Wir habe mal wieder „Fee Event“: Es gibt mehr Transaktionen, als die Miner bestätigen können. Das nervt – aber mit den richtigen Methoden bekommen Sie Ihre Transaktion dennoch durch.
Wer in den letzten zwei bis drei Tagen versucht hat, eine Bitcoin-Transaktion zu versenden, hat eine gute Chance, Frust geerntet zu haben. Sie will einfach nicht bestätigt werden. Manch einer dürfte versucht haben, Bitcoins auf den Marktplatz Bitcoin.de zu senden, und hat dann Stunden damit verbracht, immer wieder zu schauen, ob sie endlich angekommen sind.
Tja. Es gibt derzeit einfach mehr Transaktionen, als die Miner in die Blöcke bringen können. Sonntag-Nacht ging es los: Der sogenannte Mempool – der Pool an unbestätigten Transaktionen im Arbeitsspeicher der Knoten – begann, anzuschwellen.
Schlange stehen
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichte der Mempool einen ersten Höhepunkt von etwa 60.000 Transaktionen oder gut 40 Megabyte.
Der Mempool wächst. Quelle: Tradeblock.com
Danach entspannte sich die Situation ein wenig, der Mempool sank auf etwea 30 Megabyte, viele am Sonntag oder Montag gesendeten Transaktionen wurden endlich bestätigt. Doch schon am Mittwoch-Nachmittag ging es wieder los. Gestern nacht hat der Mempool mit rund 80.000 unbestätigten Transaktionen ein Allzeithoch erreicht, heute beruhigt sich die Situation wieder etwas, auch wenn weiterhin rund 50.000 Transaktionen darauf warten, endlich in die Blöcke zu kommen.
Schön und gut. Was bedeutet das praktisch?
Zum einen bedeutet das, dass Sie unter Umständen sehr lange warten müssen, bis Ihre Transaktion bestätigt wird. Sie können sich das wie eine ewig lange Schlange an einem Amtsschalter vorstellen. Wenn in einem höheren Tempo Leute dazukommen, als die Beamten sie abarbeiten können, wird die Wartezeit immer länger.
Bei Bitcoin entscheided nicht eine Nummer, die man zieht, über den Zeitpunkt der Bestätigung, sondern die Gebühr. Die Miner können sich aussuchen, mit welchen Transaktionen sie den auf 1 Megabyte begrenzten Platz im Block füllen. Daher bestätigen sie natürlich die Transaktionen, die gemessen an ihrer Größe in Kilobyte die höchsten Gebühren bezahlen. Logisch. Die Folge ist, dass Transaktionen nicht nur langsamer, sondern auch teurer werden.
Ein Patentrezept, um Transaktionen bestätigt zu bekommen, gibt es unter diesen Umständen leider nicht. Ich habe mich beispielsweise an den durchschnittlichen Gebühren orientiert, die Tradeblock anzeigt und noch mal etwa ein Drittel draufgelegt. Das ging mächtig in die Hose und ich musste rund 48 Stunden auf meine Bestätigung warten.
Die optimale Gebühr
Viele Wallets errechnen die Gebühr automatisch. Etwa Electrum oder Mycelium. Die Algorithmen, die diese Wallets benutzen, sind zwar nicht perfekt, aber vermutlich besser als die Schätzung eines Laien. Dass Sie unter den gegebenen Umständen besser tun, eine höhere Gebühr auszuwählen, versteht sich von selbst.
Manche Wallet, wie der Client, erlauben es, die je Kilobyte zu bezahlenden Gebühren von Hand einzurichten. Wer sich ein wenig auskennt, kann so selbst die optimale Gebühr auswählen.
Der Bitcoin-Client hat die Option, die Gebühren je Kilobyte selbst einzustellen.
Einen Hinweis, wie viel man zu bezahlen hat, findet man auf der Webseite bitcoinfee.21.co. Die Gebühren-Ansicht stellt man am besten als mBTC je byte ein, weil man dann im Client dieselbe Zahl einfach als Bitcoin je Kilobyte eingegen kann.
Voraussichtliche Wartezeit bei Gebühren in Satoshi je Byte.
Wie dieser Chart zeigt, hat man gute Chancen auf eine Bestätigung im nächsten Block, wenn man 0,0008 – 0,0009 Bitcoin je Kil0byte bezahlt. Für eine normale Transaktion, die etwa 0,3 Kilobyte groß ist, ergibt das eine Gebühr von etwa 16 cent. Wer größere Transaktionen mit mehreren Inputs bildet, berappt locker auch mal 70-80 cent. Wer gar das Pech hat, ein Bündel von täglichen Auszahlungen von Cloud-Minern zu besitzen, darf sich nun kräftig über diese Gewohnheit ärgern.
Billig ist anders, aber solange es ein Ausnahmezustand bleibt, kann man nur empfehlen, in den sauren Apfel zu bleiben und zweistellige cent-Beträge zu bezahlen, um eine schnelle Bestätigung zu forcieren.
Und was wenn die Transaktion im Mempool hängt?
Tja. Wenn Sie zuwenig Gebühren mitgesendet haben, dann ist eine Möglichkeit, es auszusitzen. Irgendwann wird die Transaktion schon bestätigt werden. Das ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Die Bitcoins sind nicht verloren.
Wenn Sie es eilig haben, gibt es nun mehrere Möglichkeiten, die Bestätigung eventuell zu beschleunigen.
- Sie haben eine Wallet benutzt, die wie Electrum oder GreenAddress „RBF“ unterstützt. Mit diesen Wallets hat man die Möglichkeit, die Gebühr nachträglich zu erhöhen.
- Sie senden die Transaktion neu. Ob dies funktioniert oder nicht, hängt davon ab, ob wichtige Knoten im Netzwerk Ihre Transaktion noch im Mempool haben. Ironischerweise ist es nun von Vorteil, wenn die Gebühr deutlich zu tief war, da die Knoten dann eher die Hoffnung aufgeben, dass in absehbarer Zeit eine Bestätigung erfolgt, und die Transaktion löschen. Schauen Sie beispielsweise auf blockchain.info, ob Ihre Transaktion noch da ist. Wenn nicht, sollten Sie die Gunst der Stunde nutzen. Sie können Ihren Knoten neu synchronisieren (dann dürfte die Transaktion weg sein und Sie können sie nochmal senden), den privaten Schlüssel exportieren und beispielsweise bei blockchain.info importieren, den Seed (eine Passphrase aus 18 oder 24 Wörtern) aufschreiben und dann die Wallet löschen, neu installieren und den Seed eingeben. Wie es genau funktioniert, hängt davon ab, welche Wallet Sie bentzen. Google hilft Ihnen, vielleicht auch dieser kurze Guide.
Viel Glück!

