Stau auf der Blockchain: So bekommen Sie Ihre Transaktion dennoch bestätigt

Traffic Jam! Bild von hillman54 via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Wir habe mal wieder “Fee Event”: Es gibt mehr Transaktionen, als die Miner bestätigen können. Das nervt – aber mit den richtigen Methoden bekommen Sie Ihre Transaktion dennoch durch.

Wer in den letzten zwei bis drei Tagen versucht hat, eine Bitcoin-Transaktion zu versenden, hat eine gute Chance, Frust geerntet zu haben. Sie will einfach nicht bestätigt werden. Manch einer dürfte versucht haben, Bitcoins auf den Marktplatz Bitcoin.de zu senden, und hat dann Stunden damit verbracht, immer wieder zu schauen, ob sie endlich angekommen sind.

Tja. Es gibt derzeit einfach mehr Transaktionen, als die Miner in die Blöcke bringen können. Sonntag-Nacht ging es los: Der sogenannte Mempool – der Pool an unbestätigten Transaktionen im Arbeitsspeicher der Knoten – begann, anzuschwellen.

Schlange stehen

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichte der Mempool einen ersten Höhepunkt von etwa 60.000 Transaktionen oder gut 40 Megabyte.

der Mempool wächst. Quelle: Tradeblock.com

Der Mempool wächst. Quelle: Tradeblock.com

Danach entspannte sich die Situation ein wenig, der Mempool sank auf etwea 30 Megabyte, viele am Sonntag oder Montag gesendeten Transaktionen wurden endlich bestätigt. Doch schon am Mittwoch-Nachmittag ging es wieder los. Gestern nacht hat der Mempool mit rund 80.000 unbestätigten Transaktionen ein Allzeithoch erreicht, heute beruhigt sich die Situation wieder etwas, auch wenn weiterhin rund 50.000 Transaktionen darauf warten, endlich in die Blöcke zu kommen.

Schön und gut. Was bedeutet das praktisch?

Zum einen bedeutet das, dass Sie unter Umständen sehr lange warten müssen, bis Ihre Transaktion bestätigt wird. Sie können sich das wie eine ewig lange Schlange an einem Amtsschalter vorstellen. Wenn in einem höheren Tempo Leute dazukommen, als die Beamten sie abarbeiten können, wird die Wartezeit immer länger.

Bei Bitcoin entscheided nicht eine Nummer, die man zieht, über den Zeitpunkt der Bestätigung, sondern die Gebühr. Die Miner können sich aussuchen, mit welchen Transaktionen sie den auf 1 Megabyte begrenzten Platz im Block füllen. Daher bestätigen sie natürlich die Transaktionen, die gemessen an ihrer Größe in Kilobyte die höchsten Gebühren bezahlen. Logisch. Die Folge ist, dass Transaktionen nicht nur langsamer, sondern auch teurer werden.

Ein Patentrezept, um Transaktionen bestätigt zu bekommen, gibt es unter diesen Umständen leider nicht. Ich habe mich beispielsweise an den durchschnittlichen Gebühren orientiert, die Tradeblock anzeigt und noch mal etwa ein Drittel draufgelegt. Das ging mächtig in die Hose und ich musste rund 48 Stunden auf meine Bestätigung warten.

Die optimale Gebühr

Viele Wallets errechnen die Gebühr automatisch. Etwa Electrum oder Mycelium. Die Algorithmen, die diese Wallets benutzen, sind zwar nicht perfekt, aber vermutlich besser als die Schätzung eines Laien. Dass Sie unter den gegebenen Umständen besser tun, eine höhere Gebühr auszuwählen, versteht sich von selbst.

Manche Wallet, wie der Client, erlauben es, die je Kilobyte zu bezahlenden Gebühren von Hand einzurichten. Wer sich ein wenig auskennt, kann so selbst die optimale Gebühr auswählen.

Der Bitcoin-Client hat die Option, die Gebühren je Kilobyte selbst einzustellen.

Der Bitcoin-Client hat die Option, die Gebühren je Kilobyte selbst einzustellen.

Einen Hinweis, wie viel man zu bezahlen hat, findet man auf der Webseite bitcoinfee.21.co.  Die Gebühren-Ansicht stellt man am besten als mBTC je byte ein, weil man dann im Client dieselbe Zahl einfach als Bitcoin je Kilobyte eingegen kann.

Voraussichtliche Wartezeit bei Gebühren in Satoshi je Byte.

Voraussichtliche Wartezeit bei Gebühren in Satoshi je Byte.

Wie dieser Chart zeigt, hat man gute Chancen auf eine Bestätigung im nächsten Block, wenn man 0,0008 – 0,0009 Bitcoin je Kil0byte bezahlt. Für eine normale Transaktion, die etwa 0,3 Kilobyte groß ist, ergibt das eine Gebühr von etwa 16 cent. Wer größere Transaktionen mit mehreren Inputs bildet, berappt locker auch mal 70-80 cent. Wer gar das Pech hat, ein Bündel von täglichen Auszahlungen von Cloud-Minern zu besitzen, darf sich nun kräftig über diese Gewohnheit ärgern.

Billig ist anders, aber solange es ein Ausnahmezustand bleibt, kann man nur empfehlen, in den sauren Apfel zu bleiben und zweistellige cent-Beträge zu bezahlen, um eine schnelle Bestätigung zu forcieren.

Und was wenn die Transaktion im Mempool hängt?

Tja. Wenn Sie zuwenig Gebühren mitgesendet haben, dann ist eine Möglichkeit, es auszusitzen. Irgendwann wird die Transaktion schon bestätigt werden. Das ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Die Bitcoins sind nicht verloren.

Wenn Sie es eilig haben, gibt es nun mehrere Möglichkeiten, die Bestätigung eventuell zu beschleunigen.

  • Sie haben eine Wallet benutzt, die wie Electrum oder GreenAddress “RBF” unterstützt. Mit diesen Wallets hat man die Möglichkeit, die Gebühr nachträglich zu erhöhen.
  • Sie senden die Transaktion neu. Ob dies funktioniert oder nicht, hängt davon ab, ob wichtige Knoten im Netzwerk Ihre Transaktion noch im Mempool haben. Ironischerweise ist es nun von Vorteil, wenn die Gebühr deutlich zu tief war, da die Knoten dann eher die Hoffnung aufgeben, dass in absehbarer Zeit eine Bestätigung erfolgt, und die Transaktion löschen. Schauen Sie beispielsweise auf blockchain.info, ob Ihre Transaktion noch da ist. Wenn nicht, sollten Sie die Gunst der Stunde nutzen. Sie können Ihren Knoten neu synchronisieren (dann dürfte die Transaktion weg sein und Sie können sie nochmal senden), den privaten Schlüssel exportieren und beispielsweise bei blockchain.info importieren, den Seed (eine Passphrase aus 18 oder 24 Wörtern) aufschreiben und dann die Wallet löschen, neu installieren und den Seed eingeben. Wie es genau funktioniert, hängt davon ab, welche Wallet Sie bentzen. Google hilft Ihnen, vielleicht auch dieser kurze Guide.

Viel Glück!

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13 Comments on Stau auf der Blockchain: So bekommen Sie Ihre Transaktion dennoch bestätigt

  1. Neben RBF gibt es eine weitere Möglichkeit eine hängende Transaktion schneller bestätigen zu lassen (wenn man im Besitz des private Key der Zieladresse ist): CPFP

    Child-pays-for-parent:
    Einfach die unbestätigten Coins mit einer hohen Gebühr an eine weitere Adresse weitersenden. Die Gebühr sollte so hoch bemessen sein, dass damit auch die erste hängende Transaktion als high-priority eingestuft wird.
    Schlaue Algorithmen einiger Mining-Pools werden dann trotz einer zu niedrigen Gebühr bei der ersten (Parent) Transaktion, beide Transaktionen im Block integrieren, wenn die nachfolgende Transaktion (Child) für die vorherige mitbezahlt.

    • geht nur wenn die transaktion Wechselgeld hatte (hat sie meistens).

      Außerdem muss man eine richtig hohe Gebühr drauflegen. Ich habe es mit einer steckengebliebenen Transaktion versucht, vergeblich.

      Glaube nicht jeder Mining-Pool erkennt das.

  2. Eine erschreckende Entwicklung, welche Bitcoin zunehmend konkurrenzunfähig macht.

    • Zum Arsch ablachen. Echt. Geradezu ironisch, dass gerade die Ungeduldigen, die so dringend und schnell und auch ohne Konsens Veränderung durchboxen wollen, das SegWit Minderheiten-Veto toll finden und nun ein “Fee Event” zum Anlass nehmen, um die “erschreckende Entwicklng” zu beklagen.

      Ach, ich vergaß, es geht ums Prinzip und nicht um Vernunft…

      • Erschreckend finde ich auch, dass es Nutzer gibt, welche anderen Nutzer stalken, beleidigen und irgendwelche haltlosen Dinge unterstellen.

  3. Wir sollten nicht vergessen, dass Bitcoin Mining langfristig über Transaktionskosten finanziert werden muss.
    Eine beliebige Erhöhung der Blockgröße ist dabei ebenso schädlich, wie eine Limitierung – wenn zu groß, bestimmen die Miner, welche Transaktionen sie in die Blöcke machen. Anders als heute können sie den Block nicht mehr voll machen, da sie sonst ihre Einnahmen kaputt machen würde. Es gäbe ebenso keine Gewissheit, ob die Transaktion eingetragen wird.

    Bleibt also die Frage nach der optimalen Größe:
    In einem dynamischen System, wie der Bitcoin es ist, ist es kaum möglich, vor allem in anbetracht eines erwünschten Wachstums, die optimale Blockgröße zu bestimmen. Ständige Hardforks zum Verändern der Blockgröße sind sicher keine Lösung, da gibt es auch zu viele verschiedene Interessen. Ob es sinnvoll ist, mit BU die Entscheidung den Minern zu überlassen, erscheint mir zumindest gefährlich, da diese ja ihre Einnahmen pro Block maximieren möchten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies tatsächlich, langfristig die Kosten senkt.

    Ich glaube, dass wir uns, egal wie die Entwicklung weiter geht, langfristig ‘on chain’ auf steigende Transaktionskosten einstellen müssen.

    • Paul Janowitz // 25. November 2016 at 14:37 // Reply

      Dass ein Miner entscheidet, welche Transaktionen er in den Block aufnimmt und welche nicht ist doch Kern des Bitcoins, schon immer. Die Miner sichern das Netzwerk und werden dafür entlohnt. Zunächst durch den Block Reward, da anzunehmen war, dass es sonst anfangs sicher kaum Anreize für Mining gegeben hätte, dann zunehmend über Fees.

      Wenn ein Miner frei (im Rahmen, z.B. max doppelt, min halb so groß wie der Median der letzten 100 oder 1000 Blöcke) entscheiden kann, wie groß sein Block wird und welche Transaktionen er bestätigt. Es wird sich zwangsläufig ein Gleichgewicht einpendeln, jeder Miner (oder Pool) kann dann für sich entscheiden, z.B. ob er nur tx fees > 0.001 BTC nimmt, oder z.B. 80% der teuersten tx fees im mempool, oder so viele teuerste tx bis er 1 BTC voll hat, etc.
      Vielleicht werden sich auch hin- und wieder Idealisten finden, die Transaktionen auch ohne fee bestätigen, aber who cares? Da Mining Geld kostet, werden zumindest Pools ganz genau berechnen, was sich _langfristig_ am besten rechnet und was die Nutzer auch akzeptieren.

      Als Nutzer kann man dann anhand der letzten Blöcke ganz gut abschätzen, welche fee man mindestens nehmen sollte, um schnell bestätigt zu werden.

      • Paule, die variable Blockgroesse hätte vielfache, tiefgreifende Auswirkungen, gut, das du sie ALLE ueberblickst.
        (Simon erwähnt ein paar davon.)

        Und ja, die häufige Benutztung des Wortes “Median” beweisst wie kompetent du bist.

        —-
        “…Besser geht es da Dilletanten: Sie haben so wenig Ahnung, dass sie noch micht mal wissen, dass sie ahnungslos sind. – Das gibt einem genügend Selbstvertrauen, um alles zu verbessern. Bis man merkt, dass man die Karre gegen die Wand gefahren hat…”

        “Und sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen und schrieen sich zu ihre Erfahrungen,
        wie man schneller sägen könnte, und fuhren mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen, Schüttelten die Köpfe und sägten weiter.”

      • Paul Janowitz // 25. November 2016 at 17:31 //

        @Name
        Da seit Jahren nicht alle Blöcke gefüllt sind, haben wir bereits eine Art variable Blockgröße lange erprobt. Monero übrigens auch und eine tx Spam Attacke wie wir sie aktuell bei Bitcoin haben, hatte dort keinerlei Auswirkungen für Nutzer.

        Was sind denn die tiefgreifenden Auswirkungen?
        Wie wäre es mit fundierten Argumenten statt themenrelevanten Zitaten?

    • Name required // 25. November 2016 at 16:03 // Reply

      Es gibt auch noch viele andere Coins, deren Blockchain noch nicht so überlastet ist und die zudem noch schneller sind: Litecoin, Mooncoin, Gulden etc.
      Es würde Sinn machen, diese für kleine, schnelle und günstige Transaktionen zu nutzen.
      Ethereum und Co sind doch für den reinen Wertetransfer schon viel zu überladen und verkopft. Der einfache User versteht ja schon Bitcoin noch nichtmal richtig. Wenn dann noch nichtmal die Transaktionen in einer vernünftigen Zeit und zu angemessenen Kosten (derzeit maßlos überteuert), dann kann man Bitcoin wohl nur noch als Wertespeicher (à la Gold) nutzen und den Rest für den Alltagsgebrauch.

      Insofern ist die aktuelle Lage vielleicht gar nicht schlecht für die (einfachen) Altcoins, auf die man sich wieder stärker besinnen sollte.

  4. Einfach ein ordentliches Wallet benutzen. Das schaut sich die Transaktionen im Mempool an und schlägt eine passende Gebühr vor. Ist ein echter No-Brainer. Fire & Forget.

    Was möchte der TX-Spammer wohl erreichen…?

  5. Name required // 25. November 2016 at 16:40 // Reply

    Eine “passende” Gebühr für die Miner oder eine passende Gebühr für die Transaktion bzw. die Benutzung? Nur weil die Wallet ~2 Euro für einen Überweisungsbetrag von EUR 100,- anzeigt, ist das keine “passende” Gebühr, obwohl sie den Minern sicherlich sehr gut paßt …

  6. Benjamin Bitcoin // 26. November 2016 at 13:55 // Reply

    Auf dem Bild erkenne ich keinen Stau sondern einen Schrottplatz.

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