strom bezahlen). Und zuletzt haben wir die Zahlungsdienstleister, die direkt wechseln. BitPay hat im März bekanntgegeben, dass man am Tag etwa eine Million Dollar umsetze. Und umsetzen bedeutet in diesem Fall: Bitcoins gegen Dollar zu tauschen. Mittlerweile dürfte auch dies wesentlich mehr sein. Somit dürfte 2014 bereits einen systemischen Abverkauf von Bitcoins im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar gesehen haben.

Das Marktvolumen ist in derselben Zeit allerdings um mehr als 5 Milliarden gesunken. Selbst wenn wir sehr optimistisch rechnen, verursachen BitPay, die Miner und die Mining-Provider keinen Abverkauf in dieser Summe. Damit dürften die Trader die tatsächlichen Marktmechanismen vervielfältigen. Die Spekulation auf ein Sinken des Preises wird damit zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Ob sich dieses Szenario allerdings von selbst auflöst, oder ob die Trader dafür ein Signal benötigen, dass auf einen Wandel der Marktmechanismen hindeutet, ist ungewiss.

Immerhin scheint die Hashrate seit etwa zwei Wochen zu stagnieren. Wenn sich dies noch einige Wochen weiter fortsetzt, könnte dies ein solches Signal werden.

 

 

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