Nun hat auch Azu393, eigentlich ein leidenschaftlicher Miner, das Handtuch geworfen. Bei der gegenwärtigen Schwierigkeit ist Mining im Hochstrompreisland Deutschland einfach nicht mehr profitabel. In einem Gastbeitrag erklärt er, welche Überlegungen der Entscheidung vorangegangen sind.
von Azu393
Mining von Bitcoins im dritten Quartal 2014 – Ja oder Nein? Diese Frage muss sich wohl jeder Miner anhand seiner individuellen laufenden Kosten und dem immer niedriger werdenden Erlös in Bitcoin selbst beantworten. Auch meine „Miningkumpane“ und ich standen vor kurzem vor dieser Frage, da wir nicht mehr profitabel waren. Trotz relativ niedriger Strompreise und trotz des ständigen Verkaufs alter Hardware.
Wenn das Mining nicht mehr profitabel ist, hat man fünf Möglichkeiten:
- Weitermachen und ggf. Verluste einfahren?
Keiner kann sagen wo morgen der Bitcoinkurs stehen wird, es wäre also mal wieder reine Spekulation. Sicher ist aber, dass im nächsten Monat die Stromrechnung kommt und bezahlt werden möchte. - Die Hardware auslagern?
Einen günstigen Hostinganbieter für MiningHardware zu finden ist nichts Besonderes und sollte auch für den Laien machbar sein. Hierfür gibt es verschiedene Anbieter in den unterschiedlichsten Ländern und zu den unterschiedlichsten Preisen. Von Israel über Island bis nach Österreich steht jeder Ort zur Auswahl, an dem Strom günstig ist. Vor kurzem wurde gerade erst ein Wasserkraftwerk in Österreich zu einem kleinen „Miningtempel“ umgebaut. Dort locken Stromkosten um die 12 Cent. - Die Hardware kurzfristig einlagern?
Auch das ist eine Möglichkeit, welche sich schon mal zu Zeiten des GPU Minings als attraktiv herausgestellt hat. Wie viel Glück dabei war, steht sicher auf einem anderen Blatt. Bei den „modernen“ ASIC-Minern kommt dies aber aufgrund der extremen Schnelllebigkeit dieser Systeme und dem gebunden „Zweck“ auch eher weniger in Frage. GPU’s ließen sich im Zweifel ja noch für allerlei andere „Zwecke“ einsetzen, ASIC’s für das Bitcoin-Mining hingegen können wirklich nur SH256 Coins minen. - Ausstieg aus dem Mining inkl. dem Verkauf der Hardware.
Der wohl mit Abstand radikalste Schritt für einen Miner – die „Aufgabe“ des Minings. Sicherlich mag dieser Schritt für den ein oder anderen Miner „schrecklich“ klingen – jedoch muss man sich manchmal auch von „lieb gewonnen Dingen“ trennen, um schlicht das noch bestmögliche Ergebnis zu erzielen. - Neue Hardware.
Ein wesentlicher Punkt der seit langer Zeit sehr gut funktionierte: „Schmeiß‘ die alte Hardware raus und steig‘ auf neue, effizientere Hardware um.“ Leider bietet der Markt momentan wenig brauchbares, um damit wirtschaftlich „vernünftiges“ Mining zu betreiben. Sicherlich bieten einige Hersteller schon Hardware mit weniger „Durst“ nach Strom an – aber die momentanen Verbräuche liegen jenseits von „Gut und Böse“. Oder steht einfach nur der Bitcoinskurs zu tief? Das lasse ich mal so im Raum stehen.
Wie nun weitermachen? Meine „Miningkumpane“ und ich haben uns die aktuelle Lage auf einer sehr einfachen „Basis“ angeschaut. Wir haben uns bewusst auf 2 Parameter beschränkt:
- Der Bitcoinkurs ist seit geraumer Zeit sehr träge. Man könnte fast von einer Art „Trance“ sprechen – selbst die Nachricht, dass PayPal nun mit Zahlungsdienstleistern von Bitcoin zusammenarbeitet konnte den Kurs nicht nachhaltig aus seiner „Trance“ erwecken. Viel mehr als ein leichtes Strohfeuer war nicht zu erkennen.
- Die Difficulty: Seit die ASIC-Miner auf dem Markt sind, kennt sie kein Halten mehr. Das Netzwerk wächst seit Monaten zwischen 10 und 20 % etwa alle 2016 Blöcke (ca. 14 Tage). Das bedeutet nichts weiter, als das ein Miner der vor dem Sprung der Difficulty noch ~ 1 Bitcoin pro Woche schürfen konnte nach dem Sprung nur noch ~ 0,9 BTC schürfen kann. Dies war lange Zeit kein Problem, da der Bitcoinkurs brav mitgestiegen ist – wie bereits erwähnt befindet er sich momentan aber eher in einer Art „Trance“, was die Sache schwierig macht.
Relativ einstimmig haben wir uns für den radikalsten Schritt entscheiden:
„Ausstieg aus dem Mining inkl. dem Verkauf der Hardware“
Grundsätzlich hätte man die Hardware ins Ausland verlagern können, das halten wir aber derzeit für nicht sinnvoll. Unsere Priorität lag darauf, Liquidität zu erzeugen, auch deshalb war bzw. ist es einfach konsequent gewesen sich nun auch noch vom letzten Rest der Miner zu trennen. Mit dem langsamen Abbau haben wir zeitlich betrachtet etwa bei der WM 2014 begonnen.
Liquidität? Dazu später mehr.
Nach meiner persönlichen Meinung sind wir mit dem Verkauf der Miner noch sehr nahe am „sweet Point“ ausgestiegen, alle Zeichen für Hardwarepreise zeigten und zeigen immer noch deutlich gegen „Süden“. Nichts desto trotz konnten wir für die letzten Miner noch Preise von über 0,70 € pro GH/s realisieren. Da der Roi (Return on Investment) und die laufenden Kosten für die Miner schon gedeckt waren bzw. sind, ist dies für uns eine akzeptable Lösung.
Zitat eines anderen Miners, welcher ebenfalls seine Hardware verkauft:
„Woow… Guter Preis !!!“
Damit sollte er recht behalten, selbst in den großen Online-Auktions-Börsen, wo Mining-Hardware teils deutlich über dem „normalen“ Marktpreis verkauft wird, fiel der Preis für Hardware kurz nach unserem Verkauf auf etwa 0,4 bis 0,5 €. Nach Abzug von Gebühren bleibt da nicht mehr viel.
Am 23. September 2014 gegen Abend war es dann soweit – die Lichter im Serverraum wurden dunkel, die USV’s heulten zum vorerst letzten gemeinsamen „Gebet“ auf und die Belüftungsanlage lief langsam aus. Ja es herrschte eine ganz besondere Stimmung. Den diese Situation war „neu“ – bisher gingen zwar auch Miner vom Netz, es kamen aber immer wieder neue Geräte dazu. Man könnte sagen: „Die Miner kamen und gingen, wie selbstverständlich“. Einen wirklichen Mining „Stop“ gab es bisher jedoch noch nie.
Naja nun wollen wir mal nicht theatralisch werden, schauen wir mal was die Zukunft in Sachen Mining so bringen wird. Wir stehen dem Thema Mining weiterhin offen gegenüber, aber die Rahmenbedinungen müssen passen, ansonsten wird das Mining sehr schnell zu einem sehr teuren Hobby.
Noch in derselben „Nacht“ folgte dann der teilweise Rückbau und Umbau inkl. den zu erledigenden Wartungsarbeiten (z.B. das tauschen der Luftfiltermatten oder das Ersetzen einer defekten 315mm Turbine mit einer Leistung von ca. 2200m² pro Stunde) die eh fällig gewesen wären.
Aber momentmal – „Umbau“ ?
Ja ganz genau – es geht weiter, nur eben erst mal „anders“. Warum sollten wir einen prima Serverraum mit allem, was das „Herz“ begehrt, ungenutzt versauern lassen? Nein, das ist nicht unser Ding.
Bereits Anfang 2014 haben wir (mein Bruder und ich) damit begonnen, nebenher eine Tradingsoftware zu entwickeln. Dieses Gebaren stellte sich jedoch sehr schnell als fast schon „wahnsinnig“ hoch gestecktes Ziel heraus – „man hat ja schließlich auch einen gewissen Anspruch.“
Aber wie sagt man so schön, „der Mensch wächst mit seinen Aufgaben“. Die Software läuft mittlerweile nach sehr sehr vielen Stunden harter und nervenaufreibender Arbeitet und auch entsprechendem Leergeld so gut, das wir schon vom
„Ersatz des Mining bzw. vom neuen Mining“
reden.
Hier wird die anfangs angesprochene Liquidität nun eingesetzt, das „schürfen“ geht weiter – nur eben in einer etwas anderen Form – dazu ggf. mal in einem anderen Blog mehr.
Damit sollte die Frage: „Mining von Bitcoins im dritten Quartal 2014 – Ja oder Nein?“ zumindest in diesem Fall ganz klar mit „NEIN“ beantwortet sein.
Da ich immer wieder angesprochen werde, möchte ich abschließend noch ein paar Tipps und Bilder für „interessierte Miner“ zur „Hardware, Stromversorgung und dem Serverraum“ loswerden:
Es sind mir ein paar Ereignisse im Hinterkopf geblieben die man sicherlich nicht vergisst, bzw. Fehler die man nicht nochmal macht.
- Hardwarelager: Wenn du am Minen bist oder es einfach wichtig ist, dass die Hardware 24/7 lauffähig ist, dann bau‘ dir einen Hardwarebestand auf. Nichts ist ärgerlicher als ein kaputtes Netzteil, ein defekter Lüfter oder sonstige defekte Hardware am Samstag um 22 Uhr. Du wirst schlicht erst am Montag wieder etwas kaufen können. Je mehr du auf Lager hast, je besser wird es deinen „Nerven“ gehen.
- Stromversorgung: Je nachdem wo man wohnt und wie dort die Netzqualität ist, sollte man darüber nachdenken mit USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) zu arbeiten. Auf der Einkaufsliste ist das sicherlich kein besonders günstiger Punkt, besonders wenn die USV die Spannung anpassen soll. Aber seit dem bzw. durch den Einsatz von entsprechenden USV’s konnten wir die Hardwaredefekte sehr deutlich reduzieren. Ohne Werbung machen zu wollen, können wir die USV der Firma Bluewalker Model VI 3000RT LCD empfehlen. Dieser Hersteller ist sehr preiswert und bietet besten und extrem schnellen Support direkt aus Deutschland.
Hier nun ein paar Bilder rund um den Serverraum – bzw. den „heiligen Raum des Mining“, leider aus versicherungstechnischen Gründen nicht von Innen bzw. der Hardware.
Hier rechts ist die eigentliche Stromversorgung des Serverraums zu sehen. Abgesichert ist das ganze System mit 3 x 50A im Hauptsicherungskasten. Als kleine Besonderheit wurde hier ein Überspannungsschutz sowie ein digitaler Zwischenzähler verbaut. Des Weiteren wurde das System in 3 Teilbereiche mit jeweils eigenem FI (Fehlerstromschutzschalter) gegliedert (1 kleiner Bereich, 2 große Bereiche), dies hat den Vorteil, dass beim Auslösen des FI nur der entsprechende Teilbereich keinen Strom mehr erhält.
Weiter unten ist eine Dachfläche mit 2 „Hauben“ zu sehen – hierbei handelt es sich um die sog. „Abluft“. In jedem Kasten befindet sich je eine 315mm Turbine (siehe Beispielbild). Der kleine Kasten links bzw. das 160er KG Rohr bilden eine Art „Luftkanal“ ins Haus, sodass die anfallende Wärme zumindest teilweise genutzt werden kann. Selbstverständlich sind auch diese „Hauben“ gedämmt und damit extrem leise, trotz einer immensen Leistung.

