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Accenture bricht Tabu und möchte editierbare Blockchain entwickeln

Eine Beratungsgesellschaft entwickelt eine bearbeitbare Blockchain. Was eigentlich nicht geht und nicht gehen sollte. Dennoch steckt hinter der Idee mehr, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.

Es kommt nicht oft vor. Aber manchmal ist sich die Kryptoszene einig. In dieser Woche war es so, als Accenture, eine riesige Beratungsgesellschaft, allen Ernstes ein Patent für eine Blockchain einreicht, die – obacht: „editierbar“ ist.

Wieso, in Satoshis Namen, möchte man sich stirnschlagend fragen, kommen die auf so eine Idee? Was soll das? Eine Blockchain ist ja gerade deswegen eine Blockchain, weil sie NICHT veränderbar ist. Das ist der Kern der Sache. Reddit bringt es mal wieder auf den Punk: Ein User, frei übersetzt, „Ok. Es ist eine Datenbank. Wir haben’s verstanden.“ Der andere: „Nein, das ist nicht irgendeine Datenbank! Das ist eine absurd teure und ineffiziente Datenbank.“

Dass Bitcoin.com die Idee für Quatsch hält, war klar. Etwas erstaunlich ist dagegen, dass sogar Reuters Verdacht schöpft: „Aber einige Techniker sagen, dass die Unveränderbarkeit ein Feature ist, das Blockchains einzigartig macht, und dass ohne sie der Begriff bedeutungslos wird.“ Hat Accenture einfach nicht verstanden, worum es bei Blockchain geht? Ist die Firma wie jemand, der Lastwägen nutzt, um Kutschen auszuliefern, und dann behauptet, er habe die Revolution der Individual-Mobilität begriffen?

Schauen wir uns das mal an. In der Pressemitteilung heißt es: „Accenture hat einen Prototypen einer Blockchain gebildet, die unter bestimmten, extraordinären Umständen editiert werden kann, um menschliche Fehler zurückzunehmen, rechtliche und regulatorische Bedingungen einzuhalten und Pech sowie andere Probleme zu lösen. Währenddessen behält die Blockchain ihre kryptographischen Eigenschaften bei.“

Für Accenture wertet die Änderbarkeit eine Blockchain auf: „Dieser Prototyp repräsentiert einen signifikanten Durchbruch für die gewerbliche Nutzung der Blockchain-Technologie, insbesondere durch Banken und Versicherungen sowie auf Kapitalmärkten.“ Zielgruppe der Erfindung sind „permissioned“ (geschlossene) Blockchains, „die durch Administratoren nach vorher vereinbarten Regeln verwaltet werden“. So lässt sich eine „Myriade von Risiken und regulatorische Anforderungen“ beherrschen.

Soso. An dieser Stelle muss man sich bewusst machen, dass das Editieren einer Blockchain nicht, wie viele meinen zu wissen, ein technisches Dilemma ist – sondern ein politisches. So gut wie niemand hat Zweifel, dass eine Blockchain in der Lage sein sollte, sich zu ändern, wenn ihr Überleben es erfordert. Auch Bitcoin hat 2010, nachdem er gehackt wurde, Transaktionen rückgängig gemacht. Und Ethereum hat ja erst vor kurzem geforkt, um die Folgen des DAO-Hacks aus der Welt zu schaffen.

Es geht also. Und zwar unter „besonderen, extraordinären Bedingungen“: Nämlich wenn sich alle einig sind. Die Knoten, die Entwickler, die Miner, die Börse, die Investoren. Einfacher hat es, wer, wie die von Accenture angepeilten Kunden, eine private Blockchain nutzt. Wenn man eine nach außen abgeschirmte, nur einem außerwählte Kreis zugängliche Blockchain verwendet, ist die Editierbarkeit gar kein Problem.

Hat Accenture damit also etwas erfunden, das es schon lange gibt? Nicht ganz. Denn dass bestehende Blockchains geändert werden können, ist zwar kein Bug, aber auch kein Feature, sondern eher eine technische Unvermeidbarkeit. Indem Accenture sie zum Feature erhebt, kann sie diese Eigenschaft verbessern.

Das Konzept ist, dass die Blockchain für die User durchaus unveränderbar bleibt. „Wenn notwendig können aber designierte Administratoren nach vereinbarten Regeln Blöcke von Informationen editieren, umschrieben oder entfernen, ohne die Kette zu brechen.“ Dies geschieht durch „eine neue Variation der sogenannten ‚Chamäleon‘-Hash-Funktion. Diese kann Algorithmen neu erzeugen, die zwei separate Blöcke durch sichere private Schlüssel verbinden.“

Blöcke und Informationen können in diesem Modell zwar nachträglich geändert werden, doch eine „unveränderbare Narbe“ weist dies nach. Damit ist eine solche Blockchain in gewisser Weise sogar besser gegen unerwünschte Veränderungen geschützt als die bestehenden Blockchains von Bitcoin und Ethereum, die Änderungen – wenn sie denn mal vorkommen – durch eine Neuorganisation der Blockchain vornimmt, so dass die Manipulation vielleicht gar nicht erkennbar ist.

Mit genaueren Informationen zum Aufbau dieser Blockchain hält sich Accenture allerdings zurück. Angemerkt wird lediglich noch, dass die Beratungsgesellschaft und der Co-Entwickler, Dr. Guiseppe Ateniese vom Stevens Institute of Technology, ein Patent auf die Erfindung angemeldet haben.

Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob die Welt wirklich braucht, was Accenture entwickelt. Aber ich finde sie an sich nicht uninteressant. Eine kryptographisch korrekte und nachweisbare Bearbeitbarkeit könnte hilfreich sein, um vergangene Transaktionen (oder Verträge) zu löschen und die Blockchain damit klein zu halten. Oder man könnte auch die Privatsphäre schützen, indem man alte Transaktionen einfach löscht. Aber vermutlich hat Accenture etwas anderes vor …

 

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