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Lisk – ein Blockchain-Projekt aus Aachen sammelt mehr als 5.000 Bitcoin ein

Eine Mainchain, unendlich viele Sidechains, Dapps, die mit Javascript geschrieben werden, ein neuer Consens-Algorithmus und eine begrenzte Menge Token – das ist Lisk, ein Blockchain-Projekt, das von einem Aachener Studenten mit gegründet wurde. Mit mehr als 5.000 durch den Vorverkauf der Lisk-Token eingenommenen Bitcoins hat die Mannschaft genügend Asche, um ihr Projekt die nächsten Jahre über durchzuziehen.

Eigentlich stehe ich gar nicht auf Pre-Sales von Token für ein Projekt, von dem man noch kaum etwas weiß, und tatsächlich bin ich auch diesmal kritisch. 5.000 Bitcoins, also fast 2 Millionen Euro, hat Lisk eingesammelt. Das ist schon recht viel für Token, die bislang durch gar nichts gesichert, auf keiner Börse gehandelt werden und zu nichts nutze sind. Der Pre-Sale geht in den nächsten Tage zu Ende, wer also noch mitmachen will, sollte sich beeilen. Ich habe auch Lisk-Token gekauft, der Neugier wegen – und das zur Information der Leser.

Max Kordek, CEO von Lisk.

Aber worum handelt es sich? Mit Lisk kann man, so die Webseite, dezentrale Anwendungen (dapps) in Javascript schreiben. Alle dapps laufen auf einer Sidechain der Lisk-Mainchain, die auf diese Weise sicher bleibt. Klingt ein wenig, als habe jemand die heißesten Trends der Kryptoszene zusammengewürfelt und sammelt nun Geld ein, um daraus etwas zu bauen. Heiße Luft – oder der nächste geile Scheiß und besser als Ethereum? Und gibt es Gründe, die eine so hohe Investition rechtfertigen – oder haben wir mit dem Token-Verkauf einfach nur ein neues Medium des Crowdfundings, das heißläuft?

Ich habe, um ehrlich zu sein, keine Ahnung. Nehmen wir mal Ethereum: Als die Jungs um Vitalik Buterin mehr als 10 Millionen durch den Pre-Sale der Ether eingenommen haben, war ich überzeugt, dass das viel zu viel für ein noch gar nicht existierendes System ist. Heute sind die Token eine Milliade Dollar wert. 2 Millionen Euro sind viel für ein System, das es nicht gibt – aber wenig für das, was aus dem Ding werden kann.

Offensichtlichen und absichtlichen Betrug können wir, immerhin, recht weitgehend ausschließen. Die Leute hinter Lisk sind bekannt, haben keine betrügerische Vorgeschichte und beim Presale hat ein Anwalt mitgeholfen, um Rechtssicherheit zu schaffen. CEO ist Max Kordek, Student des Elektroingenieurwesens an der RWTH Aachen, der schon bei Litecoin, NXT und Crypti beteiligt war. Sein CTO ist Oliver Beddow, ein erfahrener Entwickler, der ebenfalls in Crypti involviert war und in Großbritannien lebt. Rechtliche Beratung steuert Axel Hellinger von der Kanzlei Hellinger bei. Das klingt nicht nach dem Krypto-Allstar-Dreamteam, aber doch vertrauenswürdig.

101 aktive Delegierte

Lisk ist eine Art Ausgründung aus Crypti, einem Kyptowährungsprojekt, dem auch Max und Oliver angehört haben. Nach einem internen Streit haben sich die beiden von Crypti getrennt und ihr eigenes Ding gemacht. Die Gründe? „Wir haben das Team verlassen und Open Source Code benutzt. Einige Mitglieder waren wahrscheinlich einfach erstaunt, dass wir diesen Schritt gegangen sind,“ erzählt Max, „Wir sind diesen Schritt gegangen, weil einfach kein Fortschritt bei Crypti zu erkennen war. Lange Diskussionen und Foundation Wahlen haben alles in die Länge gezogen. Geldprobleme haben die Motivation bei vielen Mitgliedern ins Bodenlose sinken lassen.“

Oliver Beddow, CTO und Co-Gründer von Lisk.

Lisk erfindet das Rad nicht neu, sondern stellt sich, wie ein schöner Spruch sag, „auf die Schultern von Riesen“ – führt also bereits bestehende Entwickungen fort. Das Konzept beruht auf einer Kette von Kryptotechnologien, die breits durch Projekte wie NXT und Bitshares eingeführt wurden. Diese sind technologisch interessant sind, konnten aber wirtschaftlich nie durchstarten. Der „Delegated Proof of Stake (DPoS) Konsens Algorithmus“ wurde ursprünglich von BitShares entwickelt. „Das heißt, es gibt 101 aktive Delegates, die das Netzwerk sichern und neue Blöcke generieren. Das gesamte Netzwerk kann für die Delegates abstimmen und entscheiden, wer die 101 aktiven Delegates sein sollen. Gewählt wird über die LISK Tokens.“ Mining hält Max für „verschwenderisch“, es gibt andere, für ihn bessere Möglichkeiten, eine Blockchain zu sichern.

Das Ziel von Lisk ist es, dezentrale Anwendungen (dapps), wie sie Ethereum plant, über Javascript laufen zu lassen. Um dabei zu verhindern, dass der Code einer dezentralen Anwendung die Lisk-Blockchain gefährdet – so wie etwa Code-Injektionen in Kommentar- oder Kontaktfelder einen Server angreifen können – startet jede dapp auf einer eigenen Sidechain.  „Im Prinzip ist dies lediglich ein Eintrag in der Mainchain, der bezeugt, das die Sidechain existiert. Danach ist die Sidechain vollständig unabhängig von der Lisk Mainchain, d.h. für jede Sidechain müssen eigene Server bereitgestellt werden, die die Sidechain sichern und neue Blöcke generieren. Wenn jemand die LISK Tokens in der Sidechain benutzen möchten, müssen diese vom Nutzer von der Mainchain zur Sidechain transferiert werden.“

Alle Dapps auf ihre Sidechain

Die Sidechains funktionieren im Prinzip wie die Mainchain, allerdings ohne Voting, sondern mit Masternodes, die die Sidechains sichern. Für die Zukunft ist ein Marktplatz geplant, bei dem sich jeder als Masternode bewerben kann. Die Mainchain dient hingegen als sicherer Hafen und Anker, als Zentrum der Sidechains. In ihr laufen alle Sidechains zusammen, auf ihr können sich die User identifizieren, auf ihr werden die Lisk Tokens gesichert. Diese Architektur könnte es erlauben, verschiedene Stufen der Sicherheit und Dezentralität auf Sidechains zuzulassen und gleichzeitig eine sichere Mainchain zu wahren – wenn der Delegated Proof of Stake Algorithmus funktioniert wie geplant.

Dass mehr als 5.000 Bitcoin zusammengekommen sind und Lisk quasi über Nacht zu einem der bestfinanziertesten (teilweise) deutschen Blockchain-Projekte geworden ist, ist für Max natürlich eine erfreuliche Überraschung. „Mit dem Geld werden wir weitere Entwickler (für Core, Front end, Tools, Dapps), Designer und Community Manager einstellen. Außerdem werden wir eine Menge Geld ins Marketing stecken, damit wir die Aufmerksamkeit vieler JavaScript Entwickler auf uns lenken können,“ plant Max, „das ganze Projekt ist auf mehrere Jahre ausgelegt und das Geld gibt uns die Möglichkeit, Lisk ordentlich aufzuziehen.“

Dass Lisk ernstzunehmen ist, zeigen schon die ersten zwei Erfolge des jungen Blockchain-Startups: Microsoft hat Lisk in seine Azure-Cloud aufgenommen (in der derzeit eine Blockchain nach der anderen ein Plätzchen findet) und Lisk wurde zum Partner von Chainofthings, einem Lab für Blockchain und das Internet der Dinge.

Dieser Artikel ist in keinster Weise eine Investment-Empfehlung. Nein. Es gibt NULL Sicherheit und ein Investment in die Lisk-Token ist hochriskant und spekulativ.

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