Website-Icon BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Brave – ein Browser, der den Usern Bitcoins auszahlt

Posing lion dad

Posing lion dad. Bild von Tambako The Jaguar via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Brendan Eich, ehemaliger Geschäftsführer von Mozilla und Mitentwickler von JavaScript, will die Netzwirtschaft revolutionieren. Sein Browser Brave soll nicht nur Werbung und Tracker blocken – sondern über eigens eingespielte Werbung Webseiten sowie Nutzer bezahlen. Natürlich in Bitcoins.

Vielleicht sollte man sich für den Anfang darüber klarwerden, um welche Summen es geht. Online-Werbung hatte laut Studien im vergangenen Jahr einen Umsatz von 150 Milliarden Dollar und wird voraussichtlich bis 2020 mehr als 200 Milliarden Dollar erreichen. Das ist der Markt, der google groß gemacht hat, und das ist der Markt, den Brendan Eich mit seinem Webbrowser Brave angreifen will.

Das Ziel von Eich ist nicht mehr und nicht weniger als eine der größten Umverteilungen, die die Netzökonomie bislang gesehen hat. Zunächst blockt der Browser mit dem Löwenlogo jede Art von Tracking-Software und Werbung. Dies macht schon mal das Surfen sicherer und schneller, ist aber noch dasselbe, als würde man Werbeblocker wie uBlock oder Ghostery verwenden. Brave soll jedoch einen Schritt weitergehen: der Browser ersetzt die geblockte Werbung durch eigene, saubere Werbung, die weder den Nutzer ausspioniert noch seine Bandbreite blockiert. Diese Option kann an- und abgeschaltet werden.

Die saubere, von Brave ausgelieferte Werbung soll eine bessere Netzwirtschaft hervorbringen: die Webseiten, deren Werbung ersetzt wird, sollen 55% der Einnahmen erhalten, der Rest geht zu jeweils 15 Prozent an die Macher von Brave, die die Werbung ausliefernde Firma sowie an die Nutzer. Da es sich um ein Geschäft mit globalen Kunden und anonymen Nutzern handelt, sollen diese Auszahlungen selbstverständlich über Bitcoins geleitet werden.

Der User hat zudem die Wahl, seine Einnahmen aus der Werbung zu nutzen, um andere Webseite zu bezahlen. So lassen sich zumindest Teile der Werbeeinnahmen an die Seiten umverteilen, die man besonders mag. Brave kündigt eine Umverteilung von prinzipiell 150 Milliarden Dollar an, was nicht nur massive Umleitungen der Kapitalflüsse bedeuten kann, sondern auch eine Abkehr des Modells „Der User ist nicht Kunde, sondern Produkt.“ Oder, wie es auf der Webseite von Brave heißt: der Browser „repariert das Netz“.

Brave ist freilich nicht der erste Versuch, Bitcoins zu nutzen, um die Kapitalflüsse im Netz umzuleiten. Es gibt bereits mehrere Tools, die man in den Browser installiert, um Werbung zu ersetzen und dafür Bitcoins zu bekommen. Allerdings hat sich keine dieser Lösungen durchgesetzt, vielleicht, weil die Werbung unterirdisch, die Einnahmen vernachlässigbar waren und es sich wie Diebstahl angefühlt hat. Wenn es Brave gelingt, sich als Browser bei einem Millionenpublikum durchzusetzen, ordentliche Werbung auszustrahlen und, vor allem: auch die besuchten Webseiten auszuzahlen, dann stünde einem solchen Modell jedoch nichts entgegen.

Mit einem ähnlichen Modell wartet SearchTrade auf. Die Suchmaschine, die ihre User mit Bitcoins fürs Suchen auszahlt, hat vor einigen Tagen im Beta-Modus gestartet. Mein erster Eindruck ist: man kann sie durchaus benutzen. Dank google-App liefert sie auch ordentliche Suchergebnisse. Allerdings sind die Ladezeiten etwas länger als bei google, und der Verdient beträgt etwa 1 cent am Tag, was sich nicht wirklich lohnt. Aber vielleicht muss sich SearchTrade auch zunächst noch durchsetzen. Bei derzeit 77 Nutzern hat die Metasuchmaschine Werbetreibenden noch nicht wirklich viel zu bieten.

Insgesamt sehen wir derzeit aber die Entstehung neuer Geschäftsmodelle, die vielleicht in einigen Jahren Normalität sind.

Die mobile Version verlassen