Der größte Mining-Pool wird SegWit nicht aktivieren, solange Core keine Hardfork eingeplant hat. Der Chef von AntPool, Jihan Wu, bleibt damit dem Abkommen von Hongkong treu – droht aber, die Fortentwicklung des Bitcoins aufzuhalten. Ein anderer Core-Entwickler sorgt derweil für Verstimmung und Zweifel.
Für die einen ist es eine Geiselnahme, für die anderen das Bestehen auf ein Abkommen: AntPool-Chef Jihan Wu hat dem Bitcoin-Magazine erzählt, dass weder er noch andere chinesische Pool-Betreiber Segregated Witness (SegWit) in die Server einspielen werden, bevor Core eine Software veröffentlicht, die eine Hardfork enthält.
Eigentlich sollte dies keine Überraschung sein. Denn die Hardfork wurde von den Core-Entwicklern Peter Todd, Luke Dashjr und Matt Corallo während des Hongkong-Meetings für Juli versprochen. Geplant ist, im Juli eine neue Version zu veröffentlichen, die eine solche Hardfork enthält und Mitte 2017 aktiviert. Erst dann, so das Abkommen zwischen Core-Entwicklern und Minern, wird SegWit „in production“ genutzt.
Für Wu und seine Firma, Bitmain, gilt das Abkommen von Hongkong weiterhin. Im Februar haben sich die chinesischen Miner und einige Core-Entwickler getroffen, um den Blocksize-Streit beizulegen. Während der langen und zähen Verhandlungen haben sich die Miner verpflichtet, keine Software zu nutzen, die mit Core inkompatibel ist (zum Beispiel Classic), und Segregated Witness zu unterstützen. Im Gegenzug haben besagte drei Kernentwickler angekündigt, im April Segregated Witness zu veröffentlichen und bis Juli eine Hardfork vorzubereiten, die auch eine Erhöhung der Blocksize beinhaltet. Wu meint zwar, dass die Verspätung von SegWit ein Problem sei – und dass im Abkommen eine Veröffentlichung und kein Pull Request ausgemacht sei. Das Abkommen stelle dies aber nicht in Frage.
Über die geplante Hardfork ist bislang noch wenig bekannt. Nach einem Treffen in New York haben Luke Dashjr, Peter Todd und Matt Corallo mit der Idee, Asicboost auszuhebeln, für Wirbel in der Developer-Mailing-List gesorgt. Ansonsten ist bekannt, dass Luke Dashjr in Chats Unterstützung für die Hardfork sucht, während er selbst öffentlich bezweifelt, dass sie eine gute Idee ist. Von Peter Todd und Matt Corallo ist in dieser Hinsicht noch nicht viel zu hören. Die seit Jahren bestehende Hardfork Wish List könnte Anregungen geben.
Gregory Maxwell, Core-Entwickler und als CTO von Blockstream der Vorgesetzte von rund 10 Core-Entwicklern, hat derweil mit einem Beitrag in einem, nun ja: trolligen Thread auf bitcointalk für Ärger gesorgt: Er bezeichnete die drei Core-Entwickler, die sich in Hongkong zu einer Hardfork verpflichtet hätten, als „Vollidioten“, und nannte alle, die für eine „Hardfork um jeden Preis“ kämpften „Betrüger, Lockvögel und deren Opfer.“
Dies sorgte für eine irritierte Reaktion von Samson Mow, jenem Kanadier chinesischer Abstammung, der für BTCChina den Hongkong-Roundtable veranstaltet hatte. Als „Vater des Konsens von Hongkong“ fiel Mow eher unangenehm durch plumbe tweets auf, in denen er die Anhänger von Classic verspottete. Über Maxwells Kommentar war er „not amused“. Er twitterte, Maxwell müsse sich entscheiden, ob er Teil des Problems oder der Lösung sei. Was gerade ablaufe, fühle sich an, als hätten er und andere einen großen Haufen Sch***e weggeräumt, während Maxwell unterwegs war, und dieser käme zurück und meckere, dass noch ein Fleck übrig sei.
Auch andere Core-Entwickler wie Mark Friedenbach – ebenfalls bei Blockstream angestellt – halten den in Hongkong vereinbarten „Konsens“ für nicht gültig. Auf reddit erklärte Friedenbach wiederholt, dass das Abkommen nur von wenigen Core-Entwicklern unterzeichnet worden war und für niemanden, der nicht dort war, bindend sei.
Eine Lösung des leidigen Scalability-Problems rückt damit nicht unbedingt näher.
